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Welche Geschichten sind eure Favoriten? (Abgabe mehrerer Stimmen möglich!!)

3 - 30%
6 - 60%
1 - 10%
 
Stimmen insgesamt: 10
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 27.05.19 20:36
Edit 28.06.2019

Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Coollogo_com-214761942




Die Abstimmung geht wie immer 7 Tage bis zum 05.07.2019... etwa 08:00 Uhr



Und da sind wir wieder. In einer neuen Runde. Im stillen Kämmerlein haben wir dieses Mal ein neues Thema herausgesucht, das nun in dem nächsten Monat in eine Kurzgeschichte umgewandelt werden darf.

Das Thema dieses Mal ist:
Fluch
Dieser Begriff ist natürlich wie immer frei zur Interpretation und jeder der will kann mitmachen!


Hier nun die wichtigsten Fakten:
Die Geschichte ist bis zum 
27.06.2019 23:59 Uhr einzureichen. 
Alle weiteren Regeln findet ihr hier:
http://anime.forumieren.de/t5871-aktuelles-regelwerk-kurzgeschichten-wettbewerbe

Bitte lest und beachtet diese vor der Abgabe.






Zu Gewinnen gibt es wie immer wunderschöne Abzeichen von @Mithras :

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Zuletzt von Akeem am 28.06.19 7:45 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 28.06.19 7:39
Post Mortem
 
