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Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 26.05.18 21:14
Edit 24.06.2018


Abgaben:



Die Abstimmung geht wie immer 7 Tage bis zum 01.07.2018... etwa 13:00 Uhr

Hallo Leute!

Das Voting hat entschieden. Das Thema für den nächsten Wettbewerb im Mai/Juni steht fest.

Hier nun die wichtigsten Fakten:
Die Geschichte ist bis zum 23.06.2018 23:59 Uhr einzureichen.
Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
http://anime.forumieren.de/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe


Das Thema ist ... etwas anders als sonst, denn dieses Mal soll eine Geschichte zu folgendem Bild verfasst werden:


Fire-raiser by 88grzes
https://88grzes.deviantart.com/art/Fire-raiser-102469091





Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!
Zu gewinnen gibt es wie immer hübsche Abzeichen! Wieder einmal wunderschön hergestellt von @Mithras :
- Wird später hinzugefügt -


Zuletzt von Akeem am 24.06.18 13:04 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Philodoof
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 26.05.18 21:59
Ich habe das Bild nicht als eine zerstörte Stadt interpretiert, ist das ein Problem?
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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 26.05.18 23:20
Nein, natürlich nicht.
Ihr könnt das interpretieren wie ihr wollt. ZERSTÖRTE STADT ist mehr der Name des Wettbewerbs und nicht das Thema.

Hab ich nur hingeschrieben, damit man den Thread später wiederfindet, wenn wir mehr mit Bildern machen sollten. Sonst heißen die alle irgendwann BILD1 BILD2 BILD3
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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 24.06.18 12:55
Das gebrannte Kind



Tawnya Millbrooke stand auf einem Felsvorsprung einer kleinen Bergkette im Norden des gemeinhin als Pharma City bezeichneten Stadtteils und schwenkte dabei den Überrest ihrer Besenstielfackel wie zum Abschied, während ihr Tränen über die Wangen kullerten. Das Feuer hatte sich längst auch auf Nachbargebäude ausgebreitet…Unschuldige würden sterben…Kinder würden vielleicht sterben…schoss es ihr immer wieder durch den Kopf. Ihr Griff um die Fackel verfestigte sich, obwohl die Flammen mittlerweile schon so weit heruntergebrannt waren, dass sie an ihrer Hand kratzen, als wollten sie mit Vehemenz sagen…lass los…lass sie endlich los…


Ein paar Monate früher: 
„Lass los…lass sie endlich los!“, rief ihre Freundin und Bandkollegin Susie Stevenson ihr immer wieder zu und schüttelte sie. Beide spielten sie in einer Metal Band, die Screaming Souls. Während Susie ihrem Bandnamen gerade alle Ehre machte, war sie sonst abseits der Bühne doch eine ziemlich schüchterne Person und heftige Reaktionen, wie diese, eine Seltenheit bei ihr. Tawnya hatte mal wieder in betrunkenem Zustand vor Zorn geflucht und angsteinflößende Sachen von sich gegeben. Seit dem Tod ihrer Tochter waren solche Ausbrüche regelmäßig vorgekommen. Anfangs nur im privaten Kreis, aber zunehmend verlor sie die Scham vor öffentlichen Ausbrüchen. Es wurde ihr zunehmend egal, was andere von ihr dachten. Ihr Leben war für Tawnya dahin. Susie konnte und wollte sich nicht länger mit ansehen, wie Tawnya sich kaputt machte. Tawnya musste den Tod ihrer Tochter endlich hinter sich lassen und nach vorne blicken, so ungerecht und furchtbar das ganze auch war. Aber Tawnyas Gesicht verzog sich nur zu einer vielschichtigen Grimasse und schließlich entgegnete sie mit abgewandtem Kopf und schluchzender Stimme: „ich weiß, dass du Recht hast, aber ich kann einfach nicht, ICH KANN VERDAMMT NOCHMAL NICHT!“ Dann Schweigen. „Sie bedeutete mir alles…ich habe für sie gekocht, für sie morgens Zeitungen ausgetragen, für sie im Café gekellnert, für sie Musik gemacht, für sie geatmet…“ Flüsterte Tawnya mit gesenktem Haupt nach einer Weile, während Susie sie an ihre Brust drückte, ihr den Kopf tätschelte und die Worte „Ich weiß“ zuhauchte. Wieder und wieder.


Tawnya fiel tiefer und tiefer in einen Strudel aus negativen Gefühlen, der sie zu verschlucken drohte. Anfangs gelang es ihr noch, den Verlust der Tochter zu verdrängen, und immer wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, erwartete sie das strahlende Gesicht ihrer Tochter wiederzusehen. Und jedes Mal traf es sie aufs Neue wie ein Schlag, dass sie nicht mehr da war - nie wieder sein würde. Es gelang ihr immer schlechter, diese harte Realität zu verdrängen und umgehen konnte sie mit ihr noch viel weniger. Wie ein Kreispendel steuerte sie zielsicher auf den Schlund des Strudels zu, der sie nun vollends zu verschlucken schien. Sie ging nicht mehr zur Arbeit, nicht mehr zu Gigs ihrer Band. Auch normale Dinge, wie etwa Einkaufen, kosteten sie so viel Überwindung, wie ein Sprung vom 20-Meterturm. Und wie Menschen erst hundert mal darüber nachdenken müssen, ehe sie sich vielleicht dazu überwinden können, auf den Turm zu steigen, und wiederum 10 mal wieder hinunterklettern, ging Tawnya mit Einkaufstaschen zur Haustür, harrte dann inne, starrte weit in die Ferne und kehrte wieder um oder ließ sich mit dem Rücken an die Haustür gelehnt herunterrutschen, nur um dort mit einem Weinkrampf völlig in sich zusammenzusacken. Erst als sie ihre Lebensmittel restlos aufgebraucht hatte, wollte ihr der Schritt gelingen. Susie ließ es zu keinem zweiten solchen Akt kommen und übernahm die Einkäufe für eine Weile für Tawnya mit.


Aus diesem Loch wurde Tawnya erst gerissen, als Mrs. Goodgreen, ihre Anwältin, mit einer guten Neuigkeit zu ihr kam. Der Fall Millbrooke gegen Naturapharma war für die Gerichtsverhandlung zugelassen worden. Das würde ihre kleine Winnie zwar auch nicht wieder lebendig machen, aber zumindest hatte sie nun die berechtigte Hoffnung, dass Naturapharma zur Rechenschaft gezogen würde. 


Am Tag der Gerichtsverhandlung saß Tawnya angespannt auf einem Stuhl neben ihrer Anwältin. Sie hatte schon lange nicht mehr durchschlafen können und die dunklen Ringe unter ihren Augen bezeugten das. Ein Muskelzucken im rechten Augenlid machte sie zu allem Überfluss fast wahnsinnig. Dann erhob sich ihre Anwältin und schritt vor den Richter.


Es war das erste Mal, dass Goodgreen einen so großen Fall hatte. Dementsprechend angespannt fühlte sie sich, als sie ihre Rede begann: „Meine Mandantin hat den schlimmsten aller Verluste zu ertragen gehabt. Und dieser Schmerz, der Verlust der eigenen Tochter, der nagt noch immer an ihr und wird vermutlich nie ganz damit aufhören. Doch ihr Tod war kein gewöhnlicher Unfall. Es war der Bärenklau von Naturapharma, der dafür gesorgt hat, dass die Tochter meiner Mandantin durch die Sonne in kürzester Zeit schlimmste Verbrennungen erlitten hat, an denen sie später im Krankenhaus nach Höllenqualen erliegen sollte. Meine Mandantin wird ihre Tochter durch kein Urteil der Welt wiederbekommen können, aber man muss Naturapharma für diese Fahrlässigkeit zur Rechenschaft ziehen!“ Der Richter nickte Goodgreen zu und wies sie an, wieder Platz zu nehmen.


Als nächstes erhob sich der Anwalt der Verteidigung. Mr. Mortimer, richtete noch einmal kurz seinen Anzug und trat dann seinerseits vor den Richter für ein paar eröffnende Worte: „Der Tod von Winnie Millbrooke ist zweifelslos eine furchtbare Tragödie“, fing er an und warf Tawnya einen langen, aber nicht zu langen. gekünstelten Mitgefühlsblick zu, „und die Mütter trifft der Tod eines Kindes zweifellos immer am schlimmsten.“ Er sah nun wieder den Richter an. „Aber so schrecklich das ganze auch ist, mein Mandant trägt daran keine Schuld, wie ich Ihnen im Verlaufe des Prozesses darlegen werde.“ Es war offensichtlich, dass sich Mortimer zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in die Karten schauen lassen wollte. 


Es gab eine kurze Pause. Dann ließ Goodgreen Dr. Winch in den Zeugenstand rufen und begann die erste Befragung: „Dr. Winch, Sie waren der behandelnde Arzt in der Notaufnahme als Winnie Millbrooke eingeliefert wurde. Ist das korrekt?“
„Korrekt“, bestätigte er.
„In welchem Zustand war Winnie Millbrooke?“
Der Arzt nahm einen kurzen Schluck aus dem Wasserglas, ehe er aufgeregt und schnell zu sprechen begann. „Kritisch. Äußerst kritisch. Sie hatte Verbrennungen dritten Grades erlitten. Großflächig. Dadurch bekam sie einen hypovolämischen Schock, an dem sie dann letztlich auch gestorben ist.“
Der Arzt ging noch detaillierter auf Winnie’s Zustand ein, erklärte die Fachbegriffe auf eine für Richter und Jury verständlichere Weise, dann bekam Mr. Mortimer die Chance Dr. Winch Fragen zu stellen.
„Dr. Winch, haben Sie schon einmal davon gehört, dass Riesenbärenklau Verbrennungen dritten Grades verursachen kann.“
„Nun ja, ich bin kein Botaniker und Bärenklauverbrennen sind in den USA nicht üblich. Soweit ich informiert bin, verursacht Riesen-Bärenklau lediglich Verbrennungen 1. bis 2. Grades, aber…“
„Also Sie haben noch nicht davon gehört, dass Riesenbärenklau zu Verbrennungen in dieser Größenordnung in der Lage ist?!“, unterbrach Mr. Mortimer den Arzt.
„Nein, habe ich nicht, aber…“
„Danke, keine weiteren Fragen.“
Selbstzufrieden nahm Mr. Mortimer wieder auf seinem Stuhl neben dem Firmenchef von Naturapharma platz.


Als nächstes rief Goodgreen Dr. Edmond Oldham in den Zeugenstand. 
„Dr. Oldham, sie sind Botaniker von Beruf, richtig?“
„Ja, das ist korrekt“, nickte ein älterer Herr mit weißem Vollbart.
„Wie würden sie ihr Spezialgebiet beschreiben?“
„Die toxischen Wirkungen von Pflanzen. Insbesondere derer in bevölkerten Regionen.“
„Zählt der Riesenbärenklau dazu?“
„Ja, ich habe einige Zeit in Russland verbracht und habe diese Pflanze eingehend studiert. In einigen Regionen dort ist diese Pflanze ein großes Problem.“
„Also könnte man sagen, dass sie ein Experte in Bezug auf Bärenklau sind?“
Verlegen zupfte sich Dr. Oldham am Bart. „Ich denke das kann man so sagen.“
„Basierend auf Ihren Erfahrungen in Russland. Würden sie sagen, dass Riesenbärenklau Verbrennungen dritten Grades verursachen kann?“
„Die schlimmsten Verbrennungen, die mir dort berichtet wurden, waren, in Anführungszeichen, nur, Verbrennungen zweiten Grades.“
„Würden sie also ausschließen, dass die Verbrennungen vom Riesen-Bärenklau stammten?!“
„Ja.“
Zunehmend bildete sich eine Geräuschkulissen aus überraschtem Raunen, als es so aussah, als würde die unerfahrene Goodgreen mit ihrer Befragung juristischen Selbstmord begehen.
„Ruhe im Saal!“, rief der Richter zur Ordnung auf.
Nachdem sie sicher war, dass alle wieder zuhörten, nahm Goodgreen die Befragung wieder auf: „Würden sie damit auch ausschließen, dass die Verbrennungen vom Bärenklau des Grundstücks von Naturapharma stammen?!“ Ein Lächeln huschte jetzt über Goodgreens Gesicht.
„Nein. Ich kann sogar mit Sicherheit sagen, dass die Verbrennungen von eben diesem Bärenklau stammen.“
Viele Gesichter im Gerichtssaal waren nun von Verwirrung gezeichnet. Und wieder fingen Leute an zu murmeln. 
„Ich darf doch sehr bitten, Ruhe im Saal!“, wiederholte sich der Richter nun energischer.
„Erst schließen Sie aus, dass die Verbrennungen von Riesen-Bärenklau herrührten. Nun sagen Sie, die Verbrennungen stammten von dem Bärenklau auf dem Grundstück von Naturapharma. Können Sie uns das erklären?“ Das Lächeln auf Mrs. Goodgreens Gesicht, war inzwischen ein breites Grinsen.
„Das kann ich gerne tun. Bei dem Bärenklau auf dem Grundstück von Naturapharma handelt es sich nicht um Riesenbärenklau. Ich habe mehrere Exemplare untersucht. Es handelt sich hierbei um eine neue Form des Riesen-Bärenklau. Vermutlich eine durch Menschenhand herbeigeführte genetische Modifikation.“
„Einspruch! Spekulativ!“, rief Mortimer dazwischen, um Schadensbegrenzung zu betreiben.
„Stattgegeben! Der letzte Satz wird aus dem Protokoll gestrichen.“
Goodgreen ließ sich nicht beirren und nahm ihren Faden sofort wieder auf: „Wodurch unterscheidet sich der Bärenklau auf der Plantage von Naturapharma vom Riesen-Bärenklau?“
„Hauptsächlich durch eine höhere Konzentration von Furocomarinen. Das sind die Stoffe, die im Wesentlichen für die Verbrennungen verantwortlich sind.“, erklärte Dr. Oldham.
„Würde diese höhere Konzentration von Furocomarinen die Verbrennungen dritten Grades bei Winnie Millbrooke erklären?“
„Absolut!“
„Keine weiteren Fragen!“, triumphierend stolzierte Goodgreen auf ihren Platz zurück, während sie das rege Flüstern im Saal wie Beifall genoss. Selbst bei Tawnya zeigte sich der Hauch eines Lächelns. Den Reaktionen nach, war das gut gelaufen. Das konnte auch ein blinder Beobachter feststellen. Mortimer verzichtete auf eine Befragung.


