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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

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Umfrage beendet
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 13.07.20 21:19
Edit 18.08.2020

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Coollogo_com-214761942


Die Abstimmung geht wie immer 7 Tage bis zum 25.08.2020... etwa 18:15 Uhr



Hallo Leute,

viele haben ja weiterhin Interesse an den Wettbewerben und ich habe eine Umfrage gestartet, welches Thema ihr als nächstes wollt, dabei wurde mit Mehrheit für "Erinnerungen" gestimmt. Es wurde auch wieder das Feedback angesprochen und obwohl ich offiziell kein formales Feedback mehr im Stile eines Reviews geben werde, kann ich gerne informell ein paar Eindrücke teilen. Falls jemand Interesse hat, Reviews zu schreiben, kann die Person sich gerne melden und Mitglied der offiziellen Jury werden. Derzeit sind alle Plätze darin offen.
Ich hoffe ihr findet in den Ferien/Urlaub etwas Zeit zum Schreiben ;-) Viel Spaß dabei!

Das Thema dieses Mal ist: Erinnerungen
Dieser Begriff ist natürlich wie immer frei zur Interpretation und jeder der will kann mitmachen!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Die Geschichte ist bis zum
16.08.2020 23:59 Uhr einzureichen. 
Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
https://anime.forumieren.de/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe

Bitte lest und beachtet diese vor der Abgabe.






Zu Gewinnen gibt es wie immer wunderschöne Abzeichen von @Mithras :


Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen ZWebxxRKurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen SI5GnI8Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen ZZbZpfn


Zuletzt von Akeem am 18.08.20 18:09 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 23.07.20 13:13
@BlackCloud hat sich bereit erklärt dieses Mal in der Jury für Feedback zu sorgen. 
Gerne können sich auch noch andere zugesellen. Einfach bei mir melden!
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 18.08.20 17:55
Die Bestie



Unbarmherzig brannte die Sonne vom Himmel und erhitzte den Grund. Ein junger Bursche, an der Schwelle zum Mannesalter trotzte der sengenden Hitze und bahnte sich seinen Weg den Berg hinab.
Das Wissen um die Kreaturen, welche im Dickicht dieses Landes lauerten, ließ seinen Blick immer wieder zum Gebüsch und zu den Bäumen schweifen. Erst einen Tag zuvor hatte man ihm von der Sichtung einer solchen Bestie erzählt und so wollte er dieser Sichtung auf den Grund gehen. So es die Götter wollten, würde er das Ungetüm vom Land seiner Familie vertreiben.
Gerade als er der Mittagssonne nachgeben wollte und zurück sah, entlang des Wegs den er hier her gekommen war, erweckte ein Geräusch seine Neugier. Die raschelnden Blätter im dichten Gestrüpp wirkten nahezu hypnotisch. Auf alles gefasst näherte sich der Junge langsam dem Dickicht. Seine Augen glitten hin und her doch er konnte nichts erkennen.
Er erhaschte einen flüchtigen Blick auf das schuppige Ende eines Schwanzes, doch so schnell er es wahrnahm, so schnell hatte sich das Tier auch wieder verborgen. Als die Sohle seines Schuhs jedoch die trockenen Blätter am Rand des Waldes berührte, zeigte sich die Bestie. Sie zischte und fauchte, stellte ihren muskulösen Körper auf und zeigte dem Heranwachsenden die Fänge.
„Nein, mein Sohn! Lauf!“ hörte er die entfernten Rufe seiner Mutter, die ihm bis hier hin gefolgt war. Doch es war bereits zu spät. Das Biest würde nicht mehr von ihm ablassen, er musste sich dem Kampf stellen. Die riesige Schlange wand ihren Körper, wickelte ihn auf. Es war schwer zu sagen, wie groß sie war, denn wo man hinsah verknoteten sich schuppige Muskeln.
Nur dank seiner blitzschnellen Reaktion konnte der Junge dem ihm entgegen schnellenden Maul ausweichen. Er packte das Monster am Schwanz und wirbelte es um sich. Immer wieder schnappte die Schlange ins Leere.
Ein brennender Schmerz ließ den Burschen zusammen zucken. Unzählige rasiermesserscharfe Zähne bohrten sich durch seine Haut. Das Maul des Tiers hatte sich um seinen Fuß gelegt, Blut floss der Kreatur bereits aus den Mundwinkeln.
Ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohl packte der Junge den Hals der Schlange und riss sie von seinem Körper. Verdutzt flog das Biest durch die Luft und landete im Gebüsch in dem es zuvor ruhte, ehe es geschlagen von Dannen zog.
Erst als auch das letzte Geräusch außer Hörweite verstummte und er sich sicher war, dass die Kreatur die Lande seiner Familie verlassen hatte, trat der junge Held seinen Rückweg an. Am Gipfel des Berges, auf dem sein Heim erbaut war, versorgte seine Mutter seine Wunden uns voll Stolz erzählte er von seiner Heldentat.
Und jetzt im Schnelldurchlauf meine echte Erinnerung die dahinter steckt: Mein Opa hat eine Ringelnatter auf dem Asphalt in seiner Einfahrt gesehen und ich (damals ca. 7 Jahre alt) wollte sie fangen. (Ich hab sowieso jedes Tier im Garten gefangen, egal ob Schlange, Frosch oder Grashüpfer). Ich bin also die Einfahrt runter gelaufen, hab die Schlange am Schwanz aus dem Busch gezogen und sie hat mir in den Fuß gebissen. (Sie war länger als ich groß war und deswegen ist ihr Kopf auf meinem Fuß aufgelegen) Meine Mama war ganz panisch und mein Papa und Opa waren amüsiert.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 18.08.20 17:57
Wer bin ich?