Sie ist da. Man braucht nicht in den Spiegel zu schauen, um sie zu sehen. Sie hat sich angekündigt. Wie jede Nacht. Wie eine dreckige „HURE!“, speit man hervor, die sich ungefragt auf des Mannes Schoß setzt und ihren Busen bebend unter l.u.s.t.vollen Atemzügen entgegenpresst. Heißer Atem, der das Ohr streicht. Schmutzige Worte, die die Fantasie in Ektase ziehen.
Fiebrig flattert das Augenpaar. Presst man den Kopf gegen harten, kühlen Stein. Es muss sich beruhigen. Es darf sich nicht zu sehr aufregen. Man weiß es nun besser. Zu Anfang hat man ein leichtes Kribbeln verspürt. Nur kurz. Nicht lange. Nicht ewig. Nur einen Atemzug lang. Elektrisierend. Belebend. Doch nur für diesen einen Atemzug. Bitteres Lachen füllt den Raum. Denn danach kommt der „Schmerz…“, presst man hervor, und er kommt auf einen Schlag.
Augen aufgerissen, erstaunt und aufgeschreckt. Man weiß es nun besser. Man weiß nun Bescheid. Nacht für Nacht gestürzt, gekrümmt unter Schreien und Stöhnen. Der Schmerz bleibt „unbarmherzig“, zischelt man. Er hat kein Mitleid. Keine Güte. Keinen Grund, sich zurückzuziehen. Er ist einfach da und so wie er da ist, ist er auch wieder verschwunden. Zurück bleibt das zitternde Häufchen Elend am Boden.
Dann doch der Blick gen Spiegel. Der Atem entweicht. Zischelt zwischen kaum geöffneten Lippen. Vorbei an einer Reihe blanker Zähne. Man hält den Atem an. Schaut. Starrt ins A.n.g.e.s.i.c.h.t des Weibes, dessen man gewahr wird. Unglaube abgelöst vom Schrecken.
Man weiß es nun besser. Nun weiß man Bescheid. Wandert das fiebrige Augenpaar durch den kargen Raum. Drei mal drei Meter umfassend. Putz, der von den Wänden bröckelt. Karger, grauer Beton unter einem. Staub. Schmutz. Modrige Kälte. Ein Blick gen Decke offenbart ein einziges Fenster. Licht, das die gegenüberliegende Wand trifft. Leben. Ein Tageslauf. Dunkel. Hell. Dunkel. Hell. Man hatte aufgehört zu zählen, als Es ins Leben trat.
Mittig prangt das einzige Möbelstück. Ein hölzernes Konstrukt, gleich einem Mahnmal steht es hervor und beobachtet einen. Geifernd. Lechzend nach Pein. Unsichtbare Augen voll von Häme und Gräuel. Damit man nicht vergisst. Damit man niemals vergisst! Niemals. „NIEMALS!“, krächzt die brüchige Stimme hervor. Und man sinkt. Macht sich klein. Kopf schlägt gegen bloße Wand.
Pock.
Pock.
Pock.
Gläserne Augen schwenken gen Tür. Die Tür. Diese eine Tür. Robust. Hart. Schwer. Einzelner Rost wie gesprenkeltes „Blut“. Ein düsteres Lächeln auf spröden, schmalen Lippen. Ein kleines Schild darüber: 13 Miller’s CourtKratzendes Schieben und Klicken auf der anderen Seite. Lassen einen von Verschlüssen wissen. Von Hebeln und Mechanismen, die nicht zu überwinden sind. Man harrt. Man schweigt. Man sinkt.
Gleich kommt er. Er kommt immer. Kommt, nachdem man fertig ist. Zeit verstreicht. Langsam. Quälend. Eine quälende Zeit, den Schmerz mit jeder Faser des Körpers zu schmecken. Laut. Eine laute Zeit, bis er wieder anfängt einem wehzutun. Das macht er immer. Jede Nacht. Sobald man sie ist. Er lässt einen warten. So lange warten. Bis Zähne knirschen. Bis das Haupt den Stein malträtiert. Bis Achtsamkeit zum Zerreißen gespannt ist. Bis quietschende Scharniere das Blut in den Adern gefrieren lassen. Gleich einer düsteren Ankündigung. Er kommt.
„Er. Ist. Da.“  
Man braucht nicht aufzuschauen, um ihn dort stehen zu sehen. Groß. Kräftig gewachsen. Ein Hüne, bedrohlich im Lichtkegel der Tür. Man schweigt. Man harrt. Macht sich klein. Kleiner. Immer kleiner. Drückt sich in die hinterste Ecke. Fiebrig das offene Auge gen dunkler Gestalt gerichtet. Das andere im Schatten des Steins verborgen. Drückt man sich zurück. Weiter. Immer weiter.
„Hallo, Mary Jane“
Diese Stimme. Sickert ins eigene Ohr. Schmeichelnd. Liebevoll. Charmant. Will Vertrauen schaffen. Will hämen. Will verspotten.
„Spotte nicht!“, krächzt man hervor. Fühlt kalten Stein hinter sich. Hat das Ende erreicht. Ist gefangen. In hinterster Ecke. In dunkelster Ecke. Kann nicht weiter zurück.
