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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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Stimmen insgesamt: 20
Akeem
Akeem
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Anzahl der Beiträge : 2840

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 08.09.19 16:10
Edit 03.11.2019

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Coollogo_com-214761942


Die Abstimmung geht wie immer 7 Tage bis zum 10.11.2019... etwa 19:30 Uhr


Hallo Leute,

wie angekündigt steht die nächste Runde des Wettbewerbs an. Der Sommer scheint endgültig vorbei, trotzdem nehmen wir uns etwas mehr Zeit, damit wir es auch sicher alle schaffen. Das Thema wurde dieses Mal in einer Umfrage von ausgewählten Nutzern ermittelt, welche großes Interesse an der Teilnahme am Wettbewerb zeigten. Wir haben uns gegen eine öffentliche Themenfindung entschieden, weil zu oft Leute mitabgestimmt haben, die dann jedoch nicht mitgemacht haben. Wir hoffen, dass wir nun dadurch da gegensteuern können. 

Uuuund das Thema ist: Unterwasser
Dieser Begriff ist natürlich wie immer frei zur Interpretation und jeder der will kann mitmachen!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Die Geschichte ist bis zum
01.11.2019 23:59 Uhr einzureichen. 
Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
https://anime.forumieren.de/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe

Bitte lest und beachtet diese vor der Abgabe.






Diese Abzeichen gibt es zu gewinnen, wie immer herstellt von   @Mithras:

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser L1cZ2daKurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser HsVz5xcKurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser KuaAmAsKurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser VUs9BQA


Zuletzt von Akeem am 03.11.19 19:34 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
Akeem
Akeem
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Anzahl der Beiträge : 2840

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:20
Dieses Mal haben wir sehr viele Abgaben bekommen. Es sind ganze 8 Stück. Das Thema wurde in vielen Geschichten sehr interessant ausgelegt und man kann sogar die eine oder andere Gemeinsamkeit bezüglich der Interpretation des Themas feststellen. 
Ihr könnt nun euren Favoriten eine Stimme geben. Das Voting wird eine Woche dauern und bis zum 10.11.2019 etwa 19:30 Uhr gehen.
Und denkt dran:


Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Coollogo_com-214761942
Akeem
Akeem
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Anzahl der Beiträge : 2840

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:22
Nur ein Traum?


Jede Nacht träumt sie davon. Jede verdammte Nacht. Seit nunmehr 4
Wochen. Es wurde unerträglich.
Schweißgebadet schreckt sie auf. Tropfnass sitzt sie in ihrem Bett
und atmet schwer. Der Mond steht hoch und hell am Himmel. Wie spät
mag es sein?
Als sie aufsteht, ist ihr mulmig.
*Etwas trinken. Du musst etwas trinken. Dann geht es dir gleich
wieder besser.* versucht sie sich aufzubauen, während sie aus dem
Schlafzimmer durch die Stube läuft und zur Küche geht.
Als sie das grelle Licht der Küche einschaltet, blendet es sie
dermaßen, dass sie die Augen zusammenkneifen muss.
„Verdammt!“ flucht sie und beißt sich auf die Lippe. Ihre Mutter
hat immer gesagt, dass sie jeden Fluch von ihr im Herzen spürt.
Die Hand vor den Augen haltend, drückt sie den Lichtschalter noch
einmal. Sofort herrscht Dunkelheit. Kein Wunder. Die Küche ist so
klein, dass sie kein Fenster hat. Es ist eher eine Küchennische,
denn eine Küche.
Einen Schritt zurücktretend, damit sie das Licht im Wohnzimmer
einschalten kann, denkt sie über den Traum nach.
Das Licht im Rücken, kann sie endlich etwas erkennen. Sie nimmt
ein Glas aus dem Schrank und füllt es mit Leitungswasser. Immer
noch grübelnd.
Als das eiskalte Wasser ihr über die Hand läuft erschrickt sie und
lässt das Glas ins Spülbecken fallen. Es zerbricht. Unzählige
Scherben liegen glitzernd vor ihr, werden vom Wasser aus dem
Wasserhahn quasi ertränkt. Sie sieht dabei zu, wie dass Wasser
sich einen Weg zum Abfluss bahnt.
*Wach auf, Nicki! Jetzt wach schon endlich auf!* brüllt ihr Hirn
ihr zu.
Wie aus einer Trance erwacht sie und schüttelt den Kopf, während
sie den Wasserhahn hastig schließt.
„Was ist nur los?“ fragt sie sich und betrachtet den
Scherbenhaufen in dem Becken. „Es nützt alles nichts. Ich muss es
herausfinden.“
*Gleich morgen früh rufe ich Mutter an. Sie wird es wissen.*
Als sie am nächsten Morgen aufsteht, war sie nicht mehr
eingeschlafen, sondern in der Stube auf dem Sofa geblieben und
hatte fern gesehen. Wenn man es so nennen mochte. Eigentlich lief
er nur, damit sie nicht einschlief. Aber was kam, vermag sie nicht
zu sagen.
Ihr Handy nehmend, geht sie in die Küche und macht sich einen
großen Pott Kaffee. Während der Anruf aufgebaut wird und sie das
gleichmäßige 'uuu … uuu' des Wählvorgangs hört, schaut sie zu, wie
der Kaffee in die Tasse läuft.
*Wenn man nicht geschlafen hat, ist das äußerst entspannend.*
denkt sie, als sie das Klacken des annehmenden Anrufs, gefolgt von
einem fröhlichen „Guten Morgen, Schätzchen.“ ihrer Mutter hört.
„Guten Morgen, Mama. Wie geht es euch?“
„Ach, sehr gut. Papa und ich, wir wollen heute einen Ausflug
machen. Er will mir nicht verraten wohin.“ zwitschert sie fröhlich
ins Handy.
Sie kann ihren Vater im Hintergrund „Das ist eine Überraschung.“
trällern hören.
Die beiden, so glücklich wie eh und je. Nie war irgendetwas bei
den Beiden schief gelaufen. Die perfekte Ehe. Keine von diesen
Vorzeigeehen, bei denen daheim, wenn alle Türen geschlossen sind,
die Hölle losbricht. Nein. Ihre Eltern waren ein Herz und eine
Seele. Klar gab es auch mal Zoff, aber so richtig gestritten
hatten sie noch nie.
„Und bei dir, Schätzchen? Alles in Ordnung? Du klingst müde. Hast
du dir wieder die Nacht um die Ohren geschlagen? Du arbeitest
einfach zu viel.“ der mahnende Unterton, entgeht ihr nicht.
„Nein, Mama. Ja, ich bin müde, aber …“ stockt sie abrupt.
„Aber?“ sie hört ihre Mutter besorgt vom Handy wegrufen „Willy?
Nicki klingt nicht gut.“
„Was?“ vernimmt sie ihn lauter werdend.
*Mama gibt ihm bestimmt gerade das Handy in die Hand.* überlegt
sie, als ihr Vater tatsächlich am anderen Ende der Leitung
spricht.
„Nicki, mein Schatz. Was ist los? Sollen wir vorbei kommen? Wir
müssen auch nicht …“
„Doch, doch, doch, das müsst ihr.“ unterbricht sie ihn eilends.
„Ich bin nur etwas müde. Weißt du? Ich habe da doch diesen Traum.
Immer wieder.“
„Hm, ja, ja, hm, der Traum. Ist er denn noch nicht weg?“ fragt er
neugierig.
„Nein. Und … weißt du? Ich … könnte da was dran sein? Ich meine …
ist es möglich, dass es kein Traum ist, sondern …“ sie wagt nicht,
es auszusprechen.
„Lisbeth“ wendet sich ihr Vater an seine Frau „Wir fahren später
zu unserem Ausflug.“
„Aber …“ sie kann förmlich sehen, wie enttäuscht ihre Mutter die
Schultern hängen lässt.
„Jetzt müssen wir erst mal zu unserer Tochter.“ hört sie den
strengen Ton ihres Vaters, von dem sie weiß, dass dieser Ton kein
Widerwort duldet.
„Gut.“ sagt ihre Mutter noch, dann herrscht Stille. Ihr Vater hat
einfach aufgelegt.
Während sie die Augen verdreht, legt sie das Handy auf die
Anrichte. Der Kaffee ist durchgelaufen und dampft heiß vor sich
hin. Sein köstlicher Duft verbreitet sich in der ganzen Wohnung.
*Gut.* denkt sie und zuckt mit den Schultern, als sie sich die
Tasse schnappt und es sich auf dem Sofa gemütlich macht.
„Meinetwegen.“
Als ihre Eltern keine 20 Minuten später zur Tür herein treten,
bereut Nicki es, dass sie ihnen einen Schlüssel zu ihrer Wohnung
gegeben hatte.
Dennoch begrüßt sie die beiden überschwänglich.
„Mama. Papa. Ihr hättet wirklich nicht herkommen müssen.“
„Nein, nein, nein, nein. Unserer kleinen geht es nicht gut, also
sind wir hier.“ erklärt ihre Mutter.
„Schön. Wollt ihr was trinken? Etwas essen? Ich hab noch Pizza von
gestern Abend übrig.“ wohl wissend, dass ihre Eltern keine Pizza
essen. Schon gar nicht aufgewärmt vom gestrigen Abend.
Der Blick ihrer Mutter reicht als Antwort.
„Komm, setzt dich und erzähl, auf was für Ideen du kommst.“ ihr
Vater sitzt bereits auf dem Sofa, auf das er auffordern drauf
klopft.
„Na schön.“ sie nimmt zwischen ihren Eltern Platz. Wie ein kleines
Kind, dass Angst vorm Donner hat, fühlt sie sich. „Also, das in
meinem Traum, dass bin ich. Oder? Zumindest sieht sie so aus wie
ich. Ich war 5, höchstens 6. Also damals. Ich habe Fotos gesehen,
also muss ich es sein.“
*Hör auf zu stammeln und sprich es aus!* brüllt ihr Kopf.
Sie sieht ihre Eltern nicken, während die beiden sich ansehen.
„Das Mädchen ist … ich bin … gestorben … in dem Traum. Ist es ein
Traum?“
Da war es. Sie hat es ausgesprochen. Das erste Mal überhaupt. Ihre
Eltern hatten es nicht gewusst.
Sie sieht das Entsetzen in ihren Blicken. Bemerkt den stummen
Schrei ihrer Mutter, als diese den Mund öffnet und sofort wieder
schließt. Ihr Vater presst die Lippen zusammen.
„Was soll es denn sonst sein? Realität? Das ist doch Unsinn. Wie
sollst du das denn erlebt haben? Dann wärst du doch jetzt nicht
hier.“ Verzweiflung klingt in der sonst so fröhlichen Stimme ihrer
Mutter wieder.
„Nicki, Schatz.“ da endlich spricht ihr Vater. Es platzt förmlich
aus ihm heraus. „Das ist ein Traum. Du hast vor irgendetwas Angst.
Da ist nichts weiter dran. Vergiss es einfach und gut.“ sagt er
wütend.
*Wieso ist er so aufgebracht?*
Den merkwürdigen Blick, den er seiner Frau zuwirft, versteht Nicki
nicht.
*Mama ist plötzlich so blass. Und sie scheint kleiner zu werden.*
„Was ist denn hier los? Redet mit mir!“ sie fühlt sich wie ein
kleines Kind, dem man von der nahenden Scheidung der Eltern
erzählt. Hilflos und überfordert.
Irgendetwas möchte ihre Mutter sagen, doch der Vater unterbindet
es mit einem harschen „Lisbeth!“
Da sind sie, die Leichen im Keller einer jeden Ehe. Man kann noch
so sehr auf heile Welt machen, irgendwann, irgendwo kamen immer
irgendwelche Missstände heraus.
Sie zappelt. Nicki hat ihre Mutter noch nie so hibbelig hin und
her rutschen sehen. Sie versteht es nicht.
„Ihr verheimlicht mir etwas. Was ist es? Und was hat es mit meinem
Traum zu tun?“ kreischt sie den beiden entgegen.
„Nicole Elisabeth Blast, beruhige dich!“ da ist er wieder, der
strenge Ton des Vaters. Er duldet jetzt kein Widerwort. Schon gar
nicht, wenn er sie bei ihrem vollen Namen nennt. Nie hat sie ihm
widersprochen, wenn er diesen Ton an den Tag legte. Es kam weiß
Gott nicht oft vor, dass er derart streng wurde, aber sie hatte
nie herausfinden wollen, was passiert, wenn sie doch weiter
diskutiert.
Sie weiß nicht, ob sie einfach nur der Müdigkeit oder der
Situation wegen, den Drang verspürte, genau jetzt in diesem
Moment, ihr Veto gegen den Vater zu führen.
Sie war sonst immer die Ruhige. Die Gelassene. Die Ausgeglichene.
Doch jetzt in diesem Moment, spürt sie ein unbekanntes Feuer in
sich.
Hatte sie sich einfach all die Jahre immer nur zurückgehalten und
jetzt bricht es sich einen Weg?
*Wo kommt das auf einmal her?* schoss es ihr durch den Kopf, als
sie den Mund öffnet und ihrem Vater „NEIN!“ entgegen brüllt.
Sie hört ihre Mutter vor Schreck die Luft scharf einziehen. >Babumm.<
Sie hört ein Klatschen.
*Wer klatscht denn da?* >Babumm.<
Sie hört, das dumpfe Wimmern ihrer Mutter, während diese sich die
Hände vor den Mund hält.
Sie hört ihr Herz pochen. >Babumm.<
*Schlag leiser. Ich kann nichts hören.*
Sie hört, wie ihr Vater sich die Hand an den Mund führt und
entsetzt zu seiner Tochter blickt.
Nein, sie hört es nicht.
*Das ist doch Unsinn.* >Babumm.<
Sie sieht es.
Tränen schießen ihm in die Augen. >Babumm.<
Die Mutter hinter ihr, weint bereits bitterlich.
Ihre Wange schmerzt.
Langsam hebt sie die Hand und reibt darüber. >Babumm.<
Sie will den Schmerz los werden. Doch er wird nur größer, geht
nicht weg.
Etwas warmes, nasses läuft ihr an beiden Wangen herunter.
*Wasser? Wo kommt das Wasser her?* >Babumm.<
Der Versuch es weg zu wischen, scheitert.
Immer noch blickt sie ihren Vater mit weit geöffneten Augen an. Er
weint. >Babumm.<
*Wieso weint er?*
Und diese Stille.
*Wo kommt denn nur diese Stille her?* >Babumm.<
Nein, es ist nicht still. Immer wieder hört sie es.
Da. >Babumm.< Und wieder. >Babumm.<
„Nicki.“ flüstert ihre Mutter.
„Schätzchen.“ ihr Vater ringt um Fassung.
„Du … Du …“ stammelt sie und hält sich die Wange. Die Tränen
fließen ungehindert.
Ihr Vater schaut sie entsetzt an. Noch nie hatte sie diesen
Ausdruck in seinen Augen gesehen.
Es vergeht keine Minute, da rennt Nicki an ihrem Vater vorbei, zur
Tür hinaus.
Der Tag vergeht. Nicole kommt nicht wieder heim. Ihre Eltern
warten stumm in der Wohnung, doch sie kommt nicht zurück. Nicht
einmal Licht schalten sie ein, als es beginnt dunkel zu werden.
Nicki läuft durch die Straßen. Wie lange schon? Sie weiß es nicht.
Sie verspürt keinen Hunger, keinen Durst, ist nicht müde, nicht
erschöpft. Sie läuft einfach nur, hat nicht mal ein Ziel. Die
Tränen waren schon lange versiegt.
*Er hat … Wie konnte er nur?* geistert es ihr durch den Kopf.
„Wieso?“ brüllt sie in die beginnende Nacht hinaus.
Sie bleibt stehen und schaut sich um. Es ist schon fast dunkel und
sie steht am See.
*Der See liegt außerhalb der Stadt.*
Wann war sie das letzte Mal hier? Als sie 5 war? Mit ihren Eltern
hat sie jedes Wochenende hier verbracht. Doch irgendwann sind sie
nicht mehr raus gefahren.
„Papa musste mehr arbeiten.“ Ja, so war das, erinnert sie sich. Es
war einfach keine Zeit mehr.
*Papa.* denkt sie wehleidig, erneut den Tränen nahe.
Ihr heiß geliebter Vater. Nie hatte sie irgendetwas schlimmes an
ihm entdecken können. Er war immer ihr Held, der sie auf Händen
trug. Sie und ihre Mutter. Seine freundlichen sanften Augen hatten
sie immer im Blick, damit ihr ja kein Leid geschah. Seine weiche
Stimme erzählte ihr jeden Abend ein und die selbe Gute-Nacht-
Geschichte. Seine starken Arme hielten sie tröstend, wenn sie sich
verletzt hatte. Wie konnte es sein, dass dieser Mensch, ihr Papa,
plötzlich nicht nur die Stimme, sondern sogar die Hand gegen sie
erhob?
Weinend bricht sie am Ufer des Sees zusammen und schläft
irgendwann einfach ein.
Als sie vor Kälte zitternd wach wird, ist es tiefste Nacht. Sie
liegt am Boden, am Ufer des Sees, der Mond über ihr spiegelt sich
glitzernd im Wasser.
Tief einatmend, setzt sie sich aufrecht hin und schaut eine Weile
star auf die Wasseroberfläche. Nicht ein Gedanke huscht durch
ihren Kopf. Es herrscht Ruhe da oben.
Nach einer Weile, schaut sie sich um, verfolgt das Ufer mit den
Augen. Da ist sie, die Hütte. Sie hatte gar nicht danach gesucht
und doch ist sie heilfroh, sie entdeckt zu haben.
Als sie die Tür der Hütte erreicht, hofft sie inständig, dass sie
derzeit nicht vermietet ist.
Das Holz ist abgegriffen und mit Moos bewachsen.
*Ist die Hütte schon so lange unbenutzt?* geht es ihr durch den
Kopf, als sie eintritt.
Es gibt nicht viel darin. Das große Eingangszimmer, eine kleine
Kochküche und ein Bad.
Alles ist dunkel.
„Vermutlich geht nicht einmal der Strom.“ sie hat Recht, stellt
sie fest, als sie den Lichtschalter betätigt. Kein Strom.
Es war schon sehr spät und sie war müde. Als sie in die Mitte des
Raumes tritt, entdeckt sie hinter einem Vorhang das große
Doppelbett, in dem ihre Eltern immer geschlafen hatten. Auf der
anderen Seite des Raums, erinnert sie sich, stand immer ihr Bett.
Eigentlich ein Liege.
Sie beschließt auf ihrer alten Liege zu schlafen. Das Bett ihrer
Eltern, ist nicht der Platz den sie jemals zum schlafen wählen
würde.
Sie macht es sich auf der Liege bequem und sieht aus dem
Augenwinkel, kurz bevor sie einschläft eine zweite Liege schräg zu
ihrer stehen.
*Morgen.* denkt sie und wandert ins Reich der Träume.
Am Morgen wird sie sanft von den, durch die maroden Bretter der
Hüttenwand, fallenden Sonnenstrahlen geweckt. Zaghaft blinzelnd
öffnet sie die Augen, nicht wissend, wo sie ist. Als sie sich
langsam an den vergangenen Tag erinnert, setzt sie sich abrupt auf
und blickt nervös in Richtung Eingang. Ja, Tatsache. Sie ist
allein in der alten Hütte. Und dennoch hat sie das Gefühl, da wäre
jemand.
Den Gedanken abschüttelnd, stellt sie fest, dass dies die erste
Nacht seit 4 Wochen war, in der sie nicht diesen Traum hatte.
Verwundert steht sie langsam auf und streckt sich. Dabei bemerkt
sie die zweite Liege, die sie in der Nacht aus dem Augenwinkel
gesehen hatte.
*Doch kein Traum.* grübelt sie, während sie hinüber geht, um sie
genauer zu betrachten.
Die gleiche Liege, wie die, auf der sie gerade noch lag. Das selbe
Muster, die selbe Größe. Exakt die selbe Liege.
„Warum stehen hier zwei Liegen? Wenn jemand mit zwei Kindern hier
nach uns das Haus gemietet hätte, dann würde die Liege anders
aussehen. Oder standen die schon immer hier und ich hab immer mal
hier und mal da geschlafen?“
Der Bettkasten. Sie hatte sich mal in dem Bettkasten versteckt.
*Warum eigentlich?*
Sie öffnet die Liege, auf der sie geschlafen hatte. Da war sie,
die kleine Macke, die sie versehentlich beim Spielen
hineingetreten hatte.
*Beim Spielen.* geht es ihr durch den Kopf, als sie ohne
wirklichen Grund zur anderen Liege hinüber geht und auch diese
öffnet.
Geschockt starrt sie hinein.
„Wie …?“
Eine Puppe. In dem Bettkasten liegt eine Puppe. Mit blondem Haar
und einem blauen Kleidchen. Eine ähnliche Puppe hat sie bei sich
zu Hause im Schrank. Nur ihre Puppe hat ein rotes Kleid.
Zögernd nimmt sie die Puppe heraus. Hatte sie mit zwei Puppen
gespielt?
Nein, sie hatte die Puppe damals versteckt. War sie so allein,
dass sie mit Puppen verstecken spielte? Skeptisch betrachtet sie
das Püppchen von allen Seiten. Im Nacken hat sie ein kleines
blaues 'S' eingestickt.
Aber warum? Sie erinnert sich, dass ihre Tante – wie hieß sie noch
gleich – Tanya, genau, Tante Tanya hatte ihr damals die Puppe mit
dem roten Kleid geschenkt. Im Nacken war ein rotes 'N' für Nicole
eingestickt. Warum hatte sie noch eine Puppe mit blauem Kleid und
einem 'S' bekommen? Das ergab keinen Sinn.
„Mein zweiter Vorname geht mit E los.“ rätselt sie laut, während
sie die Liege wieder schließt und sich darauf setzt.
Die Hände in den Schoß legend, schaut sie sich noch einmal ganz
langsam in der Hütte um.
Das Bett der Eltern hinter dem Vorhang.
Der große Esstisch mit den 4 Stühlen.
*4 Stühle?* sie schüttelt mit dem Kopf. *Standard.*
In dem Schrank gleich neben dem Bett der Eltern sind 4 Decken und
4 Kissen.
*Vermutlich ebenfalls Standard.* Immerhin sind es ja auch 4
Betten.
Das Bad. Sie steht auf und geht hinüber. Die Puppe hat sie noch in
der Hand, als sie die Tür öffnet. Sie lässt sie aufschwingen und
sieht sich in einem großen verstaubten Spiegel.
4 Zahnputzbecher mit 4 Zahnbürsten stehen auf dem Glasplättchen
des Spiegels. Zwei kleine für Kinder und zwei große für
Erwachsene.
4 verstaubte Handtücher hängen an den Haken an der Wand. Zwei
weiße, ein blaues und ein rotes.
In der Dusche liegen 2 Kindershampoo-Flaschen.
Sie lässt die Puppe entsetzt fallen und stolpert rücklings zur
Badezimmertür hinaus.
*Ich bekomme keine Luft. Ich muss hier raus.* All diese
verwirrenden Kleinigkeiten.
Konnte es sein? War es überhaupt möglich?
Als sie vor dem See steht und in des sonnenverwöhnte glitzernde
Wasser schaut, ist es wie ein Blitzschlag. Urplötzlich ist da
dieses Mädchen in ihrem Kopf, dass genauso aussieht, wie sie. Die
selbe Haarfarbe, das selbe kecke Grinsen im Gesicht. Die selbe
Narbe über dem Auge, von einem Rodelunfall in den Bergen. Das
selbe Mädchen wie Nicole. Wie ein Ei dem anderen glichen sie sich.
Wie Zwillinge. Eineiige Zwilling.
„Sabrina Millicent Blast.“ flüstert sie ehrfürchtig ihren Namen.
„Meine Schwester.“
Schlagartig fällt ihr ein, warum sie diesen Traum hat.
>>> Es war hier am See. Sie waren gerade 5 Jahre alt. Jeden Tag
den sie hier verbrachten, gingen sie baden. Sie in ihrem blauen
Badeanzug und Sabrina im roten.
Sie spielten verstecken. Mit ihren Puppen. Sabrina konnte ihre
nicht finden, weil Nicole sie in Sabrinas Bettkasten versteckt
hatte. Sabrina suchte überall, während Nicole in ihrem Bettkasten
hockte und darauf wartete, dass Sabrina sie fand. Doch die suchte
scheinbar nur ihre Puppe. Nicole konnte sie hören, wie sie draußen
immer wieder nach dieser blöden Puppe rief. Da wurde sie sauer,
ging raus zu Sabrina und schrie sie an, dass sie ihre 'doofe
Puppe' in den See geworfen hatte.
Sabrina wurde ganz still. Und traurig. Sie begann zu weinen und
rannt ins Haus. Nicole dagegen war wütend und stapfte ans Ufer des
Sees. Sie begann Steine in den See zu werfen, als sie Sabrina
plötzlich über den Bootssteg rennen sah.
Mit Nicoles Puppe in der Hand. Als sie hinterher rannte, hörte sie
Sabrina schreien „Wenn meine Puppe untergeht, dann deine auch!“.
Dann warf sie die Puppe in hohem Bogen in den See. Nicole war
außer sich vor Wut und rannte weiter auf Sabrina zu. Sie stießen
mit den Köpfen zusammen und fielen aufgrund des Schwungs, den
Nicole drauf hatte, kopfüber in den See.
Sie weiß nicht mehr genau, was dann geschah, aber als sie wieder
erwachte, lag sie mit ihrer Puppe im Arm am Ufer des Sees. Fremde
Männer in leuchtenden Uniformen beugten sich über sie und sprachen
wie durch dickes Glas. Sie hatte irgendein Ding im Gesicht und das
Atmen fiel ihr schwer. Der Kopf tat ganz furchtbar weh und etwas
in ihrer Brust brannte fürchterlich.
Als man sie anhob, sah sie im Augenwinkel ihre Schwester auf dem
Boden liegen. Piepende und surrende Geräte standen um sie herum
und auch über sie waren Männer in leuchtenden Uniformen gebeugt.
Doch die schienen weit hektischer und aufgebrachter zu sein. Ihre
Eltern standen schluchzend und weinend neben ihr. Ihr Vater hatte
den Arm um ihre Mutter gelegt und stützte sie.
Sie wurde in den Krankenwagen geschoben und sah, wie einer der
Männer den Blick senkte und mit dem Kopf schüttelte. In dem Moment
brach ihre Mutter schreiend und kreischend zusammen und
umklammerte Sabrina.
Während die Krankenwagentüren geschlossen wurden, sah Nicole, wie
Sabrinas Hand leblos zu Boden glitt.<<<
Das also war dieser Traum. Sie hatte eine Schwester. Und sie war
Schuld an deren Tod.
„Wie konnten sie mir das nur verzeihen?“ sagt sie bestürzt.
„Du hattest es vergessen.“ hört sie die sanfte Stimme ihrer Mutter
hinter sich.
Als sie sich erschrocken umdreht, sieht sie da ihre Eltern stehen.
Ihre Mutter lächelnd wie eh und je und ihr Vater verlegen
schauend.
„Ich hab sie vergessen?“
„Ja.“ berichtet ihr Vater auf sie zu kommend. „Man hat dich in ein
künstliches Koma versetzt. Die Ärzte hielten das für das Beste.
Als du zwei Wochen später im Krankenhaus aufgewacht bist, hattest
du keine Erinnerung daran, was geschehen war. Du wusstest, wer wir
waren, wo wir waren. Selbst, dass wir immer am Wochenende an den
See gefahren sind, hast du gewusst. Aber an Sabrina konntest du
dich nicht erinnern. Wir …“ er streckt die Hand zu seiner Frau aus
und holt sie zu sich heran.
„Wir dachten, es sei das Beste für dich, wenn wir dich nie daran
erinnern würden. Also fuhren wir nicht mehr hier her, erwähnten
nie ihren Namen und entfernten zuhause sämtliche Hinweise darauf,
dass du eine Schwester hattest. Wir hatten so gelitten. Der
Schmerz war für uns beide schon so unerträglich. Und du warst erst
5. Du wärst daran zerbrochen.“ beendet ihre Mutter, was der Vater
begonnen hatte.
„Aber ich bin Schuld, dass sie tot ist.“ weint Nicole.
„Nein, mein Schatz, das war ein dummer Unfall.“ versucht ihre
Mutter sie zu beruhigen.
„Nein.“ schluchzt sie. „Ich hab ihre Puppe versteckt und weil sie
mich nicht gesucht hat, hab ich ihr erzählt, ich hätte die Puppe
in den See geworfen. Deshalb hat sie meine Puppe hinein geworfen
und deshalb sind wir in den See gefallen. Meinetwegen ist sie
ertrunken.“ Sie kann sich nicht mehr auf den Beinen halten und
bricht zusammen.
Da sind sie wieder, die starken Arme ihres Vaters stützen sie. Als
sie hoch sieht, schaut sie in seine sanften Augen und hört die
weiche Stimme, die ihr sagt: „Du warst 5, Liebling. Woher hättest
du wissen sollen, dass so etwas geschehen könnte? Wir geben dir
keine Schuld. Tu du es auch nicht.“
Eine Weile noch sitzen sie schweigend am Ufer des Sees und schauen
auf die Wasseroberfläche.
„Es wird Zeit. Wir sollten gehen.“ sagt Willy und reicht seinen
beiden Frauen die Hände.
Als sie zum Auto gehen, mit dem Nickis Eltern zum See gefahren
waren, dreht diese sich noch einmal um und rennt in die Hütte
zurück. Verdutzt schauen ihre Eltern ihr zu, wie sie mit der Puppe
in der Hand wieder herauskommt und auf den Bootssteg zu läuft.
„Nicole?“ ruft ihre Mutter ihr sorgenvoll hinterher.
„Alles gut, Mama. Ich komme gleich.“ winkt sie rasch zurück und
tritt an den Rand des Stegs, der in den See ragt.
*Hier. Meine liebe Schwester. Hier ist deine Puppe, Sabrina.* und
mit einem Kuss auf die Stirn der Puppe, verabschiedet sie sich von
ihrer Schwester und wirft die Puppe in hohem Bogen ins Wasser.
„Unterwasser ist sie gestorben. Unterwasser soll die Puppe sie