Mein Leben war nicht immer leicht. Jeder kann wohl diesem Satz zustimmen.
... Nein. Das ist kein guter Einstieg. Ich versuche es nochmal.
Gefühle können sehr kompliziert sein. Vor allem wenn sie zu einer Art Selbstfindungsphase führen. So war es zumindest bei mir. Irgendwann im Leben kommt man an einen Punkt, an dem man das alte Kapitel schließt. Man schließt nicht das ganze Buch. Aber nachdem das vorherige Kapitel abgeschlossen ist muss man sich erst einmal neu orientieren. Irgendwann beginnt man zum Beispiel sich zu fragen, wer man überhaupt ist oder wer man sein will. Bei mir kam diese Frage relativ spät würde ich sagen. Klar, manchmal habe ich mich das gefragt, doch es hat sich nie etwas in meinem Leben verändert. Ich war immer das Mädchen, das ich mein ganzes Leben über war und daran wollte ich auch nichts ändern. Anders dieses eine Mal. Doch eigentlich war das auch nicht der Beginn der Geschichte. Am besten fange ich mal ganz am Anfang an.
Ich habe ein relativ normales Leben geführt. Ich ging in den Kindergarten, in die Grundschule, verletzte mich mal leicht und mal heftiger. Alles normal. Ich war auch schon immer sehr still. Manchmal etwas zu still. Das war auch der Grund, warum ich nie wirklich viele Freunde hatte. Doch das war okay für mich. Es war normal für mich. Auch in der Schule war ich nie die beste, wollte das aber auch gar nicht sein. Ich glaube die erste große Änderung in meinem Leben war, als ich meinen Vater verlor. Na gut, verlor ist vielleicht etwas übertrieben. Er hatte den Kontakt abgebrochen. Eigentlich sind die genauen Umstände auch überhaupt nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich mich seit dem Tag für Männer interessiert habe, da es in meiner Familie mehr Frauen als Männer gab und mir mein Vater gefehlt hat. Das 'Interesse' klingt jetzt auch schon wieder falsch. Oh man. Jedenfalls verlief mein Leben danach relativ normal weiter, nur ohne Vater. Kleider und Röcke mochte ich auch eigentlich nie. Schon als kleines Kind war mein Lieblingsrock einer mit eingenähter Hose. Ständig darauf zu achten, dass man nichts sieht und so unbequem zu sitzen, war einfach nicht mein Ding. Durch eine damalige Freundin kam ich zum Manga lesen. Es war eine tolle Zeit und mein Interesse im Bereich Manga wurde größer, je mehr ich las. Sie zeigte mir auch meinen ersten Anime, wofür mir jedoch ziemlich die Zeit fehlte. Leider. Auch die Position des Familien-Computers, mitten im Wohnzimmer, erschwerte es mir, Animes zu sehen. Irgendwann kam ich dann auch zu Yaois, von denen ich direkt irgendwie begeistert war. Ich fand die Handlungen gut und auch die Sex-Szenen waren nicht abstoßend. Doch das brachte ein Problem mit sich. Durch Schule, Hausaufgaben und meinem normalen Leben hatte ich nicht viel Zeit, sodass ich begann auf dem Weg zur Schule, im Bus oder sogar in den Pausen in der Schule zu lesen. Ich nutzte jede Möglichkeit, egal wie klein sie war. Da war es natürlich etwas schwierig Yaoi zu lesen. Erst recht wenn der Titel eindeutig darauf hinwies worum es ging. Dennoch hielt mich das nicht davon ab, auch diese zu lesen. Wenn ich mich mit meiner damals noch besten Freundin traf, haben wir viel geredet und sehr schnell auch mit Rollenspielen angefangen. Wir erstellten uns passende Charaktere. Meine waren immer männlich und irgendwie dumm. Ihre waren immer weiblich und verrückt. Da wir die RPG's richtig spielten, kam es auch schon mal vor, dass unsere Charaktere gekuschelt haben. Meine Freundin war sehr weich und warm. Es war so angenehm. Irgendwie mochte ich das alles. Ich mochte sie. Jedoch hatte ich mich irgendwann vielleicht etwas zu sehr da rein gesteigert. Heimlich natürlich. Auch wenn ich noch immer nicht weiß, wie ich das geheim halten konnte. So unglaublich es für mich auch war, ich habe mich fast in meine beste Freundin verliebt. Doch das ist falsch, dachte ich mir. Wir hatten schon einmal aus Spaß darüber geredet, was wäre, wenn wir uns ineinander verlieben würden. Das Ergebnis war, es würde niemals etwas daraus werden. Also genoss ich einfach die Liebe die mein RPG Charakter von seiner Freundin erhielt. Ich mochte es, dass der Charakter alles machen konnte, was ich im wahren Leben nie machen könnte oder würde. Wie zum Beispiel Streiche spielen und bei diesen auch mal so richtig zu übertreiben. Doch dass mein Charakter irgendwie immer männlich ist, ist mir damals noch nicht wirklich aufgefallen. Das kam erst nach einigen Jahren des RPG'n. Jedenfalls war sie der Auslöser für das alles und nachdem die Freundschaft endete, kam ich irgendwann auch zum Cosplayen. Meine Noten in der Schule waren okay, ich hatte ein paar wenige Freunde, alles war okay... Bis ich mein Abi machte. Zu dieser Zeit hatte ich insgesamt 3 Freunde. Meine Kindheitsfreundin; eine, die ich erst in dem letzen Jahr kennengelernt hatte und einen Jungen, der so gut wie keine sozialen Kontakte pflegte. Er verließ sein Zimmer nur, wenn es unbedingt nötig war und hatte kein großes Interesse in Freunden. Oh, und er war schwul. Also nicht dass das irgend einen Unterschied gemacht hatte. Irgendwie fand ich das mega cool. Zum einen weil ich noch nie jemanden wie ihn kannte und wir die gleichen Anime Typen hot fanden, aber auch weil ich ihn dafür bewunderte, dass er so offen damit umging. Nervig waren nur die Gerüchte weil ich als eine von wenigen überhaupt mit ihm Kontakt hatte und relativ viel mit ihm sprach. Das war einfach mein Leben zu diesem Zeitpunkt und alles schien okay zu sein. Bis ich mir diese eine Frage stellte. Wer bin ich eigentlich? Klar, ich wusste wer ich bin. Ich kannte mein Leben und wie ich es bisher gelebt hatte. Doch war das wirklich ich? Ein viel zu schüchternes Mädchen, ohne wirkliche Freunde, das Mauerblümchen der Schule, unbeachtet und doch da. War das wirklich ich? Es schien so. Doch irgendetwas war merkwürdig. Ich hatte gerade einen neuen Charakter zum Cosplayen gefunden und probierte das erste Oberteil dafür an. Hmm... Irgendwas war falsch. Dann bemerkte ich es. Eine flache Brust unter dem Shirt würde besser aussehen. Gedacht, getan. Ich band mir einen Verband um und es klappte einigermaßen... und es fühlte sich gar nicht mal so schlecht an, mich so im Spiegel zu sehen. Es gefiel mir irgendwie sogar. Aber das ist verrückt, dachte ich. Das ist nicht normal. Nein. Ich muss den Verband wieder ab machen, dachte ich. Doch eigentlich wollte ich das nicht. Warum nur? Okay, manche Cosplayer verwenden auch Binder für männliche Charaktere. Das war also gar nicht mal so ungewöhnlich. Aber irgendwie wollte ich das nicht nur zum Cosplayen. Viel mehr entstand der Wunsch, ein Junge zu sein. Meine RPG Charaktere waren immer männlich. Jungs konnten einfacher das machen, was sie wollten. Immerhin war es schon normal, dass Jungs mehr Unsinn machten, während Mädchen doch eher dem Bild entsprechen sollten, nett und höflich zu sein. Mädchen hatten den Ruf reifer als Jungs zu sein. Ich muss sagen, mir war es schon immer relativ egal wie genau andere leben, solange sie sich wohl fühlten. Den ein oder anderen fing ich sogar an, zu bewundern, da sie mit aller Öffentlichkeit teilten, dass sie ein Transgender sind. Doch was ist mit mir? Wer bin ich? Wer will ich sein, oder doch besser was will ich sein? Ein Junge. Das wurde immer mehr meine Antwort und dennoch schien dies unrealisierbar für mich. Ich bin ein Mädchen. Anders als andere, aber doch ein Mädchen. Mit allem was dazu gehörte. Ein ganz normales Mädchen. Und doch immer anders. Doch wollte ich mich so zeigen, wie ich mich wohl fühlte. Ich ließ mir die Haare kürzer schneiden als sonst. Es gefiel mir, da es ein wenig nach einer Jungenfrisur aussah. So war es zwar nicht geplant, doch es gefiel mir so sogar besser als so, wie es hätte aussehen sollen. Am nächten Morgen nannte mich meine Mom auch, jedoch nur als Spaß, "mein kleiner Junge". Zuerst wollte ich ihr antworten, dass ich nicht klein bin, ließ es aber sein, da ich dachte es wäre sonst zu offensichtlich, dass mich der Begriff Junge nicht störte. Danach fing ich auch an, mir mehr Oberteile und Hosen aus der Herrenabteilung zu kaufen. Es hatte mich noch nie gestört dort als Mädchen zu gucken und teilweise besaß ich auch schon Herrenkleidung, da mir entweder das Motiv oder der Schnitt besser gefielen. Bei T-Shirts war das Motiv meist ein Totenkopf, da ich diese schon lange mochte. Zudem wurde der Einkauf erleichtert durch die Tatsache, dass meine Mutter in einem Kleidungsgeschäft arbeitete. Ich kaufte mir also T-Shirts für Jungs und Herren, Poloshirts und sogar Hemden. Ohne Probleme zog ich diese auch in der Schule an. Ich fühlte mich so wohl, doch das Gefühl in mir und die Frage wer ich wirklich war, ließen mich nicht in Ruhe. Bald darauf fingen die anderen Schüler und vermutlich selbst ein paar Lehrer an, mich komisch anzusehen und zu tuscheln, was mit mir denn nicht stimme. Das kannte ich teilweise schon. Ich hatte schon so den ein oder anderen Ruf hinter mir. "Das Mädchen, das nicht redet" oder auch "Die Manga-Verrückte". Doch davon hatte ich kaum etwas mitbekommen. Ich erfuhr davon durch Schüler die sich über mich lustig machen wollten oder Gerüchte in die Welt setzen wollten. Das hatte mich jedoch nie sonderlich gestört und nach kurzer Zeit war das alles auch schon wieder vorbei. Doch dieses Mal würde es anders laufen, das hatte ich damals schon im Gefühl. Mal wieder starrten mich alle an und dann passierte das, was mich irgendwie verletzte. Ein Mädchen kam zu mir und sprach mich an. „Sag mal… Warum trägst du eigentlich immer Jungs Sachen? Was stimmt nicht mit dir?“ Mit mir sollte etwas nicht stimmen? Nur weil ich die Kleidung trug in der ich mich wohl fühlte? Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Es verletzte mich, denn niemand sprach mich sonst an und nun sagt mir auch noch jemand, dass es nicht okay ist, wie ich mich kleide, wie ich mich wohl fühle. Die Menschen respektierten es nun mal nicht wenn jemand anders war. Und ich war definitiv  anders. In jeglicher Hinsicht, die mir einfiel. Ich wäre am liebsten im Boden versunken, wenn das denn möglich wäre. „Ich… Nun ja… Es gefällt mir halt. Ich fühle mich darin wohl“ brachte ich dann doch noch raus. Das Mädchen sah mich abwertend an und ging dann einfach. Oh man, das war mir zu dem Zeitpunkt extrem unangenehm. Doch dieser Kommentar war nicht das Einzige. Ich spürte all die Blicke auf mir. Sie fühlten sich wie Messerstiche an. Jeder einzelne Blick bohrte sich durch mich. Ich dachte darüber nach, ob es nicht besser wäre, wenn ich vielleicht doch lieber das normale Mädchen spielte? Aber das wollte ich nicht. Ich wollte sein, wer auch immer ich bin. Nicht was jemand von mir erwartet. Dann spürte ich eine warme und angenehme Hand auf meiner Schulter. So eine Zärtlichkeit war in dieser Welt nicht möglich. Ich blickte nach hinten und sah meine beste Freundin. Es war, als würde sie all die Messerstiche abwehren die mich in Form von Blicken trafen. Bei ihr konnte ich immer sein, wer ich wollte. Ich konnte sagen und machen was immer ich wollte und die Welt um mich herum verlor an Bedeutung. Sie lächelte mich an und wir setzten uns auf unsere übliche Bank in der Pausenhalle. Ich winkelte noch die Beine an. Einfach weil es bequem war… Und wegen meinem momentanen Lieblings Anime Charakter, L Lawliet. Es war mal wieder alles egal. Sollten mich die Leute doch blöd angucken. Hauptsache, ich war bei meiner besten Freundin. Sie gab mir immer wieder den nötigen Halt. Das habe ich schon immer an ihr gemocht. Sie hatte die Situation mitbekommen und so brauchte ich ihr nichts zu erzählen. "Du kannst sein wie du willst. Dich hat noch nie gestört was andere über dich denken. Warum willst du dann jetzt damit anfangen?" Es waren eben diese Worte, die ich in diesem Moment gebraucht hatte. Und es waren die Worte, die mein Leben veränderten.

Mittlerweile laufe ich unter dem Namen Jona umher und es ging mir nie besser. Es ist nicht so, dass ich mich verändert habe. Oder doch, eigentlich habe ich mich sehr verändert. Ich bin stärker geworden und habe mir mein eigenes Leben aufgebaut. Ich bin die Person, die ich sein will. Die Person, als die ich mich richtig und wohl fühle. Und doch denke ich auch gerne zurück an den Moment, in dem ich den Entschluss fasste, mein Leben zu leben.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 18.08.20 17:58
Ein Moment, der alles änderte


Ich stehe vor deinem Zimmer, kann es nicht betreten. Auch, wenn ich es kenne und fast jeden Tag drinnen war, es ist fremd, anders, kalt. Meine Stirn berührt das Holz und ich schließe die Augen. Fast höre ich dein Lachen nach außen hallen, wenn du mit Freundinnen spielst, oder Serien schaust. Doch es sind alles Erinnerungen, sie hallen nach. Meine Hände ergreifen zitternd das kalte Metall der Türklinke, sie ist auch fremd, nicht mehr die Verbindung zum Zimmer meiner geliebten Tochter. Ich drücke sie herunter, betrete dein Zimmer. Es wartet auf dich, so scheint es. Es ist im gleichen Zustand wie vor deiner Abreise. Gestern Mittag hattest du aufgeregt in deinem Schrank gewühlt, Kleidungsstücke anprobiert, wieder in den Schrank zurückgeworfen oder in den Koffer gepackt, fein säuberlich, wie du bist. Voller Vorfreude auf eine Woche Urlaub und Training hast du Sachen gepackt, Trikots, Schuhe und Tutus sortiert und ausgewählt, für jeden Tag ein bestimmtes. Du warst unsere kleine Tänzerin, mit drei begannst du mit dem Ballett, schon ein paar Jahre später folgten die ersten Auftritte, wir waren so stolz auf dich und du liebtest die Musik, den Tanz und seine Eleganz. Jetzt, du bist gerade mal 13 Jahre alt, sollte der große Moment kommen: Trainingslager mit bekannten Tänzern und Talentsuchern, und du mittendrin, unsere kleine Tänzerin, du, die, ohne mit der Wimper zu zucken, stundenlang trainiertest. Du, der Musik, Ausdruck und Tanz das wichtigste waren. Du warst so glücklich, und wir platzten fast vor Stolz. Ich half dir gerne packen, ordnete Schule und Tutus, suchte verschwundene Strümpfe und Spangen. Ich habe dich zum Flughafen gebracht, dein strahlendes Gesicht vergesse ich nie. Du hattest deine Haare zu einem ordentlichen Zopf geflochten, mit etlichen, schillernden Klammern in ihm. Du wolltest immer schön und ordentlich aussehen, wie die Ballerinas auf der Bühne. Du bist durch die Flughafengates gegangen, wie eine große, dann drehtest du dich um, hast mir ein breites Lächeln geschenkt und „Bis in einer Woche!“, gerufen. Ich sah dir nach, gerührt und traurig zugleich. Dabei wäre eine Woche nicht viel gewesen…