Dreck knirscht unter Stiefelsohlen. Die Gestalt tritt vor. Raus aus dem Licht. Fällt die Tür zu. Dunkelheit füllt den Raum. Und Dreck knirscht unter Stiefelsohlen. Dröhnt es in den Ohren. Dumpf. Hart. Beginnt das Herz zu klopfen.
Ba-dumm.
Ba-dumm.
Ba-dumm.
Das Knirschen erlischt. Das Untier sinkt. Sinkt auf eigene Höhe. Um des Blickes gewahr zu werden. Das verschreckte Reh in dunkelster Ecke. Fühlt man sich machtlos. Hilflos. Will einfach nur „verschwinden“, dringt es aus zugepresster Kehle.
„Oh, ich werde verschwinden, kleine Mary Jane. Wenn wir beide fertig sind.“ Diese Stimme. So vertraut. So bekannt. Kennt man sie nur zu gut. Viel zu gut.
Flacher Lichtschein aus tiefer Nacht. Man gewöhnt sich an die Dunkelheit. Lernt zu sehen. Und sieht. Erkennt das G.e.s.i.c.h.t des Mannes. So vertraut. So bekannt. Man kennt es nur zu gut. Viel zu gut. Denn –
Schmerz erfüllt den Arm, als kraftvoll die Pranke zugreift. „Lass uns Spaß haben, Mary Jane!“
„NEIN!“, kreischt man laut zurück. Will sich wehren. Schlagen. Kratzen. Treten. Zappelt wie unter Epilepsie. Nur weg. Nur fort. Nur fern von ihm.
Wird gezogen. Wird gezerrt. Wird mitgeschliffen. Zum Möbelstück. Zum einzigen. Das eine. Das wahre. Das Schlechte.
„NEIN!“, schreit man weiter. Doch niemand hört. Hat noch nie gehört. Nie.
Tief sinkt man in zerwühlte Laken. Laut quietschen alte Federn unter der Matratze. Schwer liegt er über einem. Atmet. Schaut. Mustert. Ein Grinsen auf kalten Zügen. Vor Angst der Blick geweitet. Starrt man zurück. Weiß, dass es wieder losgeht. Dass er einem wieder wehtut. Wie jede Nacht. Bis zum Morgen. Bis nichts mehr da ist.
Die Rechte geht zurück zum Hosenbund, während die Linke den Schopf umfasst. „Kleine Mary Jane“, haucht stinkender Atem einem entgegen. „Sieh‘ mich an, sieh‘ mich genau an!“
Man schaut. Man sieht genau. In gefrorene Augen. Ins düstere Funkeln. In den Wahnsinn, dem man selbst verfallen ist. Verloren. Für immer. Für ewig.
Bewegungen im Augenwinkel. Lenken ab. Lassen den Blick schweifen. Doch man weiß es nun besser. Nun weiß man Bescheid. Die Zuschauer. Gestalten, die gerne zusehen. Wie jede Nacht. Bis zum Morgen. Bis nichts mehr da ist.
Blasse Frauen. Vier an der Zahl. Verstümmelt. Zerstückelt. Entstellt. Sehen zu einem. Schauen zu. Immer wieder. Voll Häme. Voll Gräuel. Haben kein Mitleid. Keines. Und werden es nie haben. Man kennt sie. Kennt sie nur zu gut. Hat sie anders gesehen. Damals noch, als sie ansehnlich gewesen waren. Als Herzen geschlagen und Lungen gepumpt haben. L.e.b.e.n.d.i.g. Aus toten Augen starren sie. Starren einen an. Verzerrte Lippen zum Flüstern geöffnet. Flüstern sie: „Mörder!“
„Mary Ann. Buck’s Row“ „Mörder!“ „Anny Chapman. Hanbury Street.” „Mörder!” „Elizabeth Stride. Berner Street.“ „Mörder!” „Catherine Eddowes. Mitre Square.“ „Mörder!“
Hallt es von den Wänden wieder. Immer und immer wieder. Ein Echo folgt dem nächsten. Zischeln sie. Klagen sie. Lauter. Werden immer lauter. Bis sie schreien. Allesamt. Und man schreit mit ihnen.
Zurück zu ihm. Der kalte Blick. Keine Güte. Keine „Gnade.“, presst man aus zugeschnürter Kehle. Heiß rinnen Tränen über kalte Schläfen. Man will keine Schmerzen mehr. Man will keine Pein. Keine Qual. Man will „GNADE!“
„Versuch‘ mich zu verstehen“, spricht der Mann und beugt sich vor. Nur ein Hauch entfernt. Blicken eigene Augen einen an. Aus eigenem Gesicht. Fährt mit eigener Stimme fort: „Du bist Abschaum, der entsorgt werden muss“
Die Rechte wird erhoben. Darin eine Klinge. Messers Schneide des Barbiers. Stürzt voran. Stürzt hinab. Und der Schrei erstickt im Schrecken. Quillt im Gurgeln über. Vor Angst geweitet ist der Blick. Wird man des eigenen A.n.g.e.s.i.c.h.t.e.s gewahr. Kalt der Blick. Starr die Augen.
Spürt den Schmerz. Heiß und kalt. Er brennt. Er tut weh. Er tut so weh. Aufhören. Es soll aufhören. Es soll – Nur Gurgeln und Schmerz. Und er fährt fort. Er macht weiter. Mit seiner Arbeit. Mit seinem Kunstwerk. Muss es zu Ende bringen. Bis alles endet.
Die Augen werden schwer. Schwarz umfasst das Bewusstsein. Klammert sich ans Leben. Man schwindet. Man rinnt dahin. Und … zurück … bleibt …
 