Dann wurde der Sicherheitschef von Naturapharma vorgeladen. 
„Mr. Donovan, Sie sind der leitende Sicherheitschef bei Naturapharma?“, eröffnete Goodgreen.
„Ja, das bin ich“, erwiderte er mit einem selbstsicheren Lächeln.
„Welche Sicherheitsvorkehrungen haben Sie an ihrer Bärenklauplantage getroffen?“
„Unsere Wissenschaftler haben die Pflanzen so verändert, dass sie keine Pollen produzieren. Die Pflanzen können sich also nicht außerhalb unseres Grundstückes ausbreiten und stellen keine Gefahr für die Bevölkerung dar“, erzählte Donovan als habe er diesen Satz hunderte Male, vor dem Spiegel geübt.
„Vorausgesetzt, die Bevölkerung betritt nicht ihr Grundstück“, hakte Goodgreen nach.
„Vorausgesetzt, die Bevölkerung betritt unser Grundstück nicht unbefugt. Für etwaige Besucher der Plantage, haben wir natürlich Schutzanzüge, wie sie auch unsere Arbeiter tragen. Ich möchte betonen, dass es bislang nicht einen einzigen Arbeitsunfall im Zusammenhang mit dem Bärenklau gegeben hat“, beschwichtigte Donovan und entfernte einen imaginären Staubflusen von seiner roten Krawatte.
„Und denken Sie, sie haben genug getan, um Unbefugte am Betreten ihres Grundstückes zu hindern?“
„Aber natürlich. Wir haben einen Zaun aufgebaut und in regelmäßigen Abständen Schilder am Zaun angebracht, die besagen, dass das Betreten des Grundstückes verboten und auf eigene Gefahr ist. Und dass Eltern für ihre Kinder haften. Ich denke damit haben wir eine klare Botschaft gesendet“, erklärte Donovan.
„Haben Sie als Kind schon mal ein Grundstück betreten, das sie nicht betreten durften“, versuchte Goodgreen ihn in Verlegenheit zu bringen.
Donovan schüttete schon den Kopf und wollte zu einem Nein ansetzen, als Goodgreen nachschob. „Bedenken Sie, dass sie unter Meineid stehen!“
„Einspruch!“, fuhr Mortimer dazwischen. „Relevanz?!“ 
Alle Augen fixierten jetzt den Richter, der einen Moment zögerte.
„Einspruch abgelehnt! Der Zeuge möchte bitte die Frage beantworten.“
„Natürlich bin ich als Kind auch maaaal auf ein fremdes Grundstück gegangen“, reagierte Donovan gereizt, der sich jetzt zu Unrecht persönlich angegriffen fühlte. Kinder machen sowas nun ein…“ Den Rest verschluckte Donovan. Er biss sich auf die Zunge. Er war drauf und dran einen Fehler zu begehen. Ja, vielleicht hatte er das schon.
Zufrieden ließ Goodgreen diesen Ausrutscher einen Moment auf die Jury einwirken. Kurz dachte sie darüber nach, den Faden wieder aufzunehmen, entschied aber dann, dass dies ein guter Moment wäre, um die Befragung zu beenden: „Keine weiteren Fragen!“
Auch hier verzichtete Mortimer auf sein Recht, eine Gegenbefragung zu starten. Er wollte sich auf die wesentlichen Zeugen konzentrieren. Seine Energien gezielt einsetzen. Er wusste wie der Hase läuft. Bei Donovan konnte er nichts mehr drehen. Der Drops war gelutscht.


Der nächste Zeuge, der zur Befragung hereingebeten wurde, war Peter Bane. Ein Freund der Familie Millbrooke. Goodgreen baute ihre 1,58 vor ihm auf und eröffnete:
„Mr. Bane, Sie waren bei den Millbrookes als das Unglück geschah. Bei der Polizei haben Sie ausgesagt, wie sie Winnie vorgefunden haben. Könnten Sie das ganze bitte einmal für uns schildern?“
„Nun ja, ich bin sofort rausgestürmt, als ich sie schreien hörte“, begann Bane, „Zuerst fand ich Winnie nicht. Aber ich bin einfach immer den Schreien gefolgt. Dann habe ich gemerkt, dass sie über den Zaun geklettert war - auf das Nachbarsgrundstück. Das Grundstück von Naturapharma. Als ich schließlich selbst über den Zaun gestiegen bin, sah ich sie auf dem Boden liegen. Sie war übersät mit schrecklichen Verbrennungen, Haut war aufgequollen, hatte Blasen gebildet, viele rote Stellen. Sie atmete schwer. Neben ihr lag ein Fußball. Der muss ihr wohl über den Zaun geflogen sein. Jedenfalls habe ich sie dann so schnell und vorsichtig wie möglich über den Zaun zurückgeschafft, was gar nicht mal so einfach war. Dann bin ich schnellstmöglich mit ihr ins Krankenhaus gerast.“
„Auf der anderen Seite des Zaunes, haben Sie da Pflanzen wie DIESE gesehen?“ Goodgreen reichte ihm ein bebildertes Pflanzenlexikon mit dem aufgeschlagenen Eintrag zum Riesenbärenklau.
Nach einem kurzen Blick war sich Peter Bane sicher: „Ja, dort gab es hunderte davon, wenn nicht sogar tausende!“
„Keine weiteren Fragen.“ Mrs. Goodgreen war zufrieden als sie wieder Platz nahm. 


„Mr. Bane“, ergriff nun Mortimer das Wort, auch er wollte sich Peter Bane vorknöpfen, „Sie waren im Haus, als das Unglück geschah?!“
„Ja, ich bin äh war so gut wie jeden Mittwoch und Donnerstag da. Pass ein bisschen auf sie auf“, erklärte Bane.
Ein kurzes triumphales Lächeln flitzte über das Gesicht von Mr. Mortimer. Er hatte auf einen Ausdruck wie diesen gewartet. 
„Wenn sie auf Sie AUFGEPASST haben, wieso konnte das Unglück dann überhaupt passieren?!“
Peter Bane wurde auf einmal ganz heiß. Er musste sich den oberen Hemdknopf lösen. „Nun ja, ich war im Haus, und sie war im Garten…“
„Also Sie haben doch nicht auf sie aufgepasst?!“
„Na, ein 10-jähriges Kind kann doch wohl alleine...!“
„Beantworten Sie meine Frage, Mr. Bane!“, unterbrach ihn Mr. Mortimer scharf.
Mittlerweile waren Banes rotblonde Locken schweißgetränkt. „Ich habe gerade etwas zu Essen zubereitet, ich kann ja nicht gleichzeitig…“, versuchte sich Bane zu verteidigen.
„Mr. Bane!“, unterbrach ihn Mortimer von Neuem, „Haben Sie oder haben Sie nicht auf Winnie Millbrooke aufgepasst, als sie die besagten Verbrennungen erlitten hat?!“
„Nein.“ Banes Blick senkte sich. Gemurmel in den Reihen und unter den Jurymitgliedern. Mrs. Goodgreen biss sich zerknirscht auf die Unterlippe. Tawnya vergrub den Kopf in ihren Armen.
„Keine weiteren Fragen!“, schloss Mortimer vergnügt ab.


Es gab eine kurze Pause, in der Tawnya und Mortimer auf dem Gang kurz aneinander gerieten. Mortimer hatte ihr auf dem Gang einen versteckten Luftkuss zugeworfen. „Was sind Sie nur für ein scheußlicher Mensch!“, fuhr sie ihn an. Darauf hin trat er nah an Tawnya heran. Und flüsterte ihr zu, so dass nur sie es hören könnte. „Vielleicht bin ich die Wurzel allen Übels, aber Sie können mich ruhig Cookie nennen.“ Dann zwinkerte er ihr kurz zu und wandte sich ab. Sie bebte vor Zorn. Musste sich aber schnell wieder herunterfahren, denn sie sollte nach der Pause in den Zeugenstand gerufen werden. Sie durfte sich von diesem Provokateur nicht aus der Fassung bringen lassen.


Etwas half es Tawnya, dass sie erst von ihrer Anwältin befragt wurde und das Scheusal nicht sofort wieder sehen musste.
„Mrs. Millbrooke, haben Sie gewusst, dass das Betreten des Grundstücks von Naturapharma verboten war?!“, begann Goodgreen.
„Ja, ich habe die Schilder gesehen.“
„Haben Sie dieses Verbot bei irgendeiner Gelegenheit mal ihrer Tochter gegenüber erwähnt?!“
„Das habe ich. Mehr als einmal.“
„Wussten sie von der tödlichen Gefahr, die auf der anderen Seite des Zauns lauerte?“
„Das sind ziemliche Standardschilder. Als ich die gelesen hatte, dachte ich an herumstehende Sensen, Sägen und andere Gartenwerkzeuge. Das es dort so gefährlich ist mit all dem Bärenklau…“, Tawnya unterbrach um sich zu schnäuzen, „…hätte ich nicht gedacht.“ Tawnya brach nun endgültig in Tränen aus.
„Keine weiteren Fragen!“
Goodgreen reichte Tawnya ein weiteres Taschentuch. Ihres war schon völlig durchnässt. „Können wir vielleicht eine kurze Pause einlegen?!“, erkundigte sich Goodgreen.


Nach der Pause wirkte Tawnya wieder deutlich gefasster. Aber auch erschöpft. Und nun musste sie die Befragung der Gegenseite bestehen.
„Mrs. Millbrooke“, holte Mortimer zum verbalen Schlag aus, „Sie waren nicht bei ihrer Tochter zu Hause als das Unglück passierte?“, erkundigte sich Mortimer.
„Nein, ich…“
Mortimer würgte sie direkt mit der nächsten Frage ab: „Kommt es häufiger vor, dass Sie nicht zu Hause sind?!“
„Ich muss doch arbeiten gehen. Wir können ja schlecht von Luft und Liebe leben“, gab Tawnya gereizt zurück.
„Antworten Sie einfach auf die Frage, Mrs. Millbrooke. Sind sie häufiger nicht zu Hause?“
„Ja.“
„Wie viele Stunden sind sie im Schnitt pro Tag bei ihrer Tochter?“
„Nun ja, das ist schwer einzuschätzen.“
„Versuchen Sie’s.“
„Ähm, ja…im Schnitt vielleicht so 2 Stunden pro Tag. An Wochenenden natürlich mehr.“
„Nur 2 Stunden pro Tag!“, wiederholte Mortimer und blickte mit schockierter Mine in die Jury. „Keine weiteren Fragen!“ 
Tawnya musste von ihrer Anwältin beruhigt werden. Sie war völlig außer sich. Winnie war der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen, auch wenn sie arbeitsbedingt nicht so viel Zeit miteinander verbringen konnten. Und jetzt kam dieses Arschloch daher, und wollte sie als schlechter Mutter darstellen! 


Schließlich war es Zeit für die Schlussreden und Goodgreen, als Vertretung der Anklägerin, musste vorlegen: „Ich denke die heutige Verhandlung hat eindeutig gezeigt, dass Naturapharma Schuld am Tod der kleinen Winnie Millbrooke trägt. Es war ihre Bärenklau-Pflanze, welche die letztlich tödlichen Verbrennungen von Winnie herbeigeführt hat. Es war ihre genetische Modifikation, die dafür gesorgt hat, dass überhaupt solch starke Verbrennungen, durch den Kontakt mit der Pflanze möglich waren. Und es waren ihre mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen, die es überhaupt erst möglich gemacht haben, dass Winnie das Grundstück betreten konnte. Ja, Naturapharma hat einen Zaun aufgebaut. Aber kann man einen Zaun einen hinreichenden Schutz nennen, wenn dieser sogar von einer 10-jährigen überwunden werden kann? Ja, Naturapharma hat Schilder aufgestellt, die besagen, dass das Betreten verboten und auf eigene Gefahr sei. Aber Winnie ist ein Kind. Von einem Kind kann man noch nicht erwarten, dass es sich an jede Regel der Erwachsenen hält. Für Kinder sind Erwachsene mit ihren Regeln oft Spielverderber. Sie waren doch auch alle einmal Kinder…“ Goodgreen machte eine kleine Sprechpause, um den Geschworenen ein wenig Zeit zu geben, sich zurückzuerinnern. Dabei ließ sie ihren Blick von einem Geschworenen zum nächsten schweifen. „…haben Sie nicht auch das ein- oder andere Mal eine solche Regel übertreten? Ich gehe jede Wette ein! Denn so sind Kinder nun mal. Und können Sie von ihren Erziehungsberechtigten sagen, dass diese Sie auf Schritt und Tritt begleitet haben, damit sie auch ja keinen Fehler machen? Bestimmt nicht! Als ich ein Kind war, hat mir meine Mutti immer gesagt: „Sarah, nicht mit den Fingern an das Blech im Ofen gehen! Das ist heiß! Du wirst dich verbrennen!“ Aber sie hatte einmal Kekse gebacken. Mit Zimt. Und die dufteten soo gut.“ Goodgreen hatte jetzt die Augen geschlossen und lächelte genüsslich. „Also habe ich mich heimlich in die Küche geschlichen, habe den Ofen aufgemacht und wollte das Blech hervorziehen, um mir eine dieser Köstlichkeiten zu schnappen. Vergessen waren die warnenden Worte meiner Mutter.“ Goodgreen hob nun ihre linke Hand, so mit der Innenfläche zu den Geschworenen gewandt, dass jeder das inzwischen blasse, aber noch unverkennbare Mal sehen konnte. „Wir können unsere Kinder nicht vor jedem Fehler beschützen, genauso wenig, wie uns unsere Eltern vor jedem Fehler beschützen konnten“, führte Goodgreen aus, die gemerkt hatte, dass die Verteidigung die Schuld Tawyna und Peter in die Schuhe schieben wollte. „Ich habe an diesem Tag einen Fehler gemacht. Habe mich verbrannt. Und ich habe daraus gelernt. Winnie hat am 14. April diesen Jahres auch einen Fehler gemacht. Und sie hat sich auch verbrannt. Aber sie hat keine Chance mehr, daraus zu lernen! Wer also kann hier draus etwas lernen? Ich sage: Naturapharma! Wenn sie auf ihrem Grundstück solch gefährliche Pflanzen anbauen, dann kann es nicht sein, dass sie dort einen Alibi-Zaun errichten, mit Alibi-Warnhinweisen, die nicht einmal ein 10-jähriges Mädchen am Betreten hindern können. SIE können hier ein Zeichen setzen! SIE können Naturapharma für diese Nachlässigkeit bestrafen! SIE können Naturapharma zwingen die Sicherheitsvorkehrungen drastisch zu erhöhen! Tun sie es nicht für Winnie! Sondern für alle nächsten Kinder, deren Fußball über den Zaun von Naturapharma fliegt. Ich bitte Sie.“ Bei den letzten Worten hatte Goodgreen ein leichtes Zittern in der Stimme. Dann nahm sie wieder neben Tawnya Platz.


Darauf erhob sich Mortimer von seinem Platz und schritt selbstsicher auf die Jury zu. „Es hat sich in den letzten Jahren immer mehr zur Gewohnheit entwickelt, auf die Vermögenden vor Gericht einzudreschen und einen Underdog reich zu beschenken. Ich möchte sie darauf hinweisen, dass sich Gericht von Gerechtigkeit ableitet. Ihre Aufgabe, ihre Verantwortung ist es, ein gerechtes Urteil zu fällen und nicht etwa Robin Hood zu spielen. Mein Mandant hat um sein Grundstück einen Zaun errichtet. Bis hierhin und nicht weiter! Das ist die implizite Botschaft eines Zauns. Doch hat mein Mandant es nicht dabei bewenden lassen. Er hat sogar noch Schilder aufgestellt, die ganz klare Botschaften vermitteln. Das Betreten ist verboten! Winnie Millbrooke ist 10 Jahre alt. Sie kann lesen. Sie wird dieses Schild also gelesen haben. Und obwohl sie wusste, dass sie das Grundstück nicht betreten durfte, hat sie es betreten. Das Betreten ist auf eigene Gefahr! Millie wird auch das gelesen haben, und obwohl sie wusste, dass es gefährlich sein könnte, hat sie trotzdem das Risiko in Kauf genommen und ist über den Zaun geklettert. Und zu guter Letzt: ELTERN haften für ihre Kinder! Nicht etwa „Naturapharma haftet für ihre Kinder“. Die Rechtslage sollte also klar sein. Und auch Mrs. Millbrooke kannte diese Schilder. Hat sie ihre Tochter davor gewarnt, das Nachbargrundstück zu betreten? Zumindest behauptet sie das. War sie da, um ihre Tochter am Betreten des Grundstücks zu hindern? Nein, das war sie nicht. War jemand anderes bei ihr, um auf sie aufzupassen? Ja und Nein. Mr. Bane war zwar im Haus, aber er war im Haus und nicht etwa im Garten, wo derweil das Unglück seinen Lauf nahm. Auch Mrs. Millbrooke hat gelesen, dass Eltern für ihre Kinder haften. Und dennoch ist sie heute hier und lässt ihre Anwältin mit dem Finger auf uns zeigen. Hören wir endlich auf, mit dem Finger aufeinander zu zeigen! Betrachten wir das Fall Winnie Millbrooke als das, was es ist: ein schreckliches Unglück.“ Den letzten Teil, betonte Mortimer mit der bewegtesten Stimme, die er inszenieren konnte. Dann setzte er noch ein respekt- und verständnisvolles Nicken in Richtung Jury an und ging mit gespielter Betroffenheit zu seinem Platz zurück.


Nach mehreren Stunden quälendem Warten war die Jury endlich zu einer Entscheidung gelangt. „Nicht schuldig!“ Während sich die Männer in Anzügen von Naturapharma gegenseitig freudig die Hände schüttelten, brach für Tawyna Millbrooke erneut eine Welt zusammen. Ihre Anwältin sprach Tawnya ihr Beileid aus, aber das bekam Tawnya gar nicht richtig mit. Genauso wenig wie sie mitbekam, dass Mortimers Kanzleichef Goodgreen verstohlen eine Visitenkarte zusteckte, die wohl sowas wie eine Eintrittskarte in die High Society unter den Anwälten dargestellt haben dürfte. Goodgreen strahlte jedenfalls über beide Ohren. Auch wenn sie nicht gewonnen hatten. So wurde doch zumindest ihre Leistung als Anwältin hoch geschätzt. 


Susie, die in den Rängen gesessen hatte, musste Tawnya stützend unter dem Arm packen, da diese nicht die Kraft hatte, sich alleine aus dem Gerichtssaal zu schleppen, der plötzlich viel zu wenig Luft zu enthalten schien. Als sie nach minutemlangen Kampf und wiederholtem „Kein Kommentar“-rufen dem Blitzlichtgewitter endlich entkommen waren, half Susie Tawnya in ihren Wagen und setzte sich ans Steuer.


Nachdem Susie Tawnya nach Hause gefahren hatte, erkundigte sie sich noch, ob sie Tawnya mit ins Haus begleiten sollte. Ob sie jetzt lieber Gesellschaft hätte, wollte Susie wissen. Tawnya entgegnete bloß: „Nein danke, es geht schon“, während jede Faser ihres Körpers das Gegenteil aussagte. Als Susie sich später an diesem Moment zurückerinnerte, sollte sie sich furchtbare Vorwürfe machen, nicht auf ihren Instinkt gehört und darauf bestanden zu haben, mit ins Haus zu gehen. „Das kommt nicht in die Tüte! Du brauchst jetzt jemanden zum Reden!“ So etwas in der Art hätte sie im Nachhinein gerne gesagt. Stattdessen sagte sie unsicher. „A-also gut. Aber versprich mir, dass wir uns morgen um 11 Uhr zum Brunch bei Gianni’s treffen.“ Tawnya nickte matt mit dem Kopf und zwang sich zum einem Lächeln. Dann fuhr Susie davon und Tawnya ging Richtung Haus. Als sie vor der Fassade stand, traf sie der Schlag. Unbekannte hatten ihre Hauswand mit Sprüchen beschmiert. „Rabenmutter des Jahres“ war dabei noch eine der mildesten Schmähungen. Die Hand mit dem Haustürschlüssel ballte sich so fest zusammen, dass die Schlüssel bleibende Spuren auf der Handfläche hinterließen. Von einem auf den anderen Moment wandelte sich ihre energielose Niedergeschlagenheit in furchtbaren Zorn. Nein, sie konnte sich das nicht alles gefallen lassen! Auf das scheiß System war kein Verlass. Darum musste sie jetzt das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Und sie wusste genau wie. Sie hatte einen dieser Geistesblitze, den Zornige am Rande des Nervenzusammenbruchs für komplett vernünftig und angemessen halten, mit etwas Abstand aber als furchtbar und grausam bezeichnen würden. 


Tawnya eilte ins Haus, griff dort nach einer alten CD von der Bloodhound Gang und schnappte sich zwei Kanister, Feuerwerksreste vom letzten Silvester, aus denen sie das Schwarzpulver kratzte, sowie einen alten Besenstiel aus ihrem Schuppen. Dann stieg sie in ihren klapprigen Ford und fuhr zu einer alten Garage in einem heruntergekommenen Viertel, welche ihrer Band als Lager- und Proberaum diente. Hier lud sie noch einen CD-Spieler und einen Verstärker ins Auto und fuhr zum Naturapharma-Firmenhauptsitz in Pharma City. Ohne zu zögern kippte sie die Kanister und das Schwarzpulver innerhalb von kürzester Zeit an den Vordereingang und seitlich darüber hinaus. Dann tupfte sie den alten Besenstiel in die regenbogenfarben schimmernde Flüssigkeit und zündete ihn mit einem Feuerzeug an. „Was zum Teufel tun Sie da?!“, schrie sie der Portier an, der aus seinem Glaskasten geeilt kam. Mit einem ganz fernen Blick sah sie ihn an und murmelte: „Ich sorge für Gerechtigkeit“ ohne auch nur zu ahnen, dass der Firmenchef, der Sicherheitschef, Mortimer und ein paar weitere führende Persönlichkeiten von Naturapharma überhaupt nicht im Gebäude waren, sondern gerade in einem schicken Restaurant in der Innenstadt den Sieg vor Gericht bei einem teuren Glas Wein und Jambalaya zelebrierten. 


Dann zündete Tawnya die „Benzinspur“ mit ihrer Besenstielfackel an. Sie war überrascht, wie schnell sich die Flammen ausbreiteten. „Sie sind verrückt!“, rief der Portier „Völlig geisteskrank!“ und sprang über die Flammen, als sie noch jung und im Wachsen begriffen waren. Tawnya schenkte ihm keine Beachtung mehr, sie hastete zum CD-Player, drückte die Play-Taste und eine andere Taste daneben, die das voreingestellte Lied in einer Schleife wieder und wieder abspielen sollte. „The roof, the roof, the roof is on fire…” schallte es laut hörbar durch den Verstärker. Tawnya hatte dieses Grinsen im Gesicht. Sie wusste selbst nicht warum sie grinste. Sie fühlte sich kein bisschen glücklich. Vielleicht war es die dunkle Vorahnung, dass der Schmerz bald ein Ende haben würde. Aber vielleicht war sie nun auch tatsächlich verrückt und komplett geisteskrank, wie der Portier vorgeschlagen hatte.


Der Portier griff nun in seine Hosentasche, suchte nach seinem Handy. Dann griff er in die andere Hosentasche, aber auch da wurde er nicht fündig. Verdammt, dachte er. Er rannte hinaus auf die Straße, suchte nach einem Fußgänger mit Handy. Er fand schnell eine Gruppe junger Schwarzer, welche die Straße hinunterschlenderten. „Er brüllte in ihre Richtung: HANDY!!!“ Aber sie hörten ihn erst nicht. Der Verstärker war einfach zu laut gestellt. Sie sahen seine Lippen sich bewegen und ihn heftig gestikulieren, doch alles was sie hörten war das dröhnende „Hello, my name is Jimmy Pop and I’m a dumb white guy…“ Einer von ihnen brüllte „YEAH!“ doch natürlich war auch das nicht zu verstehen. Ein anderer streckte ihm zustimmend einen Daumen hoch. Nach dem Motto „Dein Playbackrap ist spitze!“


Als die Gruppe am Portier vorbei war, griff dieser in letzter Verzweiflung einem von ihnen energisch an die Schulter. „WARTET!“, rief er. Doch natürlich verstanden sie ihn immernoch nicht. Alles was sie in dem Moment hörten war: „…But if I crashed into Uranus, I would stick it where the sun don’t shine…“ Der dunkelhäutige, der das energische Reißen an der Schulter als Angriff wertete, schlug sofort zu und der Portier sank bewusstlos zu Boden. Dann ging die Gruppe weiter, ohne das Feuer überhaupt registriert zu haben. Sie dachten, da wäre wohl eine fette Firmenparty im Gange und der Portier wäre betrunken und wollte sie belästigen.


Derweil war Tawnya schon auf halber Strecke zur Felserhebung nördlich von Pharma City und sie rannte noch immer. Mit dem brennenden Besenstiel in der Hand hätte man sie beinahe für eine olympische Fackelträgerin halten können. Nur das keine Olympischen Spiele anstanden und diesem Fackellauf das übliche Feierliche fehlte. Aber an solche Dinge dachte sie in dem Moment nicht. Sie dachte im Grunde genommen an nichts. Sie hörte nur das Lied noch immer in ihrem Kopf, obwohl sie inzwischen längst außer Hörweite war.


Als endlich jemand das Feuer bemerkte und die Feuerwehr verständigte, hatte es bereits den ganzen Eingangsbereich in seiner Gewalt. Auch die Notausgänge wurden unten schon von blockiert. Das Problem war, dass das Feuer das Gebäude zunächst einmal umlagerte. Es war ja nicht innen ausgebrochen. Ein paar junge und fitte Angestellte, wagten es mit Anlauf aus geöffneten Fenstern im ersten Stock über die Flammen hinweg zu springen. Die meisten von ihnen schafften das auch und kamen mit geringfügigen Verbrennungen und Verletzungen davon. Andere Arbeiter, die nicht mehr jung sportlich waren, standen hingegen hilflos vor der Flammenwand und lagen sich mit Tränen in den Augen im Arm, während der diabolische Liedtext der Bloodhound Gang mittlerweile seine dritte Runde einschlug. Alles was sie tun konnten, war auf die Feuerwehr zu hoffen. Als diese mit lauten Sirenen schließlich anfuhren, waren die Leute im Gebäude in höhere Stockwerke zurückgewichen. Auch die beiden Nebengebäude hatten inzwischen Feuer gefangen. „Carl, Peter, Benjamin und Gordon ihr geht an die Schläuche! Marcus, Jim und Ryan, ihr baut ein Sprungtuch auf!“ Doch keiner der Feuerwehrmänner verstand den Hauptmann, sie sahen, wie sich seine Lippen bewegten, aber alles was sie hörten war: „We don’t need no water, let the motherfucker burn, burn motherfucker, burn!“ Als der Hauptmann das bemerkte, schaute er sich suchend um, schritt kurzentschlossen auf den CD-Spieler zu und gab ihm einen beherzten Tritt. Der CD-Spieler überschlug sich mehrmals und hörte endlich auf zu spielen. „Carl, Peter, Benjamin und Gordon ihr geht an die Schläuche! Marcus, Jim und Ryan, ihr baut ein Sprungtuch auf!“, wiederholte der Hauptmann seine Anweisungen und sofort machten sich seine Leute an die Arbeit.


Tawnya hatte mittlerweile die Felsanordnung erstiegen. Sie wusste selbst nicht, wie sie es geschafft hatte, die Besenstielfackel dabei mitzunehmen, ohne dass sie erloschen war. Es gab zwar so etwas, wie einen Pfad, doch war dieser recht steil und nicht für normale Zivilisten ausgelegt, sondern für Klettersportler. Vielleicht hatte sie sie in ihrer Hand behalten. Vielleicht hatte sie sie zwischen ihre Zähne geklemmt. Manchmal musste sie sich irgendwo einen Vorsprung hochziehen, oder glaubte zumindest das zu müssen. Der Weg war nicht besonders eindeutig markiert. Ihre Erinnerungen an die letzten Stunden waren jedenfalls blass, als wäre das alles nur ein Traum gewesen. Doch die Aussicht, die sich ihr dort oben nun bot, sprach eine andere Sprache. Es konnte unmöglich ein Traum gewesen sein. Und als sie so dastand und ihr die Erkenntnis ihrer Taten nach und nach dämmerte, während die Flammen der Besenstielfackel ihre krampfende Hand verbrannten, bildete sich ein nasser Schleier über ihren Augen.


Nach geraumer Zeit hörte sie hinter sich zwei Männerstimmen ächzend näher kommen. Hinter ihr holte jemand tief Luft, dann erklang eine tiefe Stimme. „Miss, ich bin Officer Brandy. Und das hier neben mir ist Officer Carmichael. Sie sind hiermit verhaftet! Sie stehen im dringenden Tatverdacht der Brandstiftung, sowie der mutwilligen Verletzung und Tötung einer bisher noch unbekannten Zahl an Personen!“ Tawnya reagierte nicht. Sie stand einfach nur da und war entsetzt darüber was sie getan hatte. Officer Brandy’s Blick erfasste nun Tawnyas Hand in der sie die Fackel hielt, oder eher gesagt das, was davon noch übrig war. Das versengte Stück Fleisch war inzwischen kaum mehr als Hand zu bezeichnen. Ein Schaudern durchfuhr ihn. „Bitte…bitte lassen sie die Fackel fallen!“ Tawnya gehorchte. Die Fackel fiel auf die Kante, dann kippte der vordere Teil vornüber und stürzte herab. Es folgte mehrfach kurz nacheinander der schallende Klang von Holz auf Stein, als die Fackel hier und dort abprallte. „Sehr gut! Und nun nehmen Sie die Hände auf den Rücken und kommen Sie ein paar Schritte auf uns zu!“, wies sie Officer Brandy an. Diesmal gehorchte Tawnya nicht. Stattdessen machte sie einen weiteren Schritt auf die Schlucht zu. Nun stand sie wirklich genau an der Kante. Ihre Zehnen lugten sogar über den Abgrund, schnupperten am Freitod. „Ich habe gesagt stehen bleiben!“, schrie Brandy erbost. Tawnya drehte ihr nunmehr verheultes Gesicht leicht nach hinten. „Und wenn ich nicht stehen bleibe, erschießen sie mich dann?!“ fragte sie die beiden Officers halb schluchzend, halb lachend, als sie die ausgerichteten Pistolen bemerkte. Unsicher senkten die Officer ihre Pistolen. „Dann setzte Tawnya nach. „Ich habe meine Tochter verloren. Die Verantwortlichen wurden freigesprochen und nun habe ich den größten Fehler meines Lebens begangen. Nennen sie mir einen guten Grund, warum ich nicht springen sollte!“ Es war nicht bloß eine rhetorische Frage, die Tawnya stellte. Tief im Inneren gab es etwas, dass sich nach einer guten Antwort auf ihre Frage sehnte. Die Officer jedoch schauten sich nur fragend an und stammelten Satzanfänge vor sich hin, die sie jedoch immer wieder verwarfen und durch neue gestammelte Satzanfänge ersetzen. Ja, sie hatten das Seminar besucht, bei dem es um den Umgang mit Suizidgefährdeten ging. Aber wirklich aufgepasst? Nein, das hatten sie nicht. Außerdem war das ganze einfach viel zu spröde und uneingängig. Es war etwas, das man besuchte, weil man es musste. Nicht, weil man sich davon versprach etwas zu lernen oder dazu bereit war. „Dachte ich es mir doch“, sagte Tawnya ernüchtert und machte einen Schritt ins Nichts. Die Officer schrien noch wild durcheinander, aber es war zu spät. Wieder gab es die nachhallenden Klänge. Doch diesmal lauter und dumpfer.


Während sie fiel, fühlte sich Tawnya zum ersten Mal seit längerem für eine oder zwei Sekunden unbeschwert. Frei von aller Pein. Bis der erste Schmerz eintrat, als sie ein Felsvorsprang an der Schulter erwischte. Dann kollidierte sie nochmals, diesmal mit ihrem Bein. Schließlich mit ihrem Kopf. Dann die andere Schulter. Wellen des Schmerzes folgten so rasch aufeinander, dass Tawnya nicht einmal wirklich realisierte, wo die Schmerzen überhaupt saßen. Dann war alles dunkel.


Zuletzt von Akeem am 24.06.18 12:58 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Akeem
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 24.06.18 12:56
Alpha und Omega



Am Anfang, so sprachen die Geschichtenerzähler, existierten sie,die 
GUARDIAN, Überbleibsel längst vergangener Zeit, geschaffen vor dem langem Krieg, geschaffen um zu dienen und geschaffen um zu schützten.
Vor dem langem Krieg besaß praktisch jeder Mensch einen GUARDIAN, eine kleine schwebende Spähre, nicht größer als 5 Zentimeter im Durchmesser, ausgestattet mit einer künstlichen Intelligenz gab es praktisch nichts, was diese technischen Wunder nicht bewirken konnten.
Bis auf eine Sache.
Sie konnten die Menschen nicht daran hindern Krieg zu führen.
Denn Krieg lag in ihrer Natur.
Nichteinmal ein Wunder konnte ihn verhindern, den langen Krieg.
Heute waren die GUARDIAN ein Mythos, ein Gegenstand von Legenden und Geschichten längst vergangener Zeit.
Niemand konnte genau sagen wann sie verschwanden, oder wieso, jedoch erzählte man sich immer wieder von inaktiven GUARDIAN, welche quer über den Globus verteilt lagen und nur darauf warteten von Abenteurern wiederentdeckt zu werden.
Sie waren die letzten Überreste einer längst vergangenen Zivilisation, der Beweis das die Vorfahren ihnen nicht nur eine Tote Welt hinterlassen haben und aus diesen Grund waren sie bei Sammlern so beliebt, aus diesem Grund waren die Personen, die einen GUARDIAN besaßen entweder Reich oder würden es bald werden.
Schließlich war ein GUARDIAN unbezahlbar, jeder der einen Fand würde ihn schnellstmöglich verkaufen und somit im Leben für immer aussorgen.
Dies war auch bitter nötig, denn vieles änderte sich nach dem Krieg
Wo früher saftige Wiesen und farbenprächtige Blumen blühten, konnte man nur noch kargen Fels wiederfinden.
Wo früher Vögel durch die Lüfte flogen, hing eine dicke Nebelsuppe über der Welt und blockierte den Weg der Sonne.
Wollten die Menschen trinken so mussten sie nun wandern und den Nebeltau sammeln, hoffen das er ausreichen würde, denn seitdem großen Krieg regnete es nicht mehr.
Sie begannen zu wandern, zuerst alleine, bis sie sich zu Karawanen zusammenschlossen, denn wo es kein Wasser gab, würde niemals etwas wachsen, weder Tier noch Nutzpflanze.
Auch die Atmosphäre veränderte sich, die Luft wurde aggressiv, gefährlich, Radioaktiv.
Doch während sich die Flora und Fauna anpassen konnte, fiel dies dem Menschen schwer, lediglich durch Gasmasken, ein weiteres Überbleibsel der Vorfahren, war es ihnen möglich über die trockene Erde zu wandern,.




Während vor dem Krieg unzählige, laut den Geschichten unendlich viele Menschen die Welt Ihr zuhause nennen konnten, halbierte sich diese Zahl nach dem Krieg und schrumpfte in den nächsten Generationen immer weiter, zu dem Zeitpunkt von Amelies Geburt, lebten etwas mehr als eine Millionen Menschen auf der Erde, die meisten getrennt und ohne wissen voneinander.
Doch selbst in dieser Lage bewiesen die Menschen dass sie, in der Vergangenheit, nicht ohne Grund 
an der spitze der Nahrungskette befanden.
Die Umwelt immer gefährlicher und doch schafften sie es zu überleben.
Die Karawanen wurde immer größer, bis sie schließlich zu Permanenten Siedlungen zusammenwuchsen und selbst kleinere Karawanen losschicken konnten, um die Siedlungen am leben zu halten.




Eine solche Karawane war die Amelies, einer jungen Hüterin und was noch viel wichtiger war, die Besitzerin eines GUARDIAN, welcher Ihr von Ihrer Mutter vermacht wurde.
Doch selbst dieser GUARDIAN war anders als alle jemals zuvor entdeckten, denn dieser GUARDIAN war aktiv und unterstützte Amelie bei Ihrer Aufgabe als Hüterin
Zwar besaß jede Karawane einen Hüter, doch war Amelie die einzige, welche einen GUARDIAN nutzen konnte um die Karawane sicher durch die Welt zu führen, sie zu schützen, sie zu behüten.
Sie hätte den GUARDIAN für ein Leben voller Ruhm und Reichtum eintauschen können, doch tat Sie dies nicht, denn sowohl der GUARDIAN als auch die Stelle als Hüterin, waren die Vermächtnisse Ihrer Mutter, die einzigen Erinnerungsstücke die Sie über Ihrer Mutter hatte.
Denn in Zeiten in denen die Anzahl der Menschen immer weiter schwand waren Kinder eines der wichtigsten Güter um die Bevölkerungsanzahl der Siedlungen stabil zu halten und so war es keine Überraschung das auch Amelies Mutter, obwohl sie Hüterin war, schwanger wurde.
Ein Kind auf diese vom Schöpfer verdammte Welt zu bringen war eine der nobelsten Aufgaben einer jeden Frau und bei eben dieser noblen Aufgabe verstarb Amelies Mutter und hinterließ das Neugeborene und den GUARDIAN, der Karawane.
Ohne Eltern welche sich um das Kind kümmerten, war es nun die Aufgabe der Karawane sich um Sie zu kümmern.
Viele brachten die Neugeborenen Waisen um, doch nicht Amelies Karawane, schuldeten die Mitglieder Amelies Mutter doch so viel.
Unzählige Male verhinderte Amelies Mutter als Hüterin das schlimmste, deshalb war es für die Mitglieder selbstverständlich sich um das Kind zu kümmern, als wäre es ihr eigenes.
Kaum war Amelie vom Arbeitsfähigen Alter, schon trat sie in die Fußstapfen Ihrer Mutter und begann zu bewahren, zu schützen und zu Hütten.
Schnell wie ein Lauffeuer verbreitete sich das Gerücht das eine junge Hüterin, im Besitz eines GUARDIAN, eine Karawane durch die Welt führte, ohne auch nur ein Mitglied zu verlieren.




Langsam stapfte Amelie durch die trostlose Ödnis, immer wieder knackte der trockene Boden unter Ihren Stiefeln auf, eine leichte Brise wehte umher, wirbelte Ihr loses, schwarzes Haar um Ihrer Gasmaske herum.
Seit Tagen war die Karawane auf der Suche nach Wasser, doch soweit das Auge reichte konnte niemand auch nur einen Flecken Wasser entdecken, der nächste Sektor wurde an die Welt verloren.
„Wir sollten umkehren“ forderte Amelie ihren Karawanenführer auf, welcher vorsichtig eine Karte studierte, wie gerne Amelie Ihm erzählen würde, das der GURDIAN eine besaß, sie wie von Geisterhand auf den Boden projizieren konnte, doch hatte Sie es ihm versprochen es keiner Seele zu erzählen, ihrem GURDIAN welche Sie auch Gamma nannte.
Doch der Führer sagte nichts, er war ein älterer Mann, knappe 40 und laut Amelie mit einem Bein bereits im Grab, schließlich wurden die wenigsten älter als 50.
Er faltete seine Karte vorsichtig zusammen und verstaute diese in seine Jackentasche, während er mit seiner freien Hand über seine Glatze fuhr.
„Wie weit sind wir von der verlorenen Stadt entfernt?“ wollte der Führer wissen.
Die Siedlung in der verloren Stadt, oder auch nur verlorene Stadt genannt war die größte Siedlung 
im Umkreis von fünf Sektoren und gleichzeitig ihr Ursprungsort, der Sitz ihrer Karawane und ihre Heimat.
Einen kurzen Augenblick lang konzentrierte sich Amelie auf Gamma, welcher Ihr die Information innerhalb eines Sekundenbruchteiles mitteilte, ohne das jemand anderes etwas davon mitbekäme.
„Zwei Tage entfernt “ antwortete Amelie selbstsicher, drehte sich um 180 Grad, streckte Ihren rechten Arm aus und deutete von sich weg.
„In Richtung Süden“ fügte Sie hinzu, doch achtete er nicht auf die Richtung in welche Sie deutete sondern eher auf Ihren rechten Arm.
„Ich habe dir doch gesagt, das es keine Gute Idee ist...“
„Ich kann dir nicht ganz folgen?“
„Das Tattoo auf deinem Arm...“ antwortete er und deutete auf Ihrem rechten Unterarm.
Das Tattoo war schlicht und komplett in schwarz gehalten, es hatte die Form eines Omega, einem Symbol der Vorfahren, dessen Bedeutung jedoch in Vergessenheit geraten ist.
„Du weißt, dem Schöpfer gefällt es nicht, wenn man an der Vergangenheit festhielt“
„Und du weißt ich glaube nicht an den Schöpfer“
„Amelie..nicht...“
„Er hat uns verlassen, sieh dich um!“ fluchte Amelie und streckte Ihre Arme von ihrem Körper weg und deutete um sich herum.
„Amelie...“
„Sieh dich um, wie Welt ist verloren, wenn wir nicht bald eine neue Wasserquelle erschließen ist die Siedlung verloren!“ fluchte Amelie weiter, dieses mal noch lauter, so das die anderen Mitglieder der Karawanen es ebenfalls hören konnten.
„Die Geschichtenerzähler sprachen von unseren Vorfahren, wie sie ohne Gasmasken aus ihren Häusern gehen konnten, sich nicht von Tag zu Tag um Wasser sorgen mussten, wenn uns der Schöpfer nicht verlassen hat dann hat er nie existiert!“ 
„Amelie der Grund warum dich niemand wegen deines Ketzerischen Verhaltens verurteilt ist das der Schöpfer über dich wacht und doch sprichst du mit nichts als Hass über Ihn.“
„Er wacht nicht über mich“ antwortete Amelie dieses mal jedoch um einiges leiser
„Natürlich tut er dies, wie sonst erklärst du dir deine Gabe“ argumentierte der Führer, drehte sich von Amelie weg und blickte auf die Karawane hinab,
„Seit drei Jahren bist du unsere Hüterin und seit drei Jahren haben wir kein Mitglied verloren“ fügte er hinzu, ehe er vom Hügel hinab stieg.
„Wir machen uns wider auf den Weg nachhause, in diesem Sektor werden wir kein Glück finden“
fügte der Karawanenführer hinzu und antwortete somit endlich auf Amelies ursprüngliche Bitte.
Die Karawane machte sich bereit und setzte sich langsam in Bewegung, in Richtung verlorene Stadt.




Am nächsten Abend breitete sich die Karawane darauf vor ihr Nachtlager aufzuschlagen, sie befand sich an einer Klippe im Schutze eines antiken Turmes der Vorfahren.
Niemand wusste welchen Zweck dieser Trum damals erfüllte und doch war Amelie fasziniert von diesem, vorsichtig näherte Sie sich dem Turm und konnte erkennen, das in regelmäßigen Abständen die Farbe von einem helleren zu einen dunkleren Ton überging, jedoch die Turmspitze fehlte
Ihr Interesse wanderte vom Turm zu der Klippe hinüber, welcher Sie sich auch langsam näherte und hinabblickte.
Sand, soweit das Auge reichte nur Sand, vereinzelt durchstießen Felsen das schier unendliche Sandmeer und doch war es alles was Sie erkennen konnte, Sand.
„Die Geschichtenerzähler sprachen früher oft von diesen Sandsektoren, die Vorfahren sollen Sie mithilfe von Himmelsschiffen erobert und überquert haben “ sprach eine Stimme, welche sich Amelie langsam von hinten nährte.
„Diese Geschichte habe ich noch nie gehört...“
„Es ist eine aus meiner Kindheit, die jungen Erzähler haben Sie bereits vergessen“
„Vielleicht hättest du Erzähler und nicht Karawanenführer werden sollten“
Der Mann lachte während er sich neben Amelie stellte, sein lachen war ansteckend und zauberte ein leichtes schmunzeln auf Amelies Gesicht, welches wegen der Maske jedoch nur schwer zu erkennen war.
„Willst du die Geschichte hören?“ fragte der Mann während er sich an die Klippe setzte, woraufhin Amelie kurz stumm nickte und sich ebenfalls an Klippe, neben Ihn setzte.
Und er fing an von Schiffen zu erzählen welche über den Sand schwebten Hunderte, Tausende Meter über dem Sandboden, zuerst ganz langsam mit Segeln und auf den Wind angewiesen, später dann mithilfe von etwas was er Treibstoff nannte, einer Art Wille des Schöpfers, welcher es den Menschen ermöglichte, Gegenstände ohne große Anstrengung zu bewegen.
Doch war diese Geschichte für Amelie nur nebensächlich, Sie würde es nie zugeben doch genoss Sie die Zeit, welche Sie mit dem alten Mann verbrachte.
Er hatte Ihr Oft von Ihren Eltern erzählt und je öfter er von beiden sprach umso öfter betrachtete Sie Ihn als eine Vaterfigur aus diesem Grund tat es Ihr Weh, mit Ihm zu streiten und dies geschah oft, schließlich war Sie Hüterin und er Führer, beide hatten das selbe Ziel jedoch unterschiedliche Auffassungen und Lösungsvorschläge.
Die beiden lachten, er erzählte eine Geschichte nach der anderen und die beiden verloren jegliches Zeitgefühl, bis sie sich schließlich spät am Abend doch noch zu Bett legten und schlafen gingen.




Auch der nächste Tag neigte sich dem Ende entgegen als die Karawane sich der verlorenen Stadt nährten, einer Ruine der Vorfahren so groß wie ein ganzer Sektor, es würde noch mehrere Stunden dauern bis sie die Siedlung erreichen würden.
Die Gedanken Amelies waren zerstreut, viele sprachen von einer Gabe und doch war es der GUARDIAN welcher Sie immer wieder vor Gefahren warnte, ihr ermöglichte die Karten der Vorfahren abzurufen um immer auf alles vorbereitet zu sein.
Sie mochte dieses Gerücht nicht und doch konnte Sie niemanden die Wahrheit sagen, man würde Ihr den GUARDIAN wegnehmen, ihn nutzen um einen Vorteil gegenüber anderen Siedlungen zu erhalten und das konnte Sie nicht zulassen, nicht wegen den anderen Siedlungen, aus einem viel selbstsüchtigeren Grund, Gamma war Ihr einziger Freund.
Amelie musste es einsehen Sie lebte eine Lüge, nicht sie war es die über die Karawane wachte, nein der GUARDIAN wachte über sie.
Plötzlich wurde Sie aus Ihren Gedanken gerissen als Gamma Ihr mitteilte das sich eine Gruppe Banditen auf dem nahem Berg sammelten, vier Menschen an der Zahl und sie bewachten die Passage in die verlorene Stadt hinein, wollte die Karawane die Siedlung unbeschadet erreichen, so mussten die Banditen zuerst unschädlich gemacht werden.
Ihr Blick wanderte von Gamma, welcher langsam in Kreisen um Ihren Kopf schwebte, zum Karawanenführer.
„Auf dem Berg befinden sich vier Banditen“ flüsterte Sie dem Mann vorsichtig zu, ohne Sie auch nur einen Blickes zu würdigen gab er das Zeichen ein Lager aufzuschlagen.
„Woher weißt du das?“ wollte er wissen, noch nie hatte Sie es Ihm so direkt erzählt, normalerweise erfand Sie ausreden, um die Karawane an solchen Gefahren vorbei zu führen, doch Heute nicht, Amelie wollte das er Sie in Frage stellte, dann könnte Sie es endlich jemandem beichten, die Wahrheit über Gamma.
„Du sagtest der Schöpfer wacht über mich...“ stammelte Amelie vor sich hin, Sie wollte Ihm die Wahrheit erzählen, doch fiel Ihr die Lüge wieder regelrecht aus dem Mund.
Der Karawanenführer blickte Misstrauisch hinein, zwar hatte Amelie noch nie unrecht gehabt, doch hatte Sie vor wenigen Tagen erklärt das der Schöpfer sie alle verlassen hätte.
Ohne auch nur einen weiteren Moment zu verlieren, signalisierte er einigen Wachen, dass Sie sich nähern sollten und erklärte Ihnen die Situation, jedoch verschwieg er Ihnen woher Amelie es wusste und erfand eine kleine Notlüge.
Während die Wachmänner sich nun vorsichtig von hinten an die Banditen annäherten wollte Amelie wissen, wieso er ihnen nicht die die Wahrheit erzählt hatte, doch winkte der Mann ab und 
erklärte, „Ich erzählte Ihnen,das du Spuren von Banditen entdeckt hast, weil es weder der Ort noch der Zeitpunkt für Religiöse Vorsehungen sei, vor allem nicht für Wachen die Banditen unschädlich machen müssen“ erklärte der Karawanenführer.
„Es wird langsam Spät, sie werden sicher nicht vor Morgengrauen zurück sein, es wäre das beste wenn wir uns alle Schlafen legen würden und uns für morgen ausruhen “ schlug der Mann vor und machte sich auf den Weg ein Schlafplätzchen zu finden, was Ihm Amelie nachmachte.




„Wach auf...“ eine Stimme rief nach Amelie, Sie versuchte die Stimme zuzuordnen, doch kannte Sie niemanden der sich so anhörte.
„Wach auf Amelie...es wird Zeit“ 
Blitzschnell schoss Sie in die Höhe, Ihre Hände zu Fäusten geballt die Augen noch halb zu, es war nach wie vor Dunkel und niemand war wach, das einzige was sich bewegte war Ihr GUARDIAN und doch rief jemand nach ihr.
„Die wachen sind noch nicht zurück“ fügte die Stimme hinzu und plötzlich fiel es Ihr ein, Ihr Blick wanderte vorsichtig über Ihren Kopf zu Gamme, dem GURDIAN.
Es war seine Stimme, zumindest die welche Sie sich immer vorstellte wenn Gamma Ihr Informationen mitteilte.
„Gamma?....“ flüsterte Amelie leise in die Höhe, woraufhin Ihr GURDIAN sich vor Ihrem Gesicht positionierte und dieses leicht erhellte.
„Wir müssen los Amelie....es wird Zeit.....“ sprach er ein weiteres mal und doch konnte Sie es nicht glauben seit 21 Jahren besaß Sie den GURDIAN bereits und doch hatte er nie mit Ihr gesprochen.
„Wieso kannst du sprechen?“ 
„Es wird Zeit“
„Wieso“
„Vertrau mir“ sprach Gamma und schwebte langsam zum Fuß des Berges hinüber 
Amelies Kopf drohte vor lauter Fragen zu Platzen und doch setzte Sie sich langsam in Bewegung.
Sie dachte an die Wachen, an die Banditen, vielleicht ist was Schiefgegangen, sollte Sie Hilfe mitnehmen?
All diese Fragen fielen Ihr ein, doch als Sie sich auf Gamma konzentrierte konnte Sie nur ein Gefühl der Sicherheit und des Glückes spüren, doch am Berggipfel angekommen verschwanden diese Gefühle so schnell wie sie auch gekommen waren.
Sowohl die Wachen als auch die vier Banditen lagen Leblos am Boden keiner rührte sich.
Amelies Atem stockte Sie achtete nicht mehr auf Gamma oder sein seltsames verhalten, Ihr Blick war nur auf die vielen Leichen fixiert und mitten im Zentrum dieses Horrors ragte ein Stock aus dem Boden und um den Stock herum schwebte er, ein weiterer GURDIAN.
Gamma nährte sich dem GURDIAN an und beide synchronisierten ihren Flug um den Stock, einer der Banditen hatte seinen Arm verzweifelt nach dem Stock ausgestreckt ehe er ermordet wurde, doch von wem?
Es gab keine Spuren eines Kampfes, weder das spärliche Gras am Boden, noch die Kleidung der Leichen war beschädigt gewesen, nicht einmal Verletzungen waren Sichtbar, dass einige was Amelie in die Augen sprang war ein Tattoo am Unterarm des Banditen, schlicht und komplett in schwarz gehalten, es hatte die Form eines Alpha.
„Es wird Zeit“ sprach Gamma und Amelies Blick fixierte sich auf Ihren GURDIAN, welcher nach wie vor mit dem zweiten herumschwirrte.
„Zeit wo für?Was ist hier passiert?Wieso ist hier ein zweiter GURDIAN?Gamma?“
„Gamma?“ sprach der zweite GURDIAN, worauf jedoch Gamma nicht näher einging
„Vertrau mir, ich habe dich immer unterstützt, immer wie Wahrheit gesagt “ 
„Gamma, Bitte erzähle mir was hier vor sich geht“
„Ich werde dir alles erzählen nachdem du den Stab an dich genommen hast“
Amelies Blick wanderte vom zweiten GURDIAN zum Stab hinunter, es war ein einfach Stab, an einem Ende mit einem Stofffetzen umwickelt.
Sie wollte immer noch Wissen was hier passiert ist, wieso Gamma plötzlich mit Ihr spricht, warum da ein zweiter GURDIAN ist und noch vieles mehr, doch wanderte Ihre Hand wie von Geisterhand auf den Stab zu, sie umklammerte ihn, Sie zog an ihm und hielt ihn über Kopf.
Er pulsierte.
Der Stab Pulsierte.
Sie konnte es in Ihrer Hand spüren
Ihr Blick wanderte wieder zu Gamma zurück
„Richte Ihn gegen die Wolkendecke“
„Wieso?“
„Vertrau mir“
Amelie tat wie befohlen, Sie richtete den Stab gegen die Wolkendecke und fixierte mit Ihren Augen einen Punkt welcher sich direkt über der Siedlung befand.
Und plötzlich bildete sich ein Vortex über die Siedlung, die Wolkendecke wurde zum ersten mal sein dem langen Krieg durchbrochen und es donnerte.
Erst einmal dann ein zweites mal und immer öfter, bis plötzlich ein Heller Lichtstrahl durch die Öffnung schoss und in der Siedlung endete, plötzlich war es ganz hell.
Amelie konnte nichts mehr erkennen, es wurde so hell, dass alles nur noch weiß schien.
Ihre Augen schmerzten, mit der linken Hand versuchte Sie Ihre Augen zu schützen, doch konnte sie das grelle Licht selbst dadurch erkennen.
In der rechten nach wie vor der Stab, von welchem eine angenehme wärme abging.
Langsam normalisierten sich die Lichtverhältnisse, und als Amelie Ihre Augen wieder öffnete blieb Ihr der Atem im Hals stecken.
Die Siedlung brannte.
Die Siedlung in der verlorenen Stadt brannte.
Die Wolkendecke schloss sich wieder und Ihr Blick wanderte zum Stab hinunter, welcher ebenfalls Feuer fing.
„Gabriel es wird Zeit, löse dein Versprechen ein“ sprach eine Stimme und Amelies Blick fixierte sich abermals am zweiten GURDIAN.
„Du hast recht Michael“ erwiderte Gamma.
Der GURDIAN setzte sich in Bewegung und schwebte langsam zu Amelie hinüber und stürzte zu Boden, während Amelie Wortlos auf die Stadt hinunterblickte.
„Du hast deinen Teil erfüllt, ich werde dir nun alles erklären...“ sprach Gamma, oder doch Gabriel?
Amelie wusste nicht an was Sie noch glauben sollten, das alles fühlte sich wie ein schlechter Traum an, von welchem Sie jeden Moment erwachen würde, doch erwachte Sie nicht.
„Was passiert hier, die Wolkendecke, der Lichtblitz...der Stab“ unzählige Wörter strömten aus Amelies Mund, ohne auch nur einen Gedanken an diese zu verschwenden.
„Du hast mithilfe des Aron Stabes ein Feuer entfacht welches die Welt reinigen wird “
„Ich verstehe nicht“
„Natürlich nicht“ erwiderte der zweite GURDIAN Michael, während eben dieser ebenfalls zu Boden stürzte. 
„Die Welt wurde durch deine Vorfahren vergiftet. Sie führten Kriege und zerstörten alles was Gut war, das Feuer wird einen Neuanfang sicherstellen“ erklärte Gabriel weiter.
„Einen zweiten Neuanfang“ fügte der zweite GURDIAN hinzu.
„........warum das alles?“
„Die Menschheit sündigt, selbst nach dem langen Krieg habt Ihr euch nicht geändert und deshalb wurden wir geschickt “ 
„Ihr seit keine GURDIAN!“
„Nein, ich bin...war dein Schutzengel, seit Jahrhunderten wandelte ich umher. Auf der suche nach einer rechtschaffenen Seele, bis ich schließlich deine Mutter fand.
Mein Vater hatte mich angewiesen Sie zu führen, Sie zu schützen, Sie zu behüten, doch dann Starb Sie und du warst auf der Welt, dies war vor 21 Jahren“
„Euer Vater...“ fragte Amelie und deutete auf die beiden GURDIAN am Boden„...der Schöpfer?“
„Unser Vater der Schöpfer wie ihr Ihn nennt, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega, alles und nichts“ antwortete der zweite GURDIAN
„Die Menschheit bekommt einen zweiten Neuanfang und alle rechtschaffenen Menschen werden gen Himmel, ins Paradies aufsteigen“ fügte Gabriel hinzu, während Amelies Blick wieder zu den Leiche wanderte, welche nach wie vor um Sie verteilt lagen, Sie jedoch viel weniger beschäftigten als noch vor einigen Momenten.
Ein zweiter Knall.
Ein zweiter Lichtblitz.




Amelies Blick blieb weiterhin auf die Leichen fixiert, doch veränderten sich diese, sie zerfielen langsam zu Staub, bis nur noch der Staub übrig war und auch dieser verschwand.
„Was passiere hier?!“ wollte Amelie Wissen, während Sie sich vorsichtig von dem Staub entfernte.
Sie hatte Angst, doch noch geschah Ihr nichts.
„Die Läuterung hat begonnen“ erklärte Gabriel, „Doch noch beschütze ich dich, bis alle deine Fragen beantwortet sind“ fügte er hinzu.
„Und dann?“
„Deine nächste Frage“ forderte Gabriel Sie auf, noch wollte er nicht über Amelies Zukunft sprechen.
„Warum ich, warum konnte der Schöpfer die Läuterung nicht selbst beginnen?“ wollte Sie, den Tränen nahe, wissen.
„Der Mord ist eine Sünde und unser Vater, euer Schöpfer sündigt nie“ erklärte der zweite GURDIAN, doch wollte Amelie nicht locker lassen.
„Er hat diesen Stab erschaffen, er tötete all diese Menschen, wenn auch nur indirekt!“
„Die Wege des Herren sind unergründlich“ antwortete der GURDIAN, ehe er unterbrochen wurde.
Ein dritter Knall.
Ein dritter Lichtblitz.




Nun zerfielen auch die Ruinen, die Gebäude, die Pflanzen, die Bäume einfach alles in Ihrem Sichtfeld zerfiel zu Staub, bis auch der Staub verschwand nur Sie selbst nicht, Sie selbst blieb ein weiteres mal erhalten.
„Warum ich?“
„Nach dem Tod deiner Mutter warst nur du übrig, ein rechtschaffener Mensch, ohne Sünde, ohne Schuld, deshalb ließ ich den GURDIAN erwachen, gab mich als Gamma zu erkennen und führte dich, beschütze dich, behütete dich“ erklärte Gabriel weiter, als nur noch Himmel, Erde und Wolken zu sehen waren.
„Wer war der Mann...“ wollte Amelie wissen, „Der Mann mit dem Alpha Tattoo?“
„Der Bote, seine Aufgabe war es den Stab hierher zu bringen und Michael, mein Bruder führte Ihn, beschütze Ihn, behütete Ihn, sein Name war Omar“
„Und ich bin?“
„Die Vollstreckerin, deine Aufgabe war es die Kraft zu kanalisieren und Freizusetzen“
„Komme ich nun auch in den Himmel,ins Paradies?“
„Nein“
„Aber...“
„Du hast gesündigt, alle diese Seelen auf der Erde zum Tode verdammt, du wirst niemals ins Paradies eintreten“ erklärte Gabriel, während nun auch der Boden unter Ihren Füßen, die Wolken unter Himmel über Ihren Kopf, selbst die Sonne, die kurz darauf sichtbar wurde, all dies verschwand und zurück blieb eine Dunkelheit.
„Was wird dann mit mir geschehen?“
„Nichts“
„Ich verstehe nicht“
„Du wird Zeugnis von diesem Moment ablegen, auf das die nächste Welt nicht den selben Weg, die selben Fehler wie deine begehen wird “ erklärte Gabriel weiter.
„Also ist dies.... das Ende?“
„Nein“ sprach Gabriel, „Dies ist der Anfang vom Ende...“ und mit diesen Worten verschwand seine Präsenz, obwohl Amelie Ihn seitdem der GURDIAN zu Boden fiel, nicht mehr sehen konnte, konnte Sie Ihn doch spüren, doch jetzt war da nichts mehr.
Gabriel hatte Sie verlassen.
Der Schöpfer hatte Sie verlassen.
Sie konnte nur noch in das ewige nichts, dem Anfang vom Ende blicken und warten.
Auf ewig Warten.
Warten.
Warten bis das Ende endete.
Dies war Ihr Ende.


Zuletzt von Akeem am 24.06.18 12:57 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 24.06.18 12:57
Broken

Schwerfällig setzte sie einen Fuß nach dem anderen. Der Asphalt unter ihren Füßen war gebrochen und uneben. Die Häuser an den Seiten der Straße waren leer und teilweise in sich gefallen. Dornige Ranken kletterten an den Mauern hoch und schienen die Gebäude nur weiter zerdrücken zu wollen. Der Himmel war grau und düster. Sie bewegte sich in einer wunderschönen, dystopischen Welt. Zerstört, triste und verlassen. Nela fand es schon immer ironisch, wie diese Szenerie mit ihrem Innenleben übereinstimmte. Doch dieses Mal hatte sie keinen Kopf um die Ruinen zu bestaunen. Ihr Herz war schwer und schmerzte. Gerne hätte sie geweint, doch ihr Körper konnte nicht noch mehr Tränen produzieren, als ohnehin schon.
"Ich wollte dich beschützen... Doch nun sieh mich an... Was habe ich geschafft? Dir das angetan, Kate", sprach sie leise zu sich selbst und doch hallten ihre Worte seltsam laut von den Wänden der Gebäude ab. Ihr Fuß verfing sich in einem der Risse im Asphalt und ließ sie unsanft auf dem harten Boden landen. Der pochende Schmerz fühlte sich seltsam entfernt an... Nela wäre am liebsten einfach liegen geblieben. Einfach liegen bleiben, ohne jemals wieder etwas zu tun und so zu verenden. Sie hatte Angst. Angst davor Kate zu begegnen. Angst vor den Konsequenzen ihrer Handlung. Die Stille dieser Welt war beinahe unerträglich. Wieso konnte niemand sie an den Pranger stellen und ihr ihre Schulden vor Augen halten? 
Sie schüttelte etwas den Kopf und rappelte sich wieder auf die Beine, nur um langsam einen Schritt nach dem anderen zu machen. Nela konnte förmlich spüren wie die Last auf ihren Schultern saß, ihr das Gehen erschwerte. Wieso konnte die Last sie nicht einfach ein für alle Male erdrücken? Wieso bewegten sich ihre Muskeln inzwischen von alleine? Wieso sollte sie noch alleine durch diese Endlosigkeit gehen?
Die Erde begann unter ihren Füßen zu beben. Nela taumelte und fiel wieder auf die Knie, während sie zusah wie das hohe Gebäude neben ihr in sich zusammenfiel. Wie in Zeitlupe, damit sie auch nichts davon verpassen würde. Damit es sich so anfühlte, als ob ein Stück von ihr selbst gerade zerbrach und zu Boden ging. Eine Welle Staub und Kleinteile überrollte sie gnadenlos. Fensterscherben regneten auf sie herab, schnitten tief und schmerzhaft in ihre Haut. Kleine Teile der Mauern schlugen ihr entgegen. Doch die größeren Teile verfehlten sie ständig. Viel zu schnell als es eigentlich möglich wäre konnte Nela wieder durch die Staubwolke blicken, hinauf zu dem Gebäude das noch halb stand und in sich zusammen fiel. Rauch stieg in großen Schwaden darüber auf und verschwanden in dem grauen Himmel. Es sah beinahe so aus, als ob das Gebäude den Schmerz in den Himmel schreien oder weinen würde. Als würde das Gebäude genau das tun, was Nela einfach nicht mehr konnte.
Nur aus dem Augenwinkel bemerkte sie eine Bewegung. Schnell sah sie sich um und erhaschte erneut eine helle Silhouette jenseits der Staubschwaden. "Kate!", rief sie, stemmte sich wieder auf die Beine, dabei die Schmerzen ignorierend, und stürmte der Gestalt nach, raus aus der Wolke und über die Risse des Asphalts. Ranken schossen aus den Öffnungen, versuchten Nelas Beine zu erwischen, doch bekamen sie nicht mehr zu Fassen. Da begann die Erde wieder zu beben. Sie konnte gerade noch stehen bleiben, als die Straße knapp vor ihren Füßen einen Riss bekam, der sich immer weiter zog, bis die Erde dahinter nachgab und in Schwärze fiel. Nela starrte in die Finsternis vor ihr, ihr wurde nur allmählich klar, dass sie nun quasi vor einer Klippe stand. Alles was hinter dem vermeintlichen Riss gelegen hatte war nun verschwunden.... Bis auf die helle Gestalt. Sie stand einfach in der Luft, als könnte sie schweben. Die Erscheinung drehte sich eben zu ihr um und bewegte sich auf sie zu. Je näher sie kam, desto deutlicher erkannte Nela ihre kleine Schwester. Es war tatsächlich Kate. Sie schien förmlich ein Licht in diese triste Welt zu scheinen. Sie schenkte Nela ein liebevolles Lächeln und hielt ihr die Hand hin.
"Nela... Lass uns davon laufen. Davon fliegen. Raus aus diesem Alptraum", schlug sie sanft vor. In Nelas Kopf hallte nur ein Wort, wurde immer lauter und nahm ihren Gedanken komplette ein: "Nein." Kate legte nachdenklich den Kopf schief, ließ die Hand aber nicht sinken. Die ältere Schwester schüttelte nur verstärkt den Kopf und schritt vom Abgrund, und auch von Kate, weg. "Ich will nicht mehr, Kate... Ich möchte gar nichts mehr. Nicht mehr fühlen. Nicht mehr denken. Nicht mehr sein. Lass mich hier."
Der Geist ihrer Schwester schüttelte nur den Kopf, versuchte noch einmal sich ihr zu nähern, doch Nela antwortete mit einem lauten 'Nein!', woraufhin die Schwärze des Abgrunds Kate in ihre Tiefen zog. Der Anblick ließ schmerzhafte Erinnerungen aufleben. Wie Kate hinab stürzte und unter dem Wasser an der Klippe verschwand. Wimmernd kauerte sie sich zusammen, wünschte sich erneut weinen zu können, leider vergebens.


Ohne Ziel wanderte sie wieder durch die Stadt, wie sonst auch immer. Immer mehr Gebäude stürzten in sich zusammen, verwandelten alles in eine einzige Ruine. Nela konnte sich noch gut daran erinnern, als sie das erste Mal in diese Stadt aufgetaucht war. Sie war beeindruckt von der strahlenden Stadt gewesen. Erkundete gerne die blühenden Alleen, schlenderte mit Freude über die malerischen Märkte und lugte neugierig in jede dunkle, düstere Gasse. Und mit einem Mal begann alles zu zerfallen. Als Nela vor vier Jahren herausfand, dass ihr damaliger Freund Ben nichts anderes als ein Lügner und Betrüger war. Die Farbe der Häuser verblasste, der Himmel wurde grau und die Dunkelheit der Gassen breitete sich über alle Straßen aus. Als er wenige Wochen später tot aufgefunden wurde, stürzten die ersten Häuser ein und die Dornenranken krochen aus jedem Loch, das es gab. Und nun? Nun stürzte ein Haus nach dem anderen ein. Doch im Unterschied zu dem Einsturz des hohen Bürogebäudes gab es keine Staubwolken, sie wurde nicht von Glas und Mauerteilen getroffen. Wie Häuser aus Holzklötzen fielen sie in sich zusammen und verstreuten die Ziegel und Steine im näheren Umkreis. Nela stoppte, als ein Ziegelstein vor ihren Füßen landete, starrte ihn an. Etwas in ihr sehnte sich nach der alten blühenden Stadt, wollte Stein für Stein alles wieder aufbauen. Doch wozu? Die Dunkelheit würde sich nur noch weiter ausbreiten, ihr die Luft zum Atmen nehmen oder vielleicht komplett verschlingen. Dieser fürchterliche Alptraum würde nie mehr enden. 
Während Nela sich immer mehr in diesen Gedanken verlor, wanden sich Ranken ihre Beine hinauf, wickelten sich um ihren Bauch, fesselten im gleichen Zug ihre Arme an den Körper. Die spitzen Dornen drückten sich in sie, brachen durch ihre Haut und gruben sich in ihr Fleisch. Der Schmerz breitete sich in Nela aus, doch sie hieß ihn willkommen. Hatte sie es anders verdient? Immerhin hatte sie Kate umgebracht. Hätte sie die Hand nach ihr ausgestreckt, sie festgehalten… Sie wäre niemals in die Tiefe gestürzt. Es war einzig und allein ihre Schuld. Sie hätte eine bessere Schwester sein müssen und Kate beschützen sollen. Der Geist erschien auch wieder vor ihr, sah sie mit Tränen in den Augen an. Schon packte sie die Ranken und versuchte sie von Nela zu zerren. Wieso? Wieso versuchte sie ihr so zu helfen? Sie war zu gutmütig. 
Schwer atmend ließ sie irgendwann ab und sah auf ihre Hände. Für einen Moment hätte Nela gehofft, dass sie es aufgegeben hätte. Doch sie begegnete dem entschlossenen Blick in den haselnussfarbenen Augen der Jüngeren. Etwas in ihr regte sich. Sie hatte Kate noch nie entschlossen gesehen. Ihre Schwester fiel ihr um den Hals und drückte sie so stark sie konnte, die Dornen dabei ignorierend. "Es ist nicht deine Schuld! Es war ein Unfall! Ich weiß, dass du mich liebst und mich vermisst. Aber du musst mich ziehen lassen. Hebe den Kopf. Liebe, lache, lebe." 
Nela blinzelte sie unter Tränen an. Die Dornen zogen sich langsam zurück, als die Ranken den Griff lockerten. Gleichzeitig begann die Welt wieder wild unter ihren Füßen zu beben.
"Gib dich nicht auf!"
Die Dornen der Ranken waren nun endgültig verschwunden, an ihre Stellen traten Knospen. Sie wuchsen und wuchsen, öffneten sich und enthüllten wunderschöne rote Rosen. So schön sie waren und so süß sie rochen, es schmerzte in Nelas Brust. Tränen fanden endlich wieder die Wege in ihre Augen. Kate schenkte ihr erneut ein sanftes Lächeln und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, bevor sie immer weiter verblasste und endgültig verschwand. Die Ranken hielten Nela noch kurz behutsam, ehe sie sie vorsichtig auf den Asphalt abstellten. Der graue Himmel wirkte mit einem Mal heller und friedlicher als zuvor. Auch die Häuser hatten aufgehört in sich zusammen zu fallen. So blickte Nela zu ihren Füßen, wo immer noch der Ziegelstein lag. Entschlossen nickte sie, ehe sie ihn aufhob und ihn wieder in die Mauer legte. Egal wie lange es dauern würde, sie würde alles wieder aufbauen. Stein für Stein. Sie würde neu anfangen, nach vorne sehen. An ihre Liebsten um sich denken. Sie hob den Blick von der Wand. Auf ihrer gegenüberliegenden Seite legte ein blondes Mädchen einen Stein sorgfältig auf einen anderen, nur um breit zu ihr herüber zu grinsen und zu winken. Emma. Und der Junge, der ihr die Steine reichte. Vladimir. 
"Wetten ich krieg meine Wand schneller fertig als du?!", rief ein Junge herausfordernd.
"Wetten dass nicht!", entgegnete ein Mädchen und streckte ihm die Zunge raus.
Nebenan saßen die Zwillinge. Etwas weiter waren Jack und Luna, die den Wiederaufbau besprachen. Immer mehr und mehr vertraute und geliebte Gesichter tauchten auf. 
"Wir sind alle hier und helfen dir", erklang der sanfte Bariton an ihrem Ohr. Nela musste unwillkürlich Lächeln und lehnte sich etwas an ihn. Ja. Sie wollte fühlen. Sie wollte denken. Sie wollte sein. Man würde sie nicht alleine lassen, nicht verlassen. Alle würden ihr helfen die Stadt wieder aufzubauen und zu einem belebten, fröhlichen Ort machen.




"Nela?"
Im ersten Moment wusste sie nicht, ob sie schlief oder wach war. Erst als er die Hand zurück zog bemerkte sie, dass er ihren Kopf sanft gestreichelt hatte. Und so öffnete sie langsam die Augen und sah zu dem Mann neben ihr auf. Besorgt musterte er ihr Gesicht, versuchte wieder zu erkennen, wie angeschlagen sie von ihren Träumen war. 
"Du hattest wieder einen Alptraum, nicht wahr?", fragte er dann vorsichtig. Natürlich. Immerhin gab es Tage, an denen sie sich an seiner Brust deshalb ausweinte und Tage an denen sie ihn halb erschlagen hätte, weil er es auch nur angesprochen hatte. Langsam setzte sich Nela auf und nickte ein wenig. Sie hörte ihn seufzen, als er sich ebenfalls aufsetzte und liebevoll die Arme um ihre Schultern legte. 
"Ich wünschte ich könnte etwas daran ändern", murmelte er leise in ihr Haar, als er ihren Scheitel küsste. Seine Stimme war schrecklich. Der viel zu sanfte Bariton ließ in jedem einzelnen Wort mitschwingen, wie sehr er sie liebte. Es tat schon beinahe weh wie sehr. Normalerweise hätte sie seine Arme weggeschoben und wäre aufgestanden, doch dieses Mal lehnte sich Nela an ihn und schloss wieder die Augen.
"... Du hast etwas geändert, Leon", bemerkte sie. Auch ohne ihn zu sehen wusste sie, dass er sie gerade verwundert anblinzelte. "Du... hast alles geändert... Lass mich nie mehr los, verstanden?" 
Leon lachte leise und strich ihr über die Wange. "Das könnte ich niemals, mi vida." 
Egal wie der groß der Schmerz in ihr noch sein mochte, sie würde lieben. Lachen. Leben. Nun konnte sie von vorne anfangen, das Zerstörte wieder aufbauen. Der Alptraum war vorüber. 
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 01.07.18 14:07
Das Voting ist beendet. Ihr habt entschieden und das Ergebnis ist folgendes:


  1. Gebranntes Kind von @Philodoof mit 4 Stimmen
  2. Alpha und Omega von @Fergesun mit 2 Stimmen
  3. Borken von @Saddy-chin



Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben und Glückwunsch an die Gewinner!
Das Feedback folgt in den nächsten Tagen, die Jury braucht noch ein bisschen. Genauso die Abzeichen.


Nun noch eine Frage an euch: Hat euch das mit dem Bild statt Thema gefallen? 
Und welches Thema wollt ihr als nächstes haben?
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 19:45
Ich mochte die Idee mit dem Bild als Schreibthema. Aber es ist wohl entscheidender, was die sagen, die nicht teilgenommen haben.

Vielleicht kann sowas ja auch umgekehrt funktionieren. Eine vorgegebene Geschichte und der Auftrag ein Bild dazu zu zeichnen.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 20:47
Ich bin auch dafür das statt ein Thema lieber Bilder genommen werden.

Was Philo's Idee angeht, die Idee ist Grundlegend nicht schlecht. Aber ich denke das wird für andere eher schwer umzusetzen sein. Besonders für die die eigentlich nicht viel zeichnen. Was man machen könnte ist dies bezüglich eine Abstimmung.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 22:08
Feedback zu Das gebrannte Kind von @Philodoof

Wir haben schon oft darüber gesprochen Spannung, wie man einfach Spannung über Mysterien aufbauen kann. Wenn dem Leser Informationen fehlen und diese ihm nach und nach zugefüttert werden, bleibt er bei der Stange, will mehr erfahren, wissen wie es weitergeht.
Genau das tut diese Geschichte am Anfang sehr stark, kommt aber relativ schnell auf dem Punkt und erklärt einige Dinge dem Leser einfach gerade heraus. Trotzdem bleibt diese Art von Spannung und das Mystery, von dem wir so oft erzählen, ist doch eigentlich schon aus dem Sack? Wieso bleibt es trotzdem spannend?
Als der Gerichtsprozess beginnt und die verschiedenen Parteien Position beziehen, ist der Sachverhalt eigentlich schon klar dargestellt worden. Das Mystery ist jedoch nicht weg, sondern wurde einfach durch ein neues Ersetzt. Die Frage ist nun nicht mehr: Was ist passiert? Sondern: Was wird passieren? Beziehungsweise: Wie wird der Anwalt der Firma die Jury trotzdem überzeugen wollen? Und vor allem: Wird der Anwalt die Jury überzeugen können?
Diese Fragen so lange offen zu lassen, wie es nur möglich ist und immer wieder Wendungen einzufügen, die neue mögliche Antworten auf diese Fragen erzeugen, lässt den Leser am Ball bleiben. Er will Antworten auf diese Fragen haben, aber die bekommt er nur, wenn er weiterliest. Genau das wollen wir erreichen und zum größten Teil ist es auch genau das, was hier erreicht wird.
Statt dem Begriff „Fragen“ könnten wir hier nun einfach wieder „Mystery“ einfügen und wir haben wieder die Punkte, über die wir bereits mehrmals gesprochen haben. Welcher Begriff hier am besten ist, wollen wir gar nicht bewerten. Man könnte auch „Plotfragen“ oder so etwas sagen.  US-Regisseur J.J.Abrahms (Lost, Cloverfield, Star Trek, Star Wars 7) erklärt dieses Konzept z.B. „Mystery-Boxen“ und wenn er es mit ein paar Beispielen füttert, wird einem ziemlich schnell bewusst, dass diese Dinge eigentlich in der DNA eines jeden Lesers und Autoren vorhanden sind. Wir kennen diese Regeln alle, aber machen sie uns vielleicht nicht immer bewusst.



Das große Problem mit „Mystery -Boxen“ (und diesen Kritikpunkt muss sich Mr. Abrahms auch selbst gefallen lassen) ist, umso länger sie ungeöffnet im Raum stehen, die Fragen also nicht beantwortet bleiben, umso größere Antworten erwartet der Leser auch. Und sollte die Auflösung einer Frage nicht im Entferntesten das sein, was man sich vorgestellt hat, dann ist der Leser sehr enttäuscht. Man nehme eine Mystery-Box so hoch wie ein Haus, sie steht sechs Staffeln vor deiner Haustür und als sie endlich geöffnet wird, befindet sich darin nicht mehr als weißer Rauch. Das ist nicht befriedigend!
Was setzt man dem entgegen?
Das erste, was man machen sollte ist sich zu überlegen: Übertreibe ich es nicht gerade mit der Verzögerung der Antwort? Ergibt es noch Sinn, dass ich die Antwort nicht direkt präsentiere? Ist dieser Part der Verzögerung in sich interessant genug, um zu rechtfertigen, die große Antwort noch nicht zu geben?
Diese Geschichte muss sich diese Fragen auch gefallen lassen, denn hin und wieder wirkt es etwas gestreckt, was den Leserfluss und den allgemeinen Flow etwas ins Stocken bringt. Nehmen wir als Beispiel das jeweilige Abschlussstatement der beiden Anwälte. Sie fassen beide nur noch einmal ihre Positionen zusammen, die vorher schon völlig klar gewesen waren und halten zwar emotionale Reden, die dem Genre des Gerichtsdramas huldigen wollen, tragen aber nichts zum Plot bei, außer die große Antwort „Was wird die Jury entscheiden“ zu verzögern.
Man sollte sich also die Frage stellen: Ist dieser Teil wirklich nötig und ist er an sich interessant genug, um ihn zu behalten, oder sollte ich ihn nicht einfach herausnehmen? Diese Entscheidung ist vor allem meistens Geschmacksfrage, wenn nicht extreme Pacing-Probleme dadurch entstehen.
Außerdem ist es immer wieder gut, auf große Fragen Teilantworten zu geben, die wie ein Puzzle Stück für Stück das Ganze erscheinen lassen, damit der Leser miträtseln kann. Wobei dieser Tipp vielleicht eher etwas für längere Erzählungen ist.

Interpretation
Die Geschichte möchte uns ganz klar auf die Ungerechtigkeit des Rechtssystems hinweisen. Die Firma wird mit ihrem diabolisch wirkenden Anwalt als ganz klarer Bösewichte dargestellt, die mit jedem gewieften Mittel versucht, die Schuld einem Unschuldigen in die Schuhe zu schieben.
Diese Systemkritik lässt kein gutes Haar an Unternehmen, denen es offenbar nur um Profit und nicht mehr um Menschlichkeit geht und so eine Frau an ihre emotionalen Grenzen bringt. Diese Kritik geht sogar noch weiter, als der Anwalt der Firma die Warnhinweise und das Einhalten der Vorschriften als Verteidigung angibt und die Verantwortung wegdrückt. Die Gesetze und Auflagen sind so gestaltet, sodass sie kostengünstig umgesetzt werden könnten (nur ein einfacher Zaun), da die Gesetzgeber (Politiker) durch Lobbyisten dahingehend bestochen wurden. „Wir haben alle Auflagen erfüllt, uns kann keine Schuld treffen.“ So die Idee.
Die Hoffnungslosigkeit dieser Situation und die Macht der Konzerne über Gerechtigkeit und Menschlichkeit zeigt sich im letzten Moment der Frau, die zur Terroristin geworden ist und nichts mehr hat, wofür sie leben kann. Vom Rechtsstaat allein gelassen, scheint sie auf ein alte, biblische Rechtsprechung zurückzugreifen: Auge um Auge… Und nur im Freitod findet sie Gerechtigkeit, nicht in dieser abscheulichen korrupten Welt.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 22:10
Feedback zu Alpha und Omega von @Fergesun

Wir legen dem Autor dieser Geschichte vor allem das Review seiner letzten Geschichte an Herzen und bitten ihn die Punkte noch einmal genau zu lesen, denn die Auffälligkeiten sind auch hier ziemlich dieselben.
Die Geschichte ist gespickt mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Dies muss wirklich nicht sein. Wie bereits in unserem letzten Review erwähnt und im Review zu ANOTHER SPACE STORY verlinkt, gibt es viele Möglichkeiten Rechtschreibung prüfen zu lassen. Seiten wie Duden.de oder auch Google helfen einem dabei, Fehler zu finden und zu korrigieren. Auch automatische Rechtschreibprüfung wie die von Open-Office oder Word sollten helfen, um solche Fehler schnell zu finden.
Vertippen tut sich jedoch jeder einmal und das bleibt nicht aus. In grammatikalischen Fragen kann man den einschlägigen Prüfungen auch nicht immer vertrauen, aber für eine erste Durchsicht reicht es sicher. Für weitere Hilfe sorgen eure Freunde, Verwandte oder vielleicht sogar Fremde, die sich als Beta-Leser zur Verfügung stellen. Ein Beta-Leser ist jemand, der die noch unfertige Geschichte bzw. den ersten Entwurf einmal gegenliest und euch Feedback gibt. Diese werden euch dann sicher auf mangelnde Rechtschreibung hinweisen und auch allgemein Feedback geben können, was an euren Geschichten funktioniert und was man noch mal verändern sollte.
Auch wir vom Team bieten uns als Beta-Leser an, also wenn ihr diesen Dienst nutzen wollt, sagt einfach bescheid und schickt den Entwurf rüber.
Ein weiterer Punkt, den wir auch schon beim letzten Mal bis zum Erbrechen erläutert haben, ist die gute alte Exposition. In diesem Fall haben wir wieder einen sehr groben Fall von zu viel Exposition an der falschen Stelle. Die Geschichte beginnt mit einer fast Geschichtsbuch-Artigen Einleitung in die Welt und die GUARDIANS. Dieser Info-Dump wirkt ziemlich überfordernd und durch den schlechten Leserfluss (bedingt durch die vielen Fehler) fällt es schwer sich dadurch zu arbeiten. Das ist schade, dabei ist der Rest der Geschichte doch wirklich interessant.
Solche Texte sollte man am besten versuchen zu vermeiden und sich fragen, wie viele von den Informationen der Leser wirklich benötigt und wenn möglich diese über mehrere Passagen zu verteilen.
Auch hier habe ich erst kürzlich einen interessanten Vortrag gesehen. Der beschäftigt zwar im Detail mit Exposition in Videospielen, doch das Prinzip kann auch auf das Schreiben von Prosa übertragen werden.



Des Weiteren sollte man sich auch hier fragen, ob man wirklich alle Szenen behalten muss und ob sie interessant genug sind, um sie drin zu behalten. Jede Szene, die nicht die Geschichte weiterbringt oder keine Charakter-Entwicklung hat, sollte man genau überprüfen.
Die Probleme dieser Geschichte sind leider ziemlich gravierend und das ist wirklich schade, denn die Grundidee, das Setting und der Twist am Ende sind wirklich gelungen und interessant. Die Neuinterpretation der Offenbarung des Johannes eine wirklich tolle Idee gewesen und mit etwas mehr Übung und ein paar anständigen Beta-Lesern könnte das hier ein ganz gutes Ding werden.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 22:10
Feedback zu Broken von @Saddy-Chin

Die Autorin hat sich in dieser Geschichte im Vergleich zu vorher deutlich gesteigert. Die Geschichte wird lebhaft erzählt und gut metaphorisiert. Es geht um Verlust und Schuld, visualisiert in einem „Spaziergang“ durch eine sterbende Stadt, die erst wieder erblüht, als sie sich selbst verzeihen kann.
Durch die stark visuelle Beschreibung bekommt man einen guten Eindruck von der Welt und den metaphorischen Bildern, die hier mit Worten gezeichnet werden. Der Plot bleibt an sich so zwar ziemlich dünn (wenn es außer einem Spaziergang überhaupt mehr gibt), aber das ist auch gar nicht nötig, denn es erzählt genau das, was es erzählen muss, um seinen Punkt rüberzubringen.
Stellt sich also die Frage: Wieso gibt es noch ein zweites Ende?
Nachdem die Metapher aufgelöst wurde, stellt sich heraus, dass alles nur ein Traum gewesen ist. Danach beginnt ein Epilog, der das offensichtliche noch einmal unterstreicht und sonst gar nichts zur Geschichte beisteuert.
Es zieht sich wie ein roterer Pfaden durch alle Geschichten: Ist der Epilog an sich interessant genug, um seine Existenz zu rechtfertigen, da er weder Charakter weiter erklärt oder den Plot voran bringt?
Manchmal ist es besser eine Metapher eine Metapher bleiben zu lassen und nicht noch ein Level darüber einzubauen, nur um einen Twist haben zu können. Hier verweisen wir mal noch zu unserem letzten Review der Geschichte AM LEBEN, die mit ihrer Simulation als Einleitung ähnliche Fragen aufgeworfen hat.
Manchmal ist weniger vielleicht eben doch mehr ;-).  Jap, das habe ICH gerade wirklich geschrieben.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 03.07.18 23:54
Meinetwegen können wir gerne wieder Themen machen oder auch mal wieder einen Zeichenwettbewerb.

Anderes Thema sind auch die "Reviews". Die Jury hat das Gefühl, nach einem Jahr Wettbewerbe und konstantem Feedback, dass sie größtenteils alles gesagt hat, was sie zu sagen hat. Wir haben das Gefühl, wir wiederholen uns zu oft und haben nicht mehr viel Neues zu sagen.
Das wird euch sicher nicht viel bringen, deswegen wir überlegen zunächst mal eine Pause einzulegen oder nur noch Feedback geben, wenn es ausdrücklich erwünscht ist.
Das heißt nicht, dass der Wettbewerbe aufhören würden. Organisieren würde ich alles weiterhin, lediglich das Feedback würde wegfallen... Oder jemand neues übernimmt es. Wir wären nämlich auch bereit eine neue Jury ran zu lassen. BTW. jetzt, wo die Jury keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis hat, bräuchte man eine Jury im Grunde auch gar nicht mehr und alle, die Reviews schreiben wollen, können das einfach machen. (Was ihr eigentlich auch jetzt schon könnt.)

Wir sind halt echt unsicher, was wir tun sollten und wollen. So wie es jetzt ist, bringt es wohl uns allen nicht mehr besonders viel. Ihr könnt unsere Tipps sicher schon mitbeten. Wir brauchen vielleicht etwas Zeit, um neue Sachen zu lernen und bisschen zu reflektieren...
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 04.07.18 0:38
Also ich fand die Idee schon gut, nur wie gesagt, mit dem Gewinnerbild konnte ich mich nicht anfreunden und der Einfall kam zu spät. Ich mache normalerweise eher bei Zeichenwettbewerben mit, aber da versuche ich keine zu nehmen, die einen Abgabetermin unter 2 Monaten haben, weil ich immer etwas länger brauche und das nicht auf den letzten Drücker machen will.

Bei Schreibwettbewerben bin ich zwar in der Regel schneller in der Produktion, aber ich glaube bisher waren alle meine Einsendungen einige Tage vorher geschrieben und da hatte ich diesmal keine Lust drauf.

Aber wenn mir sofort was einfallen würde, wäre ich einer weiteren Bild-zu-Geschichte nicht abgeneigt.


PS: Ich denke Verbesserung (im Sinne der Jurykritik als Stütze für das nächste Schreibprojekt) ist bei einer fertigen Geschichte recht schwierig. Als aktiven Schreibkurs, bei dem man z.B. nach jedem Abschnitt mit der Jury und den anderen Teilnehmern über sein Werk reden und Verbesserungsvorschläge einfließen lassen kann, könnte man Kritik wahrscheinlich so an den Mensch bringen, dass sie auch tatsächlich Wurzeln schlägt. So fallen die Autoren wahrscheinlich auf ihren regulären Schreibstil zurück, besonders da Kritik ja, in der Regel, eher Trotz als Reaktion auslöst.

Gibt es so etwas wie Schreibwichteln? Das ist mir nur spontan eingefallen, aber wenn man zum Beispiel die Geschichten noch kürzer machen würde (oder nur kurze Abschnitte davon nimmt), könnte Schreiber A eine Geschichte verfassen, die anonym an einen anderen Teilnehmer, Schreiber B, schicken lassen, der sie dann untersucht und mit Vorschlägen zurückschickt. So etwas wie ein Betaleser, sozusagen; Ich denke nämlich, dass das einigen Schreibern sehr gut tun würde, wenn sie während des Schreibprozesses Feedback hätten.

Also die Aufgabe der Jury wäre dann nicht mehr am Ende des Wettbewerbs ihren Senf dazu abzugeben, sondern mittendrin, was vielleicht auch mir mit meinen Schwierigkeiten ein Thema zu finden, helfen könnte.

Man schreibt die Beta-jury an und fragt "Hey, bei dem Bild wollte ich jemanden dazu kommen lassen und die Frau mit der Fackel vom Gebäude schubsen lassen. Meint ihr das ist genug für eine Kurzgeschichte, oder sollte ich mir was anderes aussuchen?"


Ist das ne blöde Idee, ich bin etwas, es ist spät und so, aber ich bin gnadenlos was Rechtschreibung angeht, das könnte ich vielleicht machen.

Und dann bekommt man auch nicht alles auf einen Schlag vorgeworfen und muss es lesen, sondern hilft den Leuten mit kleinen Abschnitten je nach Bedarf.

okdaswars ich geh ins bett. nachti.

sagt was ihr davon haltet, okbye
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 04.07.18 15:39
Danke für euer Feedback. Mich hat es auf jeden Fall gefreut. :-) Das mit der Magic Box kannte ich selbst jedenfalls nicht und für mich war es interessant. Muss dazu sagen, dass ich in den vergangenen Wettbewerben auch die Feedbacks nicht gelesen hatte. Diesmal habe ich sie allerdings alle gelesen. Ich könnte auf jeden Fall nicht ansatzweise so professionelles Feedback schreiben wie ihr.:-) Mit solchen Fachkonzepten bin ich gar nicht so vertraut. Selbst wenn ich das ein oder andere womöglich anwende, was vielleicht auch einen Fachnamen hat, ist das bei mir oft nur aus dem Bauch heraus, weniger aus sprachwissenschaftlichen Gründen/Kenntnissen.
Von den Schlussplädoyers konnte ich mich letztlich nicht trennen. Für mich sind sie ein zu wichtiger Teil eines Prozesses. Ich denke ja, dass ein beträchtlicher Teil von Prozessen mit Urteil durch Geschworene durch solche Schlussreden entschieden werden. Aber da es eine Kurzgeschichte sein sollte, hätte man sie vielleicht tatsächlich aussparen sollen, denn inhaltlich ist das tatsächlich viel Wiederholung.

Danke auch für den Interpretationsversuch. Auf die Interpretation möchte ich mal expliziter eingehen:

@Akeem schrieb:Feedback zu Das gebrannte Kind von @Philodoof
Interpretation
Die Geschichte möchte uns ganz klar auf die Ungerechtigkeit des Rechtssystems hinweisen. Die Firma wird mit ihrem diabolisch wirkenden Anwalt als ganz klarer Bösewichte dargestellt, die mit jedem gewieften Mittel versucht, die Schuld einem Unschuldigen in die Schuhe zu schieben.
Diese Systemkritik lässt kein gutes Haar an Unternehmen, denen es offenbar nur um Profit und nicht mehr um Menschlichkeit geht und so eine Frau an ihre emotionalen Grenzen bringt. Diese Kritik geht sogar noch weiter, als der Anwalt der Firma die Warnhinweise und das Einhalten der Vorschriften als Verteidigung angibt und die Verantwortung wegdrückt. Die Gesetze und Auflagen sind so gestaltet, sodass sie kostengünstig umgesetzt werden könnten (nur ein einfacher Zaun), da die Gesetzgeber (Politiker) durch Lobbyisten dahingehend bestochen wurden. „Wir haben alle Auflagen erfüllt, uns kann keine Schuld treffen.“ So die Idee.
Die Hoffnungslosigkeit dieser Situation und die Macht der Konzerne über Gerechtigkeit und Menschlichkeit zeigt sich im letzten Moment der Frau, die zur Terroristin geworden ist und nichts mehr hat, wofür sie leben kann. Vom Rechtsstaat allein gelassen, scheint sie auf ein alte, biblische Rechtsprechung zurückzugreifen: Auge um Auge… Und nur im Freitod findet sie Gerechtigkeit, nicht in dieser abscheulichen korrupten Welt.

Mir ging es bei dem Anwalt darum, ihn zunächst zwar als eine Art Bösewicht darzustellen, aber letztlich war meine Absicht auch, dieses Bild im Verlauf noch anzupassen, und anzudeuten, dass der Anwalt mehr oder weniger auch ein Produkt des Systems und seiner Anreizpunkte ist und vielleicht nicht immer so war. "...Genauso wenig wie sie mitbekam, dass Mortimers Kanzleichef Goodgreen verstohlen eine Visitenkarte zusteckte, die wohl sowas wie eine Eintrittskarte in die High Society unter den Anwälten dargestellt haben dürfte. Goodgreen strahlte jedenfalls über beide Ohren..." Zu dieser Substory/Charakterentwicklung habe ich einige weitere Ideen ausgespart und die Kurzgeschichte nicht zu sehr in Richtung Geschichte abdriften zu lassen. Eventuell verwirkliche ich die und andere ausgelassene Aspekte für mich nochmal in einer Langform.
Freut mich, dass die Kritik an der Sparpolitik, so gut erkannt wurde. :-) Auch hierzu hatte ich noch ein bisschen was weggelassen, was ich im Kopf hatte. :-)

Die Kritik am Rechtsstaat war sicherlich ein großes Thema der Kurzgeschichte. Daneben gab es aber noch andere Intentionen, die in der Interpretation nicht herausgestellt wurden. Da ist sogar noch ein zweites Hauptthema. Das wurde in der Interpretation zumindest nicht explizit von euch erwähnt. Daher möchte ich es mal ansprechen, damit es nicht untergeht. Es ging mir insgesamt sehr darum, dieses Schwarzweißdenken zu durchschlagen. Nicht bloß durch Anwältin Goodgreen, bei der das Verlassen des aufrechten Weges angedeutet wird. Viel deutlicher noch bei Tawnya, die sich ja viel radikaler von der aufopferungsvollen Mutter zur übergeschnappten Mörderin entwickelt. Man neigt dazu solche Menschen als Monster zu betrachten, weil man sie oft erst durch ihre Taten kennen lernt, aber viele von ihnen, sind keine geborenen Psychopathen. Bei vielen ist furchtbar viel vorher schief gelaufen. Dinge, wo man eben auch das Gesellschaftssystem ein Stück weit für verantwortlich machen kann. Gleichzeitig wollte ich aber auch die Grenzen des Einflusses von Einzelpersonen aufzeigen anhand der Freundin Susie, die ihr gerne helfen würde und das im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch tut, aber damit eben auch etwas überfördert ist - und sie scheitert nicht, weil sie eine schlechte Freundin wäre, sondern weil sowas eben schwierig ist und man generell nicht immer die richtige Entscheidung treffen kann.

Der Freitod wurde hier wohl nicht so ganz wie erwünscht aufgefasst. Zwar wollte ich ihn als eine Art letzten Ausweg für Tawnya beschreiben, aber ich wollte ihn auch als etwas Unschönes darstellen, das oft genug gar nicht oder nicht so hinhaut, wie man sich das vorstellt. Ich hatte sogar erwogen, sie querschnittsgelähmt erwachen zu lassen, aber hatte mich dann doch für das offenere Ende entschieden mit der interpretierbaren Dunkelheit.
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 05.07.18 15:26
Danke für das Feedback.
Mit der Interpretation wollten wir dir auch hauptsächlich mitteilen, was wir so aufgenommen haben und was du damit anfängst, bleibt auch dir überlassen.
Ich persönlich finde, wenn du das Schwarz-Weiß denken anprangern wolltest, hättest du vielleicht die Anwälte der Gegenseite und die Firma an sich so böse darstellen sollen.
Aber bestimmt fehlte dafür nur der Platz. Bau das ruhig hübsch aus. Hat durchaus Potential auch als längere Geschichte zu funktionieren.

Was allgemein das Feedback geben angeht... Ich bin immer noch unsicher, ob ich das so weiter machen will. Auf jeden Fall brauch ich erstmal eine Pause, glaube ich.
Vielleicht Wettbewerb in Sommerpause schicken bis Oktober ?
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Philodoof
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

am 05.07.18 18:10
Du musst uns auf jeden Fall nicht um Erlaubnis bitten, wenn du eine Pause brauchst, solltest du sie dir nehmen. :-)
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Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - ZERSTÖRTE STADT (BILD)

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