Doch jetzt wirst du mehr als eine Woche von mir getrennt sein, mein Schatz. Viel länger. Ich kann es nicht glauben, will es nicht. Ich setze mich auf dein Bett, streiche über die Wäsche. Mein Blick fällt auf den Bildschirm an der Wand gegenüber. So ein Bildschirm brachte gestern meine Welt zum Einsturz. Ich war, nachdem ich vom Flughafen zurückgekehrt war, mit Papa in der Küche, wir kochten Kürbissuppe. Du magst sie nicht, das weiß ich genau. Wir machten sie uns, da du diesmal nicht mit uns essen würdest. Im Hintergrund lief der Fernseher und die 20 Uhr Nachrichten liefen, es kam eine Sondermeldung, die ich nie wieder vergessen werde.  Vor einer Stunde meldeten Bewohner in Beaufort, New Carolina, einen Feuerball am Himmel. Kurz darauf stürzte ein Flugzeug auf einen Abhang und zerschellte. Augenzeugen, die die Rettungskräfte verständigten, berichteten von hohen Flammen und dichtem Rauch. Die Boing 747 stellte sich als Flug A45674897 nach New Orleans heraus. Ich erinnere mich, wie meine Hände nicht mehr in der Lage waren, den Teller, den ich zum Tisch bringen wollte, zu tragen. Das Klirren und der Schmerz der heißen Suppe an meinen Beinen bedeutete gar nichts. Ich war nicht mehr in dieser Welt. Ich war kein Teil davon. In mir, um mich rum, Rauschen und Schmerz. Überwältigender Schmerz, der sich von meiner Brust in alle Regionen verteilte. Ich sank zu Boden, schrie und weinte. Dass alles nicht wahr war, dass sie sich irrten, und das nicht die Maschine mit meiner Tochter darin war. Dass sie mich in ein paar Stunden anrufen, und voller Aufregung von ihrem ersten Flug erzählen würde. Doch der Bildschirm zeigte unaufhörlich, gnadenlos, Bilder von der Absturzstelle, verbrannte Flugzeugteile, Koffer und Sitze, die Verstreut über dem Abhang lagen und Zeugen, die von dem Aufprall berichteten. Ich hörte das alles nicht- sah nur Gesichter und Lippen, die sich bewegten. Ich schrie lauter als der Fernseher, Papa umarmte mich fest, doch seine Worte drangen nicht zu mir durch, in meiner Chaoswelt voller Schmerz und Trauer. Irgendwann verließ mich die Kraft und ich sank in seine Arme, hörte ihn langsam wieder reden. Auch er hatte geweint, doch blieb stark für mich, dich uns. Wir können es nicht fassen, weder gestern noch jetzt. Heute Morgen sind wir aufgewacht und hielten es für einen schlechten Traum. Du bist okay und hast einen Tag voller neuer Erfahrungen vor dir. Doch wieder mussten wir uns furchtbare Berichte anhören, diesmal im Radio, wieder brach eine Welt für uns zusammen, kleine Ballerina. Der Anruf der Fluggesellschaft und der Sanitäter war kurz darauf auch gekommen. Beileidsbekundungen… Leere Worte. Sie wussten gar nichts, spürten nicht den Schmerz, wie es sich anfühlte, zerrissen zu werden. Wir sollen jetzt zu der Stelle kommen, dich identifizieren und dürfen dir einige Sachen an den Ort bringen, wo du nun liegen wirst. Kein schönes Grab. Ein Abhang, auf dem du gelandet und wahrscheinlich verbrannt bist, mit den restlichen Passagieren. Ich wische mir eine Träne aus dem Gesicht, ich werde dich nicht vergessen, und ich werde stark sein, wie du es immer warst. Ich habe dich bewundert, Kleines. Langsam erhebe ich mich, sehe mich in dem Zimmer um, das jetzt nicht mehr vertraut, sondern so leer und kalt geworden ist. Ein stiller Zeuge seiner Bewohnerin. Und ich werde es nie ausräumen. Ich greife zu einer Kette mit einem Schwan, dessen Flügel mit Glaskristallen bedeckt sind. Du liebst diese Kette und wolltest sie aus Angst, sie zu verlieren, nicht mitnehmen. Du hattest sie dir ewig gewünscht, immer sehnsüchtig vor dem Schaufenster gestanden, da du sie dir von deinem Taschengeld nicht kaufen konntest. Doch Papa hatte sie dir zum Geburtstag dann endlich gekauft, und du hast vor Freude geweint und wolltest sie nie wieder ablegen. Ich stecke sie ein, sie wird wieder zu dir zurückkehren. Als nächstes folgt eine Puppe, eine Ballerina, was sollte es anderes sein. Du hattest früher immer damit gespielt, mit 13 wart du aber zu alt dafür, sagtest du. Doch loslassen konntest du nicht. So saß sie immer auf dem Schrank gegenüber dem Bett und wachte über dich. Du hast sie als Vorbild genommen, wolltest wie sie sein. Und die Reise wäre deine Chance gewesen. Auch sie, dein Traum, wird zu dir zurückkehren. Ich verlasse nun dein Zimmer, schließe die Tür hinter mir und sperre die schmerzhaften, doch schönen Erinnerungen an dich ein. Sie werden mir folgen, das weiß ich, doch der Versuch, der Gedanke zählt. Du bist niemand, den man einfach vergisst, wir lieben dich, vermissen dich, deine offene, wilde und ehrliche Art, dein Lächeln… Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun soll. Auch, wenn du so klein warst, deine Stärke und Zuversicht riss uns immer wieder mit. Ich bin dir so dankbar, kleine Ballerina. Die Fahrt zu der Absturzstelle war fürchterlich. Ich konnte nur aus dem Fenster starren, mein Blick verschwommen durch die Tränen. Immer wieder strebt mein Blick nach oben, in den Himmel, wo du noch vor ein paar Stunden warst. Du bist gefallen, doch ich weiß, dass du wieder aufsteigst, hinauf in den Himmel und bei uns sein wirst. Unser kleiner Schutzengel. Ich stehe ein paar Stunden später auf dem Abhang. Es riecht verbrannt, Kerosin liegt in der Luft. Familien trauern, Arm in Arm. Ich bin nicht die einzige, die einen Schatz verloren hat. Doch sie werden alle aufsteigen, nach diesem Fall und über uns wachen. Ich trete vor und finde die Stelle, wo du liegst. Eine Regenjacke, rosa, mit pastellblauen Wolken markiert die Stelle. Darunter bist du. Du bist sogar besonders, wenn du nicht bei uns bist. Ich setze mich in das verkohlte Gras und lege Ballerina, Kette und eine Rose auf den Mantel. Daneben fallen ein paar Tränen. Doch ich trockne sie und sehe hinauf in den Himmel. „Ich werde stark sein, für dich, für uns. So wie du es immer warst. Unsere kleine Ballerina. Der größte Schatz. unser Schutzengel. Lebe wohl. Wir werden dich bald wiedersehen.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 18.08.20 17:59
Dinner Of The Memories


Die Elastizität meines bereits nach Stunden strapazierten Geduldsfadens wurde nach einem flüchtigen Schluchzer ihrerseits – eines 19 Jährigen Mädchens, dessen Name keinerlei Relevanz mächtig war –, peinigend auf die Probe gestellt. Glänzende Tränen, die das künstliche Licht des schier traurigen Raumes besser reflektierten, als so jene Flutlichter, die mittlerweile aus meinem Standpunkt einem Relikt der Vergangenheit angehörten. Stumm nickend gab ich lediglich vor, eine blutdurchflossene Ader mit einer Prise an Empathie zu besitzen.



Diese drückende Melancholie konnte so manchen Wolkenkratzer zum Fall bezwingen, doch in mir löste es nicht einmal ein Flimmern. Stattdessen taxierten meine Augen vorsichtig die Fremde und die Art und Weise, wie sie vor sich hin weinte, als schiene sie vollkommen in einer Trance versunken zu sein. Das salzige Liquid nahm derweil eine schwärzliche Farbe an, stellte die Wasserfestigkeit ihrer aufgesetzten Maske – ich nannte es geflissentlich nicht Make-Up – lediglich infrage.



„Ich mag nicht mehr ... Ich mag mich wirklich nicht mehr daran erinnern ...".



Während sie mit ihrer Geschichte fortfuhr, die sie mit einer posttraumatischen Belastungsstörung bescherte, realisierte ich allmählich, dass mein Geduldsfaden sekündlich an Halt verlor. Knappe Details eines Schicksalsschlages genügen in diesem Falle aus, mehr benötige ich nicht und mehr will ich auch gar nicht.



Nachdem ich meinen schweren Schädel auf meiner Hand niederließ und ihr eisern entgegenblickte, schien meine Patientin allmählich zu registrieren, dass ihre Ausführlichkeit sich zog wie ein klebriges, elastisches Kaugummi. Also das komplette Widerspiel zu meiner Geduld.



„E-Es tut mir leid, dass ich Ihre kostbare Zeit vergeude.", bevor auch überhaupt lastende Stille Bestandteil dieses Raumes werden konnte, ergriff ich die Initiative und stieß einen leichten Lacher hervor, der sie sichtlich zusammenzucken ließ. Wenn sie jetzt all den Respekt in mir verlor, den ich lediglich mit Zuhören – schon das war eine Kunst an sich – erarbeitet hatte, dann werde ich mich, wohl oder übel, ergeben müssen. Verübeln könnte ich es ihr nicht.



„Nach dem fast dreistündigen Monolog bist Du fast ein offenes Buch für mich, also tue mir den Gefallen und sieze mich nie wieder.", sprach ich ruhig, aber dennoch fordernd, um weitere Fettnäpfchen zu vermeiden. En passant legte ich meine Finger auf einen fünfseitigen Vertrag und schob ihn ihr entgegen. Mit dem Stift spielte sie bereits seit Anbeginn unserer Sitzung. Sitzung ... als ob es eine nächste geben würde.



„Lese Dir den Vertrag in aller Ruhe durch. Nachdem du unterschrieben hast, werde ich mit meiner Behandlung beginnen.", appellierte ich sie, woraufhin ich fast schon Zeuge eines Sinneswandels wurde, denn ihre Traurigkeit schwand schneller, als die Jungfräulichkeit einer 13 Jährigen mit mindestens 5 Cocktails intus.



Ihr derzeitiger Gemütszustand war nichts weiteres, als ein chaotischer Mischmasch aus Optimismus und starrer Naivität. Sie blätterte geradezu in Eile auf die letzte Seite des Vertrages, der lediglich ihre Unterschrift verlangte und mir somit die Macht gab, ihre Erinnerungen zu stehlen.



Ich leckte mir über meine trockene Unterlippe, um diese schlussendlich zu befeuchten.



„Du unterschreibst, ohne es überhaupt gelesen zu haben?", eine kurzzeitige Verwunderung machte sich in mir breit, woraufhin sie mich erneut anblickte.



Wenn das zukünftig so weitergeht, dass meine Patienten meine Anordnung ignorieren und in einer starrsinnigen Naivität verfallen, dann werde ich irgendwann meinen Verstand verlieren.



„Ich möchte es einfach vergessen. Ich möchte dieses Verbrechen vergessen.", paradox zu ihrer gerade getätigten Aussage, legte sie den Stift beiseite, kämpfte indessen mit irgendwelchen Gewissensbissen, die sie mir anscheinend noch nicht offenbart hatte.



„Wird es wehtun?", nachdem diese Frage im Raum stand und ich erkannte, wie erneut die Tränen sich zurück den Weg in ihre Augen bahnten, rückte ich mit meinem Stuhl näher an sie heran, um dann – eher unfreiwillig – ihre Hand zu nehmen. Beim Anrücken gaben die Stuhlbeine auf dem Laminat ein penetrantes Geräusch von sich. Eindringlich durchbohrten meine Iriden ihre.



„Hast Du jemanden, der Dich abholen kann? Irgendwen?", fragte ich sie, verfing mich mit meinen Augen in ihren dunklen Haaren, da ich weinende Individuen auf den Tod nicht abkonnte und mir lieber Schöneres ansah. Zum Beispiel dunkles Haar, was mich fast in eine Zeitschleife warf und mich an jemanden erinnerte.



„Wieso denn das? Werde ich danach nicht mehr Laufen können?"



Nicht das. Man konnte durchaus bemerken, wie sehr ihre Aufregung all ihre Hirnstränge regelrecht betäubte. Keinen Sinn mehr für logisches Denken oder gar das Verstehen nachvollziehbarer Gedankengänge.



Ruhig atmete ich aus, knetete dabei ihre sanfte Hand, um auf dem Boden der Tatsachen bleiben zu können.



„Es wird sich anfühlen wie ein brutaler Hangover. Vielleicht wirst Du ein- oder zweimal erbrechen müssen und ein wenig taumeln. Mehr ist es nicht. Ruf lieber jemanden an, der Dich abholt."



Können wir diese Scheiße nun endlich zu Ende bringen?



„Okay, ich werde jemanden anrufen."
Während sie mit einer Person telefonierte, ließ ich ihr Gesagtes noch einmal gedanklich Revue passieren ...



 
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... ... ...



Die Braunhaarige leistete ihre Unterschrift, woraufhin ich den Vertrag an mich nahm und ihn vielleicht beiläufig mal musterte und eine kurze Vorstellung darüber bekam, wie ihr Name wohl lauten könnte, ehe ich ihn schweigend zusammenfaltete.



„Startklar? Holt Dich also wer ab?"



„Ja. Mein Freund."



Bei ihr hätte ich sowieso nicht einmal die leiseste Chance gehabt. Aber das war jetzt sowieso unwichtig.



„Schließ die Augen. Du wirst gleich vergessen. Die Last auf Deinen Schultern wird schwinden."



Sanft umfasste ich ihren Schädel, legte ihn auf meine Brust, hielt meinen eigenen Atem für eine kurze Zeit an. Alles, was sie mir erzählt hatte, strömte durch meine Venen, als sei es der härteste LSD Trip meines Lebens.



Erinnerungen spielten sich ab wie in Dauerschleife, ich absorbierte sie wie ein trockener Schwamm Wasser aufnahm. Es fühlte sich drückend an, als würde man mir allmählich die Luft zum Atmen rauben. Ich kam mir vor wie ein Täter. Nicht wie ich selbst. Hände getränkt in Blut. Schwere Augenlider, die den Tränen allmählich nicht mehr standhalten konnten. Das Gefühl, völlig losgelöst zu sein. Befindlich in der Realität, doch mit Händen, die mich geradewegs in die Hölle reißen wollten.