 
„Wir haben einen geregelten Tagesplan und den gilt es Tag und Nacht einzuhalten. Jedwede Abweichung vom Plan führt zu Unruhen der Patienten. Daher ist es äußerst wichtig, niemals vom Tagesrhythmus abzuweichen und die Zeiten strengstens zu befolgen.“
Die Schwester hatte ein Klemmbrett mit wichtigen Notizen und Unterlagen an ihre Brust gedrückt, während sie den Neuzugang durch die Gänge und Räume führte. Die Einarbeitung war sehr wichtig. Die Patienten des Colney Hatch Lunatic Asylum waren nicht leicht zu handhaben und bedurften der ständigen Aufsicht eines gut geschulten Personals.
Mit raschem Schritt führte er die junge Frau in einen großen Raum. Dort befanden sich viele Tische und Stühle. Einige Patienten saßen dort beisammen, andere liefen herum oder standen schwankend in der Ecke. Eine Frau mit zerzaustem Haar stand unweit der Eingangstür an einer Wand und starrte ins Leere. Ein anderer Patient hielt sich den Kopf und schüttelte ihn unentwegt.
„Das ist der Aufenthaltsraum. Ihr ermöglichen wir den Patienten ihre freie Zeit zu verbringen. Wie sie sehen, ist das nicht immer in vollem Umfang möglich. Weniger kritische Fälle dürfen auch den Außenbereich für Spaziergänge nutzen.“
Die junge Frau an ihrer Seite sah sich aufmerksam um. „Und die kritischen Fälle?“
„Bleiben selbstverständlich in ihren Räumen, bis sich ihr Zustand verbessert hat.“
Sie gingen weiter und erreichten den Wohntrakt der instabilen Patienten. Tür reihte sich an Tür und füllte beidseitig den gesamten Gang auf. Bei einer Tür blieb der Neuzugang stehen und die Schwester hielt in ihrem raschen Lauf inne. Sie drehte sich zu der jungen Frau um und hob eine Augenbraue. „Was ist?“
„Entschuldigen Sie, aber bei dem Namen …“
„Ja, das verstehe ich“, die Schwester kam auf sie zu, „aber Sie können sich sicher sein, dass dieser Mann seine Zelle niemals verlassen, geschweige denn einen Fuß in Whitechapel setzen wird.“
Eine leichte Unsicherheit spiegelte sich im Gesicht der jungen Frau wieder. Mit einem Nicken wandte sich der Blick zögernd, doch voll Neugierde durch das kleine Fensterglas, um ins Innere des Raumes spähen zu können. Die Schwester hielt sie nicht davon ab.
Im Inneren befand sich ein leerer Raum, vielleicht drei mal drei Meter. Die Wände waren weiß gestrichen. Das Fenster bot genügend Licht, war allerdings mit Gittern versperrt. Einzig ein Bett war zu erkennen, indem ein großgewachsener Mann zu schlafen schien. Anfangs wollte die Frau den Blick abwenden, doch dann sah sie, dass er sich rührte und seltsame Zuckungen durch den Körper zu fahren schienen.
„Was ist mit ihm?“, fragte sie die Schwester.
Diese räusperte sich. „Mister Kosminski leidet unter paranoider Schizophrenie und auditiven Halluzinationen. Sein Verhalten hat uns dazu gezwungen, ihn mit ständiger medikamentöser Anwendung ruhig zu halten.“ Sie schien kurz zu zögern, ehe sie hinzufügte: „Er schläft“
Ein letzter Blick galt dem zuckenden Körper, dann wandte sich die Frau dem Anblick ab und setzte den Weg mit der Schwester fort.
 
 
Sie ist da. Man braucht nicht in den Spiegel zu schauen, um sie zu sehen. Sie hat sich angekündigt. Wie jede Nacht. Wie eine dreckige „HURE!“, speit man hervor, die sich ungefragt auf des Mannes Schoß setzt und ihren Busen bebend unter l.u.s.t.vollen Atemzügen entgegenpresst. Heißer Atem, der das Ohr streicht. Schmutzige Worte, die die Fantasie in Ektase ziehen.
Fiebrig flattert das Augenpaar. Presst man den Kopf gegen harten, kühlen Stein. Es muss sich beruhigen. Es darf sich nicht zu sehr aufregen. Man weiß es nun besser. Nun weiß man Bescheid.
Akeem
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 28.06.19 7:40

Segen oder Fluch?


Man kennt ja den allseits bekannten Spruch 'Mit großer Kraft kommt auch große Verantwortung.' Nur sucht man sich seine Kraft leider nicht aus... So auch Simon nicht. Alle anderen Menschen haben simple Fähigkeiten bekommen, wie verbesserte Sprungkraft, ein fotografisches Gedächtnis, Adleraugen, einen starken Körper, Immunität gegen Krankheiten oder Gifte und so weiter. Doch Simons angeborene Fähigkeit wurde für ihn zu einem Fluch, auch wenn viele sagen würden, dass sie Schicksals-verändernd wäre, wenn diese Leute von der Fähigkeit wüssten. Denn bisher ist kein anderer Mensch mit einer solchen Gabe bekannt.
Simon war noch sehr jung, als er seine Fähigkeiten das erste Mal bemerkte und verstand zu Beginn nicht so ganz was das was er sah zu bedeuten hatte. Doch obwohl er gerade mal Zehn Jahre alt war, begriff er, dass seine Fähigkeit etwas ganz anderes war, als die seiner Spielkameraden, also verheimlichte er sie und erfand eine banale Fähigkeit als Ausrede, wenn andere Kinder neugierig waren, welches seine wäre. Immer wenn man ihn fragte, sagte er dass er angeblich spürte, wenn es kurz davor war zu Regnen. Was durch beobachten des Himmels und anhand eines veränderten Luftdrucks gar nicht mal so schwer war. Jeder glaubte ihm seine banale Fähigkeit und so manch Einer lachte ihn sogar dafür aus. Doch das war ihm immer noch lieber, als anderen sagen zu müssen, dass er sehen konnte, wann sie sterben würden. Und wenn er es wollte, konnte er sogar sehen wie sie sterben würden.
Er hatte es das erste Mal bei einigen Blumen im Garten seiner Mutter bemerkt, als der Sommer sich dem Ende zu neigte. Er entdeckte kleine bunt schimmernde Flecken auf den Blüten, die aber nicht unbewegt waren, sondern wabernd die Farbe wechselten. Diese waren am Tag zuvor noch nicht da gewesen. Und sie waren außerdem scheinbar von niemand Anderem außer ihm selbst zu sehen. Am nächsten Tag waren diese Flecken etwas größer geworden und am Tag darauf wieder, bis sie schließlich komplett davon bedeckt waren und keine einzige Lücke geblieben war. Das war dann auch immer der Moment in dem er bemerkte, dass die Blume nicht mehr gesund aussah, sondern begonnen hatte zu welken. Sie war also gestorben.
Heimlich hatte er damit begonnen auszuprobieren, ob er die bunten Flecken wieder vertreiben konnte, indem er die Blumen goss, düngte oder mehr oder weniger im Schatten oder der Sonne platzierte. Das ging natürlich nur bei den Topfpflanzen. Doch wenn die Flecken bereits zu groß waren, starben sie doch immer, auch wenn sich das Wachstum der Flecken deutlich verlangsamt hatte.
Sein genaues Beobachten führte ebenfalls dazu, dass er ein zweites Bild vor seinem geistigen Auge sah, und zwar wie die Blume verwelkte, die vor ihm noch in voller Blüte stand. Er hatte diese Flecken und ihren Tