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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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1 - 6%
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Stimmen insgesamt: 17
 
Umfrage beendet
Akeem
Akeem
Forumliebhaber
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Anzahl der Beiträge : 2965

 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 11 Nov 2017 - 18:37
Edit 16.12.2017
 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Coollogo_com-214761942

Abgaben:



Abstimmung läuft bis zum 23.12.2017 etwa 21:40 Uhr!


Ach ja und:
Jeder User kann für mehr als einen Beitrag abstimmen!
 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Coollogo_com-214761942






Viele Leute haben gebeten, den Kurzgeschichten Wettbewerb im November doch nicht aussetzen zu lassen, deswegen gibt es ihn jetzt doch! Ihr habt es so gewollt, also hoffe ich auch auf zahlreiche Abgaben!

Dieses Mal ergänzen wir die Regeln ein wenig und erweitern sie aus denen, aus dem Zeichen-Wettbewerb, sodass sie folgendermaßen aussehen:

Die Regeln:
Ihr erstellt in dem vorgegebenen Zeitraum eine Kurzgeschichte, die irgendetwas mit dem vorgegebenen Oberthema zu tun hat und lasst sie mir zukommen. Ob nun über PM oder Skype, oder per Mail, ist völlig gleich, Hauptsache sie ist rechtzeitig da.

Anschließend wird die Jury alle Geschichten lesen und ein kleines Review dazu schreiben, das ich dann zusammen mit den Geschichten veröffentlichen werde. Danach haben alle im Forum die Möglichkeit ihren Gewinner per Voting zu küren. Also super einfach!
Ich bitte euch die Geschichte vorher nicht auf unserer Seite zu veröffentlichen! Das Voting wird anonym sein, damit möglichst nicht nach Sympathie abgestimmt werden kann! Nach Ablauf des Voting könnt ihr das handhaben, wie ihr wollt. Wir können natürlich nicht überprüfen, ob ihr nicht jedem im Forum erzählt, welche Geschichte von euch ist, allerdings würden wir dann an euren Sportsgeist appellieren und hoffen, dass ihr weiterhin fair spielt. 


Ihr könnt die Geschichten  auch in Teams verfassen! Will sich jemand z.B. nur die Geschichte ausdenken, aber ein anderer schreibt diese, dann könnt ihr das gerne tun und gemeinsam eine Abgabe machen. Schreibt einfach in der Geschichte dabei, wer alles beteiligt war (und am besten auch wie: z.B. Story by X, Written By X and Y) und schickt es mir mit herüber.
Team-Abgaben werden bei der Abstimmung extra markiert werden, sodass dann auch transparent ist, wo mehrere Autoren beteiligt waren und wo nicht.
Außerdem ist es erlaubt sowohl eine Abgabe im Team zu machen, als auch eine Abgabe alleine zu tätigen. Bei einer Geschichte könntet ihr beispielsweise nur die Story beigesteuert haben, während ihr noch eure ganze eigene Story alleine geschrieben habt. Ihr würden dann die Platzierung erhalten, die für euch jeweils am höchsten ist. Hat euer Team den 3. Platz erreicht, die Einzelgeschichte jedoch den 1. Platz würdet ihr dann das Abzeichen für den 1. Platz bekommen. Würde anders herum jedoch das Team den 1. Platz machen und ihr den 3., dann würdet ihr ebenfalls das Abzeichen für den 1. Platz bekommen, jedoch der 4. Platz auf den 3. hochrutschen. Bisschen kompliziert, aber eigentlich auch egal für euch! ;-)

Ihr könnt mir gerne vor Ablauf der Frist eure Geschichten zur kurzen Einsicht und Feedback rüber senden. Je nach Zeit, werde ich dann antworten und entsprechendes Feedback geben. Genauso wie die Reviews am Ende, ist das jedoch nur meine persönliche Meinung und das bedeutet nicht, dass ihr am Ende beim Voting richtig abräumen werdet, wenn ihr auf mich hört. Die Jury-Stimme ist schließlich nur als gut gemeintes Feedback für Verbesserungen gedacht und nicht hat sonst keinerlei Gewicht bei der Ermittlung des Gewinners!



Hier nun die wichtigsten Fakten:
Das Thema ist WARTEN.
Wie ihr dieses Thema interpretiert ist völlig euch überlassen. Also lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Die Geschichte ist bis zum 30.11.2017 23:59 Uhr einzureichen. Eine Maximal- oder Mindestlänge gibt es nicht!

Auch dieses Mal gibt es wieder Abzeichen zu gewinnen. Zu gewinnen gibt es folgende Abzeichen, wieder zur Verfügung gestellt von @Mithras:


 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN AsTzZwr Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN EqFhAg7 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN 0iIQpkp Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Ffd2566d-f871-4285-9830-97c346be8fc3 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Ffd2566d-f871-4285-9830-97c346be8fc3 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN 2JNVGLV




Zuletzt von Akeem am Sa 16 Dez 2017 - 22:07 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
Akeem
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Anzahl der Beiträge : 2965

 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 16 Dez 2017 - 21:29
Die Verabredung:

Ich flocht mein langes braunes Haar und steckte es mit meinen alten Haarnadeln hoch. Meine Mutter hatte mir bereits angeboten neue zu kaufen, doch ich mochte sie zu sehr, um sie zu ersetzen. Ab und an ging eine der Nadeln kaputt, doch sie reichten noch immer, um meine Haarpracht in Zaum zu halten, also gab es für mich keinen Grund neue zu kaufen. Vor allem, da sie mir schon so viele Jahre treu gedient hatten. Im Spiegel betrachtete ich mein sonst so bleiches Gesicht, auf welches ich Rouge aufgetragen hatte, um etwas lebendiger zu wirken. Ein Trick, welchen mir meine ältere Schwester gezeigt hatte, nachdem sie mich lange genug damit aufgezogen hatte, dass ich wie eine lebende Tote wirkte. Kein wirklich nettes Kompliment, doch ich schätzte ihren Ratschlag. Mit zittrigen Fingern suchte ich meinen einzigen Lippenstift heraus und fuhr damit meine schmalen Lippen nach, machte sie so etwas prominenter. Vielleicht würde es ihm gefallen. Er hatte mich zuvor noch nie mit Lippenstift gesehen, er würde bestimmt positiv überrascht sein. Mit einem zufriedenen Nicken und einem unsicheren Lächeln beließ ich es dabei und strich mir kurz über mein dunkelblaues Sommerkleid mit dem breiten, braunen Gürtel. Es half die Taille zu betonen. Heutzutage trugen alle Frauen solche Kleider und ich hatte mir zu meinem letzten Geburtstag ebenfalls eines gewünscht. Vorher hätte ich so etwas gewagtes wohl nie getragen, doch als ich gemerkt hatte, dass er diesen Kleidungsstil bei Frauen mochte, hatte ich mich dazu entschieden es zu versuchen. Meinen empfindlichen Füßen traute ich jedoch keine Schuhe mit Absatz zu. Nachher wäre ich nur vor ihm gestolpert oder umgeknickt. So etwas peinliches durfte mir auf keinen Fall passieren. Noch dazu bekam ich leider Gottes zu schnell Schwellungen an den Füßen, um mich auch nur daran zu versuchen. Also nahm ich Vorlieb mit flachen Schuhen, ehe ich meinen roten Hut aufsetzte, um mein Gesicht vor der Sonne zu schützen. 
Auf leisen Sohlen verließ ich mein Zimmer, darauf achtend die Tür langsam und leise zu schließen, damit meine Mutter mich nicht hören würde. Das letzte Mal, als sie mich erwischt hatte, hatte sie mir Hausarrest erteilt, da es für eine Frau draußen alleine zu gefährlich wäre. Wenn sie nur gewusst hätte, dass ich mich mit ihm getroffen hätte, sie hätte mich wohl von meinem Vater über das Knie legen lassen. Alleine der Gedanke daran ließ mich einen Augenblick inne halten. Dieses Mal würde sie mich nicht erwischen.
Mit leisen Schritten huschte ich durch den langen Gang zur Haustür und schob diese auf. Ein kurzes Klacken der Scharniere war zu hören, doch ich ignorierte es weitgehend. Ich war bereits mit einem Bein in der Freiheit und ich würde mich dieses Mal nicht aufhalten lassen. Ich sog die Luft scharf ein, als die Erleichterung die schwere Last von meinen Schultern nahm und ich meine Schritte beschleunigte, um außer Sichtweite zu kommen. Am Ende würde meine Schwester mich noch verpetzen. Das konnte ich wirklich nicht riskieren. Mit einer Hand den Hut haltend, in der anderen meine kleine rote Tasche, lief ich zu der nächsten Bushaltestelle. Mit zusammengekniffenen Augen besah ich mir den Zeitplan, versuchte die Nummern auszumachen. Ich hätte doch meine Brille einpacken sollen. In den letzten Jahren hatte meine Sicht immer stärker nachgelassen. Doch eine Brille hätte ihm sicher nicht gefallen. 
Es dauerte nicht all zu lange, und der Bus hielt vor meiner Nase. Ein Zischen folgte und die Glastüren schoben sich auf. Die Stadt schien in letzter Zeit aufgerüstet zu haben. Alles wirkte viel sauberer und moderner. Meine Schwester hatte bereits angemerkt, dass alles sich verändert hatte. Doch alles schien so plötzlich zu passieren. 
Ich konnte jedoch keinen weiteren Gedanken daran verschwenden und stieg kopfschüttelnd ein. Ein junger Herr machte mir mit einem feinen Lächeln auf den Lippen platz. Etwas verwundert über die nette Geste, bedankte ich mich und setzte mich auf seinen ursprünglichen Sitzplatz, die Hände mit der Tasche in meinem Schoß bettend. Meine blauen Augen wanderten kurz durch den Innenraum des Busses, bevor meine Aufmerksamkeit auf dem Mädchen neben mir lag. In ihren Ohren steckten zwei Knöpfe, welche mit Kabeln verbunden waren und zu einem gläsernen Objekt wanderten. Etwas so seltsames hatte ich noch nie gesehen. Doch anscheinend hatte meine Schwester recht. Die Veränderungen waren wirklich zu spüren. 
Ich wandte den Blick wieder ab und sah die restliche Fahrt hinab auf meine Finger, ehe ich die Bushaltestelle erreichte, an welcher wir uns immer getroffen hatten. Es war unser kleiner privater Ort in der Öffentlichkeit. Niemand vermutete etwas, wenn wir dort auf der alten Holzbank saßen und redeten oder uns kurz verstohlene Blicke zuwarfen. Ab und zu hatte er bereits meine Hand mit seinen langen Fingern gestreift und ich war errötet, doch auch dies hatte niemand bemerkt. Die Menschen waren viel zu sehr in Eile, um inne zu halten und uns zu beobachten. Es war perfekt. 
Mit einem feinen Lächeln stieg ich aus und sah mich kurz um, doch er schien noch nicht da zu sein. Normalerweise war sein Bus früher da als meiner, weshalb er immer neben der Bank stand und mir zuwinkte, doch heute schien sein Bus Verspätung zu haben. Ich zuckte kurz mit den Schultern und ließ mich auf der Bank nieder, musste jedoch feststellen, dass auch diese durch eine aus Metall ersetzt worden war. Es machte das Sitzen um einiges unbequemer, sodass ich bereits nach ein paar Minuten des Wartens Rückenschmerzen bekam. Ich lehnte mich etwas vor, in der Hoffnung, dass er bald eintreffen würde und wir uns ein angenehmeres Plätzchen zum Reden suchen würden. 


Ein Gähnen entwich mir, als ich auf die Uhr sah und ein leises Seufzen meinen Lippen entwich. Meine Schicht war bald herum, danach würde ich mit dem Bus noch eine halbe Stunde bis nach hause brauchen. Es war nicht so, dass ich meinen Job nicht mochte, jedoch gab es eben solche und solche Tage. Heute war einer der Tage, an welchen ich am Liebsten daheim geblieben wäre und mich unter einer Decke vergraben hätte. Von den letzten Sommertagen war nichts mehr zu spüren. Es wurde immer kälter und die ersten Blätter begannen tot von den Bäumen zu fallen. Meine Arbeitskollegen waren wie immer begeistert vom Herbst. Nicht nur waren die Bäume so schön rot und orange, nein. Es gab auch wieder den Pumpkin Spice Latte. Langsam glaubte ich wirklich, dass wir die meisten von diesen Trendkaffees an unsere eigenen Mitarbeiter verkauften. Ich selbst war nicht wirklich ein begeistertes Mitglied dieses 'Wir lieben Herbst' Clubs, weshalb ich mich mit meiner Euphorie sehr gut zurückhalten konnte. 
„Hey, siehst du die da draußen? Die sitzt bereits seit mehreren Stunden auf der Bank und wartet.“, überhörte ich ein Gespräch zwischen den zwei Baristas, ehe ich ihren Blicken durch die große Glasfront folgte. 
„Ja. Muss der nicht unglaublich kalt sein? In einem Kleid bei solchen Temperaturen?“, meinte der Größere der Beiden kopfnickend. 
Tatsächlich saß dort eine ältere Frau in einem blauen Kleid und einem roten Hut auf der anderen Straßenseite bei der Bushaltestelle. Verwundert betrachtete ich das starre Schauspiel einen Moment, bevor ich seufzend nach meiner Jacke griff und diese überzog. 
„Ich komme gleich wieder. Übernimmt einer von euch bitte kurz meinen Posten? Es ist eh gerade nichts los.“, verkündete ich und wartete gar nicht erst auf eine Antwort. Elegant zwängte ich mich an Beiden vorbei und verließ das Café. Mit einem schnellen Blick nach links und rechts, vergewisserte ich mich, dass ich nicht überfahren werden würde, und überquerte die Straße. Neben der älteren Dame angekommen, musterte ich sie nochmals von der Seite, räusperte mich dann und machte so auf mich aufmerksam. 
„Entschuldigen Sie.“, begann ich etwas unsicher und versuchte mich an einem Lächeln. Ich war mir selbst nicht einmal wirklich bewusst, weshalb ich mich nun um das Wohl einer älteren Frau kümmern wollte. Doch es hätte wohl noch dümmer ausgesehen, wenn ich nun einfach kehrt gemacht hätte.
Langsam drehte sie ihren Kopf und sah mit glasigen, blauen Augen zu mir auf. Mehrere Falten zierten ihr Gesicht, ließen es eingesunken wirken, auch wenn sie anscheinend Rouge trug. Sie hatte roten Lippenstift aufgelegt und ihre grauen Haare waren zu einem künstlerischen Dutt geflochten. Es wirkte fast so, als würde sie darauf warten abgeholt zu werden. Dieser Gedanke legte mir ein regelrechtes Gewicht auf die Brust und nahm mir einen Moment den Atem. 
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie mit rauer Stimme und lächelte mich seelenruhig an, auch wenn eine gewisse Traurigkeit in ihren Augen ruhte. 
„Wieso sitzen Sie hier draußen in der Kälte? Möchten Sie sich nicht ein wenig aufwärmen.“, fuhr ich fort und deutete auf die andere Straßenseite zu dem Café in welchem ich arbeitete. An der Glasfront erkannte ich meine Kollegen, wie sie zu uns hinüber starrten, jedoch sofort den Blick abwandten, als sie sahen, dass ich auf die andere Straßenseite deutete. 
„Ich arbeite dort drüben in dem Café. Sie können gerne mitkommen.“, bot ich an und sah wieder auf sie hinab, doch sie winkte mit zitternden Händen ab. 
„Das ist wirklich freundlich von Ihnen, doch ich warte auf jemanden. Wenn ich nun in dieses Café gehe, findet er mich vielleicht nicht und glaubt ich wäre nicht aufgetaucht.“, antwortete die ältere Dame. Bei ihrer beschwichtigenden Handbewegung fiel mir ein weißes Plastikband an ihrem Handgelenk auf. Mit gerunzelter Stirn versuchte ich die Aufschrift auszumachen. Trug man so etwas normalerweise nicht als Patient in einem Krankenhaus? Rasch zog ich mein Handy hervor und tippte die Nummer in mein Handy ein, welche ich auf dem Armband ausmachen konnte, und wählte an. Nach wenigen Sekunden hob bereits jemand ab und eine männliche, warme Stimme wünschte mir einen guten Abend. 
„Ah, entschuldigen Sie.“, murmelte ich und trat etwas von der Bank weg, damit die ältere Dame nicht sofort mitbekam, dass ich jemanden anrief. 
„Aber ich stehe hier neben einer älteren Dame mit einem weißen Band an der Hand auf welchem diese Nummer steht.“, begründete ich meinen Anruf. Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte Stille an der anderen Leitung, ehe mich der Herr fragte, wo wir uns denn befinden würden. Ich gab ihm die Bushaltestelle durch und er versicherte mir so schnell wie möglich vorbeizukommen, um die ältere Dame abzuholen, und legte auf. 
Wieder sah ich zu der Sitzenden und schälte mich aus meiner Jacke, nur um ihr diese über die Schultern zu legen. Verwirrt sah sie wieder zu mir auf, fast schon erschrocken darüber, dass ich ihr meine Jacke lieh. 
„Danke, dass ist sehr freundlich von Ihnen. Aber ich kann die Jacke eines fremden Mannes nicht einfach annehmen.“, meinte sie, doch ich schüttelte den Kopf und setzte mich neben sie auf die kalte Bank. 
„Es ist schon in Ordnung. Ich werde mit Ihnen auf Ihre Verabredung warten und solange wärmen Sie sich ein wenig mit meiner Jacke auf.“, entgegnete ich und lehnte mich zurück. Sie sagte nichts weiter dazu, doch ich konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie sie bereits nach wenigen Minuten nicht mehr so stark zitterte. Ich hoffte wirklich, dass sie nicht zu unterkühlt war. 


Als ein Auto vorfuhr, hob ich den Blick und beobachtete, wie ein hochgewachsener Mann mit braunem Haar und hellen Augen aus dem Wagen stieg und zu uns eilte. Wir hatten die letzten Minuten nicht miteinander geredet und die ältere Dame hatte kaum eine Regung von sich gegeben, doch als sie den jungen Mann auf uns zueilen sah, leuchteten ihre verklärten Augen regelrecht auf und sie erhob sich mit einem freudigen Lächeln. 
„Alexander, da bist du ja!“, rief sie freudig aus und machte ein paar wackelige Schritte auf den Neuankömmling zu. Dieser fing sie sofort ab und seufzte erleichtert, ehe er zu mir sah und sich bei mir bedankte. Ich erhob mich ebenfalls und zuckte mit den Schultern, als er mir meine Jacke zurückgab und die ältere Dame in seinen Mantel hüllte, ehe er ihr auf den Beifahrersitz verhalf. 
„Ich danke Ihnen wirklich, dass Sie mich angerufen haben. Meine Großmutter hat Alzheimer und hat Episoden, in welchen sie glaubt wieder jung zu sein.“, erklärte er rasch und sah nochmals zu seinem Auto, um sich zu vergewissern, dass sie nicht wieder die Flucht ergriff. 
„Und ihre Jugend besteht darin auf einer Busbank zu sitzen?“, fragte ich etwas perplex, woraufhin mein Gegenüber kurz auflachte und den Kopf schüttelte. 
„Nein, doch sie hat sich früher in jungen Jahren hier mit meinem verstorbenen Großvater verabredet. Wahrscheinlich denkt sie, dass sie sich hier mit ihm verabredet hat.“, erwiderte er und lächelte.
„Ah, also ist Ihr Name nicht Alexander?“, bohrte ich weiter, nun selbst bemerkend, dass ich zu sehr nach stocherte, „Entschuldigen Sie, das geht mich gar nichts an.“ 
Doch der vermeintliche Alexander winkte ab, „Schon gut. Nein, mein Großvater hieß so. Sie verwechselt mich nur gerne mit ihm.“
Ich nickte und wir verabschiedeten uns indem wir uns die Hand gaben und uns alles gute wünschten. Während der Enkel zurück in sein Auto stieg, war mein Blick jedoch auf die ältere Dame gerichtet, welche so glücklich wirkte, dass ihre Verabredung doch noch gekommen war, um sie abzuholen. Ihr Lächeln war wie eingemeißelt und auch, wenn es die Falten nur noch mehr hervorhob, ließ es sie jünger wirken als zuvor. Ihre Augen leuchteten regelrecht, während ihr Blick auf dem Jüngeren lag, als wäre er ihre ganze Welt. Ich seufzte leise und zog mir meine Jacke wieder an, dem Auto nachsehend, ehe ich wieder auf die andere Straßenseite zu dem Café ging. Obwohl diese Frau alles zu vergessen schien, vergaß sie nie die Liebe ihres Lebens. Es war ein herzerwärmender Gedanke, welcher das Gewicht von meiner Brust verschwinden ließ und mir ein ehrliches Lächeln auf die Lippen zauberte. Selbst Jahre nach dem Tod ihres Mannes wartete sie auf ihn. So etwas einmaliges hatte ich noch nie erlebt. 


Jury meint:
Viel wichtiger als die Idee an sich einer Geschichte ist unserer Meinung nach die Erzählweise. Es ist schwer eine wirklich originelle Idee zu haben, aber das ist auch gar nicht nötig. Auch eine schlechte Idee, kann durch eine interessante Erzählweise den Leser fesseln. Anders herum kann die beste Idee durch eine langweilige Erzählweise zu einem echten Schnarchfest verwandelt werden. Die Ideen an sich mögen anscheinend alle verbraucht sein, aber die Stimme des Autors ist von Mal zu Mal unterschiedlich.
In dem Fall dieser Geschichte haben wir es mit einer recht simplen Idee zu tun. Eine alte Dame hat Alzheimer und hat Episoden, in denen sie glaubt auf ihren zukünftigen Mann zu warten. Dies könnte man gewiss in einer langweiligen Art und Weise erzählen, indem man z.B. direkt im ersten Absatz erwähnt, dass die Frau Alzheimer hat und dann direkt damit abschließt, dass sie auf ihren Mann wartet. Der Rest der Geschichte wäre dann eine belanglose Konversation mit einem Fremden und dann das Abholen durch ihren Sohn. Es gäbe keine Spannung, kein Mystery. Aber all das ist hier nicht der Fall. Die Geschichte hält absichtlich Informationen zurück, gibt diese nur in Form von kleinen Hinweisen und kommt erst gegen Ende mit einer klaren Aussage bezüglich des Zustands der Frau heraus.
Gerade der Anfang ist hier super gelungen. In der Perspektive der alten Dame, wird ihre verzerrte Sicht der Welt in der Ich-Perspektive sehr gut erläutert und gleichzeitig Hinweise darauf gegeben, dass da etwas nicht stimmt (Der junge Mann bietet ihr einen Platz im Bus an etc.). Dies hätte man sicher sogar noch weiter ausbauen können und etwas an den Formulierungen feilen. So toll der Anfang strukturell ist, so sehr hätte man aber auch an einzelnen Sätzen feilen können. In einer zweiten oder dritten Version kann man hier sicherlich noch etwas mehr herausholen und z.B. einige Wortdopplungen vermeiden können.
Nach dem Anfang aus der Perspektive der Frau wird in die Perspektive eines jungen Mannes gewechselt. Dieser Übergang passiert dann ziemlich plötzlich, was den unaufmerksameren Leser eventuell verwirren könnte. Es ist allgemein ratsam, keine Perspektiv-Wechsel in der Ich-Perspektive durchzuführen und wenn man dies tut, dann sollten diese klar im ersten Satz gekennzeichnet sein. Dies scheint hier teils-teils gelungen zu sein. Beim Probelesen kamen einige sofort mit dem Perspektivwechsel klar, andere hat es verwirrt. Zu empfehlen ist auf jeden Fall, dies vielleicht etwas deutlicher zu machen und zukünftig darauf zu achten, Perspektivwechsel klar kenntlich zu machen.

So stark die Geschichte auch beginnt, so sehr verläuft sie sich gegen Ende etwas im Sand. Nachdem der Twist erkannt und abgehackt worden ist, passiert nicht mehr viel. Der unbeteiligte Dritte erfreut sich an der Hoffnung, die ewige währende Liebe ihm schenkte, aber mehr auch nicht. Vielleicht fehlt es am Ende nur etwas an Poesie statt Kitsch oder eine weitere kleine Szene, in der diese Gedanken des jungen Verkäufers gezeigt werden, anstatt sie dem Leser direkt mitzuteilen. Denn die Geschichte hätte sicher verdient genauso subtil beendet zu werden, wie sie angefangen hat.
Akeem
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 16 Dez 2017 - 21:30
Die Nacht als keiner schlief:

"Sergeaent Raynor, sie wissen warum sie heute hier vor diesem Ausschuss sind?" fragte ein Politiker mich mit ernster Stimme und festen Blick. Dieser Mann war Jason Ackermann der jeden Bericht und jedes Vorkommniss genau untersuchte wenn etwas nicht stimmte oder einfach nur zu seltsam war. Neben ihm saß die Frau Brigadegenral Evelin Malkovich, die für meinen Einsatz zutändig war. Und zu guter letzt David Patrickson, der Leiter des Geheimdienstes der die Informationen für den Einsatz erst überhaupt gesammelt hatte. "Wir haben ihren Bericht gelesen. Sie sind der einzige Überlebende von dieser Mission...doch würden wir es lieber mit ihren eigenen Worten hören. Also sprechen sie frei heraus." warf dann die Frau Brigadegeneral dann ein wobei alle Anwesenden diesem zustimmten und ich darauf anfing die Geschichte zu erzählen.

"Sergeant Major, sagen sie uns endlich was wir auf dieser Gott verlassen Insel sollen? Ich glaube kaum das wir nur wegen der schönen Landschaft hier sind...hier gibt es ja nicht einmal hübsche Frauen in Bikinis" fragte Privat Chin worauf hin ein leichtes gelächter in der Truppe aufkam da wirklich keiner wusste bisher was wir überhaupt auf einer Insel in den Tropen sollten.
"Nun...um es einfach auszudrücken, sollen wir ein geheimis Nazi-Labor sprengen." antwortete Sergeant Major Paylor lachend. Sie hatte schon jeden aus der Truppe unter einsatz ihres Lebens, unser Leben gerettet und jeder in der Truppe vertraute ihr.
"Aber jetzt mal ganz ehrlich. was macht ein Nazi-Labor auf dieser Insel? Wollten die sich einen grünen Daumen aneignen oder was?" erwiderte Corpral Hanson fragend und es für ihn doch etwas lächerlich war das man jetzt selbst im Jahr 2017 noch ein Nazi-Labor fand. Auch für mich war es seltsam, dass man soweit entfernt noch ein Labor fand.
Doch erklärte uns der Sergeant Major das man dieses nur zufällig entdeckt hatte als ein Zerstörer wegen einer Übungsmission vorbei kam und dabei Messwerte von Geräten auf dieser Insel aufschnappte. Kurz darauf wurden dann Satellitenfotos gemacht was das ganze dann bestätigte.
Als Erklärung bekamen wir dann das wir das Labor zerstören sollen umso zu verhindern das irgendjemand anderes diesen Ort entdeckt und wohlmöglich die Forschung die darin gemacht wurde weiterführen würde.
Doch hatten wir keine Ahnung. Seit wir den ersten Schritt überhaupt auf die Insel gemacht hatten damit so gut wie ein Todesurteil unterschrieben hatten.
Als wir das Labor erreicht hatten nach einen trip durch den Dschungel, sah man sofort das seit Jahrzehnten niemand mehr hier war. "Na was glaubt ihr wie die Nazis wohl alles her bekommen haben? Ich tippe ja auf ein kleines Flugfeld hier irgendwo." sprach ich als ich mir von weiten einige verfallenen Baracken und Laster ansah die bereits von Pflanzen überwuchert waren wobei es bei den Fahrzeugen nicht so schlimm war und nicht mehr so aussahen als seien sie überhaupt nutzbar.
"Sie sollten lieber fragen: Auf was haben die Nazis geschossen, Sergeant Raynor." antwortete Sergeant Mayor mit einer gegenfrage und erst ab diesem moment bemerkte ich das überall auf dem Boden leere Patronenhüllsen waren. Als wir uns dann genauer umsahen, konnten wir feststellen das sie wohl in alle Richtungen gefeuert hatten da man in alten Fässern oder Gebäuden Einschusslöcher sehen konnte und es wohl so aussah als wären sie eingekreist gewesen.
Doch zu diesem Zeitpunkt kam niemand auf die Idee was wohl mit den Leuten hier passiert sein könnte weswegen wir ohne weitere umschweife zum Labor gingen nur um etwas abartiges und grauenhaftes zu finden.
In erster Linie schien es ein völlig normales Labor zu sein wo direkt am Eingang einige Generatoren für die Stromversorgung waren und anscheinend noch funktionierten weshalb wir beschlossen diese zu benutzten damit wir uns im inneren leichter bewegen konnten. Als wir uns drinnen umsahen um zu schauen wo wir am besten die Sprengsätze anbringen konnten damit diese alles zerstörten.
"Sergean Major...das sollten sie sich ansehen...sie werden nicht glauben was ich gefunden habe. Das müssen sie sich unbedingt ansehen..." kam Privat Chin etwas aufgelöst zurück da er sich weiter umsehen sollte wo wir weitere Sprengsätze legen könnten, weshalb alle ihm dann folgten.
Wir kamen in einen Bereich der von einer schweren und dicken Eisentür geschützt wurde und so aussah als würde diese einiges aushalten. Jedoch was wir dann erblickten war mehr als grauenhaft. Mehrere Tanks in denen seltsame Kreaturen waren und fast wie Menschen wirkten. Es sah so aus als hätte man mit Menschen irgendwelche Experimente gemacht die darauf hin mutierten und völlig entstellt waren. Als wir uns die Tanks nacheinander angesehen hatten, kamen wir zu einem Tank der völlig zertört war. Ebenso wie jede Menge Blut das schon lange in den Boden eingetrocknet war.
"Tja...jetzt wissen wir wohl warum draußen so viele Hüllsen herum liegen. Wie es scheint hat sich wohl eines der Kreaturen sich gegen ihren Erschaffer gewendet." lachter der Corporal wobei die Sache wohl nicht ganz so lustig war weil niemand wusste ob die Kreatur tot war oder vielleicht noch auf der Insel war.
Necromorpher...so haben sie diese Wesen genannt..." warf ich nur ein als ich mir einen der Arbeittische genauer ansah und alte Unterlagen fand die man noch lesen konnte. Selbst die Computer dort schienen noch einiger Maßen zu funktionieren weshalb ich den Auftrag bekam mir diesen genauer anzuschauen während der Rest die restlichen Sprengladungen anbrachte.
"Und Sergeant was haben sie so herausgefunden?" sprach mich der Sergeant Major dann nach einer Stunde wieder an und ich wusste nicht einmal wo ich anfangen sollte zu erklären und brauchte deswegen einen Augenblick um mich zu sammeln eher ich ihr antworten konnte.
"Dieses Labor...es ist mal gerade 37 Jahre alt. Sie haben Menschen für experimente benutzt um aus ihnen eine unaufhaltbare Armee zu machen um so dann wieder aufzusteigen und alles unter ihre Kontrolle. Aber wie es scheint lief es nicht so wie sie wollten und statt einer Armee aus Supersoldaten bekamen sie entstellte Kreaturen die man nicht kontrollieren konnte und auch seltsame Mutationen aufwiesen für die man keine Erklärung hatte. Was danach kommt weiß ich nicht. Das einzige was noch darin stand war, dass die Nacht gefährlich ist. Die restlichen Daten sind vollkommen beschädigt und können nicht mehr aufgerufen werden." erklärte ich und war selber damit völlig überfordert was das ganze zu bedeuten hat. Aber egal was es war, es war wirklich besser alles hier zu zerstören bevor irgendjemand das hier wiederholte.
Kurz darauf bekamen wir dann den Befehel wieder abzurücken damit alles gesprengt werden konnte und um uns dann zum Abholpunkt zu begeben da es draußen schon langsam dunkel wurde und wir noch einen Fußmarsch bis dorthin hinter uns hatten.
Doch bevor wir den dichten Dschungel hinter uns hatten hörten wir eine laute Explosion die aus der Richtung kam wo der Abholpunkt war und zwischen den Blättern der Bäume konnte man Rauch aufsteigen steigen sehen weshalb wir uns beeilten.
Als wir dann am Ort der Explosion ankamen mussten wir mit Ansehen wie der Hubscrauber. der uns abholen sollte, niederbrannte und am Strand in mehrere Teile verstreut lag. Bevor wir auch nur darüber reden konnten was passiert ist, bewegte sich etwas zwischen den Trümmern und hörte sich so an als hätte jemand überlebt.
Als Privat Chin näher heran ging um nachzusehen, sprang plötzlich etwas aus den Flammen direkt auf ihn zu und warf ihn dabei um. Das Wesen was wir sahen sah genau so aus wie die, die wir im Labor gesehen hatten und diese schlug immer wieder mit den Klauenähnlichen Armen auf Privat Chin und zerfetzte seinen Körper einfach völlig während wir alles auf die Kreatur schossen was wir hatten. Erst als wir mehrere Magazine auf die Kreatur abgefeuert hatten ließ diese vom privat ab und flüchtete in den Dschungel als wäre nichts gewesen. Jedoch kam jede Hilfe für den Soldaten zu spät. Überall lag sein Körper verteilt und man konnte ihn gerade noch so erkennen.
Selbst jetzt noch höre ich seine panische Schreie während die kreatur ihn in Stücke fetzte und erst aufhörte als kaum noch etwas von ihm übrig war.
"Zur Hölle was war das? Du willst mir doch jetzt nicht sagen das dieses...dieses Ding aus dem Labor kommt? Scheiße was läuft hier verdammt nochmal?" regte sich der Corpral auf und war sprachlos darüber was hier gerade überhaupt geschehen ist und nicht einmal wirklich glauben konnte das diese Kreatur dafür verantwortlich war, dass der Hubschrauber abgestürzt ist. Doch mussten wir sehr schnell feststellen das unsere Situation sich drastisch verändern würde.

Nachdem wir einen Notruf abgesetzt hatten, mussten wir auch schon wieder zurück zum Labor laufen weil plötzlich lauter unnatürliche Schreie zu hören waren und direkt auf uns zugerannt kamen als die Sonne nun langsam am Horizont verschwand und die Nacht herein brach. Erst jetzt verstanden wir die letzten Worte die auf dem Computer zu finden waren.
Jedoch auf dem Rückweg zum Labor erwischte es auch den Corpral, jedoch versuchte er uns etwas Zeit zu erkaufen in dem er sich mit seinen Granaten und den restlichen Sprengsätzen in die Luftsprengte und eine Menge dieser Kreaturen mit in den Tod nahm.
Wir beschlossen uns im alten Labor zu verschanzen da die Kammer im inneren wohl am sichersten wahr und man die schwere Tür von innen verschließen konnte. Als wir im inneren waren und die Tür geschlossen hatten, hörte man von draußen wie die Kreaturen an der Tür kratzen und schlugen und dabei versuchten herein zu kommen. Wir konnten auch mit Sicherheit sagen das die Kreaturen dort draußen wohl mal die Soldaten und Wissenschaflter des Labores waren, da viele zerftze Laborkittel und Militäruniformen trugen. Jedoch saßen wir in der Falle und wir konnten nur warten während wir uns überlegten was wir tun konnten. Wir konnten diese Necromorpher nicht einfach so herum laufen lassen und kamen nach einer Stunde Überlegung zu dem Schluss das wir alles sprengen sollten aber so das die Kammer in der wir waren nicht mit zerstört werden würde.
Jedoch müssten wir dafür nach draußen und einige Sprengsätze anders platzieren müssten.
Ich war mit dieser Idee einverstanden weil wir so bessere Chance hatten zu überleben und so auch gleichzeitig diese Kreaturen töten konnten. Doch hatte der Sergeant Major dies bezüglich wohl noch beschlossen mich bewusstlos zu schlagen. Das einzige was ich von ihr nur noch mitbekam war: "Jemand muss erzählen was hier passiert ist."
Ich kam auch erst wieder zu mir kurz bevor die Explosionen los gingen und ab da habe ich Stunde für Stunde gewartet bis es wieder Tag war eher ich die Kammer verließ und vor mir nichts als verbrannte Ruinen und verbrannte Leichen vor mir fand die man nicht mehr zuordnen konnte. Das einzige was mir nur noch übrig blieb war das Innere der Kammer zu sprengen da dort der Sprengsatz, der einzige war der nicht explodiert ist.
Danach ging ich wieder völlig fertig zum Abholpunkt zurück und kam schließlich hier her zu der Anhörung die einige Tage später statt fand.

Was nach der Anhörung passierte bekam ich nur aus Berichten mit. Sie haben mehrere Truppen auf die Insel geschickt um ganz sicher zu gehen das auch wirklich alle diese Kreaturen getötet worden sind. Jedoch stellte sich heraus das es noch viel mehr gab die sich in natürlichen Höhlen auf der Insel vor dem Sonnenlicht versteckten weshalb es ein leichtes war diese zu töten. Jedoch weiß man nicht genau ob man wirklich jetzt alle Necromorpher ausgerottet hat oder ob es noch einige Überlebende gab. Aber dies sollte mich nun nicht mehr kümmern da ich wieder anderen Aufgaben zugewiesen wurde. Jedoch werde ich niemals diesen Tag vergessen wo das Warten sich wie eine Ewigkeit anfühlte.


Jury meint:
Ein interessanter Aspekt dieser Kurzgeschichte war auf jeden Fall ihr Aufbau. Die Anhörung, welche an ihrem Anfang steht, erweckt gleich das Interesse des Lesers zu erfahren, welche Ereignisse zu ihr geführt haben könnten. Leider wurde das Potential meiner Meinung nach nicht vollends ausgeschöpft.
Ein erster Kritikpunkt, welcher einem bei dieser Geschichte leider sofort ins Auge springt, ist die Rechtschreibung. Teilweise hat man das Gefühl, dass sich überhaupt keine Mühe gegeben wurde, leserlich zu schreiben oder noch einmal abschließend Korrektur zu lesen, was dazu führt, dass streckenweise Wörter fehlen und die Bedeutung von anderen sich erst beim zweiten lesen erschließt. Das wäre einfach zu vermeiden gewesen, und stört den Lesefluss.
Ebenfalls auffällig ist die fast vollständig fehlende Beschreibung der handelnden Charaktere. Von vielen erfährt man nur den Militärrang und Namen, und ob sie männlich oder weiblich sind. Nicht einmal so etwas wie Haarfarben oder ungefähres Aussehen werden erwähnt. Natürlich kann man bei einer Kurzgeschichte mit mehreren agierenden Charakteren nicht jedem eine ausgefeilte Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte geben. Doch in dieser Geschichte fehlen diese Aspekte bei allen Charakteren fast völlig. Oftmals hatte man in einer Szene das Gefühl, dass die gerade handelnde Person auch ebenso gut durch jede andere Person in der Geschichte hätte ersetzt werden können, ohne das sich etwas an den Dialogen oder Handlungen etwas ändern würde. Eben weil sie keine einzigartige Persönlichkeit besitzen. Hier hätte man sich gewünscht, dass wenigstens ein Charakter hervorsticht.
Leider wirkt sich dieses Manko im Charakterdesign auch sehr stark auf den Rest der Geschichte aus. Obwohl die Charaktere teilweise auf sehr grausame, tragische Art und Weise sterben, will sich beim Leser kein Mitgefühl einstellen, da ihre Persönlichkeit nicht ausgereift genug war, um sich mit irgendeinem von ihnen zu identifizieren. Auch der Hauptcharakter und einzige Überlebende der Geschichte scheint beim Tod seiner Kameraden seltsam emotionslos. Zwar wird zwischendurch kurz eingestreut, dass die Schreie eines Kollegen ihn immer noch verfolgen, oder das er vollkommen fertig ist, als das Ganze dann zumindest für ihn durchgestanden ist. Aber tiefergehende Gefühlsbeschreibungen, die vielleicht auch seine genaue Beziehung und Empfindungen gegenüber anderen Charakteren klar gemacht hätten, fehlen fast komplett. Dabei wäre es eigentlich das gewesen, was einer actionbasierten Kurzgeschichte Spannung verleiht. Wie fühlen sich die Charaktere genau, wenn sie ihre eigenen Kameraden verlieren, oder gerade selbst vor dem fast unvermeidbaren Tod stehen? So bleibt viel Rumgeballer und blutige Tode. Das mag zwar zum Beispiel bei einem Computerspiel durchaus eine spannende Wirkung erzielen, doch bei einer geschriebenen Geschichte würde diese eher dadurch erzeugt werden, dass man mit den Charakteren mitfühlen kann, und sich somit Angst um sie empfindet.
Abschließend will ich einige Worte über das Setting der Geschichte verlieren. Ein bisher unentdecktes Nazilabor, welches am Ende auch noch ein paar ebenfalls bisher unentdeckte Mutanten enthält. Es ist wirklich etwas bizarr, und hat an Trashfilme erinnert, weswegen man am Anfang glaubte, es würde sich um eine Parodie oder eine Comedygeschichte handeln. Allerdings ist der Tonfall dafür besonders am Ende zu ernst, und das Ganze nicht lustig oder overthetop genug. Doch für eine tragische Geschichte scheint einem das gesamte Setting nicht wirklich geeignet zu sein, und einige Ereignisse muteten doch etwas zu weit hergeholt an. Deswegen wurde mir die genaue Intention der Geschichte nicht vollkommen klar, und ließ mich mit vielen Fragezeichen zurück.
Akeem
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am Sa 16 Dez 2017 - 21:33
Die Warteschlange:

„Ich hasse Warteschlangen im Supermarkt! Es ist doch immer das gleiche! Sieh sich doch nur einmal einer die alte Henne da links an Kasse 2 an! Also Leute gibt’s…!“ 

„Das macht 15 Euro und 82 Cent, bitte!“, verkündete die Kassiererin.
„Häääh?! 50 Euro und 82 Ceeent?!“, wiederholte, oder vielmehr glaubte die alte Dame ungläubig zu wiederholen.
Die Kassiererin korrigierte: „15 Euro und 82 Cent!“
„50 Euro und 82 Cent kann doch nicht seeeeiin! So schau’n sie doch, ich hab doch nur die paar Sachen hier! Sie woll’n mich wohl über’s Ohr hauen?! Denken sich, mit der alten Lise kann man’s ja machen!“, schimpfte die alte Dame.
„Nein, ich sagte 15 Euro und 82 Cent!“, verbesserte die Kassiererin.
„15 Euro und 82 Cent?“, wiederholte die alte Dame nun etwas beruhigter.
„Ja!“, bestätigte die Kassiererin.
„Na, warum sagen sie das denn nicht gleich?!“, moserte die alte Dame empört.
„Rutsch mir doch den Buckel runter!“, dachte die Kassiererin finster, während sie fragte:
„Zahlen sie bar oder mit Karte?“
„Was ist mit der Katze?“, rief die alte Dame erstaunt.
„Ob sie baaaar zaaahleeen, oooder mit Kaaarteee?!“, rief die Kassiererin zurück.
„Sie müssen nicht gleich so laut werden! So alt bin ich ja nun auch wieder nicht! Ähh…was wollten Sie noch gleich wissen?“, zeterte und erkundigte sich die alte Dame.
„Ob sie baar oder mit Kaarte zahlen?!“, wiederholte die Kassiererin ein wenig entnervt.
„Achso!!! Ich zahle bar! Aber das habe ich Ihnen doch eben schon gesagt.“, merkte die alte Dame an.
„Ham’se nich’.“, flüsterte die Kassierin ganz leise vor sich hin.
„Aber natürlich hab ich das! Jetzt werden Sie mal nicht gleich unverschämt! Ich werd’ doch wohl wissen, was ich getan hab’ und was nicht!“, echauffierte sich die alte Dame.
„Es tut mir Leid!“, log die Kassiererin. 
„Das will ich Ihnen aber auch geraten haben! Sehn’ sie denn nicht, wie die hinter uns schon alle genervt wegen Ihnen gucken?! Naja…woll’n wir mal nicht so sein. Also hier sind zeeehn Euro...dann…hier sind fü…na, wo ist denn der 5 Euro-Schein hin? Ich könnte schwören, dass ich den gestern eingepackt habe. Ich sag noch zum Erna: „den 5 Euro-Schein packst du besser gleich ein, sonst denkst du da nachher nicht dran.“ Und ich bin sicher, das habe ich auch getan!“, führte die alte Dame aus.
„Möchten Sie doch mit Kaarte bezahlen?“, schlug die Kassiererin vor.
Die alte Dame wiegelte ab: „Nein! Ich habe bisher immer bar gezahlt und mit so einem neumodischen Schnickschnack wie Kartezahlen werde ich jetzt nicht anfangen!“ Sorgsam machte die alte Dame das Münztäschchen auf. „Aaahh, hier sind schon mal 2 Euro. Und da sind noch zwei!“
„Das ist aber nur einer!“, merkte die Kassiererin an.
„Wie bitte?“, sagte die alte Dame.
Mit begrenztem Erfolg versuchte die Kassierin ihre Genervtheit nicht zu zeigen: „Iich…saagte…daas…iist…nuur…eiin…Euuro!“ 
Die alte Dame hielt sich die Münze genau vor die Augen und gab zu: „Tatsächlich! Nun, man kann sich ja mal irren! Wieviel fehlt denn noch?“
„Zweeii Euuuroo und Zweeiiiuuundaaachtzig Cent!“, schoss die geübte Kassiererin hervor.
„Ja, richtig! Hier ist noch 1 Euro!“, verkündete die alte Dame stolz, als wäre sie gerade auf die Zielgerade eines Marathons eingebogen.
„Feehleen nooch eeiin Euuuroo und Zweeiiiuundaachtziig Ceeent!“, merkte die Kassiererin an.
„Ja, das weiß ich doch! Ich kann selbst mitrechen! Nur weil ich alt bin, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht mehr rechnen könnte! Hier haben sie zwei 50 Pfennig Stücke…da ist sogar noch ein drittes! Was ein Glück! Dann noch einen 20er und…ach wissen sie was, hier nehmen sie noch ein 20 Pfennig Stück. Der Rest ist für sie.“ Ein vergnügtes Lächeln strahlte über das ganze Gesicht der alten Dame in der vollen Überzeugung, hier jemandem gerade etwas wahrhaft Gutes getan zu haben.

„Also Leute gibt’s…!“ , schüttelte ich meinen Kopf.
„Hallo!!! Sieeee! Träumen sie etwa?!“ Ein Mann tippte mir von hinten wild auf die Schulter, als wäre ich die Entertaste eines Laptops, der sich mitten bei der Bestätigung, nach einem endlos langen Virenscan aufgehängt hat. 
„Sein Gesicht ist ja tiefrot! Er muss sich für diese Schultertippaktion sehr schämen. Das sind ja auch keine Manieren… also Leute gibt’s…!“ 
„Ähh, was gibt’s?“, wollte ich wissen, doch der Mann zeigte nur mit zitterndem Finger in eine Richtung. Mein Blick folgte seinem Finger und blieb auf einem jungen Kassierer stehen.
„Eine Tüte Chips, macht 1,69, bitte!“


Jury meint:
Die Warteschlange ist natürlich der Ort, in der sich die meisten nervigen Dinge des Lebens abspielen. Vor allem eben das Warten auf alte, verschrobene Omas, die weder hören noch zuhören wollen, was den Rest in der Schlange sowie die Kassiererin zur Weißglut treibt und gleichzeitig den Leser sehr amüsiert. Sicherlich ist der Humor nicht jedermanns Sache. Der Autor versucht hier in eine Loriot-ähnliche Richtung zu gehen und so eine Art von Humor liegt sicher nicht jedem. Alltagssituationen so absurd auf die Spitze zu treiben, finden manche bestimmt einfach nur lächerlich und peinlich oder einfach nur überhaupt nicht lustig.
Und da es sich hierbei nicht um eine Kurzgeschichte, sondern um einen Witz oder einen Sketch handelt, steht und fällt die Bewertung mit dem eigenen Humorempfinden. Einige werden geschmunzelt haben, andere die Augen verdreht.
Es ist schwer etwas zu als Kurzgeschichte zu bewerten, wenn es das eindeutig nicht sein möchte und über Humor zu streiten ist müßig, also konzentrieren wir uns einfach nur auf das Handwerk.
Der Witz beginnt mit einem Satz, der das Setting andeuten soll, jedoch nicht voll und ganz Erklären kann. Vor allem der letzte Ausruf lässt auf einen Erzähler schließen, der die Geschichte wiedergibt, allerdings ist die Aussage in Anführungsstrichen geschrieben, sodass dies bis zum Ende, als der Erzähler tatsächlich selbst auftaucht, nicht wirklich klar wird. Das plötzliche Auftauchen dieses Erzählers ist auch der größte Schwachpunkt dieses Witzes, da er verhältnismäßig überraschend kommt und so von der eigentlichen Pointe ablenkt. Es wäre besser gewesen von Anfang an ganz klar und deutlich zu sagen, dass diese Geschichte von einer Person erzählt wird. Das Ende wäre dann weniger überraschend und teilweise verwirrend und gleichzeitig hätte es die Möglichkeit gegeben, so humoristische Kommentare des Erzählers selbst einfließen zu lassen und ihm etwas mehr Persönlichkeit zu geben. Von den drei Charakteren, die in dem Witz vorkommen, ist er eindeutig derjenige mit der geringsten Persönlichkeit.
Besonders wichtig sind außerdem der Rausschmeißer bzw. der letzte Satz der Pointe, der den Witz rund abschließen sollte und mit einem Schlusslacher oder am besten sogar eine Art „AHA! HAHA!“-Lacher den Leser entlassen sollte. In diesem Zusammenhang wirkt die letzte Aussage des Witzes etwas belanglos und recht zufällig gewählt. Wenn überhaupt eine Schlusspointe vorhanden sein soll, dann ist es höchstens der seltsam, komplizierte Wert von 1,69. Beispielweise wäre es möglich gewesen, zuvor durch den Erzähler die Auswahl der Produkte, welche die Oma kauft, zu kommentieren, nur um am Ende etwas noch bescheuertes oder lustigeres in einer absurden Menge zu kaufen. Die Oma kauft Spitzenunterwäsche und der junge Kerl kauft Rheuma Socken.
Humor ist schwierig und das in vielerlei Weise. Vor allem, wenn man sich einzig und alleine darauf stützt, kann es bei Lesern, die den Humor nicht teilen, zu negativen Reaktionen kommen. Zukünftig würden wir uns deswegen zusätzlich zu dem Witz auch noch eine wirkliche Geschichte wünschen.
Akeem
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am Sa 16 Dez 2017 - 21:34
Gefangen im Alptraum:

Der Weg den Flur entlang fühlte sich endlos lang an. Ich erreichte die Tür am Ende des Flurs nach einer gefühlten Ewigkeit und wischte meine schweißnassen Hände an meiner Jeans ab. "Thomas Pichler", stand auf dem Schild geschrieben. Wieder wurde mir ins Gesicht geklatscht, dass ich nicht aus meinem Alptraum erwacht worden war. Ich nahm jeglichen Mut zusammen und öffnete die Tür. Kaum hatte ich einen Schritt hinein gemacht, war mein ganzer Mut verflogen und ein Kloß kämpfte sich in meinen Hals. Ich stand da für eine Sekunde. Zwei. Drei. Und verlor das Zeitgefühl.

Tick. Tack. Tick. Tack.

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen überprüfte ich zur Ende meiner Schicht nochmal die Sauberkeit Bibliothek. Der hintere Teil war durch Wände und eine Tür abgetrennt. Dahinter befand sich ein großer Fernseher, auf dem sich Filme im Unterricht angesehen werden konnten. Auf den Sitzbänken fand ich einen Schüler auf den Kissen schlafend, ein Buch auf der Brust. Wie war es bitte möglich beim Lesen einzuschlafen?!
 Ich wusste nicht was in mich fuhr, aber ich packte das nächste Kissen und warf es auf das Opfer. Der Blondschopf schreckte aus dem Schlaf und sah sich desorientiert um. 
"Oh… Ich bin wohl beim Lesen eingeschlafen…", schlussfolgerte der Blitzmerker. Er sah auf das Buch und stand langsam auf. "Tristan und Isolde…? Stimmt, das sollten wir bis heute gelesen haben…"
"Die sechste Einheit beginnt gleich", entgegnete ich ihm kühl. Er sah mich überrascht an, nur um mir ein freundliches Lächeln zu schenken. "Oh! Danke! …Ich bin Thomas."  Ohne zu wissen wieso setzte mein Herz einen Schlag aus.


Tick. Tack. Tick. Tack.

"Oh, hey!", rief mir Thomas zu. Ich hatte noch nicht einmal einen Fuß aus der Schule gesetzt und er kam schon auf mich zugelaufen, winkte seiner Clique noch einmal zum Abschied zu und gesellte sich zu mir. "Hast du Lust mit mir wohin zu gehen? In der Gegend hat ein Büchercafé eröffnet."
Verwundert blickte ich ihn an. Büchercafé? Er deutete meinen Gesichtsausdruck und erklärte lächelnd: "Es ist im Grunde ein Café und eine große offene Bibliothek in einem. Du kannst hinein gehen und dir Bücher ansehen und dann bei einer Tasse darin blättern. Es ist echt atmosphärisch dort drin. Ich dachte mir, dass dir das gefallen könnte."
Es fiel mir sehr schwer ihm abzusagen. Aber ich hatte keine Wahl. "Ich würde wirklich gerne. Aber ich habe mir schon mit Laura ausgemacht mit ihr ins Kino zu gehen… D-Du könntest ja-"
"Nein, nein. Ich wünsche euch beiden viel Spaß. Das Café läuft uns nicht davon… Wie wär's mit Freitag?", schlug er strahlend lächelnd vor, auch wenn ich mir einbildete kurz Enttäuschung in seinen Augen zu sehen. Mein Herz begann stark gegen meinen Brustkorb zu klopfen. Ich bekam kein Wort heraus und konnte deswegen nur nicken.
Das Hupen eines Autos riss mich aus dem Bann seines Gesichts und ich verabschiedete ich mich von dem Blondschopf, nur um zu Laura in den Wagen zu steigen. Kaum saß ich neben ihr grinste sie mich breit an. "Du magst ihn", flötete sie. 
Ich beobachtete wie sich Thomas im Seitenspiegel weiter entfernte. "… Und? Ich mag dich auch", entgegnete ich verspätet.
Der Lockenkopf begann laut zu lachen: "Du weißt was ich meine. Du bist in ihn verliebt!"
Ich schloss meine Augen und nahm einen tiefen Atemzug, bevor ich ihr antworten konnte: "Na und? Er ist gut aussehend, freundlich und extrovertiert. Ich hingegen bin der ruhige Bücherwurm."
"Vielleicht findet er genau das so süß an dir? Ich denke, dass auch er in dich verliebt ist", beharrte sie. Ich konnte nur den Kopf schütteln.


Tick. Tack. Tick.

"… Darf ich dich was fragen?", setzte ich an. Die Worte meiner besten Freundin gingen mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich musste herausfinden, ob sie vielleicht doch Recht haben könnte…
Thomas hob neben mir den Kopf von seinem Cappuccino auf und lächelte mich an. Mein Herz wusste nicht, ob es mir im Hals schlagen oder doch in die Hose rutschen sollte. Ein krampfender Schmerz durchzog meine Brust, doch irgendwie schaffte ich es mich zu einem Lachen zu zwingen.
"Wie kommt Laura bitte auf die Idee, dass du in mich verknallt sein sollst?", lachte ich. Sein Lächeln verblasste. "Weil es so ist. Ich mag dich sehr", kam es knapp von ihm. Ich spürte Hitze in meine Wangen kriechen. Als seine Hand sich zögernd auf die meine legte, wollte ich sie aus Reflex zurückziehen, doch seine Finger schlossen sich um meine. Er wollte eine Antwort. Jetzt. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinab und brachte eine Antwort hervor: 
"Ich dich auch…"


Tack. Tick. Tack.

"Ich bin wieder Zuhause!", rief Thomas in der Eingangstür und marschierte direkt zu mir in die Küche "oh mein Gott, ist hier was gestorben?" Stirnrunzelnd sah ich auf das Gebräu, das vor mir im Topf köchelte. Was hatte ich falsch gemacht? Ich hatte mich an das Rezept gehalten... 
Seine Hand legte sich auf meinen Kopf. "Hör zu. Ich liebe dich sehr, aber ich werde dieses Etwas nicht essen. Mein Leben will ich noch etwas behalten... Aber ich schätze sehr, dass du mich bekochen wolltest... Aber Kochen ist eben nicht deine Stärke."
Ich seufzte und schob den Topf von der Herdplatte. Nicht einmal sein süßer Kuss konnte mich aufheitern. "Du tust so viel für mich. Du arbeitest so lang und hart, während ich mich nur durch das Studium quäle... Wir sparen jeden Cent... Wie wir über die Runden kommen ist ein Wunder. Aber... du bist trotzdem mir zu Liebe so optimistisch."
Thomas' Lächeln nahm mir tatsächlich die Schwere meines Herzens. Er nahm mich in den Arm und flüsterte mir ins Ohr: "Ach Isolde. Soll ich krank werden vor Sorge, um zu riskieren, dass du an einem gebrochenen Herzen stirbst? Wir schaffen das. Und vergiss das Kochen. Du hast andere Talente. Es macht mich glücklich, wenn du mir aus einem Buch vorliest... Selbst wenn es Tristan und Isolde ist." Ich konnte nicht anders als auf seine Bemerkung zu lachen. Zögernd lehnte ich mich an seine Brust und sah zu ihm hinauf.
"Thomas... Wir sind jetzt schon ein paar Jahre zusammen... Es ist so schön... Ich glaube dir. Es wird wieder besser. Und wenn es so weit ist werde ich dich zum Standesamt begleiten."
Seine Wangen röteten sich, ehe er verlegen lachte und seine Stirn an die meine lehnte. "Ich liebe dich so sehr."


Tick. Tack.

Der Hustenanfall brannte in meinen Lungen. Die Sorgenfalte auf Thomas' Stirn wurde tiefer. "Ich muss ja nicht auf die Geburtstagsparty. Ich kann hier bleiben", wiederholte er. Wie die letzten x-Male schüttelte ich hustend den Kopf. 
"Nein, geh ruhig. Richte ihr schöne Grüße aus. Ich bin krank. Ist doch langweilig die Zeit mit einem Kranken tot zu schlagen, findest du nicht? Na los, geh. Du würdest mich beim Schlafen stören. Also kusch. Hab viel Spaß und pass auf dich auf."
"Na gut...", willigte er widerwillig ein "aber nur, wenn du versprichst mich anzurufen, wenn es dir schlechter geht! Du bist mir wichtiger, als so eine Party." Er führte meine Hand an seine Lippen und küsste den silbernen Ring an einem meiner Finger. 
"Jetzt geh schon! Im schlimmsten Fall stecke ich dich an. Husch husch." 
Wieder zögerte er, ehe er nickte und aufstand. Ich lächelte ihn an, während er sich zur Tür bewegte, sich immer wieder zu mir umdrehend. Als er endlich die Wohnung verlassen hatte seufzte ich tief. Gerne hätte ich Gesellschaft gehabt. Aber ich konnte ihn nicht so an mich binden. Er machte sich schon so viel zu viele Sorgen. 


Tick.

Quälend langsam hob ich meinen Blick und sah zu dem Blondschopf. Der Anblick der Schläuche, Verbände, Schürfwunden und blauen Flecken zwang mich den Kloß in meiner Kehle hinab zu schlucken. Nach einem tiefen Atemzug sah ich auf meine zitternde Hand, die seine Finger umschloss, versuchte positiv zu denken. Doch die Wahrheit nagte an meinem Verstand. Es könnten seine letzten Momente sein. Ich hätte ihm öfter sagen sollen, wie sehr ich ihn liebte. Ich hätte mehr Zeit mit ihm verbringen sollen. Bei dem Gedanken daran, wie ich ihn tot auffinden würde rief mir Isolde ins Gedächtnis, die an einem gebrochenen Herzen starb, als sie Tristan leblos auffand. Ob mir das auch passieren würde? Nein... Das war unmöglich.
Gerne hätte ich mit ihm gesprochen, fand aber den Mut dazu nicht. Ich musste nur von diesen Gedanken abkommen. Irgendwie. Ich hatte schon vor Tagen aufgegeben, im Raum nach einer Ablenkung zu suchen. Alles sah kalt und herzlos aus, abgesehen von einem orange-roten Blumenstrauß, den ich auf einen kleinen Tisch gestellt hatte. Deshalb sah ich wieder auf das kleine Buch, das in meinem Schoß lag: Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde. Doch meine Gedanken blieben triste.

Tack

Hätte ich ihn damals darum gebeten zu bleiben...Wäre er geblieben, wäre er nicht in sein Auto gestiegen. Er wäre nicht weg gefahren. Wäre dem übermüdeten LKW-Lenker nicht begegnet und-
Die Türklinke wurde hinab gedrückt. Waren schon wieder zwei Stunden vergangen? Sofort begannen meine Hände zu zittern, als ich seine Finger sanft zu meinen Lippen führte. 
Ich hörte wie die Krankenschwester in der Tür den Atem einsog, um mich anzusprechen. Ich fiel ihr jedoch sofort ins Wort: " Ich weiß, die Besuchszeiten sind vorbei. Ich gehe schon."
"Die Wunden heilen gut", versuchte sie mich aufzuheitern. Ich musste aufpassen, nicht spöttisch zu lachen. 
"Wann wird man die Dosis der Narkotisierungsmittel verringern können, um ihn in die Aufwachphase zu bringen?", fragte sich direkt. Wie erwartet schwieg die Krankenschwester. Keine Antwort. Unwissenheit. Eine grausame Tortur.
Hastig rieb ich mit meinem Ärmel über meine Augen, als sie anfingen zu brennen. Nein. Nicht weinen. Ich musste versuchen positiv zu denken!
"… Thomas… ich komme morgen wieder", versprach ich ihm. Es fühlte sich seltsam unnatürlich an seine Hand nach zwei Stunden loszulassen. Das Gefühl von Schuld schwappte über mich. Ich ließ ihn an diesem trostlosen Ort alleine. Wieder gegen das Brennen in meinen Augen kämpfend beugte ich mich über ihn und küsste seine Stirn. Langsam schritt ich aus dem Raum, es schien beinahe so, als ob mich etwas hinaus zerren würde. 
Erst als ich auf die geschlossene Tür vor mir starrte merkte ich, dass ich draußen war. Sofort fanden meine Tränen den Weg über meine Wangen und ich hörte mich selbst schluchzen. Wie von selbst trugen mich meine Füße den endlos langen Flur entlang. Ich schlang meine Arme um meine Mitte, hoffend das Zittern somit zu stoppen. Immer wieder blickte ich zurück zu Thomas‘ Zimmer.
Morgen würde ich wieder kommen und bei ihm sitzen.
Ich würde bei ihm sitzen und da sein.
Ich würde da sein und warten.
Warten, bis wir beide aus diesem Koma-Alptraum erwachen.


Jury meint:
Der Aufbau, welcher mehrere Rückblicke in eine Rahmenhandlung integriert, ist gut gelungen. Er erzeugt Spannung und passt gut zu dem Thema des Kurzgeschichtenwettbewerbs.
Man lernt während des Lesens die Charaktere kennen und ihre gemeinsame Vorgeschichte kennen, was der tragischen Enthüllung am Ende der Geschichte sehr zugute kommt. Hier liegt allerdings auch der erste Kritikpunkt. Der Grad zwischen Romantik und Kitsch ist sehr schmal, und hier hatte man das Gefühl, dass die Geschichte einige Male hart an der Grenze zum Kitsch war.
Während das erste Liebesgeständnis noch gut gepasst und geholfen hat, die Gefühle der Charaktere deutlich zu machen, wäre es doch wünschenswert gewesen, wenn danach nicht jeder Rückblick in ausufernden Liebesbekundungen geendet hätte. So nutzt sich das Ganze etwas ab, und das zusammen mit den ständigen Vergleichen zwischen den Hauptcharakteren und einem fiktiven Liebespaar lässt es die Dialoge leicht unrealistisch wirken. Vielleicht wäre es zielführender gewesen, sich größtenteils eher undramatische Alltagsszenen zwischen beiden Charakteren herauszusuchen, und mit direkten Liebesschwüren etwas zu sparen. Wenn man so etwas gut schreibt, vermittelt es oft besser, was genau die Charaktere einander bedeuten.
Ein zweiter Kritikpunkt war in unseren Augen, dass die Namen der Charaktere oft mit Haarbeschreibungen ersetzt wurden (zum Beispiel der Blondschopf, der Lockenkopf). Das mag vielleicht Sinn ergeben, wenn die Charaktere sich gegenseitig noch nicht beim Namen kennen, oder die Geschichte in der dritten Person erzählt wird. Doch bei einem Ich-Erzähler mutet es etwas seltsam an, wenn er über seinen im Krankenhaus liegenden Freund als „der Blondschopf“ nachdenkt.
Der Twist am Ende der Geschichte ist hingegen gut gelungen, kommt überraschend und rundet die Geschichte passend ab.
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 16 Dez 2017 - 21:35
Hüttenkoller:

Du wartest auf einen Anruf. Schlüssel und Jacke liegen bereit,
doch das Telefon ist still; war schon eine Stunde lang still, obwohl es hätte laut sein müssen.
Du hast dir zuerst keine Sorgen gemacht, auch nach einer halben Stunde nicht.
Aber 60 Minuten erwartungsvolle Stille sind genug Zeit,
um sich in seinem eigenen Kopf zu verirren. Hatte der Zug Verspätung?
Oder gar einen Unfall? Oder hat er es einfach vergessen?
Schnee fällt vor dem Fenster und langsam wird es dunkel.
Niemand da, keine Bewegung, kein Geräusch.
Doch da, ein Licht!
Scheinwerfer, die durch das Fenster das Wohnzimmer erhellen.
Das muss er sein, oder?
Nein, er ist nicht.
Es fährt nicht auf den Hof und du bist allein.
Ohne die Hilfe des Fremden im Auto erkennst du nicht einmal die Uhr an der Wand, aber es muss spät sein.
Spät genug, um mit einer Schaufel im Kofferraum den Straßengraben abzusuchen?
Ist das übertrieben?
Aber er ist dein Sohn, dein einziges Kind!
Du hast ihn gut erzogen und er würde einen Anruf nie einen halben Tag aufschieben.
Er weiß doch, wie sehr du dich immer fürchtest. Siehst Geister in jedem Schatten und hörst Stimmen im Wind.
Warte, gerade eben. War da nicht wirklich etwas?
Du gehst runter in den Flur und ja, die Tür zu seinem Zimmer ist offen und er steht da.
„Oh, hey Mama. Ich hatte früher aus und deswegen den Bus genommen.”
Du bist erleichtert, natürlich, aber auch geschockt.
Deine Stimme wird laut als du ihn fragst wann er vorhatte in den ersten Stock zu kommen.
Er weiß nicht was du dich jetzt wieder so aufregst.
Er findet das ist bekloppt.
Ist es bekloppt?

Ist es das?

Jury meint:
Gedanken und Gefühle einer Mutter spielen in diesem poetischen Text die Zentrale Rolle. Sie wartet auf niemand geringeren, als ihren Sprössling und verirrt sich dabei in Ängste, die wohl jeder irgendwo nachvollziehen kann. Der Erzähler wendet sich hier direkt an den Leser und generalisiert die Gefühle und die Gedanken, die ein Elternteil in diesen Moment haben könnte. Es bleibt knackig und konzentriert sich wirklich nur auf Gefühle und Gedanken, nichts weiter darüber hinaus, sodass es eher wie ein Gedicht wirkt, als wie eine Kurzgeschichte.
Es ist auch hier unmöglich es als etwas zu bewerten, dass es nicht sein möchte. Und wenn wir es nun als Gedicht statt Kurzgeschichte betrachten, dann bleibt als einziger wirkliche Kritikpunkt nur, dass man an den einen oder anderen Formulierungen vielleicht noch etwas feilen könnte und ein paar Metaphern und schöne Bilder mehr verwenden könnte. Könnte! Denn so wie es ist, reicht es völlig aus. Es bringt seine Message rüber und bringt einen vielleicht sogar dazu, kurz bei seiner Mutter bescheid zu geben, wenn man das nächste Mal etwas länger weg ist oder auf anderem Wege zurück nach Hause finden wird.
Akeem
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am Sa 16 Dez 2017 - 21:36
Happy Birthday to me!:

Mit einem Gähnen öffnete sie die Augen langsam. Wenige Sekunden später setzte sie sich lächelnd auf, krabbelte hastig aus ihrem Bett und lief eilig in die Küche. Doch der Raum war leer. Sofort verschwand ihr Lächeln. Hatte sie sich im Tag geirrt? Nein. Oma hatte gesagt 'noch einmal schlafen'! Es musste also stimmen.
Schnell lächelte sie wieder und eilte in den Flur. Da stand ein Gerät, ihre Eltern nannten es Telefon, wo eine Lampe blinkte. Mama hatte gesagt, dass sie bei Blinken auf den Knopf drücken sollte. Das Mädchen streckte sich und drückte auf den Knopf.  "Zwei neue Nachrichten. 15. Juli, 06:33 Uhr", sprach die seltsame Frau. Es folgte ein Piepen und ihr Papa war zu hören: "Guten Morgen, Prinzessin. Ich bin noch am Flughafen. Der Flug wurde verschoben, also komme ich später, aber ich werde bestimmt um 16:30 Uhr zuhause sein. Sei ein braves Mädchen." Es folgte wieder ein Piepen und die seltsame Frau sagte: "15. Juli, 06:58." Als nächstes hörte sie die Stimme ihrer Mama. "Guten Morgen, Schätzchen. Ich werde leider wieder nichts kochen können, Mami muss arbeiten. Aber im Kühlschrank liegt deine große Brotdose. Und deine Lieblingscornflakes stehen auf dem Tisch, neben deiner Plastikschüssel. Ich werde so in etwa um halb fünf Zuhause sein. Pass auf dich auf. Mami hat dich lieb, Holly." Wieder kam ein Piepen und das Blinken hörte auf.

Nachdem sie ihre Cornflakes gegessen hatte, ging Holly wie ein braves Mädchen in ihr Zimmer und spielte mit ihren Puppen. Die Puppe eines Mädchens lag in einem Puppenbett. Eine Frau, ihre Mama, kam in das Zimmer. "Molly, aufwachen", summte die Mutter fröhlich. Gleichzeitig eilte auch der Papa in das Zimmer und sie riefen gleichzeitig: "Alles Gute zum Geburtstag!" Die kleine Molly freute sich sehr. Ihre Freunde kamen vorbei und sie spielten etwas verstecken. Danach aßen sie alle Kuchen. Dann kam das, was Molly am Schönsten fand: Geschenke auspacken! Sie spielte noch mit ihren Freunden und am Abend brachten ihre Eltern sie ins Bett, lasen ihr eine Geschichte vor und-
Ein Klingeln kam aus dem Flur. Sofort sprang Holly auf und eilte zum Telefon, streckte sich und hob ab. "Hallo? Wer ist da?"
"Holly? Äffchen, bist du das?", sprach ihre Oma "alles Gute zum Geburtstag! Und? Habt ihr schon Kuchen gegessen?" Holly schwieg. "Oh nein... Sind Mama und Papa noch arbeiten? Also wirklich... Sie sollten endlich aufhören damit. Sie haben immerhin ein Kind! Sie einfach alleine zu lassen-"
"Oma, keine Sorge. Mama und Papa wollen mich sicher überraschen. Bestimmt kommen sie gleich! Und dann spielen wir den ganzen Tag. Bis sie nach Hause kommen werde ich brav auf sie warten. Ich bin jetzt ein großes Mädchen! Ich bin schon sechs Jahre alt, Oma. Ich kann auf mich selbst aufpassen. Und dann sind Mama und Papa ganz stolz auf mich!"
"Ach Äffchen.. Ich wünschte ich könnte dich besuchen und auf dich aufpassen..."
"Nein! Oma, du bist krank. Du brauchst viel Ruhe und musst schnell wieder gesund werden!" Ihre Oma seufzte nur, ehe sie Holly zustimmte. Das Mädchen wünschte ihr gute Besserung und legte den Hörer zurück.
In der Küche angekommen sah sie auf die Uhr. Es war schon nach 12 Uhr. Und sie hatte Hunger. Lächelnd öffnete sie den Kühlschrank und fand die große, rote Dose. Sie nahm ihre Brotdose heraus und setzte sich wieder auf den Tisch, nur um ihre Brötchen, das Gemüse und Obst zu essen.

Nach dem Essen hatte sie noch viel gezeichnet, immer mit dem Gedanken, dass Mama und Papa jeden Moment nach Hause kommen würden. Irgendwann hatte sie aber zwei ihrer Stofftiere genommen und sie in die Küche gesetzt, ehe sie ihre pinken Tassen auf den Tisch stellte. 
"Es freut mich, dass ihr gekommen seid. Prinzessin Pinky. Und natürlich ihr treuer Ritter Sir Grauauge." Sie lächelte der Plüschmaus in einem Rosakleid und dem schwarzen Plüschkater mit Schwert und Umhang an. 
Holly nahm ein Döschen und löffelte ihren Gästen den Zucker in die Tassen. "Prinzessin, Ihr mögt Euren Tee mit drei Löffelchen Zucker. Sir Grauauge mit einem", hielt sie dabei fest. Nach dem Zucker fehlte nur noch der Tee. Also nahm sie die pinke Teekanne und goss zuerst ihren Gästen und dann sich selbst den Tee ein.
"Wie war das, Prinzessin? Ihr findet, dass es die beste Teeparty ist, auf der Ihr jemals wart?  Oh, vielen Dank. Das ist ein sehr liebes Kompliment", richtete Holly an die Plüschmaus und sah dann überrascht zu Sir Grauauge und lächelte breit "Euch schmeckt mein Tee? Vielen Dank, edler Ritter. Das freut mich wirklich sehr!"
Sie sah zu den zwei Plätzen neben ihr und sah seufzend zur Uhr. "18:37", las sie laut und legte den Kopf etwas schief, lächelte aber dann ihre Plüschgäste wieder an "Mama und Papa haben zwar gesagt, sie werden um 16:30 Uhr Zuhause sein, aber es ist in Ordnung. Wir haben hier Spaß! Und wenn sie kommen werden sie sich freuen. Weil ich wie ein braves Mädchen auf sie warte und hier Spaß habe. Bestimmt nehmen sie mir einen Kuchen mit!" Freudig strampelte sie mit ihren Beinen und nahm noch einen Schluck ihres Tees. 
"Wie? Prinzessin Pinky, ihr wollt mit mir einen Kuchen machen? Mama und Papa würden bestimmt kommen, wenn ich für sie backe?", fragte sie die Maus und überlegte etwas, nickte aber dann. Holly stand schnell auf und öffnete den Kühlschrank. Was könnte sie für Kuchen benutzen? Sprühahne! Sie musste sich etwas strecken um an die Dose ran zu kommen, hatte aber die Sprühsahne schließlich in den Händen. Schon griff sie nach der Packung Kekse auf dem Regal und stellte es zur der Dose Sprühsahne auf den Tisch. Sie legte einen Keks auf ihren pinken Teller und verteilte großzügig die Sprühsahne darauf. Glücklich betrachtete sie ihr Werk. "... Etwas fehlt...", murmelte sie und öffnete noch einmal den Kühlschrank. Im Obstfach fand sie, was sie gesucht hatte: Himbeeren! Sie öffnete die Packung und legte die Beere auf die Sahne. Zufrieden nickte sie, sah dann zu ihrer Plüschmaus. "Was findet Ihr, Prinzessin Pinky? Euch gefällt mein Kuchen? Danke!" Sie machte sich dran noch kleine Kuchen für ihre beiden Gäste und ihre Eltern zu machen, setzte sich dann wieder auf ihren Platz und sah erwartungsvoll zur Tür der Küche.

"20:00", murmelte sie und sah auf ihren selbstgemachten Keks-Sahne-Kuchen. Sie verzog die Lippen und schniefte etwas, nur um sich schnell über die Augen zu wischen. 
"Heute kann es regnen, stürmen oder schnein, denn ich strahl ja selber wie der Sonnenschein. Heut ist mein Geburtstag darum feiern wir. Alle meine Freunde freuen sich mit mir", stimmte sie an und mühte sich dazu ihre Plüschtiere anzulächeln.
Holly stand auf und nahm die beiden in ihre Arme. Sie legte sie auf ihr Bett ab, ging danach brav  Zähneputzen und kroch unter ihre Bettdecke. Sie drückte Pinky an sich, schniefte leise und wollte nicht einschlafen. 
Mama und Papa würden bestimmt gleich kommen und sich entschuldigen.
Sie würden ihr ein tolles Geschenk machen.
Bestimmt sind sie gleich da.
Solange würde sie noch warten
Bestimmt...


Jury meint:
Ein kleines Mädchen namens Holly hat Geburtstag und wartet sehnsüchtig auf ihre Eltern, die leider nicht rechtzeitig dazu erscheinen können. Aber Holly ist tapfer und schafft es bis zum Ende des Tages durchzuhalten, um dann doch nur noch ein weiteres Mal von ihren Eltern versetzt zu werden.
Der Leser teilt ein ähnliches Schicksal wie Holly, denn auch er wünschte sich sehnlichst mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen.  Die Spannung der Geschichte konzentriert sich nämlich fast nur auf die Frage, ob sie nun erscheinen werden oder nicht, wobei die Frage im Grunde schon über die ersten Charakterisierungen durch den Anrufbeantworter und die Kommentare der Großmutter beantwortet werden: Sie sind Rabeneltern und werden es nicht tun. Danach vergisst Holly zwar ihre Eltern nicht vollständig und spielt sogar mit ihren Puppen („Molly“ – recht verwirrender Name, zumindest in der Art und Weise, wie er eingeführt wurde) heile Welt, aber der Rest der Geschichte beschreibt nur noch, wie sie sich davon ablenkt, dass ihre Eltern nicht kommen werden.
Zweifel, dass sie vielleicht doch erscheinen könnten, gibt es eigentlich zu keiner Zeit mehr. Das ist der größte und fatalste Fehler der Geschichte. Eine Spannung, die durch die Geschichte trägt, ist im Grunde nach dem ersten Absatz nicht mehr vorhanden. Statt die Geschichte mit dem Anrufbeantworter zu beginnen, hätte man die Geschichte mit der Einführung der Hauptfigur Holly beginnen sollen und wie sie den Vormittag ihres Geburtstags alleine verbringt. Erst später wäre der Anrufbeantworter ins Spiel gekommen, während sich der Leser sicher schon gefragt hätte, was denn mit den Eltern des Kindes ist. Durch das gezielte Zurückhalten von Informationen entsteht eine natürliche Spannung und ein Interesse beim Leser.
Die hier gewollte Art der Spannung hätte man danach noch weiter ausbauen können, indem man z.B. Momente einbauen könnte, in denen es so aussieht, als würden ihre Eltern doch noch rechtzeitig erscheinen. Ein Auto fährt auf die Auffahrt (der Nachbarn) und Holly rennt zum Fenster. Das Telefon klingelt und jemand hat sich verwählt. Es klingelt an der Haustür und es ist nur der bescheuerte Nachbarsjunge. All das hätte die Spannung der Geschichte verlängern können und die Frage, ob nicht vielleicht doch am Ende die Eltern noch auftauchen, hinauszögern können. Auch das Ende hätte damit sicher an Tragik gewonnen.
Und dabei ist das doch so schade, dass die Geschichte nun ab der Hälfte nur noch so dahindümpelt, ohne irgendwelche interessanten Momente zu bieten. Der Kern der Geschichte ist ein interessanter und das Gefühl verlassen und enttäuscht zu werden sicher universell. Nur eine gute Idee reicht alleine nicht, am Ende muss auch noch das Handwerk stimmen.
Akeem
Akeem
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 16 Dez 2017 - 21:51
Vielen Dank schon mal an alle Autoren!
Hat dieses Mal aufgrund der Anzahl der Einsendungen etwas länger gedauert. Die Jury, bestehend aus Ezra und mir, bedankt sich schon mal für eure Geduld. Wir hoffen ihr habt Spaß mit den Geschichten und könnt aus dem Feedback, das wir euch gegeben haben, ein bisschen was mitnehmen. Bitte denkt immer dran, dass es nur unsere persönliche Meinung ist und wir auf lediglich das Werk an sich besprechen und niemanden direkt kritisieren. Wir wollen euch einfach nur (hoffentlich) brauchbares Feedback geben, damit ihr euch weiterentwickeln können. 

Wir selbst sind halt auch keine Profis. Am besten kann man das daran sehen, dass ich z.B. auch versucht habe bei diesen Wettbewerben mitzumachen. Schon zum Thema "Briefe" hatte ich eine Geschichte angefangen und gehofft, sie auch präsentieren zu können, allerdings hatte ich es nicht geschafft.
Wie der Zufall so wollte, passte das angefangene jedoch auch sehr gut zum Thema "Warten", weswegen ich sie im November fertiggestellt habe.
Ich präsentiere sie euch diese nun als Anhängsel. Ich mache selbst aus diversen Gründen nicht am Wettbewerb mit und stelle diese Geschichte auch nicht als Auswahl zum Voting. Aber fühlt euch frei für diese und auch die ganzen anderen Geschichten etwas Feedback da zu lassen. Das hilft uns allen sicher sehr!

Eine Nachricht aus dem All :

von @Akeem

Das metallische Rattern kam in einem monotonen Rhythmus daher, der einen beinahe in eine meditative Trance versetzten konnte. Bei Tage zog die Landschaft vorbei und die Schönheit der kargen, weiten Wüstenlandschaft tat das Ihrige, um zu diesem entspannenden Umstand beizutragen. In der Nacht wog einen das leichte Schwanken des Eisenbahnwagens langsam in den Schlaf, sofern es der Geist denn auch erlaubte. Die junge Dame lag mit weit aufgesperrten Augen in ihrem Aufklappbett und starrte in die finstere Nacht, zählte Sterne oder sah den Wolken bei ihrem Tanz im Mondschein zu. Und dachte nach. Sie dachte sehr viel nach in letzter Zeit. Viel zu viel. Es brachte sie um jeglichen Schlaf und anstatt zu ruhen, lag sie wie jeden Abend nur dar und starrte in das Nichts hinaus, während sie mit beiden Händen einen Umschlag direkt vor ihrer Brust umklammerte.
Dies war ihr wertvollstes Stück. Ihr ein und alles. Ein Schriftstück von größerem Wert als jeder Schatz. Kein Gold der Welt, kein Edelstein oder gar Sternenstaub konnte den Wert dieser Nachricht übertreffen. Zumindest für die junge Dame. In diesem Brief stand alles drin, was sie schon immer mitteilen wollte, aber nicht sagen konnte. Nicht, weil sie es nicht sagen wollte, sondern weil es nie in einer solchen Perfektion und Schönheit ausgesprochen werden könne, wie sie es hier festgehalten hatte. Manche Wörter wirken auf dem Papier eben viel besser und sind nicht für ein Leben als schwingender Klang durch die Luft geeignet. Und manche Botschaften konnte man nur mit etwas Abstand überbringen, nachdem man sie wieder und wieder formuliert hatte und so lange daran gefeilt hatte bis die Botschaft in ihrer Gänze erfasst war, ohne Missverständnisse einen Raum zu bieten. In dem gesprochenen Wort schwangen Emotionen mit. Sie konnten hinderlich sein, luden zu Fehlinterpretationen ein und konnten einem sprichwörtlich im Mund herumgedreht werden. Bei einem Brief konnte man all dies vermeiden. Und ihr Brief war sachlich, unmissverständlich und trotzdem unweigerlich emotional. Er war ihr Ein und Alles! Er beschrieb alles, dass sie jemals äußern wollen würde.
Doch mit der Perfektion kommt die Angst. Die Angst sie wieder zu verlieren.
Ihre Augen waren beinahe zugefallen, als sich unter dem monotonen Rattern das quietschende Geräusch der Bremsen dazu mischte. Erneut war sie hellwach und saß senkrecht im Bett. Der Raum schien sich gegen die Fahrtrichtung zu krümmen. Das Quietschen wurde lauter. Eine kleine Öllampe rutschte beinahe von dem Beistelltisch der Zugkabine herunter, aber kurz vorher konnte sie diese noch vor dem Aufprall retten. Große Mühe verlangte es ihr dennoch ab, denn ihren größten Schatz konnte sie schließlich nicht loslassen.
Ihre nackten Füße berührten den kalten Teppich unter ihr. Dann zischte ein Knall durch die Luft. Der Zug krümmte sich so sehr, dass sie Angst bekam, er würde auseinanderbrechen, aber dann schwank er schlagartig in die entgegengesetzte Richtung und kam zum Stehen. Bei diesem Manöver wurde die junge Dame zurück auf ihr Bett geschleudert und danach wieder herunter, sodass sie sich als Nächstes in ihrem Nachthemd auf dem Fußboden wiederfand. Mit Entsetzen beobachte sie, wie sich langsam das Öl der Lampe zwischen den roten Fasern des Teppichs ausbreitete und diesen braun färbte.
Lichter huschten jetzt nicht nur mehr am Himmelszelt vorbei, sondern durch den Flur des Abteils. Der Schein gelangte nur schwach durch die Glasbausteine der Innenverkleidung der Kabine. Erkennen was sich dort draußen tat, konnte sie nicht. Nur leise hören, ob sich da etwas bewegte. Horchen, so wie sie es einst als Kinder auf der Farm ihrer Großeltern getan hatten.
Dann waren da Schritte. Sie legte ihr Ohr an das dünne Holz der Tür und versuchte etwas zu erhaschen. Verstehen konnte sie nichts. Sie erhöhte den Druck, rutschte näher an die Tür heran und positionierte ihre Ohrmuschel etwas höher, doch mehr als dumpfe, tiefe Stimmen, begleitet von rhythmischen Schritten, konnte sie nicht hören. Das gesprochene Wort blieb für sie unverständlich.
„Ahhhhhhhhhhhhhh!“
Das Erste, dass sie deutlich verstand, war dieser Schrei, der von der Nachbarkabine kam. Sofort zuckte die junge Dame zusammen und zog sich reflexartig in eine hintere Ecke der Kabine zurück. Sie kletterte rückwärts auf das Polster der Sitzbank und versuchte mit der Dunkelheit eins zu werden. Immer bei ihr war ihr Schatz, ihr ein und alles. Den Brief umklammerte sie mit beiden Händen und presste ihn an ihren Körper.
Als Nächstes folgte ein Knall. Die Tür sprang auf und die Glasbausteine in tausend Teile. Drei Männer mit großen Hüten, langen Mänteln und mit Flinten und Revolvern standen im Türrahmen. Ohne ein Wort von sich zu geben, starrten die Männer sie an.
Sie schrie nicht, als die Männer auf sie zukamen, sie vom Polster auf den Boden rissen und ihr Gesicht in das Öl der Lampe drückten. Erst als sie ihr den Brief entrissen, fing sie an sich zu wehren. Sie trat nach den Männern, schlug wild um sich und versuchte ihren Schatz vor den Klauen der Diebe zu retten. Aber ihre Kraft reichte nicht aus.
Sie hatte ihr gesamtes Leben auf den Augenblick gewartet, in dem sie ihm diesen Brief überreichen würde, an dem sie all die Jahrzehnte gearbeitet hatte. Und nun musste sie mit ansehen, wie die diebischen Schurken, diese Möchtegern-Cowboys und Revolverhelden ihren Schatz zum Anzünden ihrer Zigarre verwendeten.
Sie lag mit einem leeren Blick in dem brennenden Öl, doch es war nur die Wut, die wirklich in ihr brannte. Sie lag in einem Meer aus tausend Scherben, doch es war ihr Wille, der wirklich zerbrochen war.
 
„Hundertprozentig!“, rief Mona in einem gleichzeitig euphorischen und genervten Ton und führte danach das Gespräch in ihrem Kopf weiter. Hundertprozentig ist so etwas passiert! Darauf würde ich meinen Füller verwetten!
Niederschreiben tat sie mit besagtem Schreibutensil dennoch einen anderen Satz: „So ist es doch passiert, oder?“ Danach las sie das Dokument noch mehrere Male durch, korrigierte hier und da ein paar Fehler und überführte das Vorgeschriebene in Endfassung, die in feinster Schönschrift daherkam und presste sie auf schweres Briefpapier. Dieses faltete sie abschließend sorgfältig und steckte sie in einen Umschlag. Aus der Schublade kramte sie eine Art Stempel hervor, schnappte sich die Kerze, die sie extra angezündet hatte und goss ein paar Tropfen heißes Wachs auf den weißen Umschlag. Wohltunend war das Gefühl, nach getaner Arbeit den Brief mit ihrem Siegel die letzte persönliche Note zu verpassen. Die Initialen „M.H.“.
Zufrieden legte Mona den Brief zur Seite, löschte das Licht an ihrem Schreibtisch und ging zu Bett, um doch wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf ergattern zu können. So zumindest der Gedanke. Tatsächlich blieb ihr der Schlaf dennoch verwehrt und sie starrte unentwegt durch das Fenster hinaus in den Sternenhimmel. Nur hin und wieder wanderte ihr Blick zurück auf den Schreibtisch und den schneeweißen Briefumschlag, der im Schein der Sterne leuchtete.
Nach dem Mondschein zeigte sich die Sonne in ihrer vollen, unreflektierten Pracht. Begleitet von dem Zwitschern der Vögel, stand Mona früh auf. Immerhin hatte sie etwas geschlafen. Irgendwann werden selbst dem Schlaflosesten die Augen schwer und so war es der Wecker, der sie wie jeden Morgen bereits um halb sieben weckte. Und wie jeden Morgen zog sich Mona etwas Hübsches an, fast so als würde sie ein Gotteshaus besuchen, huschte in ihre Schuhe und stellte sich frohen Mutes an die Straße. Und wartete. Und wartete. Und wartete.
In den Händen hatte sie den Brief, in dem sie ihre scherzhaften Vermutungen und wirren Träume niedergeschrieben hatte. Sie drückte ihn fest an sich, um ihn nicht zu verlieren. Damit er nicht einfach so von einem daher gelaufenen Banditen gestohlen werden konnte. Im Gegensatz zu der Dame in ihrer Fantasie, war Mona nämlich nicht ganz so aufopferungsvoll, wenn es darum ging, ein einfaches Stück Papier mit ihrem Leben zu verteidigen. Sicher, sie würde die Formulierungen nicht noch einmal in dieser Art und Weise hinbekommen. Dennoch zweifelte sie nicht daran, dass sie die Gefühle nicht auch in ein anderes Wörter-Korsett schnüren könnte. Ihr Leben dafür zu lassen, wäre für sie daher eher keine Option gewesen.
Das Glück war auf ihrer Seite und der Himmel schien ihre unerträgliche Warterei nicht mit ein paar Tränen zu bemitleiden und sie konnte einfach in ihrem Kleid an der Straße stehen und warten. Obwohl es eigentlich keine große Rolle gespielt hätte. Mona war für jede Wetterlage vorbereitet und selbst, wenn der einfache Regenschirm und die entsprechende Regenhose nicht mehr ausreichen würde und ein Hurricane sie überrascht hätte, wäre sie mit ihren selbst gefertigten Beton-Schuhen, die jeden Mafiosi neidisch machten, gegen diesen gewappnet. Nichts könnte sie davon abhalten, wie jeden Tag, auf den Briefträger zu warten.
Erwin war sein Name. Er hatte sich vor ein paar Monaten erst bei ihr vorgestellt, nachdem sie sich fast jeden Morgen sahen. Man lernte sich unweigerlich kennen, sodass er Mona sogar zu ihrem Geburtstag vor ein paar Wochen selbst eine Karte überreicht hatte. Sie nahm sich vor, es ihm zu seinem Ehrentag gleichzutun, sofern sie bis dahin denn herausfinden würde, wann Erwin denn geboren war und was für Motive für einen Mann seines Alters angemessen schienen. Sie würde vielleicht ihren Vater fragen müssen. Sicher waren süße Cartoon-Hundewelpen bei einem Beamten, der mit großen Schritten auf die Pensionierung zu ging, keine Option gewesen.
Die Post erschien jeden Morgen zu recht unregelmäßigen Zeiten. Laut Erwin kam es vor allem darauf an, wie viel die Kunden gerade an Paketbestellungen aufgegeben hatten. Manchmal schafften sie es schon so gegen 8 Uhr zu erscheinen, andere Male dauerte es fast bis 10 Uhr, dass sie Monas Haus erreicht hatten. Die Tagesform hing nicht nur von dem Paketaufgebot ab, da war sich Mona sicher, auch wenn Erwin es gerne verdrängte, sondern auch von dem gesundheitlichen Zustand des Boten.
In ihrer Fantasie malte sich Mona oft aus, wie so ein Tag im Leben eines Postlieferanten wohl aussah. Und wie sehr sie wohl die Internetkaufhäuser verfluchen mussten, wenn klein Kevin mal wieder ein 25 Kilo Paket bestellt hatte und zum wiederholten Male nicht an der Tür anzutreffen war. Keine Woche hätte Mona das ausgehalten, viel zu ungeduldig wäre sie gewesen und hätte vermutlich irgendwann dem guten Kevin aufgelauert, um ihm dann sein Paket über den Kopf zu ziehen. Wenn er dann bewusstlos in seinem eigenen Blut lag, würde er sich sicher zwei Mal überlegen, ob er diese 10.000 Wäscheklammern wirklich gebraucht hätte, egal wie verdammt günstig sie gerade gewesen waren.
Es war Freitag, das bedeutete es war gleichzeitig auch noch Müllabfuhr. Mona musste ein seltsames Bild abgegeben haben, wie sie dort zwischen den braunen und schwarzen Mülltonnen in einem Sonntagskleid stand und voller Vorfreude auf den Weihnachtsmann… Eh… Den Postboten wartete. Und als sie dann die Motorengeräusche sah und bemerkte, dass es sich um ein gelbes und kein grünes Müllauto handelte, erröteten ihre Wangen ein wenig vor Freude. Es war schon etwas peinlich, wie sehr alleine der Anblick des gelben Wagens ihren Herzschlag verschnellerte.
Sie schüttelte ihren Kopf und Körper vehement, um diese Gefühle loszuwerden, aber da hielt der Wagen auch schon vor ihr. Eine Frau stieg aus und grüßte Mona mit einem kurzen „Morgen“ und reichte ihr einen Stapel Briefe. Erwin musste es offenbar ein weiteres Mal erwischt haben. Die Frau, die nun vor Mona stand, war sicher nicht jenseits der 50, sondern eher im selben Alter wie sie. Auch rein optisch, glichen sich die beiden Mädchen. Beide hatten dunkles Haar, waren etwa gleich groß und hatten beide denselben, bleichen Hautton. Allerdings sah die Postbotin doch etwas fertiger und übermüdeter aus, als es Mona tat. Vermutlich war sie neu und hatte sich an den Lebensrhythmus eines Postbeamten noch nicht wirklich gewöhnt. Oder einfach nur eine lange Nacht gehabt.
„Danke.“, antwortete Mona und schaute direkt wie eine Wilde den Stapel Briefe durch. Rechnung, Werbung, ging sie in ihrem Kopf durch. Rechnung. Werbung. Rechnung. Rechnung. Rechnung. Mahnung. Ihr Gesichtsausdruck wandelte sich zu einem Enttäuschten. Erneut hatte er nicht geschrieben. Für einen Moment war sie deswegen wie gelähmt und starrte einfach nur den Stapel an, bevor sie sich dran erinnerte, dass sie noch selbst einen Brief abzugeben hatte. Sie sah auf und die Postbotin saß schon wieder in ihrem Auto. Mona rannte ihr hinterher, klopfte an das Auto und die Frau, die gerade den Motor wieder angelassen hatte, schaute sie mürrisch an.
„Was ist?“, fragt die Postbotin Mona genervt und legte immer wieder aggressiv den ersten Gang ein.
Etwas irritiert davon, brauchte Mona einen Moment, um zu antworten. „Ehhh… Können Sie diesen Brief bitte mitnehmen?“ Sie hielt der Postbotin den Umschlag hin.
„Das machen wir nicht“, antwortete die Postbotin kurz und knapp und war schon dabei die Scheibe wieder hochzufahren.
„Hey! Erwin hat das immer getan!“ Mona war ihre Hand dazwischen und klemmte ihn zusammen mit dem Umschlag im Fenster ein. Glücklicherweise verfügte die Scheibe über einen Sicherheitsmechanismus und stoppte, bevor sie zukünftig als „Captian Mona Hook“ bekannt sein würde.
Genervt schaute die Postbotin auf sie herunter. „Wer auch immer das sein soll. Verzieh dich, Mädchen. Ich bin jetzt schon spät dran.“
Mona rang um Fassung. Sie war eigentlich ein recht süßes und nettes Mädchen gewesen, oder zumindest versuchte sie sich in der Öffentlichkeit so zu geben. „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu“ war seit jeher ihr Motto gewesen und sie versuchte es nach der Wuttherapie in der Mittelstufe zu beherzigen. Wenn die unterdrückten Gefühle nach draußen sprudelten, blieb es allerdings manchmal schwer, sich wirklich zu beherrschten. Dies war einer jener Momente, aber wie Mona gelernt hatte, musste sie sich nur eine kurze Sekunde nehmen, in der sie kurz durchatmete, bevor sie dann wieder völlig ruhig war.
„DU NIMMST DEN JETZT UND MACHST GEFÄLLIGST DEINE VERDAMMTE ARBEIT!“
Das hieß nicht, dass es jedes Mal funktionierte. Die Postbotin schaute etwas perplex auf das rot angelaufene Mädchen und nahm den Brief etwas verängstigt an sich und legte ihn auf den Beifahrersitz.
„Ich danke Ihnen.“, sagte Mona dann freundlich. Die Postbotin gab Gas und driftete am Ende des Blocks zurück auf die Hauptstraße. Vielleicht müsste Mona diesen Brief noch einmal schreiben.
Den Rest des Tages wanderten ihre Gedanken im Kreis.  Es verstrich also ein weiterer Tag, an dem sie keine Antwort von ihm erhalten hatte. Es konnte viele Gründe haben und nicht der Offensichtlichste, musste unbedingt der Richtige sein. Vielleicht lag es an dieser inkompetenten Postzustellerin.
Es war ebenso gut möglich, dass es eine Verwechslung gab. Ja, was wäre gewesen, wenn es irgendwo, in irgendeinem fernen Land eine Person gab, die denselben Namen wie Mona hatte. Das war sogar ziemlich wahrscheinlich. Es gab mittlerweile 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Es war rein statistisch wahnsinnig zu behaupten, dass eine Vornamen-Nachnamen Kombination überhaupt einzigartig sein konnte. Mona überlegte kurz, ob sie dieses kombinatorische Problem durch eine mathematische Induktion beweisen sollte, entschied sich dann jedoch aufgrund der mangelnden Zeit und Wissens dagegen.
Es war dennoch ziemlich sicher anzunehmen, dass es im Bereich des Möglichen lag, dass sein Brief einen falschen Adressanten erreicht hatte. Vielleicht gab es irgendwo in diesem fernen Land sogar eine Präsidentin, die Monas Namen teilte. Was wäre, wenn dieser Brief von dieser Präsidentin gelesen wurde oder noch schlimmer, von ihrem politischen Gegner abgefangen wurde. Die Präsidentin war sicher verheiratet, ein Brief von einem unbekannten Mann würde man sicher leicht in ein politisches Desaster verwandeln können. Vor allem in einem sehr religiösen Land. Es könnte daraus eine Bewegung entstehen, die sehr viel extremer ist, als die bisher gemäßigte Position der Präsidentin. Nicht auszudenken die Konsequenzen, die sich aus einem wütenderen Mobb ergebe, der durch einen Putsch die Macht an sich reißt und ein ganzes Land ins Verderben stürzt. Und alles nur, weil diese inkompetente Postbotin den Brief in das falsche Land ausgeliefert hatte.
Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Mona öffnete die Schublade ihres Schreibtisches. Mit einem Zischen entzündete sich das Streichholz und brachte eine weitere Kerze zum Brennen. Ihr Griff ging zum Papier und zu ihrem geliebten Füllfederhalter.
In einem anderen fernen Reich gab es keine Präsidentin, so dachte sie weiter, aber dafür einen König und eine Königin, die das Land regierten. Wobei so einfach war es dann doch nicht. Genau genommen gab es zwei Königinnen. Beziehungsweise wenn man wirklich pingelig wäre, müsste man auch diese Aussage korrigieren: Eine Königin und eine Geliebte des Königs. Wenn man jedoch nun den König fragte, dann würde er sagen: Eine Königin und eine ehemalige Königin. Wie gesagt, es ist kompliziert.
„Was meint Ihr, Tiberius?“, fragte der König. Kaum zu erkennen waren die acht weißen Pferde, die der König von seinem Fenster beim Ritt in den Hof beobachtete, so sehr vermischte sich von hier aus das schneebedeckte Pflaster mit dem weißen Haar der Tiere.
„Euer Gnaden? Ich bin nicht sicher, ob ich folge“, antwortete Tiberius, ein großer, schlanker Mann von schon sehr hohem Alter, der neben dem jungen König beinahe wie ein Greis wirkte. „Bitte vergebt mir meine Verwirrung, aber ich muss mich doch sehr wundern. Plötzlich interessiert Euch meine bescheidene Meinung?“
„Ach, hört auf, Tiberius. Sagt mir lieber, was Ihr denkst“, antwortete der König mit einem zerknirschten Gesichtsausdruck und starrte weiter hinunter. Der Wagen hielt an und ein Mann in einer rotweißen Kutte stieg hinaus, nachdem seine acht Untergebenen ihm aus der Kutsche geholfen und den Weg für ihn vorbereitet hatten.
„Wie bereits mehrfach erwähnt, Euer Gnaden. Ich halte es für die schlechteste Idee, die je Euren Sinnen entflohen ist. Noch schlechter als das Attentat auf Heinrich Clarval.“ Tiberius stand nun neben seinem König und starrte ebenfalls durch das Glas auf den Ho herunter. Niemand war mehr zu sehen, außer der Knaben, die sich um die acht weißen Pferde kümmerten.
„Diese Sache wird mich auf ewig verfolgen.“
„Die Ewigkeit ist nichts verglichen mit der Zeit, die Euch diese Entscheidung nachhängen würde. Ich befürchte, dass es Euch noch mehr Feinde einbringen wird, als die Hinrichtung eines beliebten, wohltätigen Lords. Eine Ehe ist etwas Heiliges. Nur darin sind sich alle einig, egal ob einfacher Bürger oder wohlhabender Adelsmann. Wiederholen ist daher das Einzige, dass ich tun kann, mein König.: Überdenkt bitte Eure Entscheidung oder geht wenigstens noch ein weiteres Mal mit mir alle möglichen Konsequenzen durch.“
Mit einem Mal drehte sich der König vom Fenster weg und schaute dem alten Greis für einen langen Augenblick tief in das faltige, blasse Gesicht. Seine Miene war steinern und kühl gewesen. Kein Gedanke ließ sich davon ablesen, bis der Mann mittleren Alters schließlich sprach: „Eigentlich wollte ich nur Ihre Meinung zu meinem Gewand wissen. Meinen Sie, dieses Blau ist eines kirchlichen Oberhauptes würdig?“
Der Greis wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Stattdessen tat er nichts dergleichen und ignorierte diesen einfältigen Versuch seines Königs, das Thema durch einen billigen, humoristischen Kommentar in andere Bahnen zu lenken.
„Zipfel und Glöckchen.“, antwortet Tiberius knapp.
„Hm? Was meint Ihr?“
„Zipfel und Glöckchen. Die fehlen Euch noch, Euer Gnaden, um endlich wie der Hofnarr auszusehen, zu dem Ihr euch machen werdet, solltet Ihr Euren Plan umsetzen.“
Der König lachte. „Wirklich sehr amüsant, mein lieber Tiberius. In der Art und Weise etwas holprig, aber vielleicht könnte aus Ihnen ja doch noch ein wahrer Dichter der Komik werden.“
Einen Klaps auf den Oberarm sollte Tiberius wohlwollen signalisieren, als der König sich umdrehte, um den Raum zu verlassen. Der Greis folgte so schnell er denn konnte.
„Mein König.“, rief Tiberius immer wieder, aber der junge Mann hörte schon gar nicht mehr zu. Stattdessen schritt er von seinen Wachen begleitet die Stufen herunter und fand sich kurz darauf im Thronsaal wieder, wo der Mann in der rotweißen Kutte mit seinen acht Jüngern bereits wartete.
„Bishop Casper. Endlich treffen wir uns!“, sprach der König und begrüßte seinen Gast überschwänglich freundlich. Dieser wirkte jedoch kalt und gleichzeitig besorgt. Nach einem kleinen, kurzen Gespräch über Belanglosigkeiten der Reise, führte der König seinen Gast in eine kleine Kammer, sodass die drei dort wieder alleine waren. Dort verschwendete der König keine Zeit und legte dem Oberhaupt der Kirche seine Situation dar.
„Ich bin mir durchaus bewusst, wie es von außen aussehen mag. Allerdings kann man nicht alles in seiner Gänze und seiner Komplexität erfassen, ohne jedes Detail zu wissen. So bitte höret mich an, mein Glaubensführer und richtet erst über mich, wenn Ihr jede Einzelheit kennt.“
Bishop Casper saß unbeeindruckt in seinem Lehnstuhl. Die Arme waren vor seinem Brustkorb verschränkt. „Deswegen bin ich hier“, antwortete er knapp und nickte dem Monarchen zu.
„Es ist nicht nur so, dass ich der liebliche Lady Monique grundlos verfallen bin. Es stimmt sicher, dass meine Gefühle sich ihr gegenüber niemals geändert haben. Seit wir Kinder waren, schienen wir für einander bestimmt und sogar mein Vater sah dies und arrangierte deswegen bereits als wir Kinder waren die Ehe, die wir eingehen würden, sobald wir das angemessene Alter dafür erreicht hätten.
Dass es nicht dazu kam, ist offensichtlich, doch unsere Gefühle änderten sich nie und auch das Versprechen hätte niemals gebrochen werden sollen. Es war der unsägliche Tod meines Bruders, dessen Platz ich einnehmen musste, der mich dazu nötige, diesen Bund mit Monique zu brechen. Dabei war es unsere Bestimmung gewesen… Allerdings galt sie von ihrem Stande nur eines Prinzen würdig, aber nicht eines Königs.“
Casper reagierte nicht und lauschte einfach nur den Worten des Königs, genauso wie Tiberius, der sich hinter den König gestellt hatte und versuchte die steinerne Mimik des Glaubensführers zu deuten.
„Ich tat also, was von mir verlangt wurde“, führte der König nach einer Kunstpause fort. „Aber das Gefühl, mein Wort gebrochen und Monique und ihre Familie verraten zu haben, verließ mich nie. Wie könnte ich vor den Göttern verantworten, dass ich solch einen Fehler begangen habe? Ein König, dessen Wort man nicht glauben kann, kann niemals ein wahrhaftiger Herrscher sein.
Deswegen entschied ich mich zu diesem Schritt. Es ist nicht so, als wollte ich Katerina etwas Böses. Gewiss nicht, das müsst Ihr mir glauben. Sie ist eine gute Frau und eine gute Lady… Allerdings ist sie nicht die Königin, die an meiner Seite sitzen sollte. Ich war Monique versprochen und so war sie es mir. Die Götter haben es für uns vorgesehen und es ist nur jener göttliche Wunsch, den ich nun versuche einzufordern, werter Bishop.“
Der Bishop hustete leise und rutschte dann in Vorbereitung auf seine Antwort auf dem Brett seines Stuhles hin und her. Dann räusperte er sich erneut und fixierte den König mit einem kalten Blick.
„Eine wirklich romantische Geschichte“, sprach der Mann in einem seltsamen, lieblichen Tonfall und lächelte dabei sogar. Ein Schauer lief den Rücken von Tiberius herunter und auch der König war der Anblick der schneeweißen Zähne des Bishops ein sichtlicher Graus. „Zwei verlorene Seelen, ein Leben lang getrennt, aber nie wirklich. Und nun finden sie den Mut zueinander zu finden. Wahrlich romantisch… Jedoch wundert mich das etwas, Euer Gnaden. Ich hatte Euch nie für einen Romantiker gehalten.“
Der Bishop machte hier eine Pause, in welcher der König offenbar zu einer Reaktion aufgefordert war, aber gerade als dieser etwas sagen wollte, fiel das Glaubensoberhaupt im direkt ins Wort.
„Es wundert mich ebenso, dass Euch offenbar entfallen ist, wie genau der Begriff der Ehe zu definieren ist. Es geht um Pflichten und Bindungen. Blut ist dicker als Wasser. Ihre Ehe mit Katerina dauert nun mehr bereits ein halbes Jahrzehnt und dennoch habt Ihr noch immer nicht Euer Blut mit Ihrem geeint.“
„Das…“, wollte der König antworten, aber erneut wurde er von dem Bishop unterbrochen.
„Außerdem wundert mich, dass Ihr offenbar vergessen habt, welches Wort vor den Göttern wirkliche Bedeutung hat. Ein Versprechen ist etwas, das ein Gott niemals geben würde. Götter lehren und führen und bestrafen und vergeben. Aber sie versprechen nicht. Ein Versprechen ist ein Bündnis zwischen zwei Menschen. Ein Gott hat nie mit einem Menschen ein solches Bündnis vereinbart. Das solltest du eigentlich wissen! Ein Versprechen zwischen Menschen ist für die Götter nicht heilig. Ganz im Gegensatz zu dem Eheversprechen, dass zwei Menschen sich vor den Göttern geben. Mich wundert, dass du das beides so verwechselst.“
Zähneknirschend hörte sich der König noch die weiteren Ausführungen des Bishops an und versuchte ihn mit einer Reihe von Argumentationen dazu zu überreden, der Annullation seiner Ehe mit Katerina zuzustimmen. Zunächst jedoch ohne wirklichem Erfolg, was im Anbetracht seiner dünnen Argumente jedoch auch zu erwarten war.
Später fand der König sich wieder in seinem Gemach wieder, saß über einer Rolle Pergament und schrieb mit einer Feder ein paar Worte nieder, als Tiberius zu ihm stoß und für einen Moment den König nur im Kerzenschein beobachtete, bevor dieser sich ihm zuwendete.
„Sagt es ruhig, mein Freund“, begann der König, bevor Tiberius nur ein Wort sprechen konnte. „Ihr wolltet mich warnen, aber ich habe nicht gehört.“
Tiberius grinste mit seinen verbliebenen Zähnen und nickte. „Bishop Casper ist ein sturer Mann. Beinahe so stur wie Ihr es seid, mein König. Seine Argumentation ist ebenso fehlerhaft und sinnbefreit wie die Eure, dennoch wird er es sein, der den Willen des Volkes deutlicher beeinflussen kann. Euer Haus regiert nicht ewig, mein König, dass muss selbst Euch klar sein. Die Kirche jedoch ist unabhängig von jeglicher politischeren Entwicklung und der einfache Bürger biegt sich in die Richtung, in die der Bishop sie pustet. So wie ein Apfelbaum im Sommerwind. Hin und wieder fällt ein Apfel herunter, aber der Stamm bleibt stehen.“
„Ihr seid wirklich ein furchtbarer Dichter“, antwortete der König und lachte, bevor er Tiberius einen Brief überreichte, der das Siegel des Könighauses trug und die Initialen „M.H.“.
„Ist es was ich hoffe, dass es ist?“, fragte Tiberius.
„Eine Nachricht an Monique. Ich ihr etwas mitzuteilen.“, antwortet der König und wendete sich ab, um sich zurück an den Tisch zu setzen. Tiberius Miene erhellte sich und er ging zur Tür.
„Ihr trefft die richtige Entscheidung, mein König.“, sagte er, als er das Gemach verließ. Und der König rief ihm nach:
„Da wäre ich mir nicht so sicher, mein Freund. Aber ich weiß genau, dass es nur eine Königin gibt, die ich wirklich an meiner Seite wissen will!“
Tiberius hörte diese Worte jedoch nicht, denn er war bereits im Treppenhaus, brachte den Brief zu dem Taubenschlag und ließ sie in Moniques Richtung losfliegen.
 
So, oder so ähnlich wird es sicher zugetragen haben. Da bin ich mir ganz sicher, fügte Mona noch ihrem Brief bei und faltete ihre Geschichte daraufhin sorgfältig und liebevoll. Sie steckte sie in einen weiteren Umschlag, schrieb in Schönschrift die Adresse darauf und legte sich schlafen. Und nun ist er auf dem Weg zu mir… oder?
Am nächsten Tage stand sie wie immer schon früh morgens in ihrem besten Zwirn an der Straße und wartete auf den Postboten. Es verging beinahe eine Stunde, bevor das gelbe Auto erneut einbog. Schon am Fahrstil und den fliegenden Paketen war zu erkennen, dass Erwin noch immer nicht genesen war. Die Aushilfe fuhr genervt durch die Straße und als sie Mona am Straßenrand sah, schien sie noch stärker auf die Tube drücken zu wollen. Unerschrocken ging Mona einen Schritt weiter auf die Straße und starrte die junge Frau am Steuer mit einem finsteren Blick zurück in die Grenzen der Straßenverkehrsordnung. Mit quietschendem Reifen stoppte das gelbe Postauto kaum fünf Meter vor Monas Füßen.
Die Aushilfe ließ ihr Fenster einen kleinen Spalt herunterfahren und schrie mit hörbar verängstigter Stimme: „Nichts dabei für dich! Sorry!“ Sie versuchte sich dabei in ihrer Uniform zu verstecken, indem sie wie eine Schildkröte ihren Kopf einzog und nur noch ihr Nasenrücken und ihre Augen über den schwarzen Kragen hervorschauten.
Enttäuschung machte sich erneut bei Mona breit. Sie konnte es bildlich vor sich sehen.
Seine grauen Federn schimmerten im Mondschein dieser kalten, klaren Nacht, die erst dadurch gestört wurde, als die kleine Taube einen schmerzverzehrten Laut von sich gab, der durch die Dunkelheit schwang. Er wollte sich noch vergewissern, woher der Schmerz rührte, aber im nächsten Augenblick fing die Welt schon an sich über Kopf zu drehen. Die Dunkelheit, die gerade noch unter ihm lag, schien nun über ihm zu sein und das Firmament und der Mond und das Sternenzelt breiten sich unter ihm aus, nur um im nächsten Moment wieder über ihm zu scheinen. Und dann war da noch der Wind. Der scheußliche Wind, der dem kleinen um den Kopf schoss und seine Federn zum Vibrieren brachte. Und als er dann, in einem dieser verwirrten Augenblicke, den Pfeil erblickte, der dort in seinem Flügel steckte, begriff selbst ein Spatzenhirn wie er, was sein Schicksal sein würde.
Wie ein Komet, der einen roten Streif hinter sich herzog, flog er gen Erde nieder. Zuerst in einem eleganten Bogen und schließlich wie ein schnöder Stein. Das weiße Papier löste sich von seinem Beinchen, als er dem schneebedeckten Boden entgegen rauschte und mischte sich unter die weiße Winterpracht. Nur das rote Siegel schien wie ein blutender Stern in der Luft zu schweben, dessen Schweif langsam am Horizont zu Boden sank.
Auf der anderen Seite der Mauer stand ein junger Mann, dessen Gesicht im Schatten einer Kutte lag. Siegessicher senkte er den Bogen und verstaute die weiteren Pfeile. Unten im Hof nahm er dann alles zusammen, wickelte es in seinem Gewand ein und warf es in eine Feuerstelle. Nachdenklich betrachtete er mit zwei weiteren seiner acht Brüder das knisternde Feuer und begann zu beten.

Mona stand eine ganze Zeit einfach nur so dar und starrte ins Leere, während sie sich ausmalte, was wohl passiert sein musste, als sie von aufheulenden Motorengeräuschen zurück in die Realität geholt wurde. Die Postbotin hatte jedoch den Wagen noch nicht bewegt, weswegen Mona direkt den Moment nutzte und an das Fenster sprang und sich daran hängte. Für ein paar Meter wurde die Aushilfspostbotin zu einer ungewollten Aushilfstaxifahrerin, bevor sie den Wagen stoppte und erschrocken das wilde Mädchen in ihren Sonntagskleidern betrachtet.
„Bitte tu mir nichts!“, bibberte das arme Mädchen und versuchte sich nun vollkommen in ihrer Uniform zu verstecken. Ohne Erfolg. Ein seltsames Gefühl der Überlegenheit durchströmte Mona und sie nutzte dies aus, um der Postbotin erneut einen Brief ins Auto zu schieben.
„Der kommt besser an“, sagte Mona streng, ließ den Wagen los, machte auf der Stelle kehrt und schritt die gefahrenen Meter zurück zu ihrem Haus zurück. Der Wagen blieb noch für ein paar Sekunden stehen, bevor er mit quietschenden Reifen und einer Menge Abriebrauch los schnellte und sich in der Kurve am Ende der Straße beinahe überschlug.
Sie wollte gerade zurück zu ihrer Haustür gehen, als sie im Augenwinkel einen jungen Mann bemerkte, der sie mit einem ungläubigen Blick, aber gleichzeitig amüsierten Mundwinkeln anstarrte. Ihre Blicke trafen sich für einen Augenblick und der junge Herr nutzte die Chance, um über den Rasen, den die beiden Hochhäuser trennten, auf sie zuzugehen.
Noch ehe Mona etwas sagen oder tun konnte, stand er neben ihr.
„Das muss ein erstaunlich wichtiger Brief gewesen sein“, merkte er an und versuchte ein Lachen zu unterdrücken. Ohne großen Erfolg. Bereits im nächsten Moment kam ein Kichern über seinen breiten Mund, das eher wie das eines kleinen Mädchens klang und überhaupt nicht zu seiner großen, schlanken Männergestallt passte. „Wer ist er?“
„Hm?“, antwortet Mona nur etwas verdutzt.
„Es ist das 21. Jahrhundert. Niemand versendet mehr Briefe. Nur an Finanzämter oder Inkassounternehmen, um noch um etwas mehr Zeit zu betteln.“, erklärte der junge Mann weiter und fing an auf dem kleinen Geländer, das man aufgrund der Hausverordnung für die zwei Stufen bis zur Haustür gebaut hatte, herumzuspielen. Vielleicht war in dem Körper des großen Mannes ja doch ein kleines Mädchen gefangen. Wenn er gleich anfing Loopings um die Stange zu drehen, wusste Mona es ganz sicher.
„Ansonsten schicken nur noch alte Menschen Briefe. Und selbst bei denen sind es eher Postkarten. Wenn ich das richtig gesehen habe, war das gerade eben aber ein wunderschöner Briefumschlag. War er sogar selbst bemalt? Sah aus wie das Briefsiegel eines Königs darauf.“
„Pfff…“, war der Ausruf, den Mona daraufhin nur von sich gab und wendete sich von dem nervigen Herrn ab, um die Tür aufzuschließen.
„Ich habe dich die letzten Tage beobachtet. Du stehst jeden Tag hier und wartest auf einen Brief von ihm, oder? Aber ich sehe dich nie mit irgendwelchen Briefen zurückkehren und du schaust immer ganz traurig drein.“, erklärte der Mann weiter. Mona wurde etwas rot und versuchte schneller die Tür aufzuschließen. Was für ein seltsamer Typ war das nur?
„Oh, ja“, fügte der Mann dann bei und machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Nein, nein. Wie das klingen muss. Ich bin kein Stalker, wirklich. Also bisher wenigstens noch nicht gewesen.“ Er lachte und machte es damit nicht besser. Wenn doch nur diese verdammte Tür sich endlich öffnen würde. „Ich habe im Moment nur besonders viel Zeit und absolut nichts zu tun… Na ja…“
Dann plötzlich bemerkte Mona, wie sich seine Hand in ihre Richtung bewegte, sie machte einen kräftigen Satz zur Seite und tauchte hinter dem nächsten Busch ab. Der Junge stand amüsiert da und streckte seine offene Hand ins Leere.
„Ich heiße übrigens Henry. Und du bist Monique, richtig?“
Wie ein Schlag traf es Mona und erneut kauerte sie sich hinter dem Busch zusammen. „Bitte tu mir nichts“, wimmerte sie, zog ihre Beine mit ihren Armen an sich heran und fing vielleicht sogar ein bisschen an zu weinen. Henry stand etwas bedröppelt daneben und brauchte wirklich eine volle halbe Stunde, um das Missverständnis aufzuklären. Er wusste natürlich ihren Namen nicht und hatte einfach ins Blaue geraten. Dass er mit Monique gar nicht so weit danebenlag, amüsierte den jungen Mann sehr und meinte, wenn er einen Volltreffer gelandet hätte, würde er nun wohl in Untersuchungshaft sitzen. Aber dieses Risiko würde er natürlich jedes Mal wieder eingehen.
Auf irgendeine seltsame Weise, empfand Mona Henrys offene und fröhliche Art als charmant. Da stand dieser fremde Mann, im Jogginganzug und in Badelatschen, sichtbar unrasiert und vielleicht sogar ungewaschen (wenn man nach seinem Haar urteilen wollte) und nach nur einer dreiviertelstündigen Panikattacke, konnte sie sich sogar von ihm die Haustür aufhalten lassen, während sie peinlich berührt und noch immer leicht verängstigt zurück in ihre Wohnung ging und ins Bett kroch. Trotzdem war sie irgendwie direkt fasziniert von ihm und fragte sich, ob es nicht wirklich nur ein dummes Missverständnis gewesen sein könnte. Es war ein seltsamer Zauber, den der Nachbar da auf sie gewirkt hatte.
Aber hatten diese Stalker denn nicht alle so etwas an sich? Es war ihre Masche, freundlich und offen zu wirken. Aufgeschlossen kam Henry auch an den Folgetagen immer mal wieder auf Mona zu und versuchte sich erneut zu entschuldigen. Eindeutig verfolgte er eine gewisse Taktik, um sich ihr anzunähern, sie in Sicherheit zu wiegen und dann eiskalt zuzuschlagen.
Henry hatte sogar versucht, die junge Dame als Entschuldigung auf ein Heißgetränk in ein Café einzuladen. Er versicherte ihr sogar, dass sie dort nichts zu befürchten hatte, denn dort gäbe es schließlich furchtbar viele Zeugen. Mona wollte trotzdem ungern mit einer Plastiktüte über dem Kopf auf der Rückbank eines alten, verrosteten Wagens landen und lehnte empört ab. Sie war sicher nicht bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen und war sich nach einer Woche, in der sie hin und wieder ein paar nette Worte mit Henry wechselte, ziemlich sicher, dass dieser Typ ein Psychopath sein musste. Es war seine Masche, nichts weiter. Sie konnte es sich bildlich vorstellen, wie er in seiner kleinen Wohnung alles genau vorbereitete.
Es musste noch dunkel gewesen sein, als Henry sich hinter den Vorhängen seiner Wohnung versteckte und mit müden, aber wachsamen Augen, auf die Straße starrte. Er wusste, dass sie kommen würde. So wie jeden Morgen und natürlich enttäuschte Mona ihn auch heute nicht.
Mit einem Klicken fuhr die Miene seines Kugelschreibers heraus. Schwungvoll flog der Schreibstock über das weiße Papier auf dem Klemmbrett und notierte Uhrzeit und Outfit der Zielperson. Natürlich war er neben einem organisierten Psychopathen, auch noch ein waschechter Perversling. Das sind sie alle.
Zunächst hatte er das Mädchen nur von der Ferne beobachtet. Sie war ihm bereits im Frühjahr aufgefallen, als er nach einer langen Nacht, geblendet von der aufgehenden Sonne, die stark im Kontrast des schwachen Monitors schien, aus dem Fenster auf die Straße sah. Viele Nächte hatte er mit den immer gleichen Tätigkeiten verbracht und versucht die Gedanken, die sich in seinem kranken Hirn aufstauten, zu unterdrücken. Aber nun, beim Anblick dieses jungen Mädchens, konnte er selbst an sich bemerken, wie die aufgebauten Schutzmechanismen, die er sich viele Jahre antrainiert hatte, um den gesellschaftlichen Normen näher zu kommen, sich langsam von selbst abbauten. Herunterfuhren. Er konnte förmlich spüren, wie die Hemmungen mit jedem Tag abnahmen und das Verlangen mit jeder einzelnen, durchgemachten Nacht zunahm.
Schon nach einem Monat hatte er sich nicht mehr unter Kontrolle. Er zog sich seine besten Kleider an (Befleckter Jogginganzug) und ergriff die Initiative. Aber natürlich nicht, ohne vorher alles genau durchgeplant zu haben. Charmant, nett und tatsächlich etwas amüsant, kam er daher und spielte den Trottel, aber in der Hinterhand hatte er bereits wochenlang sein Opfer studiert.
Nach dem Morgenritual, verbrauchte die junge Dame einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit in der Universität, wo sie vor allem in dicken Büchern las oder sich dieselben von alten, dickbäuchigen Männern und zickigen, dynamischen Frauen vorkauen ließ. Danach verbrachte sie ihre Zeit oft mit einer anderen jungen Dame, allerdings nie wirklich lange. Maximal eine Stunde plauderten die beiden, dann musste die Zielperson auch schon wieder den Heimweg antreten, um den Rest des Abends über Bücher und vor allem einem Block Papier zu verbringen. Selbst das wusste der Stalker ziemlich genau, denn er war nicht einmal davor zurückgeschreckt, mittels einer ferngesteuerten Drohne, sie über den Balkon dabei zu filmen, wie sie ein paar Zeilen auf das Papier brachte, um sie dann am nächsten Tage dem Postboten zu überreichen.
Und genau da sah er seine große Chance. Sie war nur an einem einzigen Zeitpunkt des Tages alleine in der Öffentlichkeit anzutreffen: Beim Warten auf den Postboten. Und solange er sich sicher sein konnte, dass sie auch dort jeden Tag stand, konnte er schleichend ihr Vertrauen gewinnen, um dann seine Schandtat zu vollziehen. Dafür musste er nur etwas nachhelfen und dafür sorgen, dass die Briefe, auf welche die junge Dame so sehnlichst wartete, niemals bei ihr ankamen. Ein Leichtes für einen ausgefuchsten, organisierten, psychopathischen Kriminellen, wie Henry es war.
Alles was er dafür tu musste war, selbst ein Angestellter des Postbetriebes zu werden. Er erwähnte nun mehr Zeit zu haben, was daher rührte, dass er seinen alten Beruf aufgab (wenn er denn überhaupt einen gehabt hatte), um eine Stelle bei der hiesigen Post anzutreten. Natürlich nur einen Posten, für die man eine niedrige Qualifikation benötigte - Vermutlich so etwas wie die Post innerhalb der Post zu verteilen, irgendwer musste es dort ja schließlich auch tun – um so seine Arbeit schnell und gewissenhaft verrichten zu können, ohne dass er bei seinen Vorgesetzten in Ungnade fiel. Es durften schließlich keinerlei Verdachtsmomente einer vielleicht kriminellen Aktivität erweckt werden. Ihm blieb dadurch genügend Zeit, um neben der eigentlich angedachten Arbeit seiner eigentlichen gewünschten Arbeit nachzugehen: Nämlich das Verschwindenlassen der Briefe, die an Mona adressiert waren.
Was für ein abscheuliches Monster er doch war. Das war eindeutig das Schlimmste an seiner Tat. Er ließ dem armen Mädchen kein einziges Fünkchen Hoffnung.
 
„Moment mal. Das ist das Schlimmste? Also nur, damit ich das richtig verstehe: Du glaubtest wirklich, ich hätte mir einen kriminellen Masterplan überlegt, deinen Tagesablauf studiert, dir nachgestellt und wäre dann sogar in den Postdienst eingetreten, um sicher sein zu können, dir jeden Morgen über den Weg zu laufen, um…“, Henry flüsterte den nächsten Teil. „Dir weh zu tun, oder noch andere Dinge mit dir anzustellen? Und das Schlimmste daran wäre für dich, dass du die Briefe nicht bekommst?“
Henry schmunzelte und schüttelte den Kopf, bevor er einen kräftigen Schluck Kaffee nahm.
„Das ist nicht der Punkt“, entgegnete Mona genervt.
Sie konnte sich selbst nicht genau erklären, was sie dazu getrieben hatte klein beizugeben, aber einige Wochen später saß sie mit Henry in einem Café und ließ sich auf eine oder zehn Tassen Kaffee einladen. Er hatte ihr nicht jeden Tag aufgelauert, wie sie es zunächst vermutet hatte und sich sogar schriftlich mit einem Brief entschuldigt. Den Charme dieser Geste konnte selbst Mona nicht leugnen (Obwohl er nur auf billigem Druckerpapier verfasst worden war. Immerhin war es nicht die Rückseite eines Werbe-Prospektes eines Elektronikherstellers), auch wenn das Schriftstück das unsichere Gefühl nicht vollkommen zunichtemachen konnte. Später in der Woche stand er dann wieder neben ihr, wobei er einen anständigen Sicherheitsabstand von mehreren Armlängen hielt und entschuldigte sich auch noch einmal in verbaler Form. Die Tage darauf sah man sich immer mal wieder, denn offensichtlich hatte Henry wirklich zu viel Zeit und pflegte es lange Spaziergänge durch die Nachbarschaft zu machen. Sie begannen mit einfachem Grüßen, fingen dann an zu plaudern und Mona begleitete ihn sogar bei manchen seiner Spaziergänge, bei denen sie sich in richtige Gespräche vertieften. Und schließlich waren sie irgendwie hier gelandet.
„Hast du oder nicht?“
„Habe ich was?“, beantwortete Henry Monas patzige Frage mit einer Gegenfrage. „Deine Briefe geklaut? Das fragst du gerade wirklich?“
„Du hast, oder? Ich wusste es, du willst mich umlegen!“, sagte Mona viel zu laut und zog direkt einige Blicke auf sich. Henry lief rot an und schaute sich verlegen um, bevor er in künstliches Gelächter ausbrach.
„Ha. Ha. Ha! Ja! Ich liebe diesen Film auch.“ Henry rutschte nach vorne und schaute Mona streng an. „Ich versuche wirklich alles, um nicht in den Knast zu kommen, aber du machst es mir wirklich schwer, junge Dame.“
„Hast du?“
Henry seufzte. „Deine Geschichte ergibt nicht den geringsten Sinn. Genauso wie die Geschichte über den König und das Attentat auf die Taube. Wieso verbrennt der Handlanger des Papstes bitte am Ende seinen Bogen? Gibt es denn so etwas wie eine Spurensicherung im Mittelalter? Können die Fingerabdrücke nehmen und DNA-Abgleiche machen? CSI Rom, oder wie? Blackknight P.I.?“
„Vielleicht… Vielleicht… Ja! Das gibt es vielleicht? Es ist schließlich nur eine Geschichte in einer Fantasy-Welt! Möglich wäre es!“
Henry ignorierte diesen Einwand einfach. „Genauso ist es mit dieser netten Geschichte über mich, das kriminelle Supergenie und ekelhaftesten Stalker aller Zeiten. Wieso sollte ich bitte deine Briefe verschwinden lassen? Sie sind doch das Einzige, was dich jedes Mal wieder an die Straße bringt. Wenn du nie einen bekommst, dann ist es doch nur natürlich, dass du früher oder später den Mut verlierst und nicht mehr dort stehst. Wie soll ich dir dann noch zufällig über den Weg laufen?“
Henry schüttelte den Kopf. „Nein. Das ist Blödsinn. Wenn, dann würde ich die Briefe abfangen und dir antworten. Dir meine eigenen Briefe als Antworten deines Liebsten verkaufen. Und wenn ich wirklich das psychopathische Genie wäre, für das du mich hieltest, dann würdest du den Unterschied nicht einmal merken. Ich würde ganz langsam anfangen eure Beziehung zum Bröckeln zu bringen und dann würde ich natürlich in weißer Rüstung erscheinen, um dich zu trösten… und anschließend zu Hackfleisch verarbeiten!“
Erneut schaute der gesamte Raum auf die beiden. Mona lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Dann schüttelte sie den Kopf.
„Völlig falsch“, sagte sie trocken und starrte auf die Tischplatte.
„Ja, vielleicht auch zu Sonntagsbraten, je nachdem ob du mich eher für einen Lektor hältst oder nicht. Mit einem netten Chianti?“
„Wir sind nicht zusammen.“
„Was?“
„Außerdem könntest du mich niemals täuschen. Ich weiß genau, wie er schreibt.“
„Ihr seid nicht zusammen“, wiederholte Henry als wäre es das Einzige, was sie gesagt hatte. „Ich hätte schwören können... Ich dachte vielleicht ist er bei der Marine, oder so etwas. Oder in Afrika. Rettet die Welt… Kann dir nur Schreiben, ganz altmodisch, weil er in einem Kriegsgebiet unterwegs ist… Aber das?“ Henry machte eine kurze Pause und leerte seinen Kaffee mit einem weiteren Schluck. „Es muss etwas Besonderes sein.“
Dieses Mal kam keine Antwort. Mona saß da und starrte weiter auf die Tischplatte, offensichtlich in Gedanken versunken. Einen Nerv musste Henry getroffen haben und selbst für einen Trottel wie ihn, war es einfach ihre Gedanken von ihren Augen abzulesen. Fast eine Minute lang, ließ er sie und ihren Gefühlen freien Lauf, doch sprach noch bevor das Schweigen von bedeutsam wohltuend zu unangenehm peinlich wurde. Niemand mochte zu langes Schweigen.
„Das Briefsiegel!“, sprach Henry plötzlich und brachte Mona mit dieser zusammenhangslosen Äußerung zum Aufschauen. „Ich denke, du liegst völlig falsch. Mich als Täter zu sehen, ist viel zu einfach. Und auch die Post ist es nicht, die dir etwas Böses will… Wobei ich bei dem Verhalten, das du gegenüber der armen Postbotin an den Tag gelegt hast, nicht sehr sicher wäre, dass der Brief auch seinen Empfänger erreichen wird… Nein! Es sind…“ Er machte eine Kunstpause.
„Aliens!“
Mona schaute ihn entgeistert an, wie Henry wild gestikulierte und mit einem debilen Grinsen vor sich hin laberte.
„Ja! Aliens! Es ist nämlich so: Zufälligerweise hat das Siegel, das ihr für eure geheimen Briefchen verwendet, eine noch ganz andere Bedeutung in einer außerirdischen Sprache! Es ist ein Schriftzeichen, genauso wie die Buchstaben in unserer Sprache… Wobei… Nein, eher wie ein chinesisches Schriftzeichen oder eine Hieroglyphe. Ein Bild kann eine ganze Bedeutung haben.
Die Aliens verwenden hochtechnologische Alien-Technik, die wir mit unseren Worten nicht einmal erklären könnten, um… um verloren gegangene Siedler ihrer Alienrasse wiederzufinden! Und dafür scannen sie mit riesigen Kameras die gesamte Galaxie… Ja, sogar das gesamte Universum nach Hinweisen ab. Und vor allem nach Symbolen, die Aufschluss darauf geben können!“
Henry lehnte sich nach vorne und erzählte weiter, als wären seine Ausführungen so etwas wie ein lang gehütetes Geheimnis der Regierung, dabei war sich Mona sicher, dass nichts als weiterer Blödsinn aus seinem Mund kommen würde.
„Nun ist es so…“, flüsterte Henry und verdeckte seinen Mund mit seiner Hand seitlich, damit niemand außenstehendes seine Lippen lesen konnte. „Die Aliens sind natürlich an so niederen Kreaturen wie dem Menschen in keinsterweise interessiert. Ihre Intelligenz übersteigt unsere um Längen. Weiten. Unendliche. Für die sind wir nicht mehr als eine Eintagsfliege.
Alles was diese Aliens wirklich interessiert, sind ihre gestrandeten Freunde. Natürlich stand ihre eigene Welt kurz vor dem Untergang. Industrialisierung und Ausbeutung des Heimatplaneten und so etwas halt. Kennt man ja. Die Aliens flohen und suchten einen neuen Planeten, der weniger Trist und lebensfreundlicher schien. Einige haben sich sicher freiwillig gemeldet dafür. Sie fühlten sich sicher, als hätten sie keinen richtigen Platz in ihrer Welt und eine scheinbar aussichtlose Mission zu einem fernen Stern war genau das, was sie brauchten. Hoffnung etwas ändern zu können. Vielleicht konnten sie ja einen Platz für sich bei den Sternen finden!
Sie ließen dann alles zurück, um noch einmal völlig neu anzufangen. Es muss sicher gruselig für diese Aliens gewesen sein. Furchteinflößend… Also wenn sie denn so etwas empfinden können. Und teilweise zurecht… Der Kontakt zu einigen brach ab und dann… verschwanden sie einfach. Gingen verloren.
Und dieses Symbol, das ihr benutzt… Dieses Berg-Tal-Gebilde auf Stelzen…  Das ist zufälligerweise eine Art außerirdische Notruf-Hieroglyphe. Frei übersetzt bedeutet sie: Ich warte hier auf dich.
Henry lehnte sich wieder dramatisch zurück und begann erneut wild zu gestikulieren. „Sie stehlen also deine Briefe, oder … Na ja… lassen sie einfach mit außerirdischer Super-Technologie verschwinden, um sie näher studieren zu können. Sie wollen sich natürlich ganz sicher sein, dass hier Genossen ihrer Rasse existieren. Muss ein verdammt langer Weg für die sein, selbst wenn man technologisch mit so einer Ultra-Nano-Technologie ausgestattet ist. Außerdem bestimmt verdammt teuer, so eine intergalaktische Reise. Also klauen sie deine Briefe einfach, entschlüsseln sie, lesen sie und versuchen herauszufinden, ob eine kleine Eintagsfliege vielleicht ein überlegenes Alien-Wesen als Geisel hält und ob sie mit der gesamten galaktischen Kavallerie antanzen müssen, um ihre Freunde aus dem Reich der Fliegen zu retten.“
Nach seiner Geschichte verschränkte Henry noch einmal dramatisch die Arme, um seine Performance zu beenden und nickte Mona kurz zu, als wollte er damit unterstreichen, wie unglaublich geistreich seine Geschichte gerade gewesen war.
„Das…“, fing Mona extra langsam zu sagen. „… ist mit Abstand das Bescheuertste, das ich jemals gehört habe. Du bist ein furchtbarer Dichter.“
In einer kurzen Pause schaute Henry sie gespielt entgeistert an, bevor sie beide in Gelächter ausbrachen.
„Ich hoffe du bist kein Astrophysiker von Beruf.“
„Ha ha. Nein. Ich war nur Ingenieur.“
 
Die Sache verselbstständigte sich ziemlich schnell und das Kaffeetrinken mit Henry wurde zu einer festen Routine in Monas Wochenplanung. Es vergingen Monate, in denen wenig und viel zugleich geschah. Aber diese Konstante blieb und wie es nun einmal so ist, schien das erste, seltsame Treffen der Beiden gar nicht mehr als eine lustige Geschichte zu sein. Ihre Zweifel hatte er auf jeden Fall voll und ganz vertreiben können und sie begannen sogar irgendwann, zusammen neue, lustige Geschichten dazu zu erfinden. Mona hatte dann die Idee, sie sollten einen imaginären Buchclub veranstalten, bei dem sie jede Woche ein Buch besprachen, das noch gar nicht existierte. Eine Idee, die Henry sehr mochte und im Grunde einfach nur dazu diente, seinem sinnlosen Gelaber die Struktur zu geben, die Mona so sehr mochte.
Dabei sollte es nicht bleiben. Auch außerhalb ihres Buchclubs und ihres wöchentlichen Kaffeetrinkens, trafen sich Henry und Mona hin und wieder um einen Film zu sehen, um ein Konzert zu besuchen oder einfach nur einen weiteren Spaziergang zu machen und der Postbotin aufzulauern.
Umso seltsamer war es dann, als im Winter die Postbotin Henry einen Brief in die Hand drückte, der an Mona adressiert war (Wobei sie ihn ihm vielmehr im Vorbeifahren gegen den Kopf warf, da sie noch immer um ihr Leben fürchtete, sobald sie Mona am Straßenrand sah). Henry blieb am Straßenrand stehen und schaute auf den Brief. Die Empfängerin stand noch an der Haustür, am anderen Ende des Weges und drehte den Schlüssel um. Erst als sie auf Henry zukam, erkannte sie das rote Wachs, dass sich auf dem weißen Papier befand. „M.H.“
„Eine Nachricht aus dem All“, sagte Henry leise und überreichte Mona den Brief. „Diesen hier scheinen sie nicht bekommen zu haben.“
Langsam streckte Mona ihre Hand aus und griff nach dem Umschlag. Das Papier war glatt und weich und versprühte die Kälte, die der Winter in sie hineingezogen hatte. Auch das Wachs des Siegels wirkte Blass und Trist, genauso wie die Tinte, mit der ihr Name geschrieben war. Die Schrift hatte ihren Schwung verloren. Und ihren Reiz.
Henry ließ den Brief am anderen Ende los. Mona schaute zu ihm auf.
In dem Moment kam ihr wieder die Welt in den Sinn, in der ein König mit seinen zwei Königinnen lebte. Es war die Geschichte der jungen Lady, die ihr jedoch am meisten im Gedächtnis schwirrte. Manchmal konnte das Leben wirklich kompliziert sein, dabei hätte es so einfach sein können, oder?
„Was?“, erwiderte die junge Zofe, die in ihrem langen Gewand der jungen Lady folgte. Monique ging schnellen Schrittes voran. Hätte nun um die Ecke des dicken Gemäuers jemand gestanden, wäre sie einfach über diese durchgelaufen und wäre anschließend über ihren dahingerafften Körper gesprungen, da war sich die junge Zofe sicher. Nichts konnte Lady Monique aufhalten.
„Das heißt: wie bitte‘“, erwiderte Monique streng. „So kannst du nicht vor den Generälen sprechen. Sie haben schon jetzt viel zu wenig Respekt vor mir. Wenn ich dann auch noch wie jemand aussehe, der nicht einmal seinen Stab führen kann, können wir die Angelegenheit direkt wieder vergessen!“
„Entschuldigt, meine Lady.“
„Euer Gnaden… Meine Königin! Die richtige Anrede ist wichtig, Henriette. Wir haben das doch besprochen“, sagte Monique und stoppte dann ihren schnellen Gang, als sie an einer schweren Holztür ankamen, die mit zahlreichen Verzierungen versehen war. Mit zackigen, schnellen Bewegungen richtete sie ihr Haar und strich ihre Kleider glatt, zupfte an ihren Ärmeln und wiederholte leise, undeutliche Worte.
Einmal tief durchgeatmet, gab sie ihrer Zofe durch ein Nicken das Signal die Tür zu öffnen. Mit viel Mühe und einem lauten Quietschen, zog Henriette an der schweren Klinke und verschwand im Schatten der Tür, bevor Monique in den hell erleuchteten Raum trat. Eine laute Stimme verstummte und wurde durch ein Tuscheln tiefer Stimmen ersetzt. Rücken an Rücken standen sie vor einem Tisch. Nach und nach drehten sie sich um oder schauten von dem großen Tisch, auf dem eine Karte ausgebreitet war, auf. Jeder Mann betrachtete die junge Dame, die selbstbewusst durch den großen Raum die paar Treppen hinauf schritt und sich einen Platz zwischen ihnen an die Kante des Tisches bahnte.
„Ich hatte doch gebeten Bescheid zu bekommen, solltet Ihr Eure Taktik vortragen, General“, sagte Monique. Ihre Worte waren an den alten Mann mit imposanten Schnurrbart gerichtet, der zu ihrer Linken über dem Tisch gebückt stand und Figuren auf der Karte aufstellte. Der General war der Einzige, der nicht aufgesehen hatte. „Mein Mann und ich…“
„Ihr Mann“, wiederholte der General. „Ich kann mich an eine Hochzeit des Königs erinnern, allerdings klang die Stimme der Braut damals weniger wie die eines kleinen Kindes. Lieblich, ja. Aber nicht kindlich.“
Monique wurde leicht rot vor Wut, ballte ihre Fäuste, aber schluckte die Beleidigungen, die sie entgegenfeuern wollte, einfach herunter. „Der König ist der Meinung, wir sollten Epistoli nicht aufgeben. Die Stadt ist ein militärisch wichtiger Standpunkt. Direkt zwischen Meer und Gebirge. Der Tunnel von Epistoli ist unsere wichtigste Handelsroute! Epistoli ist…“
„Ihre Heimatstadt.“, unterbrach der General sie und beendete ihren Satz. Er stellte mit einer gewissen Wucht die letzte Figur auf die Karte. Direkt vor den Mauern der Stadt Epistoli stand nun ein großes rotes Pferd.
„Das hat damit gar nichts…“, wollte Monique sich gerade rechtfertigen, aber der General unterbrach sie ein weiteres Mal, sodass die Lady ihre Lüge wenigstens nicht aussprechen musste.
„Mit Verlaub, meine Lady. Valles weiß um die taktische Wichtigkeit der Stadt, genauso wie ich es tue. Unser Feind ist kein Narr. Seit sechs Wochen hat er Epistoli unter Belagerung. Dabei wäre es ein Leichtes für ihn, die Stadt in Gänze zu überrennen.“
„Er will genauso wenig Leben vergeuden, wie wir es wollen.“
„Ha!“, lachte der General künstlich. „Ihr macht aus Valles einen ehrenvolleren General, als er verdient hätte. Er schert sich einen Dreck um Menschenleben. Nein. Er will provozieren. Es ist eine Falle.“ Dann schaute der General Monique zum ersten Mal an. „Aber warum verschwende ich überhaupt meinen Atem, einem Kind so etwas zu erklären?“
Das Knacken ihrer Fingerknöchel war zu hören. Monique ballte ihre Fäuste so sehr, dass diese weiß wurden. „Sechs Wochen Belagerung, aber der Krieg und die Unruhen gehen schon Jahre. Epistoli hat nie um Hilfe gebeten, aber nun brauchen wir das Reich, genauso wie das Reich uns für all die Generationen gebraucht hat! Das sind unsere Bürger, die da in diesem Kessel verhungern und von Krankheiten dahingerafft werden! Wir müssen sie retten!“ Monique schluckte und versuchte wieder etwas ruhiger zu werden. Der General sagte nichts und die Anderen tuschelten leise, also ergriff Monique weiter das Wort. „Es ist des Königs Wunsch… Sein Befehl!“
Der General lachte künstlich auf. „Einen Befehl habe ich nicht gesehen.“
„Dann gebe ich Ihnen einen, General!“, sprach Lady Monique mit harter Stimme.
Der General lachte dieses Mal wirklich. „Köstlich. Aber nun genug von diesem Unfug. Entfernt dieses Kind aus meinem Saal.“ Er zeigte auf eine Wache und dann auf Monique, als plötzlich ein Knallen den General zusammenzucken ließ und das rote Pferd vor den Toren von Epistoli einen Satz von der Tischkante machte.
„Ich bin die Königin!“, rief Monique und drückte ihre geballte Faust noch härter auf die Tischplatte, als wollte sie ein Loch in die Karte schlagen.
„Ihr seid nichts weiter, als eine kleine Lady. Und Ihr werdet nie etwas anderes sein, Kindchen.“
Die Wachen erschienen und griffen Monique am Arm. Direkt löste sie sich wütend aus dem Griff des Mannes und warf dem General einen angewiderten Blick zu, bevor sie selbstständig den Raum verließ.
Henriette folgte ihr zu ihren Gemächern. Allerdings war Monique für den Rest des Tages und den Abend nicht mehr ansprechbar. Alles was sie tat war, vor dem Fenster zu sitzen und hinaus in die Kälte zu starren. Die Dunkelheit schien durch das leicht beschlagene Glas zu kriechen und sich um die junge Dame zu sammeln. Auch das Feuer im Kamin schien nicht mit ihrem Licht gegen diese anzukommen. Die Dunkelheit umhüllte die Lady und schien sie zu formen.
Es war später, tief in der Nacht, als Monique plötzlich einen Reiter durch den Schnee stapfen sah. Sie schickte Henriette, um ihn abzufangen und direkt die Neuigkeiten aus erster Hand zu erhalten. Die Zofe begegnete dem Reiter in der großen Halle und kam kurze Zeit später zurück in das dunkle Gemach der Lady. In ihrer Hand trug sie weißes Papier mit einem roten Wachssiegel darauf.
„Wort vom König“, sagte Henriette zögerlich und irgendwie wenig hoffnungsvoll. Als wären dies doch keine so guten Nachrichten, wie sie erhofft hatten. Dies war auch Moniques Gefühl. Nur langsam nahm sie den Brief entgegen, den Henriette ihr im flackernden Licht der Flammen hinhielt. Ihr schossen hunderte von Gedanken durch den Kopf.
Dann ließ Henriette den Brief auf der anderen Seite los und Monique schaute zu ihr auf. Die Lady nahm den Brief an sich, auf den sie eine gefühlte Ewigkeit gewartete hatte und fing an das königliche Briefsiegel sorgfältig von dem Papier zu lösen. Sie achtete darauf, es nicht zu zerbrechen und hielt nach kurzer Arbeit, den ungeöffneten Briefumschlag in den Händen, den sie direkt in die Flammen neben ihr warf.
Henriette schaute ihre Lady erschrocken an. Monique umarmte ihre Zofe und umschloss das Wachs in ihrer Hand fest.
„Ich bin es leid… Leid zu warten, Henriette. Ab jetzt nehme ich es selbst in die Hand…“
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Sa 23 Dez 2017 - 21:03
Hi. Ich bin zwar etwas spät dran, wollte aber auch meinen Senf dazu geben. In der Regel schließe ich mich der Meinung der Jury an, habe aber zu der einen oder anderen Geschichte noch etwas zuzufügen.

Die Verabredung

Ich finde die Geschichte ebenfalls recht gelungen und besonders den Anfang aus der Perspektive der Frau gut gewählt. Da man vorher nie weiß in welche Richtung die Geschichten gehen, konnte man beim Lesen etwas mit den Hinweisen puzzeln und Theorien aufstellen. Ist die Frau ein Vampir? Aber dann wäre der Kommentar mit der Leiche merkwürdig. Ist sie alt? Ist sie unsterblich?
Je mehr man las desto mehr spontane Ideen musste man wieder verwerfen, was mir ziemlich gut gefallen hat. Der zweite Teil aus der Sicht des Mannes ist leider etwas schwach und kam auch recht plötzlich. Ein-zwei mehr Absätze oder ein kleines Symbol zum Trennen der Bereiche (So wie das: ~#~) hätte vielleicht auch geholfen. Auch fand ich die schmalzige Schlussfolgerung des Mannes etwas merkwürdig, weil ich die Situation eher traurig finde, oder erschreckend. Es sterben immer wieder alte und verwirrte Leute, besonders im Winter, weil sie allein draußen unterwegs sind, stürzen und dann erst nach dem Tauen gefunden werden.
Selbst wenn man sich ab und zu an nette Dinge erinnert, so ist diese Krankheit doch nichts romantisches und hinterlässt, zumindest bei mir, einen eher unangenehmen Nachgeschmack.

Die Nacht, als keiner schlief

Tja, was soll ich sagen. Nazis erschaffen, inspiriert von Alien und Riddick, Monster mit englischer Bezeichnung in den Tropen und da die auch noch (aus unerklärlichen Gründen) reguläre Menschen zu ihresgleichen machen können, gibt es am Ende viele Tote.
Das passt für mich jetzt nicht wirklich in die Kategorie “Warten”, vorallem da das Warten in der Geschichte einen recht kleinen Teil eingenommen hat. Und da dem Autor leider die Kommata ausgegangen sind und er ziemlich kreativ mit der Rechtschreibung umgegangen ist, musste ich den Text sogar mehrmals lesen, also weiß ich, dass da nicht viel gewartet wird.
Es wäre wirklich nicht schlecht gewesen wenn der Autor selbst, oder ein Mensch seines Vertrauens, über den Text gelesen hätte, denn einige Fehler haben echt weh getan und von der Geschichte abgelenkt.

Zu
Die Warteschlange und Gefangen im Alptraum
kann ich jetzt nicht besonders viel sagen, da ich mir bei beiden Geschichten nach anfänglicher Verwirrung ziemlich sicher war wie es ausgehen würde und deswegen das Ende nicht sonderlich überraschend kam. Es waren keine großen Rechtschreibfehler drin und sauber runter geschrieben, aber ich kann weder mit Witz noch mit Gefühlsbekundungen so besonders viel anfangen, weswegen es für mich ganz nette Geschichten waren, aber nicht unbedingt mehr.
Bei Gefangen im Alptraum dachte ich zugegeben zuerst ein Schüler wartet auf einen Lehrer und dachte es wäre irgendein Arschloch, das andere Leute geärgert hat und jetzt die Quittung bekommt, darum hab ich das mit der keimenden Romanze erst nicht ganz gerafft.



Auch bei Happy Birthday to me weicht meine Meinung nicht stark von der Jury ab, aber zwei Punkte wollte ich noch anmerken. Wie bereits geschrieben war die eingeschobene Szene mit Molly etwas verwirrend, weil plötzlich nicht mehr beschrieben wurde, was das Mädchen macht, sondern was sie sich vorstellt. Wenn sie weiterhin Teil der Szene gewesen wäre hätte es vielleicht etwas besser gepasst. Also in etwa so:

Holly öffnete mit der rechten Hand die kleine Tür vom Puppenhaus und schob die Puppe, die heute die Mutter darstellte, mit der linken durch die Tür. Sie gehörte nicht zum Puppenhaus dazu und war etwas größer als die anderen, weswegen Holly sie immer quer halten musste, etc.

Irgendeine Beschreibung die das Mädchen und ihre Umgebung beinhaltet, damit es nicht so plötzlich kommt. Ich dachte ehrlich gesagt kurz sie hätte den Fernseher angemacht und würde die Szene beobachten, weil von ihr plötzlich gar nichts mehr kam. Auch das Ende verlief sich ziemlich unspektakulär, was ich schade finde, da ich dachte dem Kind würde ganz allein vielleicht etwas zustoßen. Als sie ankündigte einen Kuchen zu backen dachte ich “Jetzt geht’s los”, aber es ist nichts passiert. Kein Feuer, keine Scherben, kein Blut. Wenn ihr wegen der Vernachlässigung der Eltern etwas passiert wäre, weil sie ihren Geburtstag im Alleingang schmeißen wollte, hätte es vielleicht einen stärkeren Impakt gehabt.


Tjo. Zu Hüttenkoller sag ich mal nix, das hab ich verbrochen, aber soviel von mir.
Akeem
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am So 24 Dez 2017 - 1:08
Vielen Dank an alle Leser! Das Voting ist beendet und die Gewinner stehen fest. Der finale Ausgang sieht damit folgendermaßen aus:


  1. Die Verabredung von @Donneh und Gefangen im Alptraum von @Kyouya mit 5 Stimmen
  2. Hüttenkoller von @Resquiat_in_Pesto mit 3 Stimmen
  3. Die Nacht als keiner schlief von @Lostblood90 mit 2 Stimmen
  4. Happy Birthday To Me von @Saddy-chin und Die Warteschlange von @Philodoof mit 1 Stimmen


Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner! Und schaut auch in unserem Dezember-Wettbewerb vorbei:
https://anime.forumieren.de/t5766-kurzgeschichten-und-gedicht-wettbewerb-weihnachten

 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN AsTzZwr Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN EqFhAg7 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN 0iIQpkp Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN 2JNVGLV

Zusätzlich hätte ich dieses Mal noch eine kleine Bitte an euch. Nicht nur ihr dürstet nach Feedback für eure Bilder und Geschichten, sondern auch unsere Team fragt sich, ob ihr vielleicht eine Meinung zum derzeitigen Wettbewerbs-Format hättet.
Gefällt euch irgendetwas besonders gut? Gefällt euch etwas nicht? Findet ihr die Reviews hilfreich? Was könnten wir verbessern? Welche Themen würdet ihr gerne sehen in der Zukunft? Ist der Ein-Monatsrhythmus sinnvoll?
Oder sollen wir einfach so weiter machen? ;)

Danke schon mal!
Akeem
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Do 28 Dez 2017 - 0:24
Also um etwas konkreter zu werden bezüglich unserer Ideen für den Wettbewerb und eurer Meinung. Zu folgendes könntet ihr euch bitte auslassen:

1. Jury-Stimme
Die Jury hat bisher nur eine Feedback-Funktion, aber sonst nur ein einfaches Stimmrecht. Wir sind der Meinung, dass es Allgemein besser wäre, das Stimmrecht auf das selbe Niveau zu heben, sodass Community-Voting 50% zählen und Jury-Stimme 50% zählen. Das hat einfache Gründe.

  • Zunächst ist das Voting zwar derzeit anonym, dennoch können wir nicht verhindern, dass User sich untereinander austauschen und ihren Freunden Stimmen zuschieben. Das ist sicher nicht die Regel, aber halt ein Fall, den es zu betrachten gilt. 
  • Der zweite Punkt ist bisher eher eine Beobachtung oder ein Gefühl, aber wir denken, dass längere Geschichten allgemein eine schlechtere Chance haben als kürzere, da User lieber kurze Geschichten lesen und längeren Abgaben nicht einmal eine Chance geben. Dies ist aber auch ganz natürlich, da nicht immer alle User die Muse oder schlichtweg die Zeit haben, sich eine 10.000 Wort-Lange Geschichte durchzulesen. Die Jury liest und bewertet alles und dadurch würden längere Geschichten unserer Meinung nach eine bessere Chance erhalten. 
  • Die Jury-Stimme bietet einen gewissen Grad an Transparents. Die Jury besteht normalerweise aus mehr als einer Person, die sich berät, diskutiert und dann einen gemeinsamen Konsens präsentieren. Dieser wird in Form von Reviews/Feedback veröffentlicht und daher wird nachvollziehbar, wie die Stimmen zusammengekommen sind. Selbst wenn man nicht der Meinung der Jury ist, kann man nachvollziehen, wer sich in der Jury befindet und noch einmal nach Feedback fragen, wie das zustande gekommen ist. Dies ist bei einem anonymen Voting nicht möglich. Selten posten die User zusätzliche Reviews oder geben Feedback, weswegen es oft nicht sichtbar ist, warum eine Geschichte mehr Votings bekommen hat, als eine andere.


2. Jury-Feedback
Die Hauptaufgabe würde natürlich weiterhin sein, Feedback zu geben. Eine Frage, die wir uns stellen ist halt, ob euch das Feedback in der jetzigen Form etwas bringt und worauf wir mehr eingehen sollen oder worauf wir gar nicht eingehen sollen. Das soll euch ja schließlich helfen. Feedback zum Feedback wäre deswegen wirklich ganz nett.


3. Situationen statt Themen
Eine andere Idee, die wir hatten war, mal zu versuchen Situationen statt Themen vorzugeben. Bisher haben wir ja einfach Oberbegriffe vorgeben wie "Briefe", "Fliegen" oder "Magie". Eine andere Möglichkeit wäre jedoch so etwas vorzugeben wie: "Eine Gruppe von Menschen ist in einer Raumstation eingesperrt" oder "Ein Fernzug stoppt plötzlich in einer schneereichen Nacht".
Das wäre dadurch natürlich weniger offen, aber die Geschichten werden dadurch etwas vergleichbarer? Ob das gut oder schlecht ist, scheint Geschmackssache zu sein. Also was ist euer Geschmack?
Resquiat_in_Pesto
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Do 28 Dez 2017 - 2:24
Hallo. Ich denke schon, dass die Stimme der Jury plus Bewertung extra gewertet werden sollte, weil sie unparteiischer als die Teilnehmer ist (ich denke die meisten Stimmen kommen von Teilnehmern und nicht von unbeteiligten) und eben auch eine Begründung mitliefern kann.
Ich weiß nicht wie die Bewertung wäre, würde ein Mitglied der Jury selbst teilnehmen wollen (ich stimme nie für meinen eigenen Beitrag, vielleicht müsste das Mitglied sich selbst dann auch überspringen?), aber da findet sich bestimmt eine Lösung.

Mir persönlich würde eine Bewertung besser gefallen, bei der man vielleicht seinen Favoriten mehrere Stimmen geben kann. Das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen, aber beim Halloween Event habe ich allen Beiträgen, die mir gefallen haben, eine Stimme gegeben und diesmal nur einem, weil das mein Favorit war. Wenn der aber 2 Stimmen bekommen könnte, würde ich den anderen guten Beiträgen auch Punkte geben, da ich ja meinen Favoriten trotzdem extra Aufmerksamkeit geschenkt habe.
Ist das verständlich, oder drücke ich mich blöd aus?

Und bei den Themen ist mir das relativ Latte. Wenn mir in kurzer Zeit nichts dazu einfällt schreibe ich nix dazu, egal was es ist. Aber wenn Vergleichbarkeit ein Ziel ist könnte man ja zum Test verschiedener Modelle ausprobieren.
Akeem
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 Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - WARTEN

am Do 28 Dez 2017 - 16:06
Selbst Teilnehmen wäre in dem Fall dann eher schwierig, es sei denn die Jury würde aus min. 2 anderen Personen bestehen. Vielleicht wäre das sogar zu wenig, wäre nicht ganz sicher.

Andere Idee, die mir gerade wieder einfällt... Wir hatten bei dem Wettbewerb vor Jahren mal so den Modus, dass der Gewinner des letzten Wettbewerbs das Thema auswählen darf für den nächsten und eventuell selbst in die Jury kommt (damit nicht immer dieselben gewinnen, was bei uns nun noch nicht sooo krass der Fall war, ich glaube bisher haben 2x zwei Leute Gold geholt).
Nur so eine Randidee, die mir gerade kam.

Zu dem Voting:
Das wäre cool, aber ist technisch mit dem, was wir hier haben nicht möglich. Wir könnten das höchstens manuell über PM machen, wobei dann das Voting nicht mehr anonym wäre und sehr viel aufwändiger und ich damit rechnen würde, dass weniger Leute abstimmen (Ob das nun schlimm ist, ist die andere Frage).
Auch gängige andere Umfrage-Seiten scheinen dieses Feature nicht anzubieten. Wenn jemand etwas findet, können wir das gerne versuchen.
Wobei umso komplexer das Abstimmen wird, umso mehr Leute werden es falsch machen. Habe ja jetzt schon festgestellt, dass bei den ersten 3x viele nicht verstanden haben, dass man mehr als eine Stimme abgeben kann xD
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