Dieses Trauma, welches sich anfangs aus ihrem Mund anhörte wie eine langweilige Geschichte, welcher man nur lauschte, weil man dazu verpflichtet war, bekam urplötzlich eine ganz andere Note. Denn nachdem ich all ihre Erinnerungen nun mein Eigen nennen konnte, wusste ich, warum diese Person vor mir so handelte, wie sie eben handelte. Was ich anfangs mit Spott begrüßte, wurde etwas ganz persönliches. Es widerte mich schon langsam an. Mein Verhalten. Nicht dazu imstande zu sein, vor einer sogenannten Erinnerungstransplantation überhaupt eine Hauch an Empathie zu empfinden.



Nur der Gedanke daran, dass ich die einzige Partei bleiben werde, die sich jemals an die Wahrheit erinnern wird, gab mir die Sicherheit, nicht in Vorwürfe zu verfallen, die nicht mir galten.



Es wurde schwerer und schwerer, ihr gesamtes Körpergewicht lastete auf mir, weswegen ich allmählich mit ihr zu Boden ging, da sie die Balance verlor und ich ihren Fall vermeiden wollte.



Fünf elendige Minuten. Es fühlt sich eindeutig schlimmer an, doch ich kann es nicht in Worte fassen.



„Geht's Dir gut?"



Sie hatte ihren Kopf langsam gehoben gehabt, doch sie blickte schier narkotisiert in meine Augen, war mindestens genauso leichenblass, wie ich es just gewesen war. Im Vergleich zu vorhin, zierten meine Lippen ein leicht erleichtertes Lächeln.
Ohne auch nur ein Wort von mir zu geben, stand ich vom kühlen Laminat hinauf und nahm eine ihrer Hände, um sie wenigstens sicher aus dem Haus dirigieren zu können, zu ihrem Abholer.
Sie japste ein wenig, aufgrund ihrer Atemlosigkeit, doch alles in allem ging es ihr den Umständen entsprechend gut. Sie hatte die Prozedur überstanden. Ihre Erinnerungen waren gänzlich verschwunden.



„Dein Taxi ist da."



Ich erlaubte mir zu meinem eigenen Amüsement, noch einen kleinen Scherz zu lassen, ehe ich sie leicht in Richtung des schwarzen Pkws schubste, wo ihr Liebhaber drinsaß, der sie bereits im Rückspiegel erkennen konnte und die Fahrertür öffnete, um auszusteigen.



Währenddessen werde ich das Weite suchen, denn ab diesem Punkt der Geschichte, werde ich keine Konsequenzen mehr tragen.
Ich habe die Unterschrift – was die Angelegenheit an sich immer noch nicht legaler machte –, doch für mich war es vollkommen ausreichend. Mit meinem Gewissen war ich im Reinen.



„L-Lass mich los! Ich will nach Hause! Verpiss dich!"



Ich bin im Reinen.



„Hilfe! Ich werde entführt!" – „Miranda, beruhig dich! Was ist los!?!" – „NEEEIN LASS MICH!" – „Hey, schrei nicht so! Denkst du ich hab Bock auf deine Scherze die du immer machst, wenn du hackedicht bist?" – „ICH WERDE ENTFÜHRT!"



Ich verzog meine Mimik minimal, huschte die lange Asphaltstraße hinunter, um die nötige Distanz herzustellen. Das alles war nicht mehr meine Baustelle, denn diese Frau hatte den Vertrag nicht gelesen.



Doch wer zur Hölle war ich, um meinen Mitmenschen zu erklären, dass man seine Unterschrift nicht leichtsinnig unter einen fragwürdigen Schriftsatz knallte?



Ein diabolisches Grinsen zierte meine Lippen, während ich entspannt meine Hände in meine weiten Hosentaschen legte und keinen Blick mehr zurückwarf.



Mein Schädel pochte immens. Hin und wieder bildete ich mir ein, meinen eigenen Herzschlag zu vernehmen. Ja, ich werde die nächsten Tage absolut gar nichts machen. Mein soeben verdientes Geld würde mich zumindest diesen Monat über die Runden bringen.


Diese Fähigkeit, die sich als überaus gute Einnahmsquelle herausstellte.
Die Verbrechen oder sonstigen Fehltritte meiner Patienten lösche ich komplett aus ihrem Gedächtnis. So, als wären sie niemals geschehen. Wenn Beziehungen auf einem Verbrechen aufbauen, weil derjenige Gesellschaft und Halt benötigte, dann wird auch das vergessen sein. Ihr armer Freund … er wusste gar nicht, wie ihm geschieht.


Das hätte die Fremde wissen müssen. Doch diese engstirnige Brünette las ja nicht meinen Vertrag.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 18.08.20 18:00
Vergessen
Wer bin ich? Wie verhalte ich mich, was habe ich erlebt, welche Erfahrungen habe ich gesammelt, wann habe ich etwas erreicht, wann bin ich gescheitert, was macht mich aus? Wann habe ich geliebt, gehasst, gelacht, geweint, gewonnen, verloren? Wer bin ich?
 
Eine dünne, schwere Decke schmiegte sich an meinen Körper und gab mir damit die einzige Geborgenheit und Wärme, die ich in den letzten Tagen erfahren durfte. Die letzten Tage, die der Hölle glichen und noch immer scheint kein Ende zu nehmen scheinen. Mein Unfall -nein, der Tag, an dem ich erwachte- war nun zehn Tage her. Was ich noch von vor der Zeit meines Unfalles weiß? Gar nichts. Was ich seither erfahren habe? Mein Name ist wohl Marc, ein LKW hat mich auf der Autobahn erwischt, dennoch sind sowohl körperliche als auch kognitive Funktionen soweit in Takt. Die einzig schwerwiegende Folge: Retrograde Amnesie. Vermutlich nur vorübergehend, doch wie lange sie anhalten wird weiß niemand. Die einzigen Erinnerungen, die in meinem verwirrten Kopf zu finden sind, sind Ereignisse aus den letzten wenigen Tag.
 
"Du kannst Dylan sehen, sobald es dir wieder besser geht. Ich möchte nicht, dass er dich so sieht." Die Dame, die wohl meine Frau war, hatte eine weiche, melodische Stimme gehabt. Ihre bernsteinfarbenen Augen starrten mich schockiert an als ich fragte, wer denn Dylan sei. "Marc... Dylan ist unser Sohn." Ich hatte also einen Sohn. Er ist jetzt 7 Jahre und steht kurz vor der Einschulung. Meine Frau ist seit 11 Jahren mit mir verheiratet, doch momentan sind wir wohl mitten in der Scheidung. "Wieso lassen wir uns scheiden?" Hatte ich sie ganz offen gefragt. "Weil du Geheimnisse hattest. Aber darüber können wir ein anderes Mal reden." Geheimnisse? Welche Geheimnisse waren so wichtig, dass ich zuließ, dass sie meine Ehe zerstörten? Dass mein Sohn ein Scheidungskind wurde? Diese Geheimnisse hatten offensichtlich dazu geführt, dass ich nun in einem leeren Ehebett lag, alleine in einem kleinen Einfamilienhaus war und Stille das einzige war, dass die Räume durchflutete. "Ruhen Sie sich aus. Das alles benötigt Zeit, haben Sie Geduld. Und vermeiden Sie Stress" War mit Ruhe wirklich diese Stille gemeint? Die Einsamkeit? Keiner konnte mich dabei stören wie ich in dem schwarzen Loch in meinem Kopf grub, wo eigentlich unzählige Erinnerungen liegen müssten. Die letzten Tage waren erfolglos gewesen was die Wiederherstellung meines Langzeitgedächtnisses betraf. Sämtliche Bilder, die ich in dem Haus gefunden hatte, waren eher frustrierend als hilfreich. Ich sah mich mit zwei Menschen, die meine Familie waren. Menschen, die mir wichtig sein müssten und mit denen ich mein Leben normalerweise verbringe. Menschen, die ich nicht wiedererkannte. Menschen, die scheinbar schöne Erinnerungen mit mir gesammelt hatten. Aber das waren nicht meine Erinnerungen. Nicht mehr. Wir teilten diese Erlebnisse nicht mehr. Für mich waren das alles Fotos aus einem unbekannten Leben; nichts Eigenes, nichts Persönliches. Ganz anders als die glückliche Familie auf den Bildern war ich verloren. Verloren im Nichts, in der Ungewissheit, im Misstrauen. Wer bestätigte mir, dass Angaben die mir andere Leute gaben richtig waren? Woher sollte ich wissen, dass Dylan wirklich mein Sohn war, wenn es für mich so vollkommen unwirklich war?
"Keine Sorge, du kommst schon wieder auf die Beine. Haha, vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht ein paar Sachen einfach zu vergessen. Hmm... wie gerne ich doch Zoey vergessen würde. Die war wirklich furchtbar." Ich glaube, ich sollte wissen, wer Zoey war aber der Name sagte mir überhaupt nichts. "Und wenn diese Amnesie nicht nur vorübergehend ist?" Ohne Zögern setzte sich ein sanftes Lächeln auf das Gesicht des Mannes, der mit mir am Küchentisch saß. "Na, dann sammeln wir eben neue Erinnerungen." Ich hatte auf seinen Mund gesehen, der umrahmt von einem gepflegten Vollbart war. Er ist bestimmt ein Mann, der zum Barbier ging und sich dort den Bart stutzen ließ. Jason war optimistisch. Aus seinem Mund klang alles so einfach und unwichtig. Nicht so, als hätte ich meine ganze Existenz verloren oder als seien mehr als 30 Jahre meines Lebens einfach ausgelöscht. Aber er war es nicht, der diese Hölle aus Ungewissheit durchleben musste. Da war es einfach optimistisch zu sein. Jason kam einmal am Tag vorbei, um nach mir zu sehen als sei ich ein Pflegebedürftiger. Ich nahm an, dass er mein bester Freund oder mein Bruder war. Er war zu besorgt und fürsorglich dafür, dass er nur ein Bekannter war. Da ich mit meiner Fragerei aber schon ein paar Mal irgendwen verletzt oder beunruhigt hatte beließ ich es einfach bei meiner Vermutung. Es gab wichtigere Dinge als das. Wichtige Dinge, an die ich mich endlich erinnern musste. "Vielleicht hilft dir ja Musik dabei. Mit Liedern verbindet man doch häufig Erinnerungen und Erlebnisse" Ein Vorschlag von Jason, den ich durchaus mal nachgehen könnte.
Kurzerhand drehte ich mich mit etwas Schwung auf die Seite und nahm das Handy vom Nachtschränkchen. Musik. Was habe ich für Musik gehört? Hatte ich ein Lieblingslied? Einen Lieblingssänger oder eine Band? Ich öffnete Spotify und startete einfach das Lied, welches noch in der Wiedergabenleiste angezeigt wurde. Weder der Titel noch die Band sagte mir etwas. Das Cover sah etwas skurril aus. Eine gezeichnete Frau, eine Prinzessin vielleicht, die wie in einem Sarg liegend die Fläche bedeckte. Die Stimme des Sängers durchdrang mein Ohr und ich lauschte der Melodie und dem Text. Ein recht tiefgehender melancholischer Text. War ich depressiv gewesen oder warum hörte ich solche Lieder? "I've lost my goddamn mind, it happens all the time." Hm, das passt ja auf eine verdrehte Art und Weise auf mich zu. "I've got these questions always running through my head. So many things that I would like to understand" ein spöttisches Lachen kam von meinen Lippen. Ja, allerdings, es gab wirklich viele unbeantwortete Fragen in mir. Fragen, auf die nur ich selbst eine zufriedenstellende Antwort finden konnte. Ich hörte dem Sänger bis zum Ende zu und seufzte dann enttäuscht. Bis auf den spöttischen Lacher hatte dieses Lied nichts in mir hervorgerufen. Meine Laune war jetzt noch bedrückter, aber das war ja nicht mein Ziel gewesen. "Stress dich einfach nicht so. Mach ganz ruhig und nicht vergessen: Immer positiv denken!" Jason war optimistisch. Vielleicht sollte ich mir von ihm eine kleine Scheibe abschneiden. Na schön, positiv denken! Vielleicht war es einfach nur das falsche Lied. Es gab Millionen Lieder, da musste ich ja nicht schon nach einem aufgeben. Ich suchte also die gespeicherten Playlists ab mit dem Gedanken, einen Titel zu nehmen, der mir entweder bekannt vorkam oder etwas positiver klang. Grade als ich eines der Lieder abspielen wollte wurde die Stille des Hauses mit einem hellen Klang durchdrungen. Mein Blick fiel auf die Uhr. Da war jemand an der Tür, doch Jason konnte es nicht sein. Er kam nach seinem Feierabend, was bisher immer später Nachmittag gewesen war. Und nicht vormittags. Vielleicht der Postbote? Oder war ich verabredet für heute? Ich stieg aus dem Bett aus, schlüpfte in die schwarzen Adiletten und schlurfte zur Haustür. Bevor ich diese jedoch öffnete rieb ich mir noch einmal den letzten Rest Schlaf aus dem Gesicht.
Vor mir stand eine junge Frau, etwa in meinem Alter. Ihre langen braunen Locken lagen perfekt gestylet auf ihrer Brust; jedes Haar saß an seiner richtigen Stelle. Die schwarze Lederjacke passte nicht so ganz zu ihren Lederhandschuhen. Zu viel Leder. Aber ansonsten war sie sehr hübsch, hatte einen guten Körperbau und schien sehr gepflegt. Fragend sah ich sie an, doch von ihr schien keine Reaktion zu kommen. Sie wartete wohl, dass ich irgendetwas sagte. Dass ich sie erkannte. "Äh... was kann ich für Sie tun?" Fragte ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit gefüllt mit Schweigen. Die rechte Augenbraue der Frau schoss in die Höhe bevor sie dann ein Lächeln auflegte. Es wirkte beinahe schon amüsiert, aber das musste ich mir einbilden. "Es ist also wahr, du hast wirklich keine Erinnerungen mehr?" Fragte sie ganz direkt und kam einen Schritt auf mich zu. Ihre Lippen formten sich zu einem leichten Schmollmund und sie ergriff meine beiden Hände. "Oh Marc, das ist ja wirklich schrecklich... wie geht es dir denn?" Verwirrt sah ich in die dunklen Augen der Brünette. Wer war sie? Anscheinend wieder jemand, den ich kennen sollte aber es nicht tat. "Weil du Geheimnisse hattest" War sie mein Geheimnis? War ich meiner Frau fremd gegangen? War ich einer dieser Männer, die ihre Familie hinterging? Ich räusperte mich bevor ich ihr antwortete "Ganz gut, schätze ich... wer sind Sie denn?" Fragte ich dann ganz direkt. Offenbar schien sie ja von meiner Amnesie zu wissen, also sollte die Frage sie nicht allzu überraschen. Um ehrlich zu sein war es mir auch zu anstrengend versucht unauffällig herauszufinden in was für einer Beziehung wir standen. Zumal das wohl eh schnell rausgekommen wäre, da ich wohl kein Profi darin war heimlich an Infos heran zu kommen. Die Frau fasste sich ans Herz, als hätte ich sie verletzt. Ihre übertriebene Geste zeigte deutliche Ironie. "Also wirklich, du erinnerst dich nicht einmal an deine beste Freundin? ...Erica" Sie sah mich erwartungsvoll an als wüsste ich jetzt wer sie war. Erica... sie sah nicht aus wie eine Erica. Irgendwie passte der Name nicht. Also war sie keine Affäre? Kein Geheimnis? Oder vielleicht doch?
Doch was erwartete sie jetzt von mir? Deutlich überfordert mit der Situation trat ich einen Schritt bei Seite. "Komm doch rein. Willst du einen Kaffee?" Fragte ich sie dann, musterte sie aber misstrauisch. Ihr Gesicht zeigte ein Schmunzeln, dann nickte sie und ging an mir vorbei in das Haus. Ich folgte ihr ins Esszimmer und deutete ihr an sich zu setzen. "Hach Marc, da hattest du ja richtig Glück gehabt bei dem Unfall. Du hättest sterben können da." Ihre Stimme drang nur langsam zu mir durch, während ich mich von ihr entfernte und in die Küche ging. "So einen Schutzengel wie du hast hätte ich auch gerne... Und du erinnerst dich wirklich an gar nichts mehr?" Irgendetwas stimmte nicht. Etwas war nicht richtig. Ich wusste nicht warum aber mein Gefühl sagte mir, dass ich in Gefahr war. War meine beste Freundin gefährlich? War sie überhaupt meine Freundin? "Nein, an gar nichts. Aber das wird schon. In ein paar Tagen bin ich bestimmt wieder ganz der Alte" erwiderte ich ihr aus dem Nebenraum, während ich das Kaffeepulver in die Maschine löffelte. "Ja naja..." ich zuckte etwas erschrocken zusammen, als Ericas Stimme hinter mir erschien. Lauter als zuvor. Sie war mir in die Küche gefolgt. "Bevor du dich aber wieder an alles erinnerst bringe ich noch schnell das zu Ende, was ich begonnen habe. Der Unfall ist ja leider gescheitert." Was? Verwirrt legte ich den Löffel bei Seite und drehte mich zu der jungen Frau um. !Klick! Ich starrte in den Lauf einer Pistole. Was?! Das letzte was ich mit meinen weit aufgerissenen Augen sah war das schiefe Lächeln auf Ericas Gesicht.
!Bumm!
... Wieso?...
Ich habe mich gefragt, ob es stimmt, dass man kurz vor seinem Tod die wichtigsten Erinnerungen im Schnelldurchlauf erlebt. Ob man eine letzte Chance bekommt, auf sein Leben zurück zu blicken. Ob man vor Augen bekommt, wer man gewesen war. Jetzt weiß ich die Antwort. Nein.
Wer war ich? Vielleicht ein Ahnungsloser, ein Verwirrter, ein Unwissender, ein Ängstlicher. Wer war ich? Vielleicht ein Bruder, ein Freund, ein Ehemann, ein Vater.



Wer bin ich...? Ein toter Mann.


Zuletzt von Akeem am 21.08.20 15:23 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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am 18.08.20 18:08
Dieses Mal haben wir einige Abgaben, wie ihr sehen könnt, was mir sehr gut gefällt! Das Thema scheint gut angekommen zu sein, vermutlich weil es sich so leicht in verschiedene Arten von Geschichten einbauen lässt. Viele haben es im Sinne von "wir erinnern uns zusammen mit einem Charakter" einfließen lassen, andere schwelgen in Erinnerungen oder werden von Erinnerungen geplagt. Andere Geschichten wiederum stellen in Frage, wie sicher Erinnerungen überhaupt als "Informationsquelle" dienen können, verschwimmen sie doch mit der Zeit.
Das zeigt mir mal wieder mehr, welche Art von Themen euch liegen. Ich hoffe wir werden mit dem nächsten auch so einen Knaller erwischen. Aber an dieser Stelle erst einmal danke an alle Teilnehmer und viel Spaß an alle Leser!


Und... Ach ja:



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Akeem
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am 21.08.20 22:03
Als Nachtrag muss ich leider beichten, dass mir ein Fehler unterlaufen bei der Geschichte "Vergessen".
Beim Kopieren ist mir der Abschlusssatz abhanden gekommen, den ich nun noch nachgepflegt habe. 
Tut mir wirklich leid, hoffe das kommt nicht wieder vor.
Shadow
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am 23.08.20 12:22
Jetzt bin ich mal neugierig.Der Gleichstand hält sich ja tapfer. Gibt es dann mehrere zweite Plätze?
Akeem
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am 23.08.20 17:43
Ich denke schon... Ich hoffe aber mal, dass es nicht dazu kommen wird.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:41
Die Umfrage ist beendet und der Gewinner wurde gefunden!
Hier ist das Ergebnis:


  1. Vergessen von @Kohana mit 5 Stimmen
  2. Dinner Of The Memories von @paranoidandroid mit 3 Stimmen
  3. Ein Moment, der alles änderte von @Shadow und Wer bin ich? von @KommiCat mit je 2 Stimmen
  4. Die Bestie von @Spartan0712 


Vielen Danke an alle Teilnehmer und Glückwunsch an alle Gewinner!
Ich hoffe ihr hattet Spaß und werdet auch das nächste Mal wieder mitmachen!


Als nächstes folgen die Reviews. Ein Großteil wurden von @BlackCloud geschrieben, lediglich das letzte habe ich beigesteuert, weil sie aus Zeitgründen leider nicht dazu gekommen ist.
Feedback zum Feedback ist gerne gesehen.

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Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:42
Spoiler:

Die Bestie



Unbarmherzig brannte die Sonne vom Himmel und erhitzte den Grund. Ein junger Bursche, an der Schwelle zum Mannesalter trotzte der sengenden Hitze und bahnte sich seinen Weg den Berg hinab.
Das Wissen um die Kreaturen, welche im Dickicht dieses Landes lauerten, ließ seinen Blick immer wieder zum Gebüsch und zu den Bäumen schweifen. Erst einen Tag zuvor hatte man ihm von der Sichtung einer solchen Bestie erzählt (1) und so wollte er dieser Sichtung auf den Grund gehen. So es die Götter wollten, würde er das Ungetüm vom Land seiner Familie vertreiben.
Gerade als er der Mittagssonne nachgeben wollte und zurück sah, entlang des Wegs den er hier her gekommen war, erweckte ein Geräusch seine Neugier. Die raschelnden Blätter im dichten Gestrüpp wirkten nahezu hypnotisch. Auf alles gefasst näherte sich der Junge langsam dem Dickicht. Seine Augen glitten hin und her doch er konnte nichts erkennen.
Er erhaschte einen flüchtigen Blick auf das schuppige Ende eines Schwanzes, doch so schnell er es wahrnahm, (2) so schnell hatte sich das Tier auch wieder verborgen. Als die Sohle seines Schuhs jedoch die trockenen Blätter am Rand des Waldes berührte, zeigte sich die Bestie. Sie zischte und fauchte, stellte ihren muskulösen Körper auf und zeigte dem Heranwachsenden (3) die Fänge.
Nein, mein Sohn! Lauf!“ hörte er die entfernten Rufe seiner Mutter, die ihm bis hier hin gefolgt war. Doch es war bereits zu spät. (4) Das Biest würde nicht mehr von ihm ablassen, er musste sich dem Kampf stellen. Die riesige Schlange wand ihren Körper, wickelte ihn auf. Es war schwer zu sagen, wie groß sie war, denn wo man hinsah verknoteten sich schuppige Muskeln.
Nur dank seiner blitzschnellen Reaktion konnte der Junge dem ihm entgegen schnellenden Maul ausweichen. (5) Er packte das Monster am Schwanz und wirbelte es um sich. Immer wieder schnappte die Schlange ins Leere.
Ein brennender Schmerz ließ den Burschen zusammen zucken. Unzählige rasiermesserscharfe Zähne bohrten sich durch seine Haut. Das Maul des Tiers hatte sich um seinen Fuß gelegt, Blut floss der Kreatur bereits aus den Mundwinkeln.
Ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohl packte der Junge den Hals der Schlange und riss sie von seinem Körper. (6) Verdutzt flog das Biest durch die Luft und landete im Gebüsch in dem es zuvor ruhte, ehe es geschlagen von Dannen zog.
(7) Erst als auch das letzte Geräusch außer Hörweite verstummte und er sich sicher war, dass die Kreatur die Lande seiner Familie verlassen hatte, trat der junge Held seinen Rückweg an. Am Gipfel des Berges, auf dem sein Heim erbaut war, versorgte seine Mutter (8) seine Wunden uns voll Stolz erzählte er von seiner Heldentat.
Und jetzt im Schnelldurchlauf meine echte Erinnerung die dahinter steckt: Mein Opa hat eine Ringelnatter auf dem Asphalt in seiner Einfahrt gesehen und ich (damals ca. 7 Jahre alt) wollte sie fangen. (Ich hab sowieso jedes Tier im Garten gefangen, egal ob Schlange, Frosch oder Grashüpfer). Ich bin also die Einfahrt runter gelaufen, hab die Schlange am Schwanz aus dem Busch gezogen und sie hat mir in den Fuß gebissen. (Sie war länger als ich groß war und deswegen ist ihr Kopf auf meinem Fuß aufgelegen) Meine Mama war ganz panisch und mein Papa und Opa waren amüsiert.