begleiten.“ sagt sie, als sie mit ihren Eltern weg fährt.


Zuletzt von Akeem am 03.11.19 19:24 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:23
Tot oder nicht tot…

Tief hingen die schwarzen Wolken am Himmel und spiegelten damit ungefähr Emmas Stimmung wieder. Laut prasselte der Regen auf den asphaltierten Schulhof. Die meisten Schüler drängten sich unter die überdachten Bereiche vor dem Schulgebäude. Auch die Aula war bei Regenwetter für die Pause frei gegeben. Aber Emma schlenderte mitten über den Schulhof. Ihre Kapuze hielt das Wasser mehr schlecht als recht ab und das Mädchen spürte schon, wie ein kleines Rinnsal Wasser ihren Hals hinab lief. Immerhin waren ihre Schuhe noch dicht.


Natürlich hätte auch Emma unter einem der Dächer Schutz suchen können, aber dort war alles so eng. So viele Schüler, von denen sie keinen einzigen kannte. Erst vor drei Tagen war sie an diese Schule gekommen. Mitten im laufenden Jahr.


Sicher, die meisten Kinder ihrer Klasse waren irgendwie nett zu ihr, aber Freunde hatte sie eben keine. Emma vermisste ihre Freunde von der alten Schule und der Regen passte einfach gerade perfekt zu ihrer Gefühlslage.


Einen Moment lang hob sie ihren Kopf und ließ sich den Regen auf das Gesicht prasseln. Ihre sonst leicht gelockten, haselnussbraunen Haare klebten bereits nass an ihrem Kopf.


Gleich würde sie völlig durchnässt in der nächsten Unterrichtsstunde sitzen. Englisch. I’m completly wet… Kurz lächelte Emma bei dem Gedanken, gerade als der sanfte Dreiklanggong das Ende der Pause verkündete. Tief atmete das Mädchen durch und wandte sich in Richtung Schulgebäude. Da war eine tiefe Pfütze und da Emmas Füße noch halbwegs trocken waren, machte sie einen großen Satz über die Pfütze hinweg. Doch dabei geschah es. Auf dem nassen Asphalt verlor ihr Fuß den Halt und rutschte weg. Wie in Zeitlupe schien sie zu fallen. Ein kurzer Schrei, der schlagartig abbrach, als ihr Kopf auf den Boden aufschlug. Ein beißender Schmerz durchfuhr ihren jungen Körper, der schlaff zur Seite fiel und genau in der Pfütze liegen blieb.


Sofort wollte Emma sich hoch stemmen und den Kopf aus der Pfütze heben, doch ihre Muskeln versagten den dienst. Völlig unfähig auch nur einen Finger zu rühren lag sie da und spürte, wie das schmutzige Regenwasser langsam in ihre Lungen drang.


Schlagartig geriet das Mädchen in Panik, aber ihr Körper gehorchte einfach nicht mehr. Wie tot lag sie da während ihr Geist noch versuchte sich zu wehren und sich ihre Lungen weiter und weiter mit Wasser füllten.


Es war nur eine Pfütze, keine 10 Zentimeter tief, aber Emma lag mit dem Gesicht unter Wasser da und war einfach nicht in der Lage den Kopf aus dem schmutzigen Wasser zu heben.


Noch immer prasselte der Regen hinab auf ihren Leib und das sanfte Klopfen des Wassers auf ihre Kapuze geleitete Emma langsam fort aus dieser Welt. Ich sterbe… noch vor der Englischstunde. I’m dying… Was für seltsame, letzte Gedanken… doch nach einer Weile musste Emma feststellen, dass es überhaupt nicht ihre letzten Gedanken waren.


Unfähig auch nur mit den Augen zu zucken lag sie da aber sie spürte noch alles. Ihre Lunge brannte und irgendwie tat alles weh. Wie durch Watte hindurch hörte sie Stimmen und schnelle Schritte die sich näherten. Jemand packte sie an der Schulter und riss sie unsanft nach oben um sie auf den Rücken zu drehen. Einer ihrer Arme war dabei im Weg doch Emma konnte ihn nicht zur Seite ziehen. So lag sie nun jetzt halb auf ihrem verdrehten Arm. Es tat weh. Alles tat weh.


Der Regen prasselte ihr nun direkt ins Gesicht. In die offenen Augen, die sie nicht schließen konnte. Sollte das jetzt der Tot sein? Würde sie bei Bewusstsein bleiben während man sie in einen Sarg legt? Vielleicht sogar ihren toten Körper für eine Autopsie aufschneidet? Würde sie spüren, wie Maden ihren Körper langsam fressen, nachdem sie ihre eigene Beerdigung miterlebt hatte?


„Die atmet nicht!“ hörte sie eine Stimme rufen. „Boa, Geil! Richtig Action hier.“ Rief ein anderer. „Das ist doch die Neue.“, „Ist sie tot?“, … So plapperten die Stimmen ihrer Mitschüler durcheinander.


Irgendwann tauchte ein Mädchen in Emmas Blickfeld auf. Sie kannte dieses Mädchen, konnte sich aber gerade nicht an den Namen erinnern. Auf jeden Fall war sie in ihrer Klasse.


Plötzlich beugte sich dieses Mädchen zu ihr herunter und presste ihre Lippen auf Emmas Lippen. Wollte sie sie jetzt küssen? Eine Tote küssen?


Doch es war kein Kuss. Emma spürte, wie das Mädchen ihr Luft in die Lungen pustete. Es fühlte sich an, als würden ihre Wasser gefüllten Lungen zerreißen.


Unterdessen war irgendjemand an ihrer Jacke und ihrem Shirt zu Gange. Emma konnte nicht genau ausmachen, was dort vorging, aber irgendwann spürte sie den Regen auf ihrer Haut. Jemand musste ihren Oberkörper frei gemacht haben. Im nächsten Moment presste irgendetwas auf ihren Brustkorb. Gleichzeitig kam  ihr Wasser aus dem Hals gelaufen und füllte ihren Mund. Es fühlte sich an, als würde sie sich übergeben, aber da war kein Würgereflex mehr. Jemand schob ihren Kopf zur Seite, so dass das Wasser ablaufen konnte und dann küsste das Mädchen sie wieder… nein, sie blies Luft in ihre Lungen.


Wieder wurde ihr Brustkorb herunter gepresst. Etwas knirschte und ein weiterer Schmerz durchfuhr ihren zierlichen Körper. Doch Emma spürte die gebrochene Rippe kaum noch. Langsam begann sie weg zu dämmern während ihre Wahrnehmung langsam schwand. All die Schmerzen und all die Angst glitten weg und wurden von einer sanften Dunkelheit umfangen in die das Mädchen endlich sank.


 


Gleißendes Licht schien in Emmas Gesicht. Sofort schloss sie ihre Augen wieder und hob ihre Hand vor das Gesicht. Dann blinzelte sie. Weiß… eine weiße Wand und gleißendes Licht… Verschwommen erkannte sie ihre Hand, die aus einem weißen Ärmel kam. War sie im Himmel? Emma hätte nicht gedacht, dass man im Himmel Kopfschmerzen haben könnte. Blinzelnd öffnete sie ihre Augen wieder und nun erkannte sie, dass die weiße Wand vor ihr eigentlich eine weiße Decke über ihr war. Wenig später wurde ihr dann auch klar, dass ihr Himmel in Wahrheit ein Krankenzimmer war. Sie lag in einem Krankenhaus.


„Guten Morgen Schlafmütze.“ Erschrocken ruckte Emmas Kopf herum. Sie hatte überhaupt nicht bemerkt, dass da jemand neben dem Bett saß. Es war das Mädchen, dass sie auf dem Schulhof geküsst hatte… nein… beatmet. Kurz musste Emma ihre Gedanken sortieren. Hatte dieses Mädchen an dessen Namen sie sich noch nicht mal erinnern kann wirklich neben ihrem Bett gesessen und gewartet, dass sie wach wird?


Langsam wurde Emma klar, dass dieses Mädchen nicht nur ihr Leben gerettet hatte…

Sie war das, was Emma im Augenblick am meisten fehlte. Eine Freundin.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:23
Schwerelos


Es war, als wurde ich mit Gewalt aus einem süßen Traum gerissen. Dabei hatte ich endlich mal wieder einen schönen Traum gehabt. Irritiert starrte ich den Brünetten über mir an. Mit verängstigten Augen glotzte er zurück, während Wassertropfen von seinen Haaren perlten und auf mein Gesicht tropften. Wovor hatte er so große Angst? Warum hat er mich überhaupt geweckt?
“Warum…?” , fragte ich ihn mit brüchiger Stimme. Wo ich mich doch eben noch so leicht, so schwerelos gefühlt habe, so fühlte ich mich jetzt nur noch schwach und wie ein schwerer Sack voller Steine, der sich nicht mehr erheben konnte.
Anstatt meine Frage zu beantworten, schwieg der Junge nur und fixierte mich weiterhin mit seinen geweiteten Augen. Er war mir so nah, dass ich die goldenen Sprenkel im Braun seiner Augen erkennen konnte. Dieses Farbenspiel hatte mich schon immer an ihm fasziniert. Für eine Weile herrschte Stille zwischen uns. Weit und breit war kein Mensch zu sehen oder zu hören. Nur das leise Rauschen des Meeres und das Gekreische der Möwen drang in meine Ohren.
“Warum?”, fragte ich ihn erneut, dieses Mal etwas lauter. Vielleicht hat er mich ja nicht verstanden. Seine Züge veränderten sich jedenfalls. Aus dem angsterfüllten Blick wurde ein zorniger.
“Warum was?”, schnauzte er mich unvermittelt an, sodass ich erschrocken zusammenzuckte. Ich holte tief Luft, um zu einer konkreteren Frage anzusetzen, doch bevor ich zu Wort kam, fuhr Elijah bereits fort.
“Warum hast du das getan?”, wollte er wissen. Seine Züge wurden etwas weicher, doch seine Stimme klang noch immer wütend, dabei verstand ich gar nicht, was ich ihm getan habe. Ich wusste sehr wohl, was ich vorhatte, nicht jedoch, was ihn das zu interessieren hatte.
“Was ich tue und was nicht geht dich nichts an”, entgegnete ich. Zumindest ging es ihn jetzt nichts mehr an. Er war doch schließlich derjenige, der nichts mehr von mir wissen wollte, nachdem…
“Was heißt hier, es geht mich nichts an? Als mich deine Eltern angerufen haben, dass du nicht nach Hause gekommen bist, habe ich mir Sorgen gemacht und nach dir gesucht. Wir sind doch Freunde!”, erwiderte er, was mich zum Lachen brachte. Keine gute Idee. Ich fing zu husten an und brauchte ein paar Momente, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Derweil spürte ich seinen besorgten Blick auf mir. Den konnte er sich sonst wohin schieben. Ich brauchte ihn nicht mehr.
“Wir sind keine Freunde mehr. Du wolltest mich doch nicht mehr sehen”, erinnerte ich ihn an seine eigene Entscheidung. Schuldbewusst wandte er sein Gesicht von mir ab. Eine Entschuldigung erhielt ich aber nicht von ihm. Er schwieg einfach nur.
“Verhalten sich Freunde so, wie du es getan hast?”, wollte ich wissen. Nun war ich derjenige, der sauer war. Wie konnte er nur behaupten, dass wir noch Freunde wären, nach alledem, was er mir angetan hat? Gerade von ihm hatte ich es als allerletztes erwartet. Er war alles für mich. Mein bester Freund und so viel mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass er mich so verletzen könnte.
“Fallen Freunde einander in den Rücken?”, wurde ich etwas direkter und dachte zurück an jenen Tag, an dem wir uns voneinander entfernten.


Schon so viele Jahre kannten wir uns. Je älter wir wurden, desto klarer wurde mir jedoch, dass ich in Elijah nicht nur einen Freund sah, sondern mich in ihn verliebt hatte. Lange behielt ich es für mich. Ich wollte unsere Freundschaft nicht gefährden. Nur irgendwann konnte ich einfach nicht mehr anders. Ich erwartete nicht, dass er meine Gefühle erwidern würde. Doch dass er mich daraufhin hassen würde, hätte ich mir nicht mal in meinen kühnsten Träumen vorstellen können.
“Du widerst mich an.” Mit einem angeekelten Blick, als würde ich eine ansteckende, tödliche Krankheit besitzen, schaute er mich an, ehe er ging und mich alleine zurückließ.
Als wäre ein gebrochenes Herz und ein verlorener Freund nicht schon genug gewesen, zerstörte er auch mein restliches Leben. Vielleicht machte er das nicht absichtlich, aber das Resultat war das gleiche.
“Warum hängt ihr nicht mehr miteinander ab? Vor Kurzem wart ihr doch noch so unzertrennlich”, konnte ich ein Gespräch von Elijah, welches er mit einem Mitschüler fuhr, verfolgen.
“Er steht auf Jungs, deswegen”, erklärte er ihm knapp. So wie er das sagte, klang es so, als wäre das etwas Schlechtes. Die Nachricht ging rum wie ein Lauffeuer. Selbst meine Eltern erfuhren letztendlich davon. Manche Mitschüler verhielten sich normal oder warfen mir einen mitleidigen Blick zu. Die meisten jedoch behandelten mich wie einen Aussätzigen.
“Verpiss dich, du Schwuchtel! Du bist krank!”, bekam ich immer wieder auf’s Neue zu hören.
Von Tag zu Tag, begann ich selbst damit, es zu glauben. Ich war krank, irgendwie nicht normal. Selbst zuhause fand ich keine Zuflucht mehr. Meine Eltern machten sich Vorwürfe, was sie falsch gemacht hätten. Dabei lag es doch nur an mir. Sie schmissen mich zwar nicht raus, aber ich bereitete ihnen Kummer. Das wusste ich genau. Genauso wusste ich, dass ich hier nicht noch länger bleiben konnte.
Ich musste gehen und dürfte nicht wieder kommen. Nie wieder. Genauso radikal wie Elijahs Verspechen, dass wir für immer Freunde sein würden. Ich würde mich nur im Gegensatz zu ihm an meine Entscheidung halten. Zumindest dachte ich so.
Ich ging ans Meer. Es war bereits Abend und der Strand leerte sich allmählich, da es dunkel wurde. Auch die Temperatur senkte sich. Mir machte das jedoch nichts aus, die Kälte bekam ich schon gar nicht mehr mit, da mich die kalten Blicke meines Umfelds abgehärtet hatten. Eine ganze Weile saß ich im Sand und schaute auf das Meer hinaus. Ich hörte den Wellen dabei zu, wie sie am Ufer brachen. Sonst war niemand da. Niemand, der mich verachten konnte, wegen dem, was ich nun mal war. Ich hatte versucht, mich zu ändern, aber ich schaffte es einfach nicht. Wahrscheinlich war es dafür sowieso zu spät. Der Mensch, der mir am meisten bedeutete, hasste mich.
Wie von Geisterhand erhob ich mich und steuerte auf das Wasser zu. Mit meinen Schuhen und den Klamotten watete ich immer tiefer, bis mir das Wasser schon über den Bauchnabel reichte. Ab da beschloss ich zu schwimmen. Das Meer war eiskalt, doch ich ließ es mich durchnässen und schwamm immer weiter, bis ich keinen Halt mehr unter den Füßen hatte. Ich tauchte, um zu sehen, wie tief der Grund nun schon war. Das Wasser war zu trüb, als dass ich ihn hätte sehen können.
Unterwasser war es ruhig. Ich konnte gar nichts mehr hören, kaum mehr etwas sehen, nichts spüren. Überall nur Wasser und diese friedliche Atmosphäre. Auf einmal fühlte ich mich so leicht, so schwerelos. Als hätten sich all meine Probleme in Luft aufgelöst und stiegen nun in Luftblasen an die Wasseroberfläche, wie mein Atem. Hier erschien mir all das, was mir solch einen Kummer bereitete, was mich dazu brachte, mich zu verleugnen, so unwirklich und nebensächlich. Warum also nicht einfach hierbleiben? Früher war ich oft mit Elijah hier am Meer. Welch Ironie des Schicksals, dass ich ausgerechnet hier die letzten Minuten meines Lebens verbringen würde. Langsam aber sicher verlor ich mein Bewusstsein. Mit einem Lächeln schlief ich ein.


Verhalten sich Freunde so, wie du es getan hast? Fallen Freunde einander in den Rücken?
“Es tut mir leid, ich wusste doch nicht, dass sich die Dinge so entwickeln würden. Das… das wollte ich nicht…”, murmelte Elijah plötzlich auf meine Fragen. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Deswegen reagierte ich einfach gar nicht und blieb stumm liegen.
“Es ist mir egal, wen du liebst. So oder so bist du mein Freund. Mein bester Freund. Ich bereue, was ich gesagt habe. Verzeih mir…”, fuhr er fort. Es war ihm egal? Skeptisch zog ich eine Augenbraue in die Höhe, konnte aber nicht verhindern, dass mein Herz gleichzeitig hoffnungsvoll zu schlagen begann. Ob er die Wahrheit sagte?
“Du bist mir wichtig, glaube mir... Sonst hätte ich dich doch nicht vor dem Tod gerettet!” Eine ganze Weile schwieg ich und dachte über seine Worte nach. Mein Blick ruhte auf seinen goldgesprenkelten Augen.
“Ich glaube dir."
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am 03.11.19 19:24
Blaue Tiefen


Das Rauschen des Wassers vor meinen Füßen umhüllte mich. Beruhigend, fast auffordernd. Ich starrte hinaus, hinaus auf meine Zukunft, die hier so schwarz-rauschend vor mir lag. Nur der Mond schillerte auf dem sonst so schwarzen Wasser, ein Pfad, der mich leiten sollte. Hinein, in das Ungewisse. Ich blickte zurück, der Wind ergriff mein Haar, als ob nun auch er mich auffordern wollte, zu gehen, mich zu trauen. Hinter mir lag meine Vergangenheit, das Gefängnis meiner Jugend: hoch reckten sich die dunklen Mauern, einst waren sie undurchdringlich gewesen, doch das Menschengemachte musste der Natur weichen und die Wellen hatten die Mauer eingerissen wie Papier. Er ruft mich. Er ist wütend, fordert seine Belohnung ein… Der Saum meines Kleides war schon durchweicht von Sand und Meerwasser, auch er zog an mir, wie der Wind im Haar, das Meer vor meinen Füßen, alles rief, rief nach mir… Meine Eltern sind schuld, aber sie haben es tun müssen, unser Dorf hatte überleben müssen. Dennoch…es fühlte sich wie Verrat an. Ich ballte meine Hände zusammen, der Schmerz meiner Nägel in der Innenfläche tat gut, er erinnerte mich, dass ich noch hier war, hier, in der realen Welt, in einer Situation, die nicht ich herbeigeführt hatte, in der ich war, weil über meinen Kopf hinweg entschieden worden war und nun stand ich hier, ein Retter meines Dorfes, doch verraten von denen, die mir vorlügten , mich zu lieben. Das Dorf hatte gehungert, die Fischer fingen nichts mehr und kamen mit leeren Netzen zu uns. Mein Vater, einflussreich unter den Adeligen, hatte eine Lösung gesucht, lange hatte er in dem Turmzimmer gesessen und gegrübelt. Was hatte sich verändert? Warum war das Meer erzürnt? Wir hatten gesucht, jeden Tag aufs Neue, bis mein Vater den letzten Schritt wagte, denn die Ratlosigkeit nagte an ihnen wie der Hunger, an den Strand ging und einige Worte sprach. Es klang wie ein Zauber, alte Formeln in einer kryptischen Sprache. Das Meer gurgelte, eine Fontaine erhob sich aus dem sonst so stillen Meer und eine Gestalt wurde in der Wassermasse sichtbar: Er sah aus, wie ein älterer Mann mit Bart und langen, grün-bläulichen Tentakeln. Mein Vater hatte den obersten Herrscher des Meeres selbst gerufen! Und sie verhandelten, der mächtige Mann zu Lande und der Herrscher des Meeres. Mich hatten sie aus den Verhandlungen ausgeschlossen, ich war das kleine Mädchen. Ich hatte sowieso keine Ahnung. Keine Ahnung hatte ich tatsächlich, was den Preis des Herrschers der Meere betraf: Mich. Vater musste zugestimmt haben, denn kurze Zeit später erblühte das Leben im Meer wie neu und der Hunger wurde gestillt, nicht jedoch das Verlangen des Meerwesens, dass seinen Preis forderte. Ich jedoch war weggesperrt worden, in meine Gemächer im Turm, nichtsahnend. Doch er hatte mich gesucht, schlimmer gewütet als der Hunger davor. Mauer, Steine und Gitter konnten die Wellen nicht aufhalten. Die Schreie der Diener, Wächter und schlussendlich meiner Eltern verstummten im Rauschen des Wassers. Stille. Doch die Botschaft war überlaut und deutlich . Er ruft mich. Er will seinen Preis. Jetzt. Nur zwei Schritte mehr und das Meer umschloss meine Hüften, verschluckte meine Beine und ließ das Kleid sich um meine Füße wickeln. Nur noch ein Stück. Dann bist du da, sein Preis. Ich ging weiter, den Blick auf die helle, blasse Scheibe am Horizont. Weiter, bis das Wasser mich vollkommen umschließt. Stille- seine Botschaft war deutlich genug.
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am 03.11.19 19:25
The Hunley



Wir schreiben das Jahr 1864, drei Jahre sind seit dem Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges vergangen...


Leutnant George E. Dixion von der Confederate States Army ließ seinen Blick über das Hafenbecken von Charlston gleiten, während er seinen Weg parallel zum Wasser fortsetzte. Auch wenn man sie nicht sehen konnte, irgendwo dort draußen lauerte die Blockadeflotte der Nordstaaten auf jedes Schiff welches töricht genug gewesen wäre den Hafen zu verlassen. 

Dixion welcher Ende zwanzig sein mochte fiel dabei durch seinen humpelnden Gang auf. Eine Folge der Verletzung an seinem rechten Oberschenkel welche er sich in der Schlacht von Shiloh vor einem Jahr zugezogen hatte.

Begleitet wurde Dixion von einem jungen Burschen, welcher etwa zehn Jahre jünger sein mochte. 

Das Ziel der beiden war eine Anlegestelle am anderen Ende des Hafens. 

Hier lag die Hunley vor Anker. 

„Da ist sie.“, verkündete Dixion und ein gewisser Stolz lag in seiner Stimme als er auf das kleine U-Boot wieß. Sein Begleiter nickte leicht und ließ seinen Blick interessiert auf der Hunley ruhen doch ließ ihm Dixion keine Zeit für Betrachtungen. Stattdessen bedeutete er ihm zu folgen.

So schnell es sein schlechtes Bein zu ließ humpelte er hinüber zu einer Lagerhalle welche direkt am Kai errichtet worden war. Die Tür aufstoßend trat er ein.


Im inneren der Halle saßen einige Männer an einem schäbigen alten Holztisch beisammen und spielten im Licht einer Öllampe Karten.

Als Dixion eintrat sprang einer der Männer sogleich auf um seinem Vorgesetzten zu salutieren. Die anderen beschränkten sich jedoch lediglich darauf ihm knapp zuzunicken und musterten stattdessen abschätzend seine Begleitung. 

„Das ist Arnold Becker.“, stellte er den jungen Mann vor:

„Unser letztes Crewmitglied.“

„Das Bürschchen?“, fragte einer der Männer mit hörbar deutschem Akzent:

„Der ist doch noch grün hinter den Ohren.“

„Er hat mehr Erfahrung zur See als du Miller.“, entgegnete Dixion:

„Im übrigen ist er ein Landsmann von dir.“

„Weist du den worauf du dich einlässt Bürschchen?“, fragte nun ein anderer. Ein Mann Namens Lumpkin dessen schiefe Nase darauf hindeutete das sein loses Mundwerk ihn schon mehr als nur einmal in Schwierigkeiten gebracht hatte:

„Hast du gehört was mit der letzten Crew der Hunley passiert ist?“

Er grinste und entblößte eine Reihe von Zahnstumpen:

„Ich war dabei als wir sie aus dem Schiff gezogen haben. Schwarz angelaufene, vom Todeskampf gezeichnete Gesichter. Das entsetzten stand noch deutlich in ihrem Blick. Und aufgequollen waren ihre Leichen. Wir mussten sie zersägen um sie heraus zu bekommen und die Marine hat extra große Särge für sie ordern müssen...“

„Jetzt mach dem Burschen doch keine Angst.“, schalt ihn der Mann zu seiner linken mit einem leichten Kopfschütteln ehe er sich direkt an Becker wandte und ihm die Hand reichte:

„Du kommst als auch von der Navy? Ich heiße im übrigen Carlson.“

Becker nickte und ergriff mit einem leichten Lächeln die ihm dargebotene Hand:

„Ja ich bin vor zwei Jahren der Marine beigetreten und habe seitdem vorwiegend auf Blockadebrechern gedient.“

„Nun da haben wir ja noch etwas gemeinsam.“, entgegnete Carlson schmunzelnd.

Dixion ließ unterdessen seinen Blick schweigend auf der bunt zusammengewürfelten Truppe aus Freiwilligen ruhen die seinem Befehl unterstand. Es war sicherlich nicht die Mannschaft die er sich wünschte, aber das beste was er bekommen konnte. Nachdem die Hunley bereits mehr als ein dutzend ihrer Besatzungsmitglieder in ein feuchtes Grab gerissen hatte, hatte die Admiralität entschieden ab sofort nur noch Freiwillige zu verpflichten. Und was diese lockte war zumeist das Abenteuer und natürlich Geld. Die reichen Plantagenbesitzer hatten hohe Prämien für jedes versenkte Blockadeschiff der Nordstaaten ausgelobt...


Zwei Tage später, am Abend des 17. Februar 1864 fand sich die Crew der Hunley erneut am Hafen ein. Die Sonne begann bereits zu sinken und malte einen rötlichen Schimmer auf das Hafenbecken.

Unter Dixions wachsamen Blick wurden die letzten Vorbereitungen für das auslaufen der Hunley getroffen. Sorgfältig inspizierte er noch einmal den Spierentorpedo, welchen Miller und Carlson vorne an der Hunley auf einer fünf Meter langen Stange montiert hatten. Nachdem er sich vergewissert hatte das alles in Ordnung war wandte er sich zu seinen Männern herum:

„Die Yankees fühlen sich dort draußen mit ihrer zahl mäßig überlegenen Flotte sicher. Doch Hochmut kommt stets vor dem Fall. Lasst uns diesen verdammten Bastarden eine Lektion erteilen die sie nicht so schnell vergessen werden!“

Die Männer grinsten zustimmend und bestiegen und kletterten an Dixion vorbei. einer nach dem anderen. in das U-Boot ehe er als letzter umständlich den Turm hinabstieg. Auch hierbei machte ihm sein Bein ein wenig zu schaffen. Sorgfältig verschloss er über sich die Luke.

Das innere des U-Bootes war mit weißer Farbe gestrichen um es etwas heller wirken zu lassen, da nur einige Kerzen den Männern ein wenig Licht spendeten. Diese hatten unterdessen ihre Plätze eingenommen. Viel Platz gab es nicht in dem Schiff. Dicht zusammengedrängt saßen sie auf der hölzernen Bank welcher am Boden des Schiffes angebracht war und jeder hatte gerade so viel Platz um seine Aufgabe zu erfüllen. Diese bestand vornehmlich in der Bedienung der Kurbelwelle welche  von den Männern per Hand angetrieben werden musste und den einzigen Antrieb darstellte über den die Hunley verfügte. Sonderlich hohe Geschwindigkeiten ließen sich damit nicht erreichen, doch hatte es den Vorteil das die Hunley beinahe völlig lautlos unterwegs war.

Und sich lautlos an ihr Ziel, den Segeldampfer Housatonic, heranzuschleichen war auch entscheidend für ihre Mission. Würde man sie zu früh entdecken wäre es der Housatonic ein leichtes vor ihnen zu fliehen oder sie vielleicht zu gar zu versenken. 

Behutsam steuerte Dixion die Hunley hinaus ins Hafenbecken. Immer wieder warf er prüfend einen Blick auf seine Taschenuhr. Spätestens alle zwanzig Minuten musste die Hunley auftauchen und durch die oberen Luken Frischluft in das Schiffsinnere lassen. Ein gefährliches unterfangen, denn nur all zu leicht konnte dabei durch unruhigen Seegang Wasser ins Schiffsinnere eindringen. Auf solche Weise war die Hunley bereits einmal gesunken...


Die Zeit schien langsam und zäh zu verstreichen während die Hunley die Bucht durchquerte. In der schmalen Mündung der Bucht, welche auf der linken von einem Festungswerk gegen eindringende Schiffe geschützt wurde, tauchte die Hunley noch einmal auf um sich mit Frischluft zu versorgen. Ab nun würden sie sich in von den Nordstaaten kontrollierten Gewässern befinden.

Sie fuhren dicht unter der Wasseroberfläche und kamen in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche um den Standort den Feindes auszumachen. Immer wieder aufs neue suchte Dixion mit dem Fernglas den Horizont nach den Silhouette der Housatonic ab. 

„Ich habe sie gefunden.“, verkündete er schließlich als er zum wiederholten male den Turm hinabkletterte und sich umgehend daran machte den Kurs zu korrigieren. Nun wo sie sich dem feindlichen Kriegsschiff näherten wuchs die Anspannung an Bord.

Plötzlich zerriss ein Warnruf über ihnen die nächtliche Stille. Eine der Wachen an Bord der  Housatonic musste sie entdeckt haben. Gleich darauf war ein Gewehrschuss zu vernehmen. Doch selbstverständlich prallte das Geschoss wirkungslos von der eisernen Haut der Hunley ab. Bisher hatte der Turm der Hunley aus dem Wasser geragt damit Dixion ihr Ziel im Auge behalten konnte doch nun begann er wieder zu tauchen. Jetzt wo ihr Ziel direkt vor ihnen lag konnten sie es nicht mehr verfehlen und er wollte kein unnötiges Ziel abgeben für den Fall das man gleich die Geschütze an Bord der Housatonic bemannte.

„Immer mit der Ruhe wir haben es gleich.“, mahnte Dixion seine Crew und tatsächlich trennten sie nur noch wenige Meter von dem Schiff. Gleich darauf spürten sie tatsächlich den Widerstand als der Spierentorpedo an der Vorderseite der Hunley gegen den Rumpf der Housatonic stieß.

„Jetzt haben wir sie.“, grinste Miller breit. Dixion nickte lediglich knapp und wies die Männer an mit voller Kraft zurück zusetzten. Sie mussten so viel Abstand wie möglich zwischen sich und ihren eigenen Torpedo bekommen. Darüber war sich jeder nur all zu gut bewusst und entsprechend legten sie sich auch ins Zeug.

Behäbig setzte sich die Hunley wieder in Bewegung. Ein dumpfes zischen war zu vernehmen als tatsächlich unweit ihrer Position ein Geschoss der Housatonic einschlug. Nur einen Moment später explodierte der Torpedo.

„Das war viel zu früh.“, war der letzte Gedanke zu dem Dixion im Stande war ehe sein lebloser Körper gegen die eiserne Wand der Hunley sank...
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am 03.11.19 19:26
Mein zweites Leben in der Tiefsee



Mich zog es heute einfach an den Strand. Der warme Sand unter meinen Füßen, das Rauschen des Meeres, wie die Wellen einbrachen. Hier fühlte man sich einfach in der Zeit gefangen. Vielleicht faszinierte mich deswegen dieser Ort so sehr. Auch wenn der Sand nicht so fein war, wie an anderen Stränden und das Meer nicht so Türkis wie in der Karibik. Es war mein Strand und mein Meer. Keine andere Seele war weit und breit zu sehen. Es regnete nicht, stürmte nicht und die Temperaturen waren angenehm. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut und die Abkühlung, die ich in kurzen Abständen an meinen Füßen spürte, ließen mich Leben. Mein Blick schweifte in die Ferne. Von hier aus war der Blick zum Horizont unendlich. Kein Schiff, kein Leuchtturm oder gar eine andere Landesgrenze war zu erkennen. Ich drehte meinen Kopf wieder nach vorne und richtete meinen Blick auf den Boden und achtete auf die bunten Steinchen im Sand und die scharfkantigen Muscheln. Ich wollte in keine davon treten, genauso wenig wie in eine Qualle, die ich vereinzelt vorfand.

Ein Geräusch weckte meine Neugier, weswegen ich meinen Kopf hob und mich neugierig umsah. Wenige Meter vor mir lag etwas im Sand. Ich konnte es nicht genau identifizieren, nur das dort etwas im Sand lag. Ich beeilte mich und konnte nun mehrere Konturen ins Auge fassen. Es war definitiv ein Mensch, der in einem Fischernetz gefangen war. Jedoch war kein Fischerboot weit und breit in Sicht. Je näher ich kam, desto mehr konnte ich erkennen und was ich dort liegen sah, ließ mich abrupt anhalten.

„Oh mein Gott.“ rief ich überrascht und ein wenig geschockt. Die wenigen Meter überbrückte ich mit großen Schritten und landete vor dem Fremden im Sand.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“ fragte ich und schaute mir den Fremden genau an. Oberflächlich schien ihm nichts zu fehlen, doch ich hatte seinen Schweif noch nicht begutachtet, weil ich nicht glauben konnte, was ich da sah. Ein Meerjungmann? Sowas sah man ja nicht alle Tage. Seine Schwanzflosse bewegte sich leicht im Wasser, was mir signalisierte, dass er bei Bewusstsein war. Ich krabbelte um ihn herum und erschreckte, als ich einen Hacken an seiner Seite entdeckte. Er hatte sich in seinen Kiemen verfangen, wie bei einem Fisch. Das sah wirklich übel aus.

„Was soll ich bloß tun?“ fragte ich mich selbst und war mit dieser Situation ein wenig überfordert. Der Mann vor mir war ruhig, als ob er gar nicht da war. Vielleicht unterdrückte er ja so den Schmerz? Wer wusste das schon. Meerjungfrauen oder eher Meerjungmann in diesem Fall, waren noch nicht erforscht, weil einfach niemand damit rechnete, dass es diese Fantasiewesen wirklich gab. Ich schluckte stark und fuhr mir durchs Haar. Immer noch saß ich da im Sand und wusste nicht, wo ich anfangen sollte.

„Kannst du mich verstehen?“ fragte ich den Mann, erwartete jedoch keine Antwort. Vielleicht konnte er ja gar nicht sprechen oder verstand meine Sprache nicht, was die Sache nur noch komplizierter machte. Der Meerjungmann öffnete zumindest seine Augen und wimmerte. Dies war auch das Geräusch, was ich wahrgenommen und mich zu ihm geführt hatte.

„Ich bin hier, um dir zu helfen.“ erklärte ich ihm und befreite ihn als erstes von dem dünnen Fischernetz. Er versuchte mir zu helfen, doch leider verhedderte sich das Netz in seinem Fischschwanz und den ganzen Schuppen.

„Ruhig. Nicht bewegen.“ bat ich ihn und legte vorsichtig eine Hand auf seinen Rücken. Dies kostete wirklich viel Überwindung, dennoch konnte ich ihn hier nicht einfach liegen lassen. Er gehörte ins Meer, genauso wie jeder andere Fisch. Als ich das Netz endlich von ihm entfernen konnte, warf ich es zu meiner Seite und wollte mich nun um den Angelhacken in seiner Kieme kümmern. Ich säuberte meine Hände an meiner Hose ab, griff vorsichtig an seinen Kopf und löste langsam den Hacken an seinem Hals. Es blutete natürlich etwas, doch der Hacken steckte nicht tief fest und somit konnte ich ihn einfach entfernen. Der Meerjungmann drehte sich zu mir herum und warf sich mir in die Arme und bedankte sich somit bei mir. Es schmeichelte mir und ich legte vorsichtig meine Arme um seinen kalten Körper. Es war einfach so ungewohnt, ein Fantasiewesen anzufassen, was man vorher nur aus Geschichten kannte. Nach der Umarmung robbte er zurück ins Meer und spülte seine Wunde sauber. Neugierig schaute ich dem Schauspiel zu und blickte ihn völlig perplex an, als seine Wunde wie von Zauberhand heilte. Danach drehte sich der Fremde wieder zu mir, nahm mich an die Hand und zog mich mit ins Wasser. Er war stärker als gedacht, weswegen ich ihm eher hinterher fiel, als dass ich lief. Außerdem wurde meine ganze Kleidung nass, doch das schien ihn nicht zu interessieren. Er ließ meine Hand los, als wir tief genug im Meer waren, er untertauchen konnte und verschwand. Seine Schwanzflosse tauchte ab und zu wieder auf, doch er entfernte sich immer mehr vom Strand, bis ich ihn gar nicht mehr sah. Ich lächelte, winkte ihm hinterher und dennoch war ich auch ein bisschen traurig. Schwer seufzend drehte ich mich um und wollte wieder zurück an den Strand gehen und meinen Gedanken weiter hinterher zu jagen, doch dann spürte ich zwei Arme um meinen Oberkörper und einen nassen Körper an meinem Rücken.

„Du bist doch noch nicht weg.“ sagte ich überrascht und drehte mich in seiner Umarmung herum und lächelte ihn freundlich an, doch der Meerjungmann hatte andere Pläne, legte seine Arme um meinen Nacken und kurz darauf seine Lippen auf meine. Ich war so perplex, dass ich erst gar nicht verstand, was er da eigentlich tat, doch dann wehrte ich mich nicht dagegen und ließ diese intime Berührung zu. Als er sich wieder von mir löste, blickte ich ihm in seine blauen Augen und bemerkte erst jetzt, dass seine Haut ein bisschen schimmerte. Er war wirklich ein außergewöhnlicher junger Mann – pardon Meermann.

„Du bist wirklich unmöglich.“ sagte ich amüsiert und streichelte ihn sanft über seine Wange.

„Leider hast du dir mit mir einen echt kaputten Menschen ausgesucht.“ fügte ich hinzu und blickte ihn entschuldigend und ein wenig traurig an. Die Hiobsbotschaft, die ich vor einem Jahr von meinen Ärzten bekam, hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Nun lebte ich im Hier und Jetzt und jeden Tag, als wäre es mein letzter. Doch das konnte dieser süße Junge nicht wissen. Wahrscheinlich verstand er auch nichts davon, was ich ihm gerade sagte, denn sein Gesicht signalisierte mir genau diese Vermutung. Der Meermann wollte mich tiefer ins Meer ziehen, doch weiter konnte ich nun wirklich nicht gehen, da ich mich so schon kaum noch auf den Beinen halten konnte. Aber vielleicht sollte ich hier und heute sterben. Gab es nichts Außergewöhnlicheres, als nach der Rettung eines Meermannes im Meer seinen Tod zu finden und von den Sirenen gefressen zu werden? Ich seufzte und folgte ihm tiefer ins Meer und tauchte auch einige Male unter, doch aus dem hübschen Mann wurde keine blutrünstige Sirene. Ein wenig beruhigt, tauchte ich mit ihm weiter unter und merkte, dass mir allmählich die Luft ausging und ich auftauchen musste. Das wir jedoch schon so tief waren, war mir gar nicht aufgefallen, was das Auftauchen nun wirklich komplizierter machte. Ich löste meine Hand von seiner und signalisierte ihm mit meinen Daumen, dass ich hochmusste und schwamm in die Richtung, doch er stellte sich mir in den Weg, umfing mich und legte seine Lippen erneut auf meine und schenkte mir den Sauerstoff, den ich zum Atmen brauchte. Kurz darauf löste er die Kleidung von meinem Körper, die mich zusätzlich beschwerten. Ich war noch nie nackt in das Meer oder gar in einen See gesprungen geschweige geschwommen.

„Was machst du bloß mit mir?“ fragte ich ihn und realisierte erst später, dass ich sprechen konnte. Ich hatte auch keine Probleme mit dem Atmen … kam das alles von diesem Kuss? War das seine Zauberkraft?

„Du hast mich befreit und mir geholfen. Ich möchte mich nur bedanken.“ sagte er und bewies mir, dass er doch sprechen konnte und mich wohl die ganze Zeit verstanden hatte, doch aus irgendeinem Grund nur unter Wasser reden konnte. Er ließ mich immer wieder völlig perplex zurück und zeigte mir immer wieder eine neue Seite von sich, dass ich nie das Interesse an ihm verlor. Er nahm erneut meine Hand und zog mich weiter tiefer. Unten am Erdreich angekommen, erkannte ich schemenhaft einen Eingang in eine andere, mir unbekannte Welt, in die mich mein neuer Meeresfreund zog. Als ich meine Augen für das Unbekannte öffnete, erblickte ich eine mir nie da gewesene Unterwasserwelt, voll mit Meerjungfrauen und Meerjungmännern, die gemeinsam mit Fischen und Meeresungeheuern Tür an Tür lebten.

„Hier lebst du?“ fragte ich ihn und schwamm weiter neben ihm her, auch wenn ich mich jetzt ein bisschen unwohl fühlte. Ich war nackt und hatte keine Flosse. Ich war ein Fremder in seiner wunderschönen Welt.

„Ja, … aber ich wollte auch mal etwas anderes sehen und dann bin ich in dieses Netz geschwommen und war gefangen. Es ist gerissen und ich wurde dann an Land gespült und traf dann auf dich. Danke nochmal, für deine Rettung, noch ein bisschen länger und ich wäre erstickt.“ erklärte er und hielt vor einer Höhle an und drehte sich mir zu.

„Du hast vorhin gemeint, dass du kaputt wärst … wie meintest du das?“ wollte er wissen.

„Ich bin todkrank und habe mich gegen den Kampf der Krankheit entschieden.“ erzählte ich und zuckte mit den Schultern. Es war ein Teil von mir, mit dem ich in der letzten Zeit klargekommen bin. Ich hatte niemanden in meinem Leben, der mich vermissen würde. Meine Eltern wollten von mir nichts mehr wissen, seitdem ich mich vor ihnen geoutet hatte, einen Freund hatte ich nicht und auch sonst war ich eher ein Einzelgänger.

„Krank? Schlimm krank? Kann man deine Krankheit nicht heilen?“ fragte der Unbekannte Mann und umfasste meine Hände und hielte diese eng umklammert fest.

„Die Chance, dass ich wieder vollkommen gesund werde, steht ziemlich schlecht. Deshalb lebe ich lieber im Hier und Jetzt und genieße den Rest meines Lebens ohne Schmerz und Reue.“ erklärte ich ihm. Er nickte und blickte mich mitfühlend an. Ich lächelte jedoch und streichelte sanft über seine Wange.

„Das ist meine Entscheidung. Ich bereue nichts, deswegen musst du dir auch keine Gedanken machen.“ sagte ich und hoffte, dass er mir glaubte und sich daranhielt.

„Hast du eigentlich einen Namen?“ fragte ich ihn aus Neugier aber auch, weil ich unser Gespräch auf andere Themen ausweichen wollte.

„Na klar! Ich wurde auf den Namen Yuval getauft.“ sagte er voller Stolz.

„Freut mich, mein Name ist Simon.“ stellte ich mich Yuval vor und blickte mich nun um. Das war immer noch ziemlich verwirrend für mich.

„Wie ist es möglich, dass ich unter Wasser atmen und sprechen kann? Hat das etwas mit dem Kuss zu tun?“ fragte ich Yuval und hoffte, dass er mir das erklären konnte.

„Ja, das kann man so sagen. Es hält jedoch nur von kurzer Dauer an. Die Tiefsee ist tückisch. Es gibt uns Meerjungfrauen und -männer aber auch Sirenen und Nixen, die euch Menschen zum Frühstück verspeisen. Ich weiß auch nicht wieso ich dir meine Welt zeige… vielleicht aus Dankbarkeit, weil du mich vor dem Tod bewahrt hast. Willst du lieber zurück?“ fragte mich Yuval und war mir dabei so nah wie vorhin bei dem Kuss. Hier schwammen die geheimen Wesen aus Legenden und Fabeln umher und ich hatte nur Augen für diesen Meerjungmann, der mir seine Welt zeigte.

„Mich hält nichts mehr in meiner Welt… aber kann ich denn so einfach hierbleiben?“ fragte ich Yuval.

„Nein, einfach ist es nicht… aber auch nicht unmöglich.“ sagte er und schwamm voraus in seine Höhle, wo er mir aus Seetang und Muscheln einen Rock bastelte, damit ich nicht vollkommen nackt herumschwamm. Danach zeigte er mir sein Zuhause. An jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken. Die Welt von Yuval war vollkommen anders als die aus der ich kam. Hier ernährten sich alle von Seegras, Algen oder Unterwasser Früchten. Fisch oder sonstiges Getier wird hier nicht verzerrt. Es gab riesige Muscheln, in denen Meerjungfrauen Schmuck herstellten oder aneinander die Haare stylten. In einer anderen Höhle wurden Rochen oder Haie verkauft, die als eine Art Reittier verwendet werden konnten. Andere vom Meeresvolk hielten Fische als ihre Haustiere. Einerseits ist es gewöhnungsbedürftig, aber andererseits auch harmonisch. Hinzukam, dass alles so farbenfroh war und man sich irgendwie sofort Wohl und Willkommen fühlt. Yuval brachte mich zum Anführer seines Volkes, der nicht wie in dem Animationsfilm in einem Schloss hauste, sondern ebenfalls in einer tiefen Höhle, die von Wachpersonal beschützt wurde. Ein wenig mulmig wurde mir dann doch, als wir durch die Gänge schwammen und kurz vor dem großen Raum anhielten.

„Lass mich sprechen.“ riet er mir und ich nickte nur und stimmte ihm somit zu. Er schwamm voraus und ich ihm hinterher. Der Anführer stellte sich als Meerjungfrau heraus, die langes blondes Haar und eine bunt schillernde Schwanzflosse hatte. Ihre Brüste waren mit Muscheln und Schuppen verziert Yuval sprach mit der Anführerin oder konnte man gar Königin sagen? Auf jeden Fall bekam Yuval die Erlaubnis mich ins Leben der Meerwesen einzugliedern. Wahrscheinlich bekam ich nie eine Schwanzflosse oder Kiemen am Hals, doch hier fühlte ich mich Wohl und mit Yuval einen neuen Freund an meiner Seite. Wir verstanden uns einfach ziemlich gut und ich muss gestehen, dass ich es mochte, wenn er mich küsste. Doch ein Kuss reichte nicht mehr, um mich in der Tiefsee am Leben zu erhalten. Die Königin braute extra für mich einen Trank, der Unter Wasser atmen und sprechen ließ. Zudem durfte ich bei Yuval wohnen und bekam einen Hai, damit ich mit ihm mithalten konnte. Muscheln verdiente ich, indem ich die riesigen Muscheln der Verkäuferinnen reinigte und pflegte. Mein Leben hatte sich verändert und ich genoss es einfach. Yuval half mir zu vergessen auch, dass ich irgendwann starb und ihn alleine zurück ließ
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:26
Das verschollene Volk


Ich tauche sehr gerne. Denn Unterwasser ist es still, keine lauten Autos, nerviges Gebrabbel von Radios, aufdringliche Werbung oder anstrengende Menschen. Immer wenn ich meinen Kopf untertauche, fühle ich mich frei von meinen Sorgen, kann ich meine Gedanken ordnen und bin zufrieden mit mir selbst. Manchmal erscheint auch eine leise Melodie in meinem Kopf. Sei es eine bekannte, oder eine völlig neue. Am liebsten würde ich gar nicht wieder auftauchen. Ich könnte für immer hier unten bleiben... Doch ich hänge auch an meinem Leben, schließlich ist ja nicht alles Schlecht. Aber ich brauche eben manchmal meine Auszeit in dieser Ruhe, um wieder runter zu kommen und meine Seele zu heilen.
Meine Lunge begann, sich zusammen zu ziehen und zu weiten, was ein wenig schmerzhaft war, da ich meine Atemwege fest verschlossen hatte und mein Zwerchfell somit immer Über- und Unterdruck im Wechsel verursachte. Ich war also gezwungen, aus meinem Ruhepool zu gehen, um nach Luft zu schnappen. Mittlerweile schaffte ich es, 5 Minuten lang die Luft anzuhalten, da ich nahezu täglich tauchen ging. Und wenn es in meiner Badewanne sein musste. Wobei ich diese sogar dem Schwimmbad vorzog. Denn zu Hause war es nach dem Auftauchen nicht immer so laut, weil man nicht von so vielen Menschen umgeben war. Schreiende und Lachende Kinder, rege Unterhaltungen der älteren Damen und das Spritzen vom Wasser nach einem Sprung vom Turm. Einmal wurde ich sogar von einem "netten Samarita" bereits nach zwei Minuten gestört und aus dem Wasser gezogen, weil er der Meinung war, dass ich ertrinken würde... Es gab nur ein kleines Zeitfenster, indem man das meiste davon umgehen konnte... Und da hatte ich eben auch nicht immer Zeit. Schließlich war ich kein Arbeitsloser, der sich den Tag einteilen konnte, wie er wollte. Und obendrein kostete ein Schwimmbad immer Eintritt. Klar das Wasser in der Badewanne kostete auch etwas, aber es war immer noch billiger, als die 3,50€ Eintritt. Eine Jahreskarte oder ähnliches würde sich bei mir nicht lohnen, da ich häufig meine Sachen irgendwo verlor oder liegen ließ. Ich war eben etwas zu sehr verträumt, vor allem, wenn ich gerade tauchen gewesen war.
Ich hielt mich am Badewannenrand fest und legte den Kopf in den Nacken und ließ ihn etwas auf dem Wasser treiben. Meine Hände und Füße waren bereits sehr schrumpelig geworden, weil ich mal wieder so lange hier drin verweilte. Meine Mutter hatte schon immer Probleme gehabt, mich wieder aus dem Wasser zu bekommen, wenn ich einmal drin war. Das hatte sich jetzt, wo ich alleine wohnte, nicht wirklich geändert.
Mit einem tiefen seufzen zog ich mich aus dem mittlerweile pupswarmen, ja schon fast kalten Wasser heraus, stieg über den Wannenrand und griff nach dem Handtuch. Das war auch einer der wenigen Nachteile, nach dem Tauchen. Ich hatte nicht nur mein Gehör wieder, sondern es war auch noch kalt, wenn ich noch nass war. Ich beeilte mich also mit dem Abtrocknen und rieb mir grob über die Haare. Das Wasser ließ ich abfließen, sah noch kurz dem sich bildenden Mini-Strudel ins Auge, zog mir die bereit gelegte Wäsche an und stellte das Bad Fenster auf Kipp.
Es war bereits früher Abend, doch für mich hatte der Tag gerade erst begonnen. Naja fast. Ich war auch schon seit ein paar Stunden wach, war einkaufen und habe all das erledigt, was man mitten in der Nacht oder den frühen Morgenstunden nicht mehr machen konnte, weil alles geschlossen war. Aber in einer halben Stunde musste ich los, zu meiner Arbeit. Ich war DJ und legte in verschiedenen Nachtclubs oder bei Events auf. Daher der verschobene Tagesrhythmus. Musik hatte mich schon immer fasziniert und es hatte mir auch schon immer Spaß gemacht, welche zu produzieren. So wurde die Musik zu meinem Beruf. Wer bisher dachte, dass ich ein Sportschwimmer oder Taucher von Beruf wäre, irrt sich gewaltig. Schließlich mache ich meinen Ruhepol doch nicht zum Beruf. Dann hätte ich ja gar keine Ruhe mehr!

Der Abend in dem Nachtclub war nicht außergewöhnlich hyped, wie es bei Festivals der Fall war, dennoch hatten die Kunden ihren Spaß, das konnte man deutlich sehen und man spürte es auch an der Atmosphäre. Es war also mal wieder ein erfolgreicher Abend! Zufrieden packte ich meine Sachen auf meiner Minibühne zusammen, als auch der letzte Gast am Gehen war, da der Club nun schloss. Es war bereits 4h in der Früh. Und ich war heilfroh, dass ich bereits Führerschein und Auto hatte und nicht mehr wie zu Schulzeiten auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen war. Denn im "ersten" Bus oder Bahn fuhren immer die Schnapsleichen mit. Bah! Die konnte ich so gar nicht riechen. Ich rätselte hin und wieder, wie man sich nur so dermaßen abschießen konnte... aber ich habe mir angewöhnt, solche Gedanken immer gleich in den geistigen Papierkorb zu verschieben, da ich eh keine zufriedenstellende Antwort aus meinem Kopf erhalten würde.

Ich war gerade fertig mit zusammen packen, da kam ein Mädchen mit hellblonden Haaren auf mich zu. Sie lächelte und hob die Hand zum Gruß. Ich kramte in meinem Gedächtnis, doch ich erinnerte mich nicht am ihr Gesicht. "Äh, hi. Kennen wir uns?“, fragte ich also etwas verunsichert, als sie nur noch wenige Schritte entfernt war. Sie schüttelte darauf hin den Kopf und antwortete mir, immer noch freundlich lächelnd. "Nein tun wir nicht. Aber ich fand dich heute Abend echt klasse. Du komponierst auch selbst, kann das sein?“ Mir froren für einen Moment die Gesichtszüge ein. "Eh ja. Woher wusstest du das?", fragte ich sie erstaunt. Sie begann zu grinsen und in ihrer Stimme schwang ein Fünkchen Stolz mit. "Ich habe schon so gut wie jedes Lied dieses Genres mehrfach gehört und habe bemerkt, dass du sehr viel Talent im Mixen hast, vor allem die Drops sind dir sehr gut gelungen. Es klang alles sehr harmonisch und fetzig, man musste einfach dazu tanzen. Und ich meine, zwei, drei Tracks gehört zu haben, die ich sonst nirgends gehört hatte und die bei dem geilen Sound definitiv bekannt gewesen wären. Also dachte ich an eine Eigenkreation."
Mir stieg zugegeben ein wenig die Röte ins Gesicht und ich musste Schmunzeln. "Wow, das ist ziemlich viel Lob. Aber du musst auch nicht gerade wenig Ahnung von Musik haben, wenn du das so sicher heraus hören kannst." Wieder kam ein breites Grinsen von ihren Lippen. Dann kramte sie mit ihren Händen in ihrer Tasche und zog eine grüne Münze mit einem viereckigen Loch in der Mitte hervor und drückte sie mir in die Hand. "Als kleines Dankeschön. Ich hatte lange nicht mehr so einen tollen Abend!" Mit diesen Worten machte sie auf dem Absatz kehrt und verließ den Club, ehe ich ihr etwas entgegnen konnte. Diese Münze sah nämlich nicht aus, als wäre sie einfach nur voller Grünspan. Nein, das Grün sah gewollt aus. Ich betrachtete sie näher und erkannte feine Gravuren und Muster darauf. Doch ich konnte es nicht entziffern. Diese Münze sah wie eine Antiquität aus! Rasch verstaute ich sie in meiner Hosentasche. Wer weiß wie viel das Ding wert war? Nicht dass es mir noch geklaut wurde. Das Mädchen war jedoch bereits verschwunden. So eine wertvolle Münze konnte ich doch nicht annehmen, verdammt!
Ich verließ mit meinem Equipment nun auch den Club und lud es in meinen Kofferraum, wo es auch bis zum nächsten Gig bleiben würde.

Wieder zu Hause angekommen wärmte ich mir eine Tüte Fertigfraß auf und hatte somit mein "Abendessen"... um kurz vor Fünf Frühs... Neugierig holte ich nachdem ich fertig mit essen war, die grüne Münze aus meiner Tasche und betrachtete sie erneut genauer. Hier war das Licht deutlich besser als in dem schließenden Nachtclub, was die Gravuren deutlich leichter zu erkennen machte. Doch was dort stand sah aus, als wäre es chinesisch, also brauchte ich gar nicht erst zu versuchen, sie zu entziffern. Ob das Ding aus Jade war, weil es eine so gründliche Farbe hatte? Zumindest war Jade das erste, was mir zu Grünem Material mit asiatischen Gravuren einfiel. Ob vielleicht ein Museum oder ein Antiquitätenhändler diese Zeichen übersetzen könnte? Aber aus irgendeinem Grund, hielt ich das für keine so gute Idee... Es war, als sollte niemand von der Existenz dieser Münze erfahren. Schon eigenartig, dass mir solche Gedanken kamen... Vielleicht war sie ja wirklich von unschätzbarem Wert und die Personen, denen ich sie zeigte würden alles dran setzen, um sie in die Finger zu bekommen? Wie in so einem 0815 Action-Film! ... Naja... Selbst wenn es nicht zu Auftragskillern kommen würde, wäre die Auslegung des Gesetzes von Kredithaien schon Nerven raubend genug. Vermutlich stand eh nur sowas banales wie "Glück" oder "Schicksal" auf so einer Münze. Oder aber die Ära in der sie gestanzt worden war. In beiden Fällen nicht unbedingt interessant und den Aufwand nicht wert, wie ich durch das lange Nachdenken schlussfolgerte.
Dennoch fand ich sie hübsch. Und das Mädchen hatte sie gewiss als Glücksbringer gedacht. Also Band ich einen dünnen Lederstreifen durch das Loch der Münze, wie man es für Ketten benutzte, und wollte sie gerade an meinem Schlüsselbund befestigen, als mir der Gedanke kam, dass sie ja vielleicht zerkratzt werden könnte. Also machte ich mir kurzerhand doch eine Kette daraus, die ich unter meinem T-Shirt-Kragen verschwinden ließ. So war die Chance auch deutlich geringer, dass ich sie verlor oder irgendwo liegen ließ.

Einige Tage waren vergangen, seit ich meinen neuen Glücksbringer überall hin mit nahm. Natürlich unter der Kleidung, dass sie niemand sah. Ich hatte sie mittlerweile ziemlich gern. Doch das Mädchen, die sie mir geschenkt hatte, habe ich seitdem nicht noch einmal getroffen. Zumindest dachte ich, dass ich sie in dieser Großstadt nicht mehr so schnell wieder sehen würde. Doch als ich an meinem Freien Tag zur Abwechslung mal wieder ins Schwimmbad gegangen war, traf ich tatsächlich auf sie. Es war früh am Morgen, das Schwimmbad hatte gerade erst aufgemacht und es waren bis auf zwei, drei Rentner eigentlich keine Menschenseele da. Ich verschwand im Nichtschwimmerbecken, um dort zu tauchen. Das Schwimmerbecken war zwar tiefer, jedoch drehten dort die Rentner stur ihre Runden.

So ließ ich meinen Tag gerne ausklingen, denn ich war natürlich seit dem Vorabend wach. Da blickte ich auf einmal in ihr Gesicht, als ich nach über 5 Minuten wieder auftauchte. Sie hatte am Beckenrand auf mich gewartet, denn ihr Blick war auf mich fixiert und die Abdrücke an ihren Unterarmen deuteten darauf hin, dass sie bereits seit ein oder zwei Minuten mindestens dort gestanden und sich abgestützt hatte. "Hi. Dich kenne ich doch.", grüßte ich sie und wischte mir mit meiner Hand die Wassertropfen aus den Augen.
Wieder begrüßte sie mich mit ihrem Grinsen. "Hallo. So sieht man sich wieder. Wenn ich nicht wüsste, was du beruflich machst, könnte man glatt denken, du wärst ein Frühaufsteher." Ich musste zurück Grinsen. "Joa, kann man so sagen, haha. Und was treibt dich so früh hier her?"
Lächelnd deutete sie auf ihre Kappe, auf der der Name des Schwimmbads stand. "Ich arbeite hier. Als Bademeister." Mit einer weiteren Handbewegung deutete Sie auf den Hochsitz einige Meter weiter weg, indem normalerweise die Badeaufsicht saß und in dem sie wohl allem Anschein nach bis eben noch gesessen hatte. "Du kannst ziemlich lange die Luft anhalten. Ich dachte schon, du tauchst gar nicht mehr auf. Wie heißt du eigentlich? Ich bin Elvira.", stellte sie sich vor und reichte mir die Hand, die ich höflich entgegennahm. "Interessanter Name, die alten sind wohl wieder im Kommen. Ich heiße Robin. Tja, wüsstest du nicht um meinen Beruf, könnte man denken ich wäre Abnoe-Taucher und würde trainieren. Aber es ist einfach nur ein Hobby, schon seit ich ein Kleines Kind war.", erklärte ich scherzend. "Du tauchst wohl wirklich sehr gerne. Dann warst du doch bestimmt auch schon mal am Meer und bist dort Tauchen gegangen. Hast dir die ganzen Korallenriffe angesehen und bist mit Delfinen geschwommen?!", fragte sie enthusiastisch. Doch ich musste zur Antwort etwas betrübt den Kopf schütteln. "Leider nein. Ich würde wirklich gerne mal ans Meer, aber bisher hat es sich entweder zeitlich oder vom Geld her nicht ergeben. Und meine Eltern waren eher ein Fan von Wandertouren in dem Bergen Zumindest mein Vater und meine Mutter hat sich immer nach seinen Wünschen gerichtet. Wir sind zum Urlaub also noch nie ans Meer gefahren.", erklärte ich ihr
Sie schien tatsächlich ein wenig verwundert über meine Antwort zu sein, doch im nächsten Moment hellte sich ihr Gesicht auf, fast so, als wäre ihr gerade eine Idee gekommen. "Hey, weißt du was? Ich kenne da einen kleinen See. Da geh ich manchmal heimlich baden. Der ist echt voll schön. Der hat total klares Wasser, und wenn du mich fragst, ist das Tauchen dort fast genauso schön wie im Meer. Wenn du magst, kann ich dich mal hinbringen. Wann hättest du denn das nächste Mal Zeit?", fragte sie frei heraus.
Ich muss zugeben, damit nicht gerechnet zu haben, denn genau genommen kannten wir uns gar noch nicht so wirklich. "Ähh... Okay... Also zufälligerweise habe ich heute meinen freien Tag, beziehungsweise Abend. Der nächste ist erstmal nicht in Sicht, außer Montags und Dienstags. Das ist sozusagen mein Wochenende, aber da muss jeder normale Mensch arbeiten." Freudig klopfte Elvira mir auf die Schulter. "Na wie gut, dass heute Sonntag ist! Also heute Abend? Ich arbeite heute zwar nur bis Nachmittags, aber wir könnten uns hier vorm Schwimmbad treffen und von hier aus gemeinsam los fahren. Ich fahr uns!“ Fröhlich stimmte ich ihr zu. Irgendwie freute ich mich schon auf den Ausflug, vor allem aber, weil ich an einem neuen Ort tauchen können würde, den ich erst mal entspannt auskundschaften konnte! Also, Unterwasser natürlich. Das drum herum war mir relativ egal, sofern es nicht wie eine Müllhalde aussah und oder roch.
"Okay, cool. Was hältst du von 19 Uhr?", fragte ich sie noch. Sie gab mir einen Daumen hoch und kommentierte diesen mit einem "Nice." Dann erhob sie sich wieder aus ihrem Armstütz über den Beckenrand. "Ich muss jetzt wieder aufs hohe Ross. Bis heute Abend dann." Mit diesen Worten ging sie wieder zurück auf den Hochstuhl zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und winkte mir zuletzt noch zu, ehe sie die Augen über die beiden Rentner schweifen ließ.
Ich tauchte entspannt weiter und hatte gerade irgendwie tierisch Lust, einen neuen Rekord für mich aufzustellen, weshalb ich absichtlich so lange wie möglich unter Wasser blieb und das Ganze mehrfach wiederholte. Doch langsam wurde ich müde, schließlich hatte ich eben erst einen Gig hinter mir und war schon seit 18 Uhr wach und es ging bereits auf 9 Uhr zu. Normalerweise ging ich auch zwischen 10 und 11 Uhr ins Bett, aber manchmal wurde ich eben schon etwas früher müde. Heute war wohl wieder so ein Tag. Außerdem wollte ich für den Ausflug heute Abend ausgeschlafen sein.
Ich verließ also das Becken, dusche mich kurz ab, verabschiedete mich mit erhobener Hand aus der Ferne von Elvira und ging zu den Umkleiden.

Ich fiel in mein Bett, als ich mein Zimmer betrat. Die Münze war wieder als Kette um meinem Hals gelandet und ich spielte ein wenig mit ihr zwischen meinen Fingern, während ich langsam vor mich hin döste und schließlich ganz einschlief. In voller Montur... Normalerweise schlief ich immer in Unterwäsche, außer im Winter, da hatte ich noch ein T-Shirt oder Top drüber. Aber dafür hatte ich dieses Mal die Decke auch unter mir begraben, anstatt mich damit zu zu decken, weshalb ich wohl auch keinen Hitzeschlag erlitten hatte. Zumindest hatte ich keinen dieser Fieberträume. Aber wo wir gerade von Träumen reden... Ich hatte noch nie vom Fliegen geträumt, wie es so manch anderer aus meinem Freundeskreis oder in der Schule damals öfters erlebt hatte. Stattdessen träumte ich immer nur von Musik oder dem Tauchen. Sofern ich mich an meine Träume erinnerte.
Während ich mal wieder vor mich hin philosophierte, wechselte ich meine Kleidung und zog meine Badesachen direkt unter die frische Kleidung. Die Münze war natürlich auch wieder unter meiner Kleidung gelandet. Ich musste meine Ersatz-Badesachen nehmen, da ich vor lauter Müdigkeit verpeilt hatte, meine zuvor benutzte, auf den Wäscheständer zu hängen, was ich nun nachholte. Zum Glück hatte ich meinen Wecker noch nicht abgestellt, weshalb er mich rechtzeitig für den Ausflug geweckt hatte.
Ich checkte noch einmal meine Tasche, die im Grunde immer mit dem wichtigsten gefüllt war und fügte meine Taucherbrille und ein paar Snacks hinzu. Dann verließ ich die Wohnung, denn es war bereits halb sieben. Und da sie mir das Auto angeboten hatte, wäre es unnötig, für die kurze Strecke meines mit zu nehmen. Also lief ich zu Fuß zum Treffpunkt.

Gute Zwanzig Minuten später war ich auch schon angekommen. Und Elvira wartete sogar schon auf mich. Nach einem herzlichen Gruß setzten wir uns in ihr Auto und fuhren zu ihrem geheimen See. Unterwegs verfielen wir natürlich etwas in Smalltalk. Auch zeigte sie mir einige ziemlich gute Tracks aus ihrer Playlist und ich ihr welche aus meiner. Alles in allem stimmte die Chemie und sie war mir eine angenehme Zeitgenossin, wenn auch die Umstände unseres ersten Treffens vielleicht etwas anders waren, als man es sonst kannte. Wenn da nicht ihre sympathische Ausstrahlung gewesen wäre, hätte man sie vermutlich für einen psychisch kranken Fan halten können, der seine Idole stalkt. Na gut, vielleicht doch nicht so extrem.
An ihrem besonderen Ort angekommen, parkte sie am Ende des dünnen Waldpfades, auf dem wir die ganze Zeit über entlang getuckert waren. Noch konnte ich jedoch keinen See entdecken. "Ab hier müssen wir einige Hundert Meter zu Fuß weiter. Ist aber nicht weit.", klärte sie mich dann auf, als sie wohl mein fragendes Gesicht gesehen hatte. Also nahmen wir unsere Taschen aus ihrem Auto mit und machten uns auf den Weg quer durch den Wald.
Es musste wirklich ein unbekannter Ort sein, denn wir waren auf keinem Trampelpfad oder Schotterweg unterwegs, sondern im dichten Wald auf unebenen, mit Gras, Moos und anderen Sträuchern überwachsenen Boden. Ich kannte mich mit Pflanzen nicht wirklich aus, aber den Waldmeister, der hier und da in kleinen Flecken auftauchte, erkannte ich. Es wurde langsam Dunkel während wir an steileren Abhängen herunter und an einem Rinnsal von Bach vorbei liefen, bis wir an einer Felsformation stehen blieben, die offenbar eine kleine Höhle war, denn in dessen Mitte befand sich ein schwarzes, gähnendes Loch.
"Hier rein?", fragte ich etwas verunsichert. Denn eine Höhle war etwas ganz anderes, als ein See... Obendrein war die Abenddämmerung bereits dabei, einem Nachthimmel zu weichen, was die ganze Situation nicht gerade besser machte. Hatte ich mich von ihrer freundlichen Art etwa doch reinlegen lassen und sie würde sonst was da drinnen mit mir anstellen wollen? "Ja. Der See ist in dieser Höhle, deswegen und weil er noch nicht entdeckt wurde, ist er auch noch nicht so verschmutzt, wie die anderen Seen auf der Welt. Keine Angst, ich habe Knicklichter dabei!", versicherte sie mir, kramte in ihrer Tasche und warf mir eines der besagten Stäbchen zu. Ich fing es beinahe mit einer Hand, doch dann musste ich mich doch danach bücken. "Warum grinst du eigentlich immer so viel?", fragte ich dann aus einer Laune heraus, denn sie tat es schon wieder. "Schadenfreude ist die größte, denn sie kommt von Herzen.", konterte sie kess. “Scherz. Ich bin eben gut drauf, darf ich nicht?" Ich zuckte lachend mit den Schultern. Dieses Mädchen wollte ganz sicher nichts Böses. "Haha, klar doch. Nur tust du, seit dem Abend im Club, nichts anderes... Egal, lass uns gehen.", fügte ich an und machte den ersten Schritt auf den Eingang zu. Elvira machte in der Zwischenzeit ihr eigenes Knicklicht an und schloss zu mir auf.

Die Höhlenwände waren erstaunlich glatt und der Boden ziemlich eben, dafür, dass es eine natürliche Höhle war. Zumindest ging ich davon aus. Ich schwenkte mein Knicklicht ein wenig umher, doch in dieser Höhle war außer den Felswänden rein gar nichts. Doch schien der Stein an den Wänden leicht matt zu glänzen, wenn ich mein Licht näher brachte. Wir liefen nun schon einige Minuten durch den dunklen Gang, bis die Wände und die Decke sich zu einem Raum zu Weiten schienen. Dieser Raum, war allerdings deutlich größer, als zuerst gedacht. Ebenfalls waren nun Veränderungen in der Beschaffenheit der Umgebung zu erkennen. Von der Decke hingen hier und da kleine Stalaktiten, doch dazu keine Stalagmiten, denn direkt unter den spitzen Felsen hoch an der Decke, erstreckte sich eine große Fläche Wasser. "Na? Hab ich zu viel versprochen?", fragte mich Elvira neckend. Ich nickte jedoch nur, denn mir hatte der Anblick für die ersten Momente die Sprache verschlagen. “So. Schön. Das nenne ich Natur!“, kam es dann doch aus mir heraus. Elvira kicherte und kramte ein weiteres Knicklicht aus ihrer Tasche und warf es auf die seichte Wasseroberfläche, wo es wenige Zentimeter darunter zum liegen kam. "Das Wasser fängt vielleicht etwas seicht an, aber das ändert sich schnell. Komm schon!", waren die Worte die sie mir zu rief, als sie ihre Tasche ablegte und sich ihrer Kleidung entledigte. Darunter hatte sie natürlich genauso wie ich, ihre Badesachen an. Mit einem Grinsen voller Vorfreude tat ich es ihr nach und folgte ihr ins kalte Nass, das Knicklicht hoch erhoben. Als wir bis zur Hüfte im Wasser standen drehte sich Elvira plötzlich zu mir um. "Etwa ab dort musst du aufpassen, da wird es plötzlich tief.", sie deutete auf die Wasseroberfläche wenige Armlängen vor uns und wandte mir dann ihr Gesicht zu. Ich nickte zum Zeichen, dass ich verstanden hatte und wollte etwas erwidern, als sie mir zuvor kam. "Hey, du hast ja eine Kette aus meiner Münze gemacht! Schick! Steht dir.", kam es von ihr gefolgt von einer Daumen-Hoch-Pose und einem Zwinkern. Ich musste Lachen.
Doch erst durch ihr Hinweisen war mir überhaupt aufgefallen, dass ich ganz vergessen hatte, sie abzulegen. "Oh! Ich ziehe sie eigentlich immer aus, damit kein Wasser darauf kommt. Du hast mir übrigens eine Antiquität geschenkt! Denke ich mal. Bin noch nicht dazu gekommen, es verifizieren zu lassen. Oder besser... ich wollte nicht."
Elviras Gesichtsausdruck wurde kurz verwirrt, ehe er zu einem Aha wechselte. Auch wenn ich bis dahin noch nicht verstand, dass dies mehr zu bedeuten hatte, als ich je hätte annehmen können, sollte ich es kurze Zeit später erfahren. "Freut mich, dass dir die alte Münze so viel Wert ist, aber ich glaube nicht, dass etwas Wasser groß etwas anrichten kann. Also behalt sie ruhig an. Wäre umständlich, jetzt noch umzudrehen.", erklärte sie dann. Doch ich selbst hätte kein Problem damit gehabt, für die Münze noch einmal schnell aus dem Wasser rauszugehen. Aber irgendwie erschien mir Elvira gerade etwas ungeduldig, also vertraute ich ihrer Behauptung und ließ sie an meinem Hals hängen.
Elvira ließ sich ganz ins Wasser gleiten und tauchte unter die Wasseroberfläche. Ich zog meine Taucherbrille über, ging einen Schritt nach vorne und tat es ihr gleich. Das Knicklicht in meiner linken Hand erleuchtete schwach den Boden vor mir. Doch plötzlich wurde der Sichtbereich größer, als würde ein viel helleres Licht durch das Wasser scheinen. Ich bemerkte, dass die Quelle von mir ausging, oder besser, der Münze um meinen Hals, wie ich mit eigenen Augen feststellen musste. Leicht schockiert griff ich danach, doch im nächsten Moment drehte sich alles um mich herum. Als wäre ich in eine starke Strömung geraten, wurde ich mitgerissen.
Panisch suchten meine Augen nach Elvira, als mich plötzlich Hände von hinten an den Schultern packten. Vor Schreck öffnete sich mein Mund und es stiegen Luftblasen nach oben, oder zur Seite? Ich wusste nicht mehr wo oben oder unten war. [color]"Hab keine Angst. Und genieße die Show!"[/color], rief eine dumpfe Stimme an mein Ohr. Es war eindeutig Elviras Stimme! Doch wie konnte ich sie hier unten so deutlich verstehen?! Mir blieb jedoch keine Möglichkeit, genauer darüber nachzudenken, denn das Licht löste sich von meiner Halskette und bildete das Zentrum des Strudels, in den ich gerade gesogen wurde. Das Wasser um mich herum wurde immer bunter und hier und da waren einige Luftblasen mit untergemischt.
Mir wurde langsam aber sicher Schwindelig und die Luft in meinen Lungen war langsam verbraucht. Und das bedeutete, dass ich bereits seit mindestens 4 Minuten hier drin war! Denn ein bisschen Sauerstoff hatte ich durch den Schrecken ja leider verloren und die Panik war uach nicht gerade sauerstoffsparend... Doch dann schien sich der Wirbel endlich allmählich zu beruhigen und mein Körper kam langsam wieder zum Stillstand. Vor meinen Augen drehte sich die Umgebung jedoch noch ein wenig, wie die Wand, die man ansah, nachdem man zwei Minuten am Stück starr auf eine sich drehende Spirale gestiert hatte. Es war sehr dunkel hier unten, aber es war ja auch schon spät am Abend. Dennoch meinte ich, ganz verschwommen in der Umgebung vor uns einige Lichter erkennen zu können.

"Ich hoffe, dir ist nicht schlecht geworden?... Komm mit, dort wirst du atmen können.", fuhr die fort, nachdem ich gegen den Wasserwiderstand den Kopf schüttelte und zog Elvira mich die wenigen Meter zum Boden. Die Blondhaarige schwamm schräg vor mir her, mein Handgelenk fest umschlossen. Erst jetzt fiel mir auf, dass sich zwischen Ihren Fingern Schwimmhäute befanden. Und ihr Handrücken von kleinen Perlmuttfarbenen Schuppen gesprenkelt war. Wir bewegten uns auf eine Art riesige Luftblase zu. Ich hatte die dünne "Wand" erst bemerkt, als ich bereits einen Fuß hindurch gesetzt hatte.
Ich konnte wieder Luft holen! Doch mir war immer noch, als befände ich mich Unterwasser. Aber irgendwie auch nicht. Als wäre das Wasser weniger dicht. Ich konnte es nicht anders beschreiben, aber ich fühlte mich hier drin, als wäre ich etwas leichter und gleichzeitig, als hätte ich beim Bewegen Wasser um mich, dass mir alles erschwerte, nur eben nicht so schwer, wie ich es eigentlich von Wasser gewohnt war.
Elvira begann zu kichern, als sie meinen verwunderten Gesichtsausdruck in Kombination mit meinem Gefuchtel mit meinen Armen sah, die ich machte, um die mich umgebende Substanz zu testen und vergebens irgendwie einzuordnen versuchte. Leicht beleidigt wandte ich mein Gesicht zu ihr. Ihr Aussehen, dass ich nun das erste Mal, seit dem Strudel genauer betrachten konnte, verschlug mir jedoch die Sprache. Es war jetzt nicht der Fall, dass sie auf einmal ein Fisch geworden war oder irgendwie monströs aussah, aber ihre Haut schien deutlich blasser und eine Art glänzenden Film zu haben und an ihrem Hals waren tiefe Einschnitte, die wie Kiemen aussahen, zu erkennen. Was sie in gewisser Weise schon wie einen Fisch wirken ließ. Aber bis auf ihre schuppige Haut, die Kiemen und die Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen, sah sie unverändert aus.
"Entschuldige. Ich musste nur gerade an meine erste Ankunft hier denken. Ich sah vermutlich genauso dämlich in den Augen meines Begleiters damals aus... Aber ist jetzt nicht so wichtig. Ich habe dir einiges zu erklären und du vermutlich einen Haufen Fragen. Aber hör mir bitte zuerst zu. Ein großer Teil deiner Fragen wird sich so nämlich von selbst beantworten.", erklärte sie mir lächelnd und nahm mich bei der Schulter. Ich nickte stumm. Ich war gerade ohnehin regelrecht überflutet mit Fragen, weshalb ich eh keine ordentlich formuliert aus meinem Mund bekommen würde. Wir liefen durch die wasserartige Substanz und ich beobachtete meine Umgebung durch die Taucherbrille. Ich war versucht, sie abzusetzen, doch ich traute mich noch nicht. Es fiel mir allerdings auch ein wenig schwer, Elvira zuzuhören und mich gleichzeitig nicht von dem Anblick, der sich mir bot, überwältigen zu lassen. Es war zwar Dunkel, doch schwebten einzelne Lichter durch die uns umgebende Substanz, fast wie leuchtende Quallen. Nur, dass sie nicht wie Quallen aussahen, sondern einfach nur eine Lichtquelle waren, ohne einen dazu gehörigen Körper oder Form. Diese vielen kleinen Lichter waren auch nicht gerade schwach, sie reichten locker aus, um unsere Umgebung ausreichend zu beleuchten.

Wir befanden uns in einem riesigen Korallenriff mit unzähligen Muscheln, die nicht gerade klein waren. Ich wusste nicht einmal, dass es so große Muscheln geben konnte! Vor uns erhoben sich Lachsfarbene Säulen aus dem Riff die einen Weg säumten. Am Ende dieses Weges waberte ein großes, nein gigantisches Gebäude in derselben Farbe vor meinem Gesichtsfeld. Die wasserartige Substanz verzerrte die Dinge in der Ferne etwas. Hier und da konnte man einen Schwarm Fische an der Grenze zum „echten Wasser“ erkennen, doch kein einziger schwamm in dieser atembaren Substanz...
Elvira erzählte mir, dass wir im Wasserdrachenpalast auf dem Meeresgrund waren und dass wir durch eine Meerjungfrauenquelle mit Hilfe der antiken Münze hier her gelangt waren. Hätten wir die Münze nicht gehabt, hätte sich der Durchgang nicht geöffnet und wir hätten in einem normalen Gewässer in einer Höhle gebadet. Die Münzen werden hier im Palast hergestellt, damit die Bewohner des Riffs in die Menschenwelt reisen können. Denn auf der Welt verteilt gibt es unzählige dieser Quellen, die mit diesem Ort verbunden sind. Ich war von dem Palast, dem wir nun unmittelbar gegenüber standen, überwältigt. Die Wachen an der großen Pforte, wiesen dieselben Merkmale wie Elvira auf, nur trugen sie äußerst exotische Kleidung, die wie Seide um sie gelegt war und in der Reflexion des Sonnenlichts auf dem Meeresgrund glänzte. Die Pforte selber, welche aus riesigen Schieferplatten bestand, die mit Muscheln, Korallen und Perlen verziert waren, öffnete sich langsam und nahezu Geräuschlos, als die Wachen in ein Horn bliesen. Wir wurden wohl erwartet... Denn es hatte ein einziges Nicken von Elvira als Gruß gereicht, dass die Wachen beiseite traten und uns hindurch ließen.
"Übrigens eine Gute Idee, die Taucherbrille aufzulassen. Ich hatte keine, als ich das erste Mal hier her kam. Ich musste die ganze Zeit blinzeln, weil die Wasseressenz nicht wirklich verträglich für menschliche Augen ist. Sie ist zwar auch nicht schädlich, aber eben etwas unangenehm. ...Aber egal! Der Grund warum ich dich hier her gebracht habe, ist nicht, weil ich diesen Ort unbedingt jedem zeigen möchte, sondern weil du hier her gehörst. Ich weiß, das klingt komisch, aber lass es mich doch zuerst erklären! Also, vor einigen Generationen drohte diesem Ort großes Unheil. Aber nicht durch einen Feind, sondern eher durch eine Art Naturkatastrophe. Es wurde zwar physisch kein großer Schaden angerichtet, doch dieses Gebiet wurde für ca 50 Jahre unbewohnbar. Weshalb die Bewohner geflohen sind und sich andere Orte zum Leben suchen mussten. Jetzt, wo hier wieder Leben möglich ist, will die Wasserdrachenprinzessin das Volk wieder vereinen. Doch viele haben sich in der Welt der Menschen heimisch gemacht, dort eine Familie gegründet, sich mit dem menschlichen Blut vermischt und ihre Heimat vergessen oder einfach aufgegeben. Denn anfangs war sich niemand sicher, ob dieses Riff sich jemals wieder erholen könnte." Ich konnte nicht anders, als sie ungläubig anzusehen. Meinte sie mit „Wasseressenz etwa diese uns umgebende Substanz? Egal, sie sagte, ich sollte mir meine fachlichen Fragen aufheben... "Und du glaubst, ich wäre aus einer dieser Familien?!"

"Jep! Deine Urgroßeltern müssten damals von hier geflohen sein und vielleicht kennen deine Großeltern noch Geschichten über dieses Riff, aber spätestens ab da endet es meistens mit der Weitergabe dieser Erzählung. Immerhin ist die Welt da draußen wissenschaftlich so fortschrittlich, dass die Existenz dieses Ortes und unseres Volkes allem widerspricht, was die Menschen mit Wissenschaft beweisen könnten."
Was sie erzählte, klang zwar logisch und war nachvollziehbar, doch war es für mich gleichzeitig unglaublich schwierig zu erfassen. Die Bedeutung die diesem Ort, dessen Bewohnern und allein schon der Existenz einer anderen intelligenten Rasse neben der des Menschen, wog schwer in meinem Unterbewusstsein. Allein die Tatsache, dass ich nun ein Eingeweihter und anscheinend selbst nicht wirklich ganz ein Mensch sein sollte, wirkte gleichzeitig auch etwas erdrückend auf mich. Denn ich hatte das Gefühl, dass mir soeben eine große Verantwortung übertragen wurde. Denn ich wusste nicht, was mich erwarten würde, sollte ich dieses Geheimnis jemals Preis geben. Natürlich hatte Elvira bis jetzt einen freundlichen und sympathischen Eindruck auf mich hinterlassen, doch im Grunde kannte ich sie gar nicht! Geschweige denn den Rest des Volkes und dessen Herrscherin. Rückblickend war es schon ein Risiko gewesen, überhaupt mit der Bademeisterin aus dem Schwimmbad, die ich nur einmal zuvor auf einem meiner Gigs getroffen hatte, gleich in die abgelegensten Winkel eines Waldes und einer unerforschten Höhle zu folgen. Nur hatte zu dem Zeitpunkt meine Neugier meine Bedenken lautstark übertönt, sodass ich sie nicht hören konnte.Ich kann natürlich nicht behaupten, es hätte sich nicht gelohnt! Aber unheimlich war es auf seine eigene Weise... vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass hier kein Sonnenlicht war, sondern nur diese Schwebenden Lichter...
Doch auch wenn die Bedenken sich in meinem Unterbewusstsein langsam nach oben gruben, so war ich noch viel zu vereinnahmt von dem Anblick der sich mir bot, als dass ich darauf hätte eingehen können. Der Palast sah von Innen sogar noch atemberaubender aus, als die äußere Fassade. Hier war auch alles aus roten Korallen und Schiefer gebaut. Die Säulen waren mit anmutigen Fresken von Fischen, Meerjungfrauen und Chinesischen Drachen verziert. Die Decken und Wände waren mit Malereien von diesem Volk und anderen Kunstwerken geschmückt. Zwischen den Säulenpaaren, die sich zwischen dem Eingang und einer weiteren Tür am ende des Foyers, entlang zweier großzügiger Treppen aufreihten, Wogen Banner aus Seide hin und her. Diese waren geziert von dem Wappen des Meervolkes: ein Wasserdrache mit Krone, welcher eine große Perle im Zentrum umwand, gesäumt von je einem Korallenast auf jeder Seite.
Wir gingen die glatten Stufen der Treppe auf der linken Seite des Saals hinauf, auf der anderen Seite des Raums war ebenfalls eine Treppe, welche symmetrisch zu dieser Treppe verlief und sie somit das große Foyer komplett umrundeten. Es wäre also egal, welche Seite man hinauf nahm, da am Ende der Stufen beide Treppen wieder zusammen mündeten. Zumindest war es in unserem Fall egal, da Elvira mich zu eben jener Mündung führte. Doch gingen jeweils zwei Korridore von den Ecken der Treppen ab, ehe sie sich wieder vereinten. Ein kurzer Blick in die beiden Korridore, ließ erkennen, dass diese ebenfalls mit den Säulen und Seidenbannern verziert waren. Nur dass die Säulen dort nicht frei standen, sondern zur Hälfte in die Wand eingefasst waren. Wobei es eher wirkte, als würden sie aus dieser herauswachsen. Diese mir völlig fremde Architektur, in der nach wie vor etwas wabernden Umgebung durch die "Nicht-Wasser-Substanz", war atemberaubend schön und mit nichts gleichzusetzen, dass ich aus meiner Heimat oder dem Internet in der "Oberwelt" kannte.
"Was ist das hier eigentlich für eine Substanz in der wir 'schwimmen'?“, fragte ich schließlich Elvira, die mit ihren Erzählungen bereits fertig war. "Stimmt ja!", schlug sie sich die Hand vor die Stirn, "Das habe ich jetzt total außer Acht gelassen, weil ich dir so viel erzählen wollte, ohne etwas wichtiges zu vergessen. Das ist Wasseressenz. Die entsteht, wenn man mit Magie den schweren Teil des Wassers vom leichten trennt. Dadurch ist hier in der Kuppel theoretisch mehr Wasser als außerhalb, denn der leichte Teil des Wassers macht nur einen kleinen Teil des normalen Wassers aus. Man braucht also viel normales Wasser, um die Kuppel um den Palast mit Wasseressenz zu füllen. Das ist auch der Grund, warum wir hier ohne Probleme atmen können, denn die Wasseressenz besteht zu achtzig Prozent aus atembarer Luft.... Kannst du mir soweit folgen?... Gut. Wir werden jetzt gleich Prinzessin Nerida gegenüber stehen, der Herrscherin über dieses Riff. Du solltest nicht unhöflich sein, aber ansonsten brauchst du dir keine Gedanken machen. Sie ist auch nur ein Mensch... Naja, Voyda. So heißt unser Volk." Ich hatte ihr die ganze Zeit über aufmerksam zugehört und in meinen Gedanken versucht, ihre Erklärungen zu dieser Wasseressenz die uns umgab, nachzuvollziehen. Auch wenn sie von Magie sprach und ich dadurch kurz neugierig wurde, klang ihre Erklärung tatsächlich sogar logisch. Zu der Magie würde ich sie später auf jeden Fall noch mal genauer ausfragen! Mir war es tatsächlich etwas Bang, gleich der Herrscherin dieses mystischen Ortes vorgestellt zu werden. Wer war ich denn? Nur ein normaler Mensch mit keinen großartigen Errungenschaften...
Die hohen Türen aus riesigen Muscheln bestehend schwangen auf, was eine Art Strom in der Wasseressenz verursachte, der mir wie ein leichter Wind entgegen schlug. Mir fielen sofort die Unmengen an Seifenblasen auf, die in allen Farben schimmernd durch den Raum trieben. Einige waren in Greifweite, andere wiederum ruhten an der hohen Decke des Saals. In manchen von ihnen konnte ich sogar eine Perle erkennen. In anderen eine Art Schneckenhaus, wie es oft Einsiedlerkrebse bewohnten, wieder andere waren leer. Doch mein Blick fiel schnell auf den großen Thron aus Koralle und Muschelschalen, welcher von schwebender Seide umworben war, auf dessen Platz eine Frau in anmutiger Haltung saß. Ihre langen schwarzen Haare waren zu einer aufwendigen Frisur geflochten und hochgesteckt worden und dennoch hingen sie bis runter zu ihrer Taille. Doch was sie deutlich von dem Rest der mir bisher begegneten Voyda Unterschied, waren die majestätischen Hörner auf ihrem Haupt, welche unter der seidenen Masse an Haaren hervorragten. Sie sahen allerdings mehr wie eine Krone als, als dass sie tatsächlich echt sein könnten. Ihre Kleidung sah aus, wie man es sich für eine Königin vorstellte: teuer und elegant. Nur eben in exotisch. Denn auch ihr Kleid war aus feinster Seide gemacht, die wie Wasser an ihrem Körper herab fiel und - durch die Anwesenheit der Wasseressenz - gleichzeitig in Schwebe stand. Ihr Blick war nicht zu deuten, doch war er weder kalt, noch arrogant. Dennoch wirkte es, als würde sie alles überblicken und jeden durchschauen. Ich war von ihr und ihrer Aura so eingenommen, dass ich erst einige Augenblicke später bemerkte, dass Elvira sich verbeugt hatte und die Herrscherin begrüßte. Ich versuchte eilig, Elviras Geste nach zu amen. Ich meinte für einen kurzen Augenblick, einen auch eines Lächelns auf dem Gesicht der gehörnten Dame zu erkennen, doch war ich mir nicht sicher, ob ich es mir nicht vielleicht doch nur einbildete.
"Eure Majestät. Ich habe einen weiteren Erben unseres Volkes gefunden.", begann das sonst so freche und schadenfrohe Mädchen in ernster Stimme. Sie wollte fortfahren, doch die Frau auf dem Thron hob die Hand und Elvira verstummte sofort. "Ich weiß, meine Liebe. Du würdest sonst nicht in Begleitung erscheinen. Nun mein Kind, wie ist dein Name? Ich bin Nerida. Aber das hat dir Elvira sicherlich schon verraten.", wandte sich die wohl klingende Stimme nun direkt an mich. "R-Robin... eure Majestät.“, stammelte ich leicht überfordert. Doch es schien sie nicht zu stören. "Also Robin, Elvira hat dir sicherlich schon viel erzählt. Doch egal was du von hier an machen willst, du sollst zu nichts gezwungen werden. Doch wisse, dass dir als Abkömmling unserer Rasse das Recht zu steht, hier bei uns zu leben. Selbst wenn du dich nicht für ein Leben Unterwasser entscheiden solltest, bist du hier jederzeit willkommen, sofern du unserem Volk nicht schadest. ...Ich erwarte keine sofortige Antwort von dir. Du kannst es dir in Ruhe überlegen. Doch egal wie deine Antwort am Ende lauten mag, möchte ich sie spätestens in drei Tagen wissen, den heutigen Tag eingeschlossen. Schließlich müssen wir einige Vorkehrungen treffen, je nachdem wie du dich letzten Endes entscheiden wirst." Als sie fertig war mit sprechen, nickte ich zum Verständnis, denn mir war ein Kloß im Hals gewachsen. Es waren zu viele Informationen auf einmal für meinen Kopf, der noch ganz an seine alte Welt gewöhnt war.
Kurz darauf machte Prinzessin Nerida eine heranwinkende Handbewegung zu ihrer Linken, woraufhin ein Bediensteter, wie ich aus seiner Haltung und dem Tablett auf seinen Fingerspitzen deutete, hervortrat. Er balancierte gekonnt das Tablett, welches wohl aus Schiefer gefertigt worden war auf einer Hand, auf dem sich zwei kleine Gegenstände befanden. "Ich werde dir Zwei Quellmünzen mit geben. Mit ihnen kannst du jederzeit zu dir nach Hause zurückkehren und solltest du dich Umentscheiden, kannst du über den Weg den ihr hier her gekommen seid, auch wieder hierher zurück kehren. Aber wie du vermutlich bereits bemerkt hast, wird die Münze nach einmaligem Gebrauch verschwinden. Natürlich können wir dir hier neue Münzen geben. Doch pflegen wir, dies nicht zu häufig zu machen, da sonst die Gefahr auf uneingeladene Gäste in Naher Zukunft zu groß wäre. Elvira hat es dir sicherlich bereits gesagt, aber kein Mensch darf von diesem Palast auf dem Meeresgrund erfahren. Solltest du ihn dennoch preisgeben und somit unsere friedliche Existenz hier unten gefährden, werden dich äußerst unangenehme Konsequenzen ereilen, vor denen man sich nicht verstecken kann.", ihr Blick wurde bei diesen Worten mit einem Mal scharf und ich nickte eifrig, denn ich hatte dir Botschaft klar und deutlich verstanden. "... Natürlich!" Ihr Blick wurde wieder sanfter und sie wandte sich wieder Elvira zu. "Ich danke dir, dass du eine weitere Person unseres Volkes gefunden und her gebracht hast Elvira. Hier dein Lohn.“ Sie hob die rechte Hand etwas an, die Handfläche nach oben zeigend, woraufhin sich eine der Seifenblasen von der Decke löste und sachte in jene Hand glitt, die sie gerufen hatte. Von dort aus pustete Nerida die Blase in Elviras Richtung. Ich dachte zuerst, dass es eine der Blasen mit einer Perle oder ähnlichem darin gewesen wäre, doch auf Elvira schwebte eine komplett leere Seifenblase zu. Sie bedankte sich jedoch regelrecht euphorisch mit einer Verbeugung bei ihrer Herrscherin, als das kleine glitzernde Ding bei ihr angekommen war. Erst jetzt merkte ich, - daran, wie Elvira die Blase in den Händen hielt - dass es keine Seifenblase war, sondern viel mehr eine solide Kugel, die aus hauchfeinem Glas bestand. Das Verschwimmen meiner Umgebung durch die Wasseressenz musste meine Wahrnehmung wohl getrübt haben, dass ich diese Kugeln für gewöhnliche Seifenblasen gehalten hatte... Doch was hier unten war eigentlich gewöhnlich?

Die Wasserdrachenprinzessin hatte uns nun entlassen und mir erlaubt, mich nach freiem Willen umzusehen, solange ich nichts klaute oder beschädigte. Elvira würde mich für die nächsten Tage begleiten, egal wohin ich gehen würde. Selbst, wenn ich wieder nach Hause wollte. Elvira erklärte mir, dass es nicht schlimm wäre, sollte ich wieder nach Hause wollen und auch, dass sie meine Entscheidung der Dame von eben an meiner Stelle mitteilen würde. Die Münze dürfte ich als Andenken behalten. Oder könnte sie auch verwenden, falls ich mich nach zehn Jahren doch umentscheiden wollte.
Ich ließ mich von Elvira herum führen und mir viele Dinge erzählen. Nicht nur über diese Welt, sondern auch über sie selbst. Anscheinend war sie bis vor drei Jahren ebenfalls noch ein normaler Mensch an der Oberwelt gewesen, bis man sie gefunden und ebenfalls Prinzessin Nerida vorgestellt hatte. Sie erzählte von einem Ritual, an dem sie freiwillig teilnehmen konnte, um eben das Blut ihrer Ahnen zu erwachen, die jene körperlichen Veränderungen verursachten, sobald man es wollte. Auch wenn sie anfangs wohl noch unwillkürlich bei Kontakt zu Salzwasser ausgelöst wurden. Sobald sie diese Kontrollieren konnte, wollte sie wie die Person, die sie gefunden hatte, weitere Nachfahren finden.
"Was hat es eigentlich mit dieser durchsichtigen Kugel auf sich, die du von der Königin bekommen hast?“, fragte ich sie dann doch, denn ich konnte meine Neugier nicht weiter zurückhalten. Da Elvira diese Kugel immer noch mit sich herum trug. Freudig grinsend beantwortete sie mir meine Frage. "Diese Kugel ist etwas ganz besonderes. Wenn man sich nach aufsagen des Zauberworts, eine ganze Minute lang in Gedanken das ausmalt, was man gerne hätte, bekommt man es auch. Man muss, das was man haben möchte, aber auch vollends verstehen und in jedem Detail beschrieben können. Sonst kann es sein, dass das was man sich ausdenkt nur ein nicht funktionierendes Modell dessen ist, was man eigentlich haben wollte. Zum Beispiel, wenn du ein Mikrophon haben willst, du aber nicht weißt, wie es von Innen aussieht oder wie genau es funktioniert, dann sieht es genauso aus, wie du es dir vorgestellt hast, nur wird es eine Attrappe sein. Oh und das, was man sich vorstellt kann nicht größer als man selbst sein. Also ein Haus wirst du dir damit nicht herbei wünschen können.“, kicherte sie zum Schluss. Meine Augen hatten sich in der Zeit, die ich ihrer Erklärung lauschte vor Erstaunen geweitet. "Das ist ja Magie! Geil! Und was wünscht du dir von dieser Kugel?“ "Hmm, ich weiß noch nicht. Ich entscheide mich später. Ich habe schließlich einen Monat Zeit, bis die Blase von alleine platzt und man keinen Wunsch mehr machen kann.“
Im weiteren Verlauf der Nacht in der wir in diesem Riff angekommen waren, fragte ich sie weiter aus. Vor allem über die Magie der Voyda und den „Vorteilen“ die ich haben könnte, sollte ich mich dazu entscheiden, hier bleiben zu wollen. Scheinbar war die Magie ein recht seltenes Geschenk der Voyda, mit dem man geboren werden musste. Elvira hatte zum Beispiel keine Affinität zur Magie, aber Prinzessin Nerida schon. Sie ist es, die diese Wunschkugeln erschafft und auch nur deswegen, können auch Nicht-Magie-Begabte sie benutzen. Ansonsten könnte ein guter Wassermagier durch seine Magie die Gezeiten und Strömungen im Meer beeinflussen, sich mit den Fischen und Korallen unterhalten und die Münzquellen ohne eine Münze aktivieren. Ebenso konnte das Ritual zum erwachen des Blutes nur von einem Magier geleitet werden. Am Anfang der Sammlung der Voyda, war Prinzessin Nerida die einzige Magiebegabte und führte jedes Ritual selbst durch, bis einer der Nachkommen, die wie ich hier her gebracht wurden, eine Affinität zur Magie zeigte. Sobald dieser in seiner Ausbildung weit genug war, um das Ritual selbst zu leiten, gab Nerida diesen Posten an ihn ab. Aber man musste dieses Ritual hinter sich gebracht haben, um feststellen zu können, ob ein Talent zur Magie bestand oder nicht. Elvira versicherte mir, dass dieses Ritual überhaupt nicht weh tat. Doch es würde nur durchgeführt werden, sollte ich mich dazu entscheiden würde, hier leben zu wollen und selbst dann auch nur, wenn ich es wirklich wollte.
"Was ist mit Menschen, die sich entscheiden, hier zu leben, das Ritual mitmachen und dann mit Hilfe einer Münze in die Menschenwelt zurück gehen und dort bleiben? Also die das Ganze hier ausnutzen wollen.“ Elvira musste über meine Frage wohl erst etwas nachdenken, denn sie antwortete nicht gleich. "Hmmm, so etwas ist bislang noch nicht vorgekommen... Prinzessin Nerida ist eine sehr vorsichtige Herrscherin... Und sie hat eine erschreckend gute Menschenkenntnis. Mich hat sie die Münzen die ich, genau wie du, nach meiner ersten Ankunft hier erhalten hatte, kurz vor dem Ritual abgeben lassen... Und selbst wenn man nach einem Jahr hier unten eine weitere Münze bekommen könnte, würde sie diese nur dann vergeben, wenn sie demjenigen auch vertrauen kann... Zumindest sagt mir das mein Gefühl.“
Doch mich wunderte noch eine Sache, die ich aussprechen musste, auch wenn mir Elvira ein wenig Leid tat, weil ich sie so sehr mit Fragen löcherte. "Hmmm Prinzessin Nerida. Sie verhält sich wie eine Königin, zumindest wirkte es so auf mich. Aber wenn sie die Prinzessin ist, wo sind dann ihre Eltern? Der König und die Königin?" Auf Elviras glänzenden Lippen entstand mal wieder ein viel sagendes Lächeln. So, als hätte sie mit dieser Frage gerechnet und nur darauf gewartet, dass ich sie ihr stellen würde. "Nun, in gewisser Weise ist sie unsere Königin. Neridas Mutter ist recht früh an einer Krankheit verstorben, da war die Prinzessin noch sehr jung, fast noch ein Kind. Und ihr Vater, der König, hat die Aufgabe, die Gewässer um das Riff herum zu beschützen. Er ist also ständig auf Patroullie, deshalb sieht man ihn nur äußerst selten. Einmal im Monat kommt er glaube ich vorbei. Es ist schon immer die Aufgabe des Königs gewesen, dies zu tun und die Aufgabe der Königin über das Riff zu herrschen. Doch da die Königin nicht mehr lebt, ist diese Aufgabe nun auf Prinzessin Nerida über gegangen."
"Verstehe... Und wenn der König ebenfalls sterben sollte, wer übernimmt dann seine Aufgabe?“, bohrte ich neugierig weiter. "Haha, du stellst vielleicht Fragen! Dann wird die Prinzessin sich recht schnell einen Gemahl suchen, sofern das bis dahin nicht schon passiert ist, welcher die Aufgabe dann übernimmt und die beiden sind dann das neue Königspaar." Die Antwort darauf kam mir so offensichtlich und banal vor, dass es mir schon peinlich war, sie überhaupt gestellt zu haben, anstatt selbst darauf zu kommen. Aber gut, war nun mal passiert. Zum Glück nahm mir das Elvira nicht krumm...
Es wurde langsam spät, oder besser gesagt früh, denn ich merkte, wie ich immer müder wurde. Hier unten kam jedoch immer noch kein einziger Sonnenstrahl an. Die einzigen Lichtquellen blieben diese kleinen schwebenden Lichter. Wir mussten wohl ziemlich tief unter dem Meeresspiegel sein... Da fiel mir auf, dass ich zu meiner Ankunft eigentlich einem heftig starken Wasserdruck ausgesetzt hätte sein müssen... Doch das war ich nicht. Elvira erklärte mir dann, dass das durch die Barriere aus Wasseressenz in unmittelbarer Nähe zu Stande kam. Diese würde den Wasserdruck in direkter Umgebung stark negieren. Das wäre mit unter ein Grund, warum man manchmal Fische hier sehen konnte, die normalerweise nicht auf solch eine Tiefe herunter kamen.
Jedenfalls war es ein ereignisreicher Tag für mich gewesen, mit vielen Dingen, die ich erst mal verdauen musste. Elvira brachte mich auf das Zimmer, dass man mir für die drei Tage, oder länger, sollte ich hier bleiben wollen, zugewiesen hatte. Dort stand sogar schon etwas zu Essen für mich bereit. Und ich hatte tatsächlich einen ziemlichen Hunger. Das Essen bestand wie beinahe schon von mir erwartet, aus Meeresfrüchten. Allerdings waren auch Beilagen aus der "Oberwelt" dabei. Elvira beantwortete mir meine Verwunderung damit, dass sie haltbare Lebensmittel wie Reis oder Nudeln von oben holen gehen, und dann hier Eingeschweißt lagerten, ehe sie mich alleine ließ. Müde fiel ich nach dem Essen ins Bett und wollte eigentlich nicht mit der Taucherbrille auf der Nase schlafen, doch erinnerte ich mich daran, was Elvira gesagt hatte, dass es ziemlich unangenehm war, für normale menschliche Augen... Was scheinbar in der verwandelten Form eines Voyda Kein Problem mehr darstellte... Doch ob ich wirklich ein Leben hier unten wählen sollte, wusste ich selbst noch nicht wirklich. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

Die verbleibenden zwei Tage ließ ich mich weiter von Elvira durch das Riff führen und allerhand Sachen erzählen. Doch was für mich ein ausschlaggebender Punkt gewesen wäre, um tatsächlich in Erwägung zu ziehen, tatsächlich hier zu bleiben, wäre die Möglichkeit, meine Musik machen zu können. Doch hier unten gab es keinen Strom. Man konnte zwar Instrumente spielen, die keine Elektronik benötigten, doch ich hatte darin eher weniger ein Talent. Die einzigen Instrumente, die ich analog spielen konnte waren Gitarre und Keyboard, aber da hörte es auch schon auf. Wenn ich Musik machte, dann am Mischpult oder zu Hause am Computer mit den entsprechenden Programmen. Musik war eine zu große Leidenschaft meinerseits, als dass ich sie je für irgendwas anderes aufgeben könnte.

Daher ging ich am Ende des dritten Tages zu Prinzessin Nerida und erklärte ihr meine Entscheidung. Sie brachte mir Verständnis entgegen und lud mich dennoch ein, irgendwann einmal, zu Besuch zu kommen. Die zwei Münzen dürfe ich behalten. Elvira würde mit mir zusammen zurück an die Oberwelt gehen, denn sie würde weiter nach den Verwandten der damals geflohenen Voyda suchen. Zur Aktivierung der Quelle nahm sie ihre eigene Münze, sodass ich meine nicht verbrauchen würde. Wir fuhren gemeinsam wieder zurück in die Stadt, nachdem wir aus der versteckten Höhle im Wald aufgetaucht waren.
"Woher weißt du eigentlich, wer ein Voyda ist, und wer ein gewöhnlicher Mensch?“, fiel es mir dann mit einem Mal ein. Vermutlich schwebte diese Frage nun schon seit einiger Zeit in meinem Kopf herum, doch wirkten zu viele äußere Eindrücke auf einmal auf mich, als ich im Wasserdrachenpalast zu Besuch war, dass sie ganz in den Hintergrund gerückt war. Elvira sah weiterhin gerade aus, auf die Straße vor uns, als sie mir dann antwortete. "Hmmm, man könnte es eine Art Instinkt nennen? Vor allem aber haben alle Voyda eine unterbewusste Verbindung zum Wasser. So wie du, der gerne taucht. Das ist mit einer der Gründe für meine Berufswahl da oben, so trifft man eher auf einen Voyda, als in einem Nachtclub. Haha....Als ich dich in dem Club gesehen habe, hatte ich eben so ein Gefühl, wie bei dem letzten Voyda, den ich hier gefunden hatte. Ich gab dir die Münze für den Fall, dass wir uns aus den Augen verlieren würden, sodass du zumindest durch Zufall zum Palast gebracht würdest, sobald du in einer Quelle baden gehst. Auch wenn das vermutlich nicht gerade die professionellste Art und Weise gewesen wäre, wollte ich auf irgendeine Weise sichergehen können. Unten hätte dich dann schon jemand eingesammelt.", winkte sie schließlich ab, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. "Wow... Okay. Und was, wenn ich die Münze verkauft hätte?" Elvira lachte kurz auf. "Ich glaube nicht, dass du das gemacht hättest. Außerdem aktiviert sie nur dann eine Quelle, wenn sich ein Voyda in unmittelbarer Nähe befindet. So eine Art magische Sicherung die Prinzessin Nerida bei der Herstellung immer einbaut." Ich gab ein kurzes und leises Lachen von mir, ehe der Rest der Fahrt bis zu meiner Wohnung eher in Schweigen verfiel. Zum Abschied tauschten wir Telefonnummern aus, denn wir würden uns natürlich nicht zum letzten Mal gesehen haben. Sie würde mich bezüglich des Drachenpalasts auf dem Laufenden halten und ich würde sie mit meinen Songs auf dem Laufenden halten.

Doch über die Jahre verliert man sich dann doch nach und nach aus den Augen. Vor allem, wenn man sich räumlich veränderte und wie ich in eine andere Stadt zog. Dort hatte ich eine Familie gegründet und Elvira war bereits gänzlich wieder unter dem Meeresspiegel verschwunden, wie sie mir in ihrer letzten Whatsapp vor einigen Jahren mitteilte. Vielleicht hatte sie die ganze Sucherei satt? Ich wusste es nicht. Doch ich wusste, dass meine Kinder ebenfalls das Blut der Voyda in sich trugen. Und wie Elvira es mir damals erzählt hatte, sie lieben das Wasser. Meine Tochter Emily ist mittlerweile sogar bei den Olympiaden Geschwommen. Und mein jüngerer Sohn Joshua ist Meeresbiologe geworden. Mittlerweile sind die beiden schon längst Volljährig und ich wurde auch nicht gerade jünger. Vor wenigen Monaten war mein Ehepartner an Krebs verstorben... Und Gigs legte ich auch schon lange nicht mehr auf... Ich war zwar immer noch in der Musikbranche tätig, aber längst nicht mehr so auf Touren, eher im Studio. Die Musik spielte also schon längst nicht mehr eine so signifikante Rolle in meinem Leben, wie damals.
Zum Einundzwanzigsten Geburtstag meines Sohnes, wollte ich mit meinem beiden Kindern einen Ausflug in jene magische Welt machen. Denn ich steuerte bereits auf die 60 zu und mit dem wachsenden Alter war doch eine gewisse Sehnsucht zu jenem Ort entstanden. Und solange ich noch sicher auf meinen beiden Beinen laufen konnte, wollte ich dort ein letztes Mal hin. Ich konnte mir mittlerweile sogar ziemlich gut vorstellen, dort meine letzten Tage zu verbringen... Prinzessin Nerida war mittlerweile vermutlich längst Königin und hatte selbst Kinder wenn nicht sogar schon Enkelkinder. Es war glücklicher Zufall, dass meine Kinder mich noch nicht so früh mit dem Glück eines Enkels gesegnet hatten. Denn so sehr ich mich auch darüber freuen würde, könnte ich sie niemals dorthin mitnehmen, wenn sie bereits eine Familie gegründet hatten. Nein, vor dieses Ultimatum würde ich sie nicht stellen.
Die Münzen hatte ich all die Jahre als Kette um meinem Hals getragen. Wenn man mich fragte, wo ich sie her hatte, sagte ich immer nur "Das Geschenk einer guten Freundin", was in gewisser Weise ja auch stimmte. Sie hatten meine Erinnerungen an jenen Ort immer wieder hervorgeholt.

Ich fuhr also mit meinen beiden Kindern an jenen Waldrand und wanderte auf der Suche nach der Höhle. Erstaunlich war, dass ich den Weg nicht vergessen hatte, sondern noch genauso frisch in meinen Erinnerungen war, als wäre es erst gestern geschehen. Unterwegs erzählte ich jedoch noch nichts vom Wasserdrachenpalast, sondern nur von einem verborgenen See mit kristallklarem Wasser.
Akeem
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 03.11.19 19:29
Gelb


07/06/2024 11:15:57


Nach einer langen Reise, in der wir mühsam unsere Baumaterialien und unser Equipment auf den Grund des Meeres befördern mussten, sind wir erfreut darüber den ersten offiziellen Eintrag in unser Logbuch schreiben zu können. Wir haben unsere Basis in der Nähe einiger schwarzer Schlote etabliert; einerseits um die Wärme dieser Vulkane zu nutzen und andererseits um die dort vermehrt vorkommenden Lebewesen zu untersuchen. Wir hoffen hier unten die Geheimnisse zu ergründen, die dieser Planet noch versteckt hält und die einem Forscher an der Oberfläche verwehrt bleiben. Sobald sich die Wesen an unsere Präsenz gewöhnt haben sollten wir in der Lage sein sie ungestört in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten.


12/06/2024 00:01:42


Die mobilen Tiere, die in der Nähe unserer Basis leben, sind uns gegenüber weiterhin misstrauisch und wagten sich noch nicht zurück in ihre ehemaligen Behausungen. Wir haben uns dazu entschieden Exemplare der stationären Lebewesen zu fangen und diverse Proben zu nehmen, um sie in unserer Forschungsstation zu untersuchen. Es ist hier unten so schwarz, kalt und leblos wie im All, Leben konzentriert sich auf eine minimale Stelle und die dunkle Weite, die sich in alle Richtungen erstreckt, ist allgegenwärtig. Sie verdeutlicht einerseits das Verhältnis von Leben und Tod, die unmöglich kleine Existenz inmitten des lebensfeindlichen Nichts, andererseits mit welch verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit einem ein anderes lebendes Wesen hier begegnen kann, und doch.
Sind wir hier.


19/06/2024 20:24:42


Es gab bisher wenig zu tun, darum hat der Wissenschaftler die gefangenen Exemplare aufgeschnitten und präpariert. Die meisten haben ein weiches Gewebe, eine Anpassung an den hohen Druck hier unten, der Knochen brechen lassen würde und jeden Hohlraum mit Wasser füllt. Die Tiere scheinen selbst wie aus Wasser, als ob die extreme Umgebung sie dazu gezwungen hat sich so weit an sie anzupassen, bis sie mit ihr verschmelzen. Interessant an den Tieren ist besonders, dass sie ihre Form verlieren wenn sie in eine druckangepasste Umgebung kommen. Was vorher noch eine erkennbare dreidimensionale Form hatte zerfließt zu einer Art Gelee mit Augen, wenn überhaupt. 
Wir sind enttäuscht von diesen Funden. Uns ist leider noch kein größeres Wesen begegnet, obwohl wir um ihre Existenz wissen. Wahrscheinlich bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten, aber wir sehnen uns nach Zerstreuung.


21/06/2024 04:27:59


Heute haben wir ein anderes, starkes Licht beobachtet. Es war weit weg, nicht zu erkennen was es war. Das Wesen hat sein Licht mit dem eigenen Körper verdeckt als es die Richtung wechselte, weswegen wir vermuten, dass es etwas größeres ist.


19/07/2024 17:44:10


Es gibt erstaunlich vielfältige Lichter hier unten. Unser anfänglicher Eindruck war falsch, es gibt mehr Leben als man vermutet. Wer geduldig ist sieht aus der Schwärze dürre Gerippe auftauchen, schimmernde Gespenster und bunt blinkende Lichter. Wie ein Albtraum oder eine Halluzination. Wir wissen, dass wir uns diese Wesen nicht einbilden, schließlich haben wir sie gefangen und seziert, aber der Vergleich passt zu ihnen. Sie sind formlos und flüchtig wie Geister und treiben durch das schwarze Meer, ohne offensichtliches Ziel. Wenn wir uns etwas einbilden würden, wir hätten ihm Intelligenz gegeben.


11/08/2024 08:09:56


Ein bisher undokumentiertes Wesen ist heute in der Nähe unserer Basis aufgetaucht und hat sich über den Meeresboden bewegt, vermutlich auf der Jagd nach kleineren Fischen. Es war vergleichsweise groß, könnte uns also womöglich gefährlich werden, allerdings ist es nicht nah genug an die Basis geschwommen um diese zu entdecken. Es war gelb, ungewöhnlich für diese Tiefe, da die Farbe auffällig ist und von weitem gut zu sehen ist. Der Wissenschaftler weiß leider nicht welche Wesen der Tiefsee in der Lage sind Farbe zu sehen, aber wir vermuten die Färbung verhindert Camouflage. Viele der bisher katalogisieren Exemplare waren schwarz, braun oder grau; durchsichtig, rosa oder weiß. Einige waren rot, doch da rotes Licht nicht bis in diese Tiefe gelangt scheinen sie hier unten schwarz wie ihre Umgebung. Gelb ist offensichtlich eine Ausnahme, aber vielleicht eine gezielte. Anfänglich könnte es seine Beute durch die Farbe anlocken, aber eine starke Lumineszenz, die sich an einem langen Tentakel oder Arm entwickelt, lenkt die Tiere ab, blendet vielleicht sogar ihre lichtempfindlichen Augen. Wir hoffen es in diesem Gebiet erneut beobachten zu können, um seine Verhaltensweisen zu studieren.


13/08/2024 07:54:03


Das neue Wesen scheint sich oberhalb unserer Forschungsstation aufzuhalten und nachts stattet es uns einen Besuch ab. Wir vermuten es hält sich normalerweise nicht in solchen Tiefen auf und bevorzugt die Nähe zur Sonne. Außerhalb des eigenen Lichtes scheint seine Wahrnehmung begrenzt, vielleicht sogar unmöglich, da es nur auf Fische reagiert, die sich vor ihm bewegen. Was hinter ihm passiert ignoriert es, obwohl es ein unverhältnismäßig großes Auge hat. Es sind weitere Tests nötig um diese Theorie zu testen, doch vorher müssen wir  ausschließen ob eine Gefahr für den Wissenschaftler besteht. Wir wissen noch nicht wie wir die Gefahr einstufen sollen, aber vielleicht kann man es bei der Jagd nach größeren Tieren beobachten und sehen wie es auf sie reagiert.


17/08/2024 13:12:33


Es scheint von unserer Anwesenheit noch keine Kenntnis genommen zu haben, zumindest hat es sein Verhalten nicht auf uns angepasst und bewegt sich wie am ersten Tag. Seine Beute scheint auch ausschließlich wesentlich kleinere Tiere als es selbst zu sein. Größere Fische beobachtet es zwar, bewegt sich aber nicht auf sie zu um sie anzugreifen. Wir sind wesentlich größer als alles, was es bisher fangen wollte, darum glauben wir, dass es uns nicht angreifen wird. Wir werden in den nächsten Tagen versuchen uns zu nähern.


23/08/2024 03:28:16


Heute habe ich vergebens darauf gewartet meinen neuen Freund wieder zu sehen; vielleicht ist er weiter gezogen. In dieser Tiefe ist es gefährlich sich länger an einem Fleck aufzuhalten, da Nahrung rar und weit verteilt ist. Vulkane und Tierkadaver bieten den Bewohnern über längere Zeit gewisse Vorteile, doch versiegen auch sie irgendwann. Der Wissenschaftler könnte, statt dem gelben Exemplar nachzutrauern, Proben der vulkanischen Ablagerungen nehmen und deren Alter bestimmen, um durchschnittliche Verweildauer verschiedener Tiefseebewohner zu extrapolieren. Es war zwar bisher der aufregendste Teil dieser Arbeit, doch sollte die Dokumentation nicht unter unserer Sensationslust leiden. Es ist bestimmt nicht das einzige Exemplar seiner Art, also warten wir einfach weiterhin auf weitere Entwicklungen.


24/08/2024 02:12:32


Die Vermutung, dass Gelb ein Jäger ist, scheint eindeutig bestätigt. Es hat heute versucht alles, was im Schein seines Lichtes aufgetaucht ist, zu fangen. Dabei hat es sich allerdings trotz bedachter Bewegungen ungeschickt angestellt. Viele Tiere wurden durch die Bewegung des Wassers abgetrieben, die es selbst erzeugte, weswegen es sich die Jagd selbst unnötig schwer machte. Der Wissenschaftler vermutet es ist Beute von der Oberfläche  gewöhnt, da es irgendwann immer nach oben davon schwimmt und deswegen mehr Erfahrung mit kompakter Beute haben könnte. Die filigranen Wesen der Tiefsee scheinen es zu verwirren und es wendet zu viel Kraft auf bei seiner Jagd. Allerdings ist uns aufgefallen wie schnell es seine Strategie anpasst und regungslos verweilt. Es scheint sich hier um ein äußerst intelligentes Wesen zu handeln.


24/08/2024 02:27:38


Da wir das gelbe Wesen als intelligent aber für uns wahrscheinlich ungefährlich eingestuft haben, hat der Wissenschaftler beschlossen eine Expedition zu starten, um dem Wesen näher zu kommen und bessere Daten über es sammeln zu können. Bisher hat es sich zu weit von unserer Basis aufgehalten, dass wir keine genaue Form erkennen konnten und viele unserer Beobachtungen durch Spekulationen aufbessern mussten.  
Die Außenmission verlief anfänglich erfolgreich  und wir konnten uns dem Wesen nähern ohne von ihm entdeckt zu werden. Es war faszinierend so dicht an es heran zu schwimmen, denn aus dieser Distanz konnten wir eindeutig seinen harten Exopanzer erkennen und wurden uns bewusst wie groß es im Vergleich zu uns ist. Es war kleiner als ein Wal, aber vier von uns hätten bequem in seinem Körper Platz gefunden. Aufgrund unserer Vermutung, dass das Wesen nur bedingte Nachtsicht besitzt, hielten wir uns in seinem Rücken auf und beobachteten es bei der Jagd.  Es war dieses mal zwar an vielen der Tiere interessiert und beobachtete sie, doch suchte es gezielt nach einem bestimmten Fisch und ignorierte alle anderen Tiere, die sich in den Schein seines Lichtes verirrten. Es war nicht erfolgreich darin den besagten Fisch zu fangen, und da es relativ viel Zeit in der Tiefe verschwendet hatte, machte es sich auf den Weg an die Oberfläche. 
An dieser Stelle haben wir einen Fehler begangen. Wir haben nicht erkannt, dass sich das Wesen auf dem Rückweg befand und wurden von seinem Licht erfasst. Wir haben uns zwar schnell entfernt, aber durch die schwenkenden Bewegungen des Wesens sind wir sicher, dass es uns gesehen hat. 
Diese Situation ist äußerst prekär, da wir nicht wissen welchen Grad der Intelligenz das Wesen besitzt und ob es unsere Mission gefährden würde wenn wir ihm erlauben mit diesem Wissen zu verschwinden. Wir müssen uns entscheiden wie wir zukünftig mit dem Wesen umgehen. 


25/08/2024 16:26:55

Der Wissenschaftler hat beschlossen, dass das gelbe Wesen nun eine Gefahr für uns darstellt und terminiert werden muss. Es hat sich kurz nach unserer Entdeckung wieder in die Tiefe begeben; deutlich früher als alle vorherigen Tage, und aktiv nach uns gesucht. Es kann uns mit seinen dünnen, spezialisierten Armen wahrscheinlich keinen Schaden zufügen, aber um es zu fangen und zu öffnen brauchen wir eine Waffe, die den Panzer der Kreatur durchdringen kann. Vielleicht versuchen wir auch das Auge des Wesen zu attackieren. Das könnte auch der schnellste Weg sein die kleineren Wesen, die sich dahinter befanden, zu fangen.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 10.11.19 23:46
Nach einer zahlreichen Teilnahme auf Autoren-Seite, haben wir auch eine zahlreiche Teilnahme beim Voting. Vielen Dank an alle, die abgestimmt haben und sich die Zeit genommen haben, die Geschichten zu lesen. Hier nun die Gewinner.



  1. Das verschollene Volk von @Ioreth mit 7 Stimmen
  2. Gelb von @Resquiat_In_Pesto mit 6 Stimmen
  3. Tot oder nicht tot... von @Sanja und Schwerelos von @Chigusa und The Hunley von @Todd mit je 2 Stimmen.

  4. Mein zweites Leben in der Tiefsee von @UngelindArt mit einer Stimme

  5. Nur ein Traum? von @Max5913 und Blaue Tiefen von @Shadow



Vielen Dank für die zahlreiche Teilnahme. Nun folgen die Reviews. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, ebenfalls welche zu schreiben oder meine Reviews zu kritisieren.
Der nächste Wettbewerb folgt vermutlich noch dieses Jahr... Mal gucken.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 10.11.19 23:48
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Nur ein Traum?

Diese Geschichte ist auf dem Fundament einer sehr starken Idee gebaut. Der Plot dreht sich um eine Frau, ihrer Familie und einen geheimnisvollen Traum, welcher voller Dramatik und Mystery ist. Die Story macht was her, es gibt einen vernünftigen Spannungsaufbau mit ein paar Highlights und Informationen werden zurückgehalten, wenn sie zurückgehalten werden sollten und werden geliefert, wenn sie bald wichtig werden.
Rein von Struktur und Aufbau, kann man sich hier schon ein Beispiel nehmen und besonders gegen Ende, wenn die Geschichte fahrt aufnimmt, trifft sie die richtigen Töne. Der Anfang hingegen wirkt manchmal etwas konfus, wohl eine bewusste Entscheidung, um den Geisteszustand der Protagonistin widerspiegeln. Leider stört dies ein wenig den Lesefluss und verleitet vielleicht einige Leser dazu frühzeitig auszusteigen. Am Ball bleiben lohnt sich zwar, aber ich kann verstehen, wenn dieser Stil nicht jedem gefällt.
Allgemein ist der Schreibstil hier sehr eigen. Auch die Formatierung ist für Prosa sehr ungewöhnlich. Sternchen begleiten Gedanken und eckige Klammern, die einige vielleicht fälschlicherweise für französische Anführungszeichen halten könnten, umfassen eine besondere Geräuschkulisse. Es wäre vermessen dies nun als Fehler zu bezeichnen, aber es ist definitiv herauszustellen, dass dies nicht dem Standard entspricht und dass ein Standard vielleicht aus gutem Grund ein Standard ist. Der Mehrwert, dass ein Leser weiß, dass Gedanken oft in kursiv geschrieben sind, dass besonders hervorzuhebende Geräusche in Großbuchstaben darzustellen zu sind oder allein, dass zwischen Anführungszeichen wörtliche Rede zu finden ist, darf man nicht unterschätzen. Dieses Wissen bringt ein moderner Leser mit. Natürlich ist es erlaubt Konventionen und Regeln zu brechen, jedoch muss einem dabei klar sein, dass dies zu Irritationen beim Leser führen kann. Der Mehrwert des Andersseins ist dann dagegen abzuwägen.
Neben Formatierung, wäre der Stil noch einmal zu erwähnen. Dies ist natürlich ein sehr persönliches Pflaster, in der jeder seine Präferenzen hat. Mir ist jedoch aufgefallen, dass oft die Gedanken des Protagonistin einer Tat voran geschoben oder ein Gegenstand genommen wird und so eine neue Szene eingeleitet werden. Dies sind wirklich nur Kleinigkeiten, aber vielleicht etwas, worauf man achten kann. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es manchmal ist, aus den Lieblings-Satzstrukturen auszubrechen und zu versuchen einen Satz auf einer anderen, unerwarteten Weise zu formulieren. Fällt dem Leser, so wie mir dieses Mal, bereits beim Lesen eines Werkes auf, welche Formulierungen besonders von der Autorin präferiert werden, kann das auf ein Stilistisches Problem hinweisen. Muss es aber nicht. Dies ist, wie gesagt, nur ein nett gemeinter Hinweis auf etwas, was mir aufgefallen ist.
Weniger subjektiv bleibt Grammatik. Die Rechtschreibung ist völlig in Ordnung. Hier und da hat sich mal ein kleiner Fehler eingeschlichen, aber das ist okay. Es ist jedoch ein konsequenter Satzzeichenfehler bei der Verwendung von wörtlicher Rede aufgefallen. Das ist ein ziemlich häufiger Fehler und diese Geschichte ist nicht die einzige, wo diese konsequent auftreten. Dazu habe ich bereits einen Beitrag geschrieben, auf den ich hier verweise: https://anime.forumieren.de/t6452-kurzgeschichten-wettbewerb-kunstliche-intelligenz#307312.
Das wichtigste bleibt am Ende, ob die Geschichte unterhalten kann und ich kann ganz klar sagen: Ja! Einige von euch finden sicher, dass das Thema Unterwasser nicht adäquat bearbeitet wurde, denn es spielt doch nur eine Rolle am Ende der Geschichte. Und man bekommt doch nicht einmal eine detaillierte Beschreibung von Unterwasser!! Ja, das ist richtig, wenn man sich nur auf das physische bezieht und nicht auf das emotionale. Die Protagonistin war ein Großteil ihres Leben unter Wasser, schließlich konnte sie sich nicht an ihre echte Vergangenheit erinnern. Wer hier eine Diskussion über die Bearbeitung des Themas anfangen möchte, dem fehlt es vielleicht etwas an Fantasie und literarisch-analytischem Denken und kann die Metaphern, welche uns diese Geschichte präsentiert, nicht verstehen.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 10.11.19 23:48
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Tot oder nicht tot...

Für mich ist bei diesen Wettbewerben besonders interessant, welche Themen bei den Autoren besonders aktuell sind und welche sie mit dem Thema verknüpfen. Interessanterweise haben eine sehr große Zahl der Geschichten sehr ähnliche Kern-Themen. Eines dieser wiederkehrenden Themen, ist auch in dieser Geschichte zu finden, denn hier geht es darum, von der Gesellschaft ausgegrenzt zu sein oder zumindest zu glauben, dass es so wäre.
Auf den ersten Blick, erscheint die Geschichte unfassbar simpel. Emma ist die Neue. Sie gehört nicht dazu und hat keine Freunde, weswegen sie draußen alleine im Regen steht, als das unglaubliche passiert und sie sich bei einem Sturz so sehr verletzt, dass sie beinahe in einer Pfütze ertrinkt. Ein absurder und beinahe lachhafter Tot wäre das wohl gewesen, aber sie hat Glück und eine Mitschülerin rettet sie und am Ende scheinen sie Freunde zu werden. Zumindest gibt es die Perspektive.
Beim ersten Mal lesen, hatte ich die Geschichte auch nicht als viel mehr wahrgenommen. Emma kommentiert ihre Misere sarkastisch und zynisch, weswegen die Erzählung humoristisch auf mich wirkte (vermutlich haben die schlüpfrigen Witze auch dazu beigetragen).
Beim genaueren Hinsehen fallen einem jedoch einige Details auf, welche die Geschichte sehr bereichern. Das Thema ist zwar ganz klar das Alleinsein und der Grund scheint auf den ersten Blick zu sein, dass Emma sich einfach noch nicht so richtig in die neue Klasse eingefunden hat. Liest man jedoch genauer bemerkt man, dass Emma sich einfach gar nicht einfinden will. Sie trauert ihrem alten Leben nach und möchte eigentlich nur zurück in ihre alte Welt. Sie lässt vermutlich deswegen niemanden Neuen hinein, weil sie damit das alte Kapitel ihres Lebens abschließen würde.
Dies ist besonders schön illustriert in dem Bild, welches uns direkt zu Beginn der Geschichte gezeichnet wird. Es regnet, es ist grau und Emma steht alleine und durchnässt auf der anderen Seite des Schulhofs, während ihre Mitschüler im trocknen stehen, so zahlreich, dass es schon eng wird. Die Welt im Regen ist Emmas und die Welt unter dem Dach gehört den neuen Schülern. Es wird explizit erwähnt, dass die Schüler irgendwie alle nett sind, also ist Emma kein klassisches Opfer von Mobbing oder Ausgrenzung. Sie entschließt sich selbst sich auszugrenzen. Vielleicht hat sie auch Angst vor neuen Bindungen oder weiß nicht, wie sie sich in einer neuen Welt zurecht finden kann, oder ob sie das überhaupt will.
Diese Angst vor Veränderung geht so weit, dass sie lieber alleine im Regen steht und durchnässt wird, anstatt zu versuchen sich zu integrieren. Dies könnten Anzeichen für eine tiefere Erkrankung zu sein, aber da wir nur einen kleinen Ausschnitt aus Emmas Leben präsentiert bekommen und kaum sonst etwas zu ihrem Hintergrund erfahren, können wir keine genaue Diagnose treffen.
Emmas Welt fühlt sich für sie an, als wäre sie Unterwasser. Das sagt sie zwar nicht und es steht auch nirgendwo explizit im Text, aber man kann es zwischen den Zeilen deutlich lesen, wenn man sich in sie hinein findet. Sie ist abgetrennt von ihren Mitschülern. Sie ist weit, weit weg. Sowohl physisch, als auch emotional. Es gibt für Emma keinen Weg aus ihrer Welt, deswegen fängt sie an zu ertrinken. Sie ertrinkt beinahe in einer kleinen, lächerlichen Pfütze. So klein und unbedeutend, wie für manche Menschen das Ansprechen Fremder und das Kennenlernen neuer Freunde ist. Aber für Emma ist es beinahe der Tod.
Die Geschichte macht einen ganz klaren Punkt hieraus. Ohne fremde Hilfe, wäre Emma in ihrer Einsamkeit ertrunken. Sie hatte Glück und eine aufmerksame Schülerin rettet sie. Man kann nur hoffen, dass jeder, der sich in einer solchen Situation wiederfindet, daran denkt, dass er oder sie auch soviel Glück wie Emma haben kann.

(BTW: Auch hier würde ich dem Autor raten einen kurzen Blick in diesen Post zu Grammatik zu werfen. https://anime.forumieren.de/t6452-kurzgeschichten-wettbewerb-kunstliche-intelligenz#307312)
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am 10.11.19 23:49
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Schwerelos

Auch diese Geschichte behandelt das Alleinsein und Ausgrenzung durch die Gesellschaft. Im Gegensatz zu der zuvor besprochenen Geschichte, kommt der Konflikt jedoch von Außen und nur am Rande aus dem Inneren des Protagonisten.
Nachdem er seine Homosexualität gestanden hat, verstößt in zuerst sein bester Freund und dann seine Eltern und schließlich auch der Rest der Gesellschaft, bis er selbst nicht mehr in dieser leben möchte und stattdessen lieber ein Leben Unterwasser führen möchte, denn dort ist es ruhig und friedlich und niemand beurteilt ihn nur Aufgrund einer seiner vielen Eigenschaften.
Strukturell beginnt die Geschichte mit dem Ende, bevor ein Flashback etwas mehr Backstory gibt und schließlich wieder an das Ende anknüpft. Dies ist eine beliebte Technik und wird hier recht effektiv eingesetzt. Der Anfang und das Ende ist aber auch der stärkste Teil der Geschichte. Der Anfang aufgrund des Mysteries, was genau gerade geschieht und das Ende, weil der Konflikt nach Auflösung verlangt. Der Mittelteil ist leider etwas spannungsarm, obwohl hier eigentlich viele dramatische Ereignisse aufgezählt werden. Dadurch, dass diese Art von Story mittlerweile ziemlich weitläufig bekannt ist und hier durchaus mit einigen Klischees gearbeitet wird, weiß man schnell wo es endet und dass die Geschichte mit dem Ende eingeläutet wird, trägt leider auch nicht zur Spannung bei.
Ich hätte mir dort einfach etwas mehr gewünscht. Etwas mehr von allem.
Die Geschichte beginnt damit, dass die zerrüttete Freundschaft zum Hauptthema wird. Danach wird direkt erklärt, dass nicht erwiderte Liebe das Problem ist. Dass es sich um homosexuelle Liebe handelt, wird erst später klar, als die anderen anfangen über ihn zu lästern. Hier haben wir ein gutes Beispiel, wie man es hätte anders machen können. Der Autor weiß genau, wie man Spannung und Mysterien aufbaut, schließlich tut er es, indem er das Geschlecht und die Homosexualität erst später enthüllt, nachdem das Thema Nicht-Erwiderte Liebe bereits aus dem Hut ist. Das ist gut, sehr gut sogar. Die Enthüllungen kommen nach und nach. Dies kann man jedoch ausbauen und auf eigentlich jede weitere Enthüllung, die darauf folgt ausbauen.
Zuerst sollte man nicht nur gesagt bekommen, sondern erfahren und erleben, wie gute Freunde sie sind. Auch der Moment, in dem er seine Liebe gesteht, könnte eine spannende Szene sein, in der er mit sich hadert: Soll ich, oder soll ich nicht? Sich bei seiner Familie zu outen, könnte eine weitere wichtige Szene sein. Wie die anderen ihn anstarren und wie schließlich sein bester Freund anfängt schlecht über ihn zu reden, könnte der letzte Stich sein, den ihn dazu bringt, sich umbringen zu wollen. Denn das ist das Leben Unterwasser: Der Tod.
Man muss nicht alles, was ich hier aufgezählt habe eins zu eins umsetzen. Dies sind nur Beispiele, wie man einzelne Szenen interessanter machen kann. Man sollte versuchen alles in der Art und Weise zu erzählen, die für den Leser am spannendsten ist. Ich gebe zu, das Maß zwischen Übertriebenen-In-Die-Länge ziehen und einfachen Aufzählen der schlimmsten Momente im Leben eines Charakters, ist schwierig zu finden. Und diese Geschichte fällt gewiss weder in das eine, noch in das andere Extrem. Es soll als gut gemeinter Tipp sein. Als Autor sollte man sich fragen: Kann ich es noch anders erzählen? Und wird es dadurch besser?
Am Ende des Tages muss es einem immer noch selbst gefallen. Vielleicht habt ihr da andere Präferenzen als ich es habe.

Interessant finde ich, wenn es noch einmal etwas meta werden darf, dass auch hier der Protagonist es nicht selbst schafft, sich aus seiner Depression zu befreien. Auch hier ein sehr realistisches Bild dieser Krankheit, die oft nicht alleine überwunden werden kann.
Am Ende bleibe ich jedoch gerade wegen Elijahs Taten etwas weniger erfreut zurück. Der Protagonist scheint ihm an Ende zu verzeihen, obwohl Elijah nicht einmal wirklich versucht seine homophoben Taten zu erklären oder sich gar dafür zu entschuldigen. Er entschuldigt sich scheinbar lediglich dafür, dass er ihn geoutet hat und dass sein bester Freund sich deswegen umbringen wollte. In keinster Weise scheint Elijahs zu reflektieren, weswegen er vielleicht so reagiert hat und der Protagonist verzeiht ihm blind. Die Gesellschaft ist nicht anders und Elijahs vermutlich noch immer angewidert von ihm und so lässt einem das Ende zurück mit vielen Fragen und einer Menge Ärger.
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am 10.11.19 23:50
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Blaue Tiefen

Diese Geschichte erzählt von einer Tochter eines Adeligen, welche dem Herrscher des Meeres geopfert wird, um ein Dorf vor dem Aussterben zu retten.
Die Erzählung kommt mit ziemlich wenigen Worten aus, was dazu führt, dass Charaktere und Geschehen sehr knapp beschrieben sind. Es erinnert in dieser Hinsicht einer Art Märchen, nur dass am Ende irgendwie die Pointe fehlt. Ich denke, dies ist ein strukturelles Problem. Selbst bei so einer kurzen Erzählen hätte ich mehr darauf geachtet, wichtige Informationen zur richtigen Zeit dem Leser zukommen zu lassen. Beispielsweise wird kurz vor Schluss bereits gesagt, dass ihr Vater sie dem Herrscher des Meeres geopfert hat. Vielleicht wäre es besser diese Information bis zum tatsächlichen Ende aufzusparen. Sozusagen als Punchline. Über die gesamte Länge hinweg, hätte man hier und da sicher etwas mehr ausbauen können und so mehr Spannung erzeugen.
Inhaltlich ist die Idee eigentlich durchaus interessant. Die Tochter könnte sich in die Reihe der Protagonisten eingliedern, welche von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Bei ihr geht es sogar so weit, dass sie zum Wohle der Gesellschaft geopfert wird. Warum gerade sie so ungewöhnlich ist, bleibt offen, aber vielleicht geht es auch gerade darum: Manchmal schließen die Menschen andere Menschen ohne echten Grund aus.
Ein anderer Interpretationsansatz wäre natürlich ein ökologischer. Das Meer verlangt nach einem Tribut, vermutlich für die Sünden der Menschen am Land. Die Fischer könnten die Meere überfischt haben, vielleicht auch verschmutzt. Der Mensch zerstört die Natur und das erzürnt den Herrscher des Meeres. Am Ende bleibt dem Menschen nur, dafür zu büßen. Es ist eine mögliche Interpretation und sicherlich etwas, woran die Autorin beim Schreiben gedacht hat. Leider bleibt uns nur wenig Material, um dies wirklich klar zu belegen.
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am 10.11.19 23:50
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The Hunley

Diese Geschichte handelt von einem tatsächlichen, historischen Event: Dem Angriff des Bürgerkrieg-U-Boots H.L. Hunley auf das dampfbetriebene Segelkriegsschiff USS Housatonic und dessen Folgen für die Besatzung. Das historische Ereignis wird hier relativ originalgetreu wiedererzählt, sofern meine kurze Recherche das überprüfen konnte. Lediglich die auftauchenden Figuren scheinen vollkommen frei erfunden zu sein.
Das Event an sich ist ein guter Stoff für eine Kurzgeschichte. Ein U-Boot auf einer wichtigen Mission, ein unverhoffter Triumph gepaart mit einer Tragödie. Alle Elemente sind da, die Geschichte ist schlüssig erzählt und sobald die handelnden Figuren im U-Boot sitzen, nimmt es auch einiges an Fahrt auf.
Das Positivste zuerst: Es fühlt sich nicht wie eine Geschichtsstunde an. Klar, der Anfang erinnert kurz an ein Lehrbuch, aber danach wird lebhaft erzählt, ohne dabei auf originalgetreue zu verzichten.
In der Erzählung fehlt es dann doch ein wenig an Dramatik, was vor allem damit zusammenhängt, dass die Figuren allesamt sehr blass gezeichnet sind. Es gibt zwar sehr viele, aber wirklich wichtig erscheint keine Figur zu sein. Es ist sogar über weite Strecken der Geschichte schwer zu sagen, wer überhaupt der Protagonist sein soll. Nicht, dass jede Geschichte einen klaren Protagonisten brauch, aber für eine solche Kriegsgeschichte wäre ein emotionaler Anker sicher vorteilhaft gewesen.
Ohne Backstory, Drama und echten Konflikt zwischen den Crew-Mitgliedern, bleibt die Geschichte etwas emotionslos und kalt. Ein echter Kritiker würde vermutlich so etwas sagen wie: Dieses Werk hat alle Zutaten für ein tragischen Kriegsdrama, nur müsste ein Dramatiker sie noch richtig zusammenwerfen und wissen, welches Gewürz, man vielleicht besser weglässt, damit das Mahl am Ende gut schmeckt.

Wer mehr über die Hunley erfahren möchte. Wikipedia ist sicher ein guter Einstieg: https://de.wikipedia.org/wiki/H._L._Hunley

(Auch hier sind übrigens viele Satzzeichenfehler bei wörtlicher Rede. Ich hoffe der Autor liest sich noch einmal genau die Anmerkungen zu Zeichensetzung in diesem Post durch: https://anime.forumieren.de/t6452-kurzgeschichten-wettbewerb-kunstliche-intelligenz#307312)
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am 10.11.19 23:51
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Mein zweites Leben in der Tiefsee

Auch diese Geschichte beginnt mit einer Person am Meer, dieses Mal ein Mann, welcher auf die Welle heraus starrt. Der Protagonist wurde von der Gesellschaft ausgeschlossen und nicht einmal seine Eltern sprechen mehr mit ihm, seitdem er seine Homosexualität öffentlich gemacht hat. Der Konflikt kommt auch hier eher von Außen. Die Gesellschaft ist nicht bereit dafür, ihn zu tolerieren, so wie er ist, er hat niemanden in seinem Leben und nichts für das sich scheinbar das Leben lohnt.
Interessanterweise gibt es ein Element, was die Geschichte von der Idee von Ausgrenzung von den anderen unterscheidet: Er wird mit einer Krankheit diagnostiziert, die offenbar unheilbar ist. Er beschließt daraufhin, jeden Tag zu nehmen wie er kommt und den Rest seines Lebens halt alleine zu verbringen. Dieses Element benennt seinen Geisteszustand ganz klar als Krankheit. Zugegeben, man könnte es auch seine Krankheit auch als eine physische Erkrankung interpretieren, aber dadurch dass es nicht genau benannt wird, ist es offensichtlich absichtlich nicht eindeutig definiert. Seine Krankheit ist also die Depression, vielleicht hervorgerufen von der Ausgrenzung durch die Gesellschaft, aber auf jeden Fall geschürt durch seine Einsamkeit. Der Eindruck, dass es keinen Ausweg mehr gibt und er völlig alleine am Meer leben muss und ihm nichts mehr in dieser Welt hält, zeugt eindeutig von depressiven Denkweisen. Dass es Subkulturen gibt, in denen seine Homosexualität kein Problem wäre (man weiß nicht genau wann und wo es spielt, weswegen es schwer zu sagen ist, ob die Akzeptanz nicht vielleicht woanders weiter verbreitet ist) oder er selbst den Kampf gegen Homophobie aufnehmen könnte, scheint ihm gar nicht in den Sinn zu kommen. Er ist nicht diese Art von Person. Er scheint aufgegeben zu haben. Die Depression gewinnt und die Krankheit wird ihn früher oder später töten, er weiß es und vielleicht haben es ihm sein Ärzte auch prophezeit, als er seine Therapie abgebrochen hat.
Was mich vor allem auf diesen Weg der Interpretation bringt, ist die wiederholte Erwähnung des Wortes Fantasie. Der Meerjungfraumann wird beschrieben als Fantasiewesen. Die Unterwasser-Welt als Fantasiewelt. Der Protagonist gibt selbst zu, dass er gerade im Begriff ist, die reale Welt vollständig hinter sich zu lassen. Er rettet einen Meerjungfraumann, der ihn akzeptiert, so wie er ist. Dieser entledigt ihn all seiner Kleider und all dem Ballast, den er aus der realen Welt mitgebracht, bis nichts mehr davon da ist. Er entschuldigt sich bei dem Meerjungfraumann für sein Verhalten, für seine Krankheit und dass er bald sterben muss, aber das Fantasiewesen verzeiht ihm. Und als er der Anführerin vorgestellt wird und er sie bittet, in dieser Fantasiewelt bleiben zu dürfen, gewährt sie ihn seinem Wunsch ohne jegliche Gegenwehr, ohne Forderungen oder irgendwelcher Dramatik. Das Ende plätschert so dahin, es ist unaufgeregt und wirkt vielleicht sogar etwas belanglos. Das ist die Welt, die der Protagonist gerne hätte. Die Welt, in der er gerne leben würde. Eine Welt, in dem ihn jeder akzeptiert und das obwohl er anders ist. Eine Welt, in der er seine Depression vergessen konnte. Eine Welt die es nicht gibt.

(BTW. Auch hier Grammatikfehler bei wörtlicher Rede. Bitte hier lesen, um zu lernen: https://anime.forumieren.de/t6452-kurzgeschichten-wettbewerb-kunstliche-intelligenz#307312)
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am 10.11.19 23:51
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Das verschollene Volk

Nachdem man alle Geschichten gelesen hat, ist es schwierig sie nicht untereinander zu vergleichen und wenn ihr ebenfalls alle gelesen habt, habt ihr sicher die Gemeinsamkeiten festgestellt. So faszinierend diese Gemeinsamkeiten sind, so viel interessanter finde ich die Unterschiede.
Das Thema ist hier ein anderes, obwohl die Story sehr ähnlich ist. Von Anfang an wird klar gemacht, dass Robin kein Problem mit der Gesellschaft oder mit sich selbst hat. Er (Ich nehme der Einfachheit wegen an, dass er ein Mann sei, obwohl das Geschlecht nie genau spezifiziert wird) ist eigentlich zufrieden mit seinem Leben, schließlich arbeitet Robin als erfolgreicher Musiker und scheint auch sonst ziemlich viel Glück in seinem Dasein zu finden. Das unterscheidet ihn von allen anderen Protagonisten, die wir bisher so hatten. Trotzdem hat er dieses Verlangen einfach unter Wasser zu bleiben. Ein Verlangen, das er nicht erklären kann.
Der Beginn der Geschichte ist deswegen besonders interessant. Es ist das Mystery, das Spannung bringt und die richtigen Elemente werden etabliert und Fragen aufgeworfen, die nach Antworten verlangen: Wer ist dieses Mädchen? Was hat es mit dieser Münze auf sich? Dann wird eine Frage nach der anderen, in einer spannenden Art und Weise beantwortet. Ich glaube für mich ist die Geschichte bis zu dem Zeitpunkt, an dem Robin von seiner Begleiterin die Unterwasser-Welt erklärt bekommt, nahezu perfekt umgsetzt. Das ist genau das, was ich meine, wenn ich von Spannungsbögen spreche oder wenn ich von Charaktereinführung spreche, Man versteht, woher der Charakter kommt und kann seine Taten nachvollziehen. Man fiebert mit, weil man genauso wie er erfahren möchte, was als nächstes passiert. Auch wenn der Protagonist in diesem Teil nur passiv ist und ihm Dinge passieren, so trifft er auch wichtige Entscheidungen, wie z.B. dem Mädchen zu vertrauen, obwohl er sie kaum kennt. Er selbst gibt es sogar zu, dass was er als nächstes tut, ziemlich verrückt ist und zweifelt an seinen Entscheidungen im späteren Verlauf. Es ist nicht klar, wohin sie ihn führen wird und ob sie ihm nicht sogar etwas antun wird. Aber er tut es trotzdem. Das Verlangen nach etwas Neuem und vielleicht der Antwort nach einer Frage, die er sich lange in seinem Innern gestellt hat, näher zu kommen, scheint seiner Furcht und sogar Vernunft zu überwiegen.
Während die anderen Protagonisten von ihren schlechten Gefühlen getrieben werden, wird Robin eher von seinen positiven Gefühlen getrieben. Dem Drang zu entdecken, etwas über sich zu erfahren. Vielleicht liegt es an den anderen Geschichten, die mit einer sehr negativen Weltsicht daher kommen, aber irgendwie empfand ich das als erfrischend.
Der Mittelteil der Geschichte beschreibt, wie er die Unterwasserwelt kennenlernt. Dabei gibt es nicht unerheblichen Teil an Worldbuilding, leider wird er ausschließlich durch Exposition in Dialogform mit seiner Begleiterin an den Leser vermittelt. Etwas mehr Abwechslung hätte ich mir hier vielleicht gewünscht. Die Welt erscheint zauberhaft, aber es kommt im Mittelteil nicht so viel davon rüber. Ich vermute die Autorin hatte Angst hier den Rahmen zu sprengen, genug Fantasie war schließlich vorhanden. Es wurde zuvor ein klarer Konflikt geschaffen: Soll er sich für diese Welt oder die andere entscheiden? Mit etwas spielerischer Erforschung der Unterwasser-Welt, die so viel mehr Vorteile gegenüber der Obrigen-Welt haben könnte, wäre die Entscheidung für ihn vielleicht noch etwas schwieriger gewesen und seine Entscheidung, dass er es aufgrund seiner Leidenschaft zur Musik nicht tun kann, noch tragischer geworden. Dramaturgisch könnte man hier noch etwas nachbessern.
Am Ende entscheidet er sich für sein altes Leben, damit ist er der Einzige, in unserer Reihe von Protagonisten. Der Schluss zeigt sich also optimistisch und sagt ganz klar: Man kann auch in unserer Welt dazu gehören und selbst wenn man sich so fühlt oder sogar weiß, dass man hier in Wirklichkeit nicht hingehört, kann man hier trotzdem überleben. Eine durchweg positive Botschaft, die mir persönlich sehr gefällt.

(Hier gibt es hinten raus auch Fehler bei der Zeichensetzung bei wörtlicher Rede. Schade, weil es am Anfang richtig war. Hier der Link zu einer Erklärung: https://anime.forumieren.de/t6452-kurzgeschichten-wettbewerb-kunstliche-intelligenz#307312)
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am 10.11.19 23:52
Review zu:

Gelb

Diese Erzählung ist in der Form eines Logbuches geschrieben. Dieses erzählt von einer Unterwasser Forschungseinrichtung, welche das Leben dort unten untersuchen möchte. Dabei finden sie ein mysteriöses gelbes Objekt: Ein U-Boot. Hier bemerkt man dann, dass das Logbuch gar nicht von einem Menschen, sondern vermutlich von einer Außerirdischen Rasse geschrieben sein muss.
Dies ist ein spannendes Konzept und die Erzählungen in den Einträgen führen einen schnell und stringent ans Ziel. Der Twist zeichnet sich durch ein paar Formulierungen bereits vorher ab und spätestens am Ende, wird es klar aufgelöst.
Im Grunde hat diese Geschichte nur einen einzigen Charakter, nämlich den Verfasser der Logeinträge. Über dieses erfahren wir fast gar nichts, aber irgendwie macht das auch nichts. Ich hätte mir etwas mehr persönliche Handschrift von ihm gewünscht, aber es es absolut okay, diese in einem wissenschaftlichen Bericht nicht zu haben.
Das Ende ist kommt undramatisch daher, aber ist nicht ohne Bedeutung.Das Alien stuft den Menschen als Bedrohung ein und fordert seine Terminierung. Zuerst dachte ich, man hätte vielleicht noch einen weiteren Eintrag danach gebrauchen können, um zu erklären, was beim Zusammentreffen passiert ist, aber nach längerem Nachdenken darüber, finde ich, dass es das gar nicht braucht. So hat es mich viel mehr an klassische Science-Fiction Kurzgeschichten erinnert, von denen ich ein großer Fan bin, also hoffe ich nur eines: Dass die Autorin nicht aufhört zu schreiben ;-)

BTW, wer Fan von dieser Geschichte ist, könnte vielleicht auch Gefallen an so etwas wie All Summer in a Day von Ray Bradbury haben, Hier eine Audio.Version davon:

Sanja
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 11.11.19 10:47
Ich weiß nicht genau ob das der richtige Ort für diese Antwort ist, aber da mir kein besserer Ort dafür einfällt schreibe ich halt hier.


Vielen, herzlichen Dank für die tolle Rezension. Ich hatte ehrlich nicht damit gerechnet überhaupt Stimmen für meine Geschichte zu bekommen und freue mich um so mehr über die Stimmen die ich bekommen habe.


Interessant finde ich den nebenbei erwähnten Hinweis auf die schlüpfrigen Witze. Ich vermute das bezieht sich auf "I'm completly wet"? Ich hatte bei diesem Satz wirklich keinerlei Hintergedanken. Bein nochmaligen lesen sehe ich die Doppeldeutigkeit aber auch. Immer wieder schön wie unterschiedlich geschriebenes interpretiert werden kann.
Davon abgesehen hast du meine Idee hinter der Story allerdings wunderbar auf den Punkt gebracht.

Die Idee zu dieser Story entstand übrigens vor ein paar Jahren während einem Sanitäter Lehrgang bei dem es um den Umgang mit Bewusstlosen Personen ging. Auch wenn der Patient noch so bewusstlos ist, sollte man ihn immer behandeln als wäre er wach, da ein solcher Zustand durchaus vorkommen kann.

Die Kritik bezüglich Rechtschreibung und Grammatik muss ich so annehmen. Das ist wohl meine größte Schwäche und wird das auch bleiben. Ich könnte jetzt Ausreden finden. Als alter Legastheniker ginge das. Aber es sind nur Ausreden und die zählen nicht. Ich versuche es beim nächsten mal besser zu machen. Mehr kann ich da nicht versprechen.


Langer Rede kurzer Unsinn: DANKE!
Ioreth
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 11.11.19 15:47
Danke für die wieder einmal ausführliche Rückmeldung zu meiner Geschichte ^^
Das mit den Rechtschreibfehlern ärgert mich tatsächlich, vor allem, wenn Word mal wieder nicht alles als falsch erkennt, was eig falsch ist. Die mischung aus autocorrect am Handy und meinen Tippfehlern am PC hat das ganze wohl nicht besser gemacht xD
Aber mir hat das Thema Spaß gemacht, und es ist auch deutlich mehr aus meinem akopf gekommen, als ursprünglich vorgesehen ^^° ja ich wollte mich an manchen Stellen tatsächlich etwas zügeln ^^°
Noch mal Danke! Hat mir Spaß gemacht und hoffentlich ist das nächste Thema ebenfalls etwas interessantes^^
Resquiat_in_Pesto
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Unterwasser

am 13.11.19 18:33
Yeh, bin ich froh doch noch etwas abgegeben zu haben.
Ich hatte ja im Chat erwähnt, dass ich keine Zeit mehr hätte, habe aber (nachdem Todd mich drauf hingewiesen hat, dass ich noch einen Tag habe) am letzten Tag bis 20 Minuten vor Abgabe fertig geschrieben.

Die Überprüfung von Lesefluss/Grammatik/Rechtschreibung dauert leider immer ein bisschen, weswegen es so kurz ist (und mindestens einen Fehler hab ich übersehen), aber ich wollte die süße Qualle!
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am 14.11.19 21:13
Wie findet ihr das Thema "Reise" als nächstes?
Ioreth
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am 14.11.19 21:25
Ich mag es^^
Kann man sehr viel draus machen :D
Sanja
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am 15.11.19 8:51
Hat zumindest viele Möglichkeiten.
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