Review zu der Kurzgeschichte „Das Biest“
Gerne das Review zu deiner Kurzgeschichte „Das Biest“, die deine eigene Kindheitserinnerung widerspiegeln soll. Ich fange an mit ein paar grammatikalischen Punkten sowie der Rechtschreibung. Größtenteils sind die Anmerkungen eine reine Geschmackssache:
(1) Hier würde ich es entweder durch einen Punkt trennen (somit das „und“ wegfallen lassen) oder alternativ schreiben: „Es gelüstete ihm danach, herauszufinden, wie viel Wahrheit hinter den Worten steckte.“
(2) Ich würde einen Gegenstand verbergen, nicht aber ein Tier oder einen Menschen. Daher würde ich für „verborgeneher den Alternativsatz wählen: „…so schnell war die Schwanzspitze im Dickicht verschwunden.“
(3) Würde ich durch „angsteinflößende Fänge“ verstärken.
(4) Aus einem Satz würde ich an dieser Stelle zwei machen.
(5) Statt „Er packte das Monster am Schwanz und wirbelte es um sich.“ fände ich die Formulierung „Er packte das Ungetüm am Schwanz und wirbelte es umher.“ schöner.
(6) Hinter „Gebüsch“ fehlt ein Komma.
(7)Außer Hörweite“ würde ich streichen.
(8)und“, nicht „uns“ sowie „voller“, nicht „voll“
Deine Erinnerung - das sind so kleine Momente im Leben, die man nicht vergisst. Ich hätte das Thema „Erinnerungen“ anders interpretiert und eher den Charakter mit dem Thema in Verbindung gebracht. Aber da es ja absolute Interpretationsfreiheit gibt, ist das jedem seine Sache wie die Geschichte letztendlich interpretiert wird, hauptsache sie hat irgendetwas mit dem Thema zu tun. Bei dir ist es eine eigene Erinnerung, die aber leider nichts direkt mit der Geschichte und dem Helden zu tun hat, was ich für meinen Teil etwas schade finde.
Deine Geschichte hat gut angefangen, aber es fehlen viele Punkte, die der Welt, die du in deiner Geschichte geschaffen hast, Aussehen verleihen. Ich hätte mir gerne den Ort, die Kreatur und den Charakter etwas besser beschrieben gewünscht. Du baust in den ersten Zeilen Spannung auf, die aber dann leider schnell verfliegt. Auch den Kampf hätte man ausführlicher beschreiben können. Beispielsweise wie die Schlange deine Mutter angreift und du sie rettest, als ihr schillernder Held. Das allein hätte schon für mehr Spannung und auch für mehr Zeilen gesorgt.
Für meinen Geschmack ist die Geschichte leider viel zu schnell vorbei. Man sieht auf den ersten Blick, dass es kein Roman werden wird, aber das soll es ja auch gar nicht, denn es ist ja immer noch ein KURZGESCHICHTEN-Wettbewerb. Manchmal liegt in der Kürze die Würze. Nicht aber in diesem Fall.
Was ich beispielsweise auch schön gefunden hätte, wenn der Charakter (bzw. in deinem Fall du selbst) als alter Mann die Geschichte seinen Enkelkindern erzählt hätte. Das sorgt auch für mehr Stoff. Das Ende hätte man offen lassen können. Oder der alte Mann hätte die Geschichte erzählen können, so als wäre sie nicht ihm selbst, sondern irgendjemandem passiert. Und dann hätten die Kinder ganz am Ende der Geschichte die Narbe gesehen, die ihm bis heute geblieben ist (wenn du darauf besteht, dass der Charakter als Held aus der Geschichte geht). Das wäre meine Idee gewesen, die sicher auch nicht jedem gefällt. Aber jedem kann man es nun mal nie recht machen. Meiner Meinung nach wäre es aber schöner und stimmiger gewesen, und es hätte die Geschichte etwas geheimnisvoller gemacht.
Ich finde man hätte viel mehr aus der Geschichte herausholen können! 
FAZIT: Anfangs spannend, teils schöne Formulierungen. Leider ließ die Spannung schnell nach und die Geschichte war zu schnell vorbei.
Ganz liebe Grüße

Black Cloud


Zuletzt von Akeem am 25.08.20 19:55 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:48
Review zur Kurzgeschichte “Wer bin ich”


So, lieber Jona. Ich hoffe, ich spreche dich mit diesem Namen richtig an, und die Geschichte handelt von dir selbst. Dennoch bewerte ich sie unabhängig von dir und behandle sie als Kurzgeschichte. Kommen wir zuerst zu den Punkten “Grammatik” und “Rechtschreibung”. Vieles davon muss man nicht ändern. Es sind nur persönliche Meinungen, die jeder anders sieht, und die du auch nur für ernst nehmen musst, wenn du auch der Meinung bist und hinter den Vorschlägen stehst. Sieh viele der genannten Punkte als “Anregung” oder “Alternative” an und nimm sie in keinem Fall persönlich!  Ich bin auch kein Profi was die Rechtschreibung und Grammatik angeht. Von daher hoffe ich, dir keine falschen Ratschläge an der ein oder anderen Stelle gegeben zu haben (besonders was die Kommata angehen). Hier bin auch ich für Kritik total offen! Aber lange Rede, kurzer Sinn! Auf Los geht's los!


Spoiler:

Wer bin ich?
von @KommiCat
 
Mein Leben war nicht immer leicht. Jeder kann wohl diesem Satz zustimmen.
... Nein. Das ist kein guter Einstieg. Ich versuche es nochmal.
Gefühle können sehr kompliziert sein. (1) Vor allem wenn sie zu einer Art Selbstfindungsphase führen. So war es zumindest bei mir. Irgendwann im Leben kommt man an einen Punkt, an dem man das alte Kapitel schließt. (2) Man schließt nicht das ganze Buch. Aber nachdem das vorherige Kapitel abgeschlossen ist muss man sich erst einmal neu orientieren. Irgendwann beginnt man zum Beispiel sich zu fragen, wer man überhaupt ist oder wer man sein will. (3) Bei mir kam diese Frage relativ spät würde ich sagen. Klar, manchmal habe ich mich das gefragt, doch es hat sich nie etwas in meinem Leben verändert. Ich war immer das Mädchen, das ich mein ganzes Leben über war und daran wollte ich auch nichts ändern. Anders dieses eine Mal. Doch eigentlich war das auch nicht der Beginn der Geschichte. Am besten fange ich mal ganz am Anfang an.
Ich habe ein relativ normales Leben geführt. Ich ging in den Kindergarten, in die Grundschule, verletzte mich mal leicht und mal heftiger. Alles normal. Ich war auch schon immer sehr still. Manchmal etwas zu still. Das war auch der Grund, warum ich nie wirklich viele Freunde hatte. Doch das war okay für mich. (4) Es war normal für mich. (5) Auch in der Schule war ich nie die beste, wollte das aber auch gar nicht sein. (6) Ich glaube die erste große Änderung in meinem Leben war, als ich meinen Vater verlor. Na gut, verlor ist vielleicht etwas übertrieben. Er hatte den Kontakt abgebrochen. Eigentlich sind die genauen Umstände auch überhaupt nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich mich seit dem Tag für Männer interessiert habe, da es in meiner Familie mehr Frauen als Männer gab und mir mein Vater gefehlt hat. Das 'Interesse' klingt jetzt auch schon wieder falsch. Oh man. Jedenfalls verlief mein Leben danach relativ normal weiter, nur ohne Vater. Kleider und Röcke mochte ich auch eigentlich nie. Schon als kleines Kind war mein Lieblingsrock einer mit eingenähter Hose. (7) Ständig darauf zu achten, dass man nichts sieht und so unbequem zu sitzen, war einfach nicht mein Ding. Durch eine damalige Freundin kam ich zum Manga lesen. Es war eine tolle Zeit und mein Interesse im Bereich Manga wurde größer, je mehr ich las. Sie zeigte mir auch meinen ersten Anime, wofür mir jedoch ziemlich die Zeit fehlte. Leider. Auch die Position des Familien-Computers, mitten im Wohnzimmer, erschwerte es mir, Animes zu sehen. Irgendwann kam ich dann auch zu Yaois, von denen ich direkt irgendwie begeistert war. Ich fand die Handlungen gut und auch die Sex-Szenen waren nicht abstoßend. Doch das brachte ein Problem mit sich. Durch Schule, Hausaufgaben und meinem normalen Leben hatte ich nicht viel Zeit, sodass ich begann auf dem Weg zur Schule, im Bus oder sogar in den Pausen in der Schule zu lesen. Ich nutzte jede Möglichkeit, egal wie klein sie war. Da war es natürlich etwas schwierig Yaoi zu lesen. (8) Erst recht wenn der Titel eindeutig darauf hinwies worum es ging. Dennoch hielt mich das nicht davon ab, auch diese zu lesen. Wenn ich mich mit meiner damals noch besten Freundin traf, haben wir viel geredet und sehr schnell auch mit Rollenspielen angefangen. Wir erstellten uns passende Charaktere. Meine waren immer männlich und irgendwie dumm. Ihre waren immer weiblich und verrückt. Da wir die RPG's richtig spielten, kam es auch schon mal vor, dass unsere Charaktere gekuschelt haben. Meine Freundin war sehr weich und warm. Es war so angenehm. Irgendwie mochte ich das alles. Ich mochte sie. Jedoch hatte ich mich irgendwann vielleicht etwas zu sehr da rein gesteigert. Heimlich natürlich. Auch wenn ich noch immer nicht weiß, wie ich das geheim halten konnte. So unglaublich es für mich auch war, ich habe mich fast in meine beste Freundin verliebt. Doch das ist falsch, dachte ich mir. Wir hatten schon einmal aus Spaß darüber geredet, was wäre, wenn wir uns ineinander verlieben würden. Das Ergebnis war, es würde niemals etwas daraus werden. Also genoss ich einfach die Liebe die mein RPG Charakter von seiner Freundin erhielt. Ich mochte es, dass der Charakter alles machen konnte, was ich im wahren Leben nie machen könnte oder würde. (9) Wie zum Beispiel Streiche spielen und bei diesen auch mal so richtig zu übertreiben. (10) Doch dass mein Charakter irgendwie immer männlich ist, ist mir damals noch nicht wirklich aufgefallen. (11) Das kam erst nach einigen Jahren des RPG'n. Jedenfalls war sie der Auslöser für das alles und nachdem die Freundschaft endete, kam ich irgendwann auch zum Cosplayen. Meine Noten in der Schule waren okay, ich hatte ein paar wenige Freunde, alles war okay... Bis ich mein Abi machte. (12) Zu dieser Zeit hatte ich insgesamt 3 Freunde. (13) Meine Kindheitsfreundin; eine, die ich erst in dem letzen Jahr kennengelernt hatte und einen Jungen, der so gut wie keine sozialen Kontakte pflegte. (14) Er verließ sein Zimmer nur, wenn es unbedingt nötig war und hatte kein großes Interesse in Freunden. Oh, und er war schwul. (15) Also nicht dass das irgend einen Unterschied gemacht hatte. Irgendwie fand ich das mega cool. (16) Zum einen weil ich noch nie jemanden wie ihn kannte und wir die gleichen Anime Typen hot fanden, aber auch weil ich ihn dafür bewunderte, dass er so offen damit umging. (17) Nervig waren nur die Gerüchte weil ich als eine von wenigen überhaupt mit ihm Kontakt hatte und relativ viel mit ihm sprach. Das war einfach mein Leben zu diesem Zeitpunkt und alles schien okay zu sein. Bis ich mir diese eine Frage stellte. Wer bin ich eigentlich? Klar, ich wusste wer ich bin. Ich kannte mein Leben und wie ich es bisher gelebt hatte. Doch war das wirklich ich? (18) Ein viel zu schüchternes Mädchen, ohne wirkliche Freunde, das Mauerblümchen der Schule, unbeachtet und doch da. War das wirklich ich? Es schien so. Doch irgendetwas war merkwürdig. Ich hatte gerade einen neuen Charakter zum Cosplayen gefunden und probierte das erste Oberteil dafür an. Hmm... Irgendwas war falsch. Dann bemerkte ich es. Eine flache Brust unter dem Shirt würde besser aussehen. Gedacht, getan. Ich band mir einen Verband um und es klappte einigermaßen... und es fühlte sich gar nicht mal so schlecht an, mich so im Spiegel zu sehen. (19) Es gefiel mir irgendwie sogar. Aber das ist verrückt, dachte ich. Das ist nicht normal. Nein. (20) Ich muss den Verband wieder ab machen, dachte ich. Doch eigentlich wollte ich das nicht. Warum nur? Okay, manche Cosplayer verwenden auch Binder für männliche Charaktere. Das war also gar nicht mal so ungewöhnlich. Aber irgendwie wollte ich das nicht nur zum Cosplayen. (21) Viel mehr entstand der Wunsch, ein Junge zu sein. Meine RPG Charaktere waren immer männlich. Jungs konnten einfacher das machen, was sie wollten. Immerhin war es schon normal, dass Jungs mehr Unsinn machten, während Mädchen doch eher dem Bild entsprechen sollten, nett und höflich zu sein. Mädchen hatten den Ruf reifer als Jungs zu sein. Ich muss sagen, mir war es schon immer relativ egal wie genau andere leben, solange sie sich wohl fühlten. Den ein oder anderen fing ich sogar an, zu bewundern, da sie mit aller Öffentlichkeit teilten, dass sie ein Transgender sind. Doch was ist mit mir? Wer bin ich? (22) Wer will ich sein, oder doch besser was will ich sein? Ein Junge. (23) Das wurde immer mehr meine Antwort und dennoch schien dies unrealisierbar für mich. Ich bin ein Mädchen. Anders als andere, aber doch ein Mädchen. Mit allem was dazu gehörte. (24) Ein ganz normales Mädchen. Und doch immer anders. Doch wollte ich mich so zeigen, wie ich mich wohl fühlte. Ich ließ mir die Haare kürzer schneiden als sonst. Es gefiel mir, da es ein wenig nach einer Jungenfrisur aussah. So war es zwar nicht geplant, doch es gefiel mir so sogar besser als so, wie es hätte aussehen sollen. (25) Am nächten Morgen nannte mich meine Mom auch, jedoch nur als Spaß, "mein kleiner Junge". (26) Zuerst wollte ich ihr antworten, dass ich nicht klein bin, ließ es aber sein, da ich dachte es wäre sonst zu offensichtlich, dass mich der Begriff Junge nicht störte. Danach fing ich auch an, mir mehr Oberteile und Hosen aus der Herrenabteilung zu kaufen. (27) Es hatte mich noch nie gestört dort als Mädchen zu gucken und teilweise besaß ich auch schon Herrenkleidung, da mir entweder das Motiv oder der Schnitt besser gefielen. Bei T-Shirts war das Motiv meist ein Totenkopf, da ich diese schon lange mochte. Zudem wurde der Einkauf erleichtert durch die Tatsache, dass meine Mutter in einem Kleidungsgeschäft arbeitete. Ich kaufte mir also T-Shirts für Jungs und Herren, Poloshirts und sogar Hemden. Ohne Probleme zog ich diese auch in der Schule an. Ich fühlte mich so wohl, doch das Gefühl in mir und die Frage wer ich wirklich war, ließen mich nicht in Ruhe. Bald darauf fingen die anderen Schüler und vermutlich selbst ein paar Lehrer an, mich komisch anzusehen und zu tuscheln, was mit mir denn nicht stimme. Das kannte ich teilweise schon. Ich hatte schon so den ein oder anderen Ruf hinter mir. "Das Mädchen, das nicht redet" oder auch "Die Manga-Verrückte". Doch davon hatte ich kaum etwas mitbekommen. (28) Ich erfuhr davon durch Schüler die sich über mich lustig machen wollten oder Gerüchte in die Welt setzen wollten. Das hatte mich jedoch nie sonderlich gestört und nach kurzer Zeit war das alles auch schon wieder vorbei. Doch dieses Mal würde es anders laufen, das hatte ich damals schon im Gefühl. Mal wieder starrten mich alle an und dann passierte das, was mich irgendwie verletzte. Ein Mädchen kam zu mir und sprach mich an. (29) „Sag mal… Warum trägst du eigentlich immer Jungs Sachen? Was stimmt nicht mit dir?“ Mit mir sollte etwas nicht stimmen? (30) Nur weil ich die Kleidung trug in der ich mich wohl fühlte? Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Es verletzte mich, denn niemand sprach mich sonst an und nun sagt mir auch noch jemand, dass es nicht okay ist, wie ich mich kleide, wie ich mich wohl fühle. (31) Die Menschen respektierten es nun mal nicht wenn jemand anders war. Und ich war definitiv  anders. In jeglicher Hinsicht, die mir einfiel. Ich wäre am liebsten im Boden versunken, wenn das denn möglich wäre. (32) „Ich… Nun ja… Es gefällt mir halt. Ich fühle mich darin wohl“ brachte ich dann doch noch raus. Das Mädchen sah mich abwertend an und ging dann einfach. Oh man, das war mir zu dem Zeitpunkt extrem unangenehm. Doch dieser Kommentar war nicht das Einzige. Ich spürte all die Blicke auf mir. Sie fühlten sich wie Messerstiche an. (33) Jeder einzelne Blick bohrte sich durch mich. Ich dachte darüber nach, ob es nicht besser wäre, wenn ich vielleicht doch lieber das normale Mädchen spielte? Aber das wollte ich nicht. Ich wollte sein, wer auch immer ich bin. (34) Nicht was jemand von mir erwartet. Dann spürte ich eine warme und angenehme Hand auf meiner Schulter. So eine Zärtlichkeit war in dieser Welt nicht möglich. Ich blickte nach hinten und sah meine beste Freundin. (35) Es war, als würde sie all die Messerstiche abwehren die mich in Form von Blicken trafen. Bei ihr konnte ich immer sein, wer ich wollte. Ich konnte sagen und machen was immer ich wollte und die Welt um mich herum verlor an Bedeutung. Sie lächelte mich an und wir setzten uns auf unsere übliche Bank in der Pausenhalle. (36) Ich winkelte noch die Beine an. Einfach weil es bequem war… Und wegen meinem momentanen Lieblings Anime Charakter, L Lawliet. Es war mal wieder alles egal. Sollten mich die Leute doch blöd angucken. Hauptsache, ich war bei meiner besten Freundin. Sie gab mir immer wieder den nötigen Halt. Das habe ich schon immer an ihr gemocht. Sie hatte die Situation mitbekommen und so brauchte ich ihr nichts zu erzählen. "Du kannst sein wie du willst. (37) Dich hat noch nie gestört was andere über dich denken. Warum willst du dann jetzt damit anfangen?" Es waren eben diese Worte, die ich in diesem Moment gebraucht hatte. Und es waren die Worte, die mein Leben veränderten.
Mittlerweile laufe ich unter dem Namen Jona umher und es ging mir nie besser. Es ist nicht so, dass ich mich verändert habe. Oder doch, eigentlich habe ich mich sehr verändert. Ich bin stärker geworden und habe mir mein eigenes Leben aufgebaut. Ich bin die Person, die ich sein will. Die Person, als die ich mich richtig und wohl fühle. Und doch denke ich auch gerne zurück an den Moment, in dem ich den Entschluss fasste, mein Leben zu leben.
 

(1)  Hinter „Vor allem“ würde ich ein Komma setzen.
(2)  Hier fände ich solch eine Formulierung schöner: Man schließt nicht das ganze Buch. Nicht für immer. Nur bis man weiß, wer man wirklich ist oder wer man sein will.
(3)  Hinter „spät“ ein Komma.
(4)  Du verwendet sehr oft das Wort „normal“. Das ist ok, da es sich ja um dein „Anderssein“ handelt, aber für meinen Geschmack müsste es nicht so oft vorkommen. Den markierten Satz kannst du streichen, musst du aber nicht.
(5)  „Beste“ wird in dem Fall groß geschrieben. 
(6)  Hinter „glaube“ ein Komma. Falls es deine persönliche Geschichte ist, wovon ich jetzt mal ausgehe: Der Verlust deines Vaters – auch wenn es schon einige Zeit her ist – tut mir sehr leid… Mein aufrichtigstes Mitgefühl.
(7) Hier würde ich aus einem Satz zwei machen. Hinter „sieht“ also einen Punkt setzen.
(8)  Nach „Erst recht“ ein Komma sowie vor „worum“. 
(9) Vor „und“ ein Komma und „zu“ streichen. Hört sich besser an, finde ich.
(10) Hier bist du in die Gegenwart gerutscht.
(11) „des RPG’n“ würde ich streichen.
(12) Würde kleinere Zahlen immer ausschreiben. Finde ich persönlich schöner.
(13) Kein Strichpunkt, lieber normales Komma. Und bei „letzten“ fehlt ein T.
(14) „An“, nicht „In“. Würde diesen Satz aber so formulieren: „… und hatte kein Interesse daran, Freundschaften zu schließen.“
(15) „irgendeinen“ aneinander schreiben und aus „hatte“ würde ich „hätte“ machen.
(16) Eine andere Formulierung fände ich schöner. Als Beispiel: „Zum einen, weil ich noch nie jemanden wie ihn getroffen habe und zum anderen weil er so offen mit seiner Sexualität umging. Außerdem hatten wir immer Gesprächsstoff, denn wir standen auf denselben Anime-Typ.“ – diesen „Typ“ dann auch etwas beschreiben. Beispielsweise: „Das dunkle Haar, die Grasgrünen Augen. Und dieser Körper… doch ich schweife ab.“ Sowas in die Richtung.
(17) Hinter „Gerüchte“ ein Komma.
(18) Eine schöne Formulierung. Ich würde hinter „unbeachtet“ noch ein Komma setzen.
(19) Wenn man sich das Wort „irgendwie“ wegdenkt, klingt es noch ausstrucksstärker.
(20) „Ab machen“ finde ich nicht schön. Lieber: „Der Verband musste weg!“
(21) “Vielmehr”
(22) „Wer oder was will ich sein?“, fände ich schöner.
(23) Hinter „Antwort“ fehlt das Komma.
(24) Meiner Meinung nach kannst du das streichen. Ist für meinen Geschmack zu oft wiederholt.
(25) Bei dem zweiten Wort „nächsten“ hast du das „s“ vergessen
(26) Würde das Wort „Junge“ in Anführungszeichen setzen.
(27) „… als Mädchen zu gucken“, diese Formulierung gefällt mir nicht. Ich fände folgende Formulierung schöner: „Die Blicke der anderen Kunden hatten mich noch nie gestört, wenn ich nicht auf der Suche nach Kleidung für meinen Vater, Bruder oder Freund war, sondern ganz offensichtlich und ungeniert für mich selbst nach passenden T-Shirts oder Jeans Ausschau hielt. Die Motive und Schnitte hatten mir schon immer viel besser gefallen als die Blümchenkleider in der Damenabteilung.“
(28) Hinter „Schüler“ ein Komma, und 2x „wollten“ finde ich auch nicht schön. Alternative: „Ich bemerkte es, als die Schüler sich anfingen, über mich lustig zu machen. Sie setzten Gerüchte in die Welt, die nicht stimmten, was mich aber nicht sonderlich störte.“
(29) „Jungen-Klamotten“ statt „Jungs Sachen“
(30) Hinter “trug” ein Komma und im zweiten Satz hinter “nicht”.
(31) Hinter “nicht” ebenfalls ein Komma.
(32) Hinter der wörtlichen Rede kommt auch ein Komma.
(33) Fände es schön, wenn man hinter “mich” noch das Wort “hindurch” setzen würde.
(34) Hier fände ich schöner: “Nicht das, was jemand von mir erwartet zu sein.”
(35) Hinter “abwehren” ein Komma. Und im zweiten Satz als Alternative: “Bei ihr konnte ich immer sein wie ich wollte. Das Tun, wonach mir beliebte und die Worte aussprechen, die mir auf der Zunge lagen. In diesem Momenten, verlor die Welt um mich herum an Bedeutung.”
(36) Das Wort “noch” würde ich streichen, hinter “Einfach” ein Komma und zwischen Anime und Charakter ein Bindestrich.
(37) Hinter “gestört” ebenfalls ein Komma.


Kommen wir nun zum Inhalt. Wie oben bereits erwähnt ist es für mich eine Nacherzählung. Falls es deine Geschichte ist - wovon ich jetzt einfach mal ausgehe - ziehe ich mein Hütchen vor dir. Ich finde es ganz toll, wenn man zu seinem “Anderssein” steht. Man hebt sich von der Masse ab. Man steht zu dem, der man ist, oder immer sein wollte. Doch unabhängig davon fand ich, dass sich die Geschichte anfangs ziemlich in die Länge gezogen hat. Ich hatte auch von dem “Moment, der dein Leben veränderte” mehr erwartet. Wenn es eine “wahre Geschichte” ist, die dein Leben erzählt, sind solche “kleinen” Momente eben auch von größter Bedeutung - das sehe ich ein. Aber als Leser, der eine spannende und tiefgründige Kurzgeschichte erwartet, der denkt sich am Ende: “Und das war jetzt der Moment?” Die Spannung blieb meiner Meinung nach aus. Die Formulierungen waren teilweise schön. Beispielsweise hat mir diese Stelle deiner Kurzgeschichte am besten gefallen:
Jungs konnten einfacher das machen, was sie wollten. Immerhin war es schon normal, dass Jungs mehr Unsinn machten, während Mädchen doch eher dem Bild entsprechen sollten, nett und höflich zu sein. Mädchen hatten den Ruf reifer als Jungs zu sein. Ich muss sagen, mir war es schon immer relativ egal wie genau andere leben, solange sie sich wohl fühlten. Den ein oder anderen fing ich sogar an, zu bewundern, da sie mit aller Öffentlichkeit teilten, dass sie ein Transgender sind. Doch was ist mit mir? Wer bin ich?
Deine Geschichte regt zum Nachdenken an. Von einer spannende Kurzgeschichte sind wir aber leider meilenweit entfernt. Es ist nicht einfach, eine Geschichte so zu verfassen, dass sie Spannung aufbaut, und diese hält, gar keine Frage.
Zu dem zu stehen, was und wer man ist, das ist der zentrale Mittelpunkt der Geschichte. Dies hast du auch an der ein oder anderen Stelle schön vermittelt. Du hast durch ein paar deiner Zeilen gezeigt, dass man zu dem stehen soll, was man im Inneren fühlt. Du hast gezeigt, dass man sich nicht schämen oder Angst haben muss vor den Blicken und Worten unwissender Vollpfosten.

Fazit: Zentraler Mittelpunkt der Geschichte - dem Anderssein und dazu stehen - wurde zum Teil gut vermittelt, aber leider fehlte es an Spannung. Lediglich der “Moment, der alles veränderte” spornt zum Weiterlesen an. Dahingehend hätte ich mehr erwartet. Aber wenn es eine wahre Geschichte ist, ist es auch schwierig, Dinge zu erzählen, die niemals so passiert sind.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:48
Review zu der Kurzgeschichte “Ein Moment, der alles änderte”
Zurzeit bin ich ziemlich sensibel für das Thema “Verlust” und dementsprechend bewegt hat mich deine Geschichte. Leider wird einem nach den ersten Zeilen klar, was passiert. Der Verlust eines Kindes. Das Schlimmste, was geschehen kann. Vom Technischen gesehen hätte ich es schöner gefunden, wenn du die Sätze teilweise kürzer gehalten hättest. Heißt, weniger Kommata, mehr Pausen. Ein paar grammatikalische Punkte und Tippfehler  sind mir auch aufgefallen, nur leider hatte ich weniger Zeit als bei den beiden anderen Geschichten, und konnte deshalb nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen.
Bei dem Kind bist du sehr auf das Tanzen eingegangen, aber ein paar Charakterzüge, Situationen im Leben, die das Kind noch etwas mehr beschrieben hätten (z. B. eine Situation im Kleinkindalter) oder auch das Aussehen… da hätte ich mir mehr Details gewünscht. Vielleicht würden sich da auch ein oder zwei Stellen der Kurzgeschichte streichen und durch Erinnerungen ersetzen lassen. So wirkt die Geschichte an der ein oder anderen Stelle ziemlich langatmig und sehr auf ihr Hobby, das Tanzen, bezogen.

Fazit: Traurige Geschichte, die Gefühle weckt, allerdings fehlt es an Spannung. Sehr schnell wird klar, dass es sich um einen Verlust handelt. Ein paar grammatikalische sowie Tippfehler stören an manchen Stellen den Lesefluss.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:49
Review zu der Kurzgeschichte “Dinner of the Memories”
Ich finde die Idee prima. Es ist mal etwas anderes. Dem Hauptcharakter deiner Geschichte fand ich auch sehr interessant und auch die Aufteilung der Absätze hat gut gepasst. Bis zu dem Zeitpunkt der Erinnerungstransplantation war die Spannung da. Ich habe gerne weiter gelesen. Du hast es geschafft, dass man bis zur Aufklärung der Situation gespannt war, um welchen “Arzt” es sich denn nun handelte. Ich ging die ganze Zeit davon aus, dass es sich um einen Arzt handelte. Die Erinnerung - das was der Frau geschehen ist - hätte ich mir beschrieben gewünscht. Man weiß, dass es ein Schicksalsschlag ist, doch diesen Schicksalsschlag hätte man bei der Erinnerungstransplantation beschreiben können. Dahingehen tappt man so leider etwas im Dunkeln...
Nach der Transplantation hat sich die Geschichte in die Länge gezogen und zunehmend an Spannung verloren, was ich sehr schade finde. Grammatikalisch ist mir kaum etwas aufgefallen. Ich finde die Formulierungen sehr schön und  gekonnt geschrieben. Den ein oder anderen Tippfehler, genau wie bei der wörtlichen Rede, sind schon ins Auge gestoßen, haben mich aber nicht beim Lesen gestört. Ein Beispiel zur wörtlichen Rede: “Hallo, mir geht es gut”, antwortete ich, als ich zu ihm nach oben sah. Also kein Punkt vor den Gänsefüßchen. Finde deutsche Titel immer schöner, was aber kein Kritikpunkt darstellt.

Fazit: Gute Idee mit lang gehaltener Spannung. Zur Hälfte hin verliert die Geschichte leider an Spannung und zieht sich zum Ende in die Länge.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 19:49

Review zu “Vergessen”



Einer der wichtigsten Aspekte einer guten Geschichte ist Spannung. Das mag euch nun bestimmt trivial erscheinen: Natürlich muss eine Geschichte spannend sein, sonst will ich sie doch gar nicht lesen. Aber es ist immer nicht ganz einfach zu fassen, was genau Spannung ist und was Spannung erzeugt. 

Wie oft haben wir das schon gesehen? Eine Geschichte hat eine super interessante Prämisse, aber irgendwie macht es keinen Spaß zu lesen. Man möchte mehr über diese Prämisse erfahren, vielleicht über die Welt und findet einige Dinge so interessant, das man weiterlesen möchte, aber irgendwie zieht sich die Geschichte und am Ende merkt man, dass man vielleicht lieber einfach ein Lexikon über diese Welt gelesen hätte, anstelle dieser Geschichte. Es fehlte die nötige Spannung. Wobei komplett ohne Spannung war die Geschichte nicht, sonst hätte man es gar nicht erst bis zum Ende geschafft. Es wurde irgendwie Spannung geschaffen, ohne dass der Plot der Geschichte an sich spannend war. Wie ist das möglich?

In der Geschichte “Vergessen” rührt die Spannung hauptsächlich von der Amnesie des Protagonisten her. Es ist ein Mystery. 

Wer war er? Wieso kann er sich nicht erinnern? Wer ist er jetzt und wer wird er sein?

Diese Reihe von Fragen entstehen beim Leser und wollen beantwortet werden. Dies löst den Drang aus, weiter zu lesen. Spannung könnte also als eine Reihe von Fragen definiert werden, die beim Leser auftauchen und die der Leser beantwortet haben möchte.

In dieser Geschichte ist es die Prämisse, die initial Spannung auslöst, indem sie diese Fragen aufwirft. Danach geht es hauptsächlich darum, das Puzzle zusammenzusetzen, aber auch wie der Protagonist mit dieser neuen Situation umgeht. Nun fängt die Spannung von mehr als einer Quelle zu kommen und die Spannungen füttern ineinander. 

Nach und nach liefert uns die Autorin häppchenweise Antworten und stellt dabei neue Fragen: Er hat eine Ehefrau, aber offenbar lassen sie sich scheiden. Er hat ein Geheimnis. Was ist das für ein Geheimnis? Eine Frau erscheint an seiner Tür. Sie scheinen sich sehr gut zu kennen. Hat er eine Affäre? Ist es das, wieso seine Frau die Scheidung will? Oder ist da mehr?

Nach und nach kommen diese neuen Fragen, während andere beantwortet werden. So bleibt Spannung bis zum Schluss.

Genauso wichtig wie die Fragen, sind aber natürlich auch die Antworten. Jeder kennt es vermutlich, vor allem wenn man viel im Krimi-Genre unterwegs ist: Die Reise bis zur Auflösung hat eigentlich Spaß gemacht, aber als die finalen Antworten dann präsentiert werden, sind sie nicht zufriedenstellend. Für manche zerstört das sogar die gesamte Lese-Erfahrung. Die Antworten sind also genauso wichtig wie die Fragen.

Die Antworten, die “Vergessen”, ganz zu Schluss liefert waren für mich an sich zufriedenstellend. Der Protagonist hat sich mit den falschen Leuten eingelassen. Sein Geheimnis war keine Affäre, sondern Kriminalität. Er wollte sie schützen, indem er die Scheidung provozierte. 

An sich gefällt mir diese Auflösung, meine Fragen wurden beantworten und trotzdem bleibt so ein bisschen ein Gefühl von Unzufriedenheit. Ich glaube das kommt hauptsächlich daher, dass das Ende so plötzlich kommt. Ich hatte nicht genug Zeit, um selbst Antworten auf meine Fragen entwickeln zu können. Länger hätte die Geschichte nicht sein müssen, vielleicht fehlte nur ein paar Hinweise, die mir hätten helfen können, auch selbst dieses Ende vorhersehen zu können.

Vielleicht war ich aber auch etwas abgelenkt von der Formatierung, denn bis zum Schluss konnte ich nicht erkennen, warum einige Zeilen eingefärbt waren und andere nicht. Ein echtes Muster konnte ich nicht erkennen. Während ich mich also fragte, was die Schriftfarbe bedeutete, habe ich vielleicht zu wenig über mögliche Antworten auf die gestellten Fragen nachgedacht und fühlte mich von dem Ende etwas überrumpelt.

Je länger ich über das Ende nachdenke, umso besser finde ich es, aber irgendwie blieb dieses initiale Gefühl, dass irgendwie mehr Hinweise zuvor mir hätten helfen können. Mit etwas mehr Feinschliff und vielleicht etwas mehr Details könnte aus dieser bereits guten Geschichte noch eine viel bessere werden. Ich würde mir wünschen, dass sich die Autorin noch einmal ein wenig Zeit nimmt (so ganz ohne Deadline) und vielleicht es noch zu einem perfekten Ende bringt.



paranoidandroid
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 20:20
Vielen Dank für die ehrliche Review! Es freut mich immer wieder, Kritik von Menschen zu lesen, die ich noch nicht kenne. Da weiß ich immer direkt, dass objektiv beurteilt wird. Natürlich freut es mich auch, dass dir meine Idee gefiel. Wenn ich nicht so spät ins Forum zurückgekehrt wäre, hätte ich sie noch weiter ausgearbeitet (die Idee ist bereits zwei Jahre alt), aber zeitlich hatte es nicht mehr gepasst. 
Wenn mich das nächste Thema inspiriert, werde ich versuchen, deine Kritikpunkte zu beachten. 
Also nochmal Danke für die liebe Rezension. :3
Shadow
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 25.08.20 20:34
Vielen Dank für deine Mühe und, entschuldige wenn ich dich getriggert habe...
Glückwunsch an alle Gewinner!
Akeem
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Erinnerungen

am 03.09.20 10:22
Habe mal ein bisschen rumgefragt und ein paar Themen-Vorschläge gesammelt.
Hier könnt ihr nun voten, welche Themen euch am besten gefallen: https://www.strawpoll.me/20879339
Werde das ein paar Tage offen lassen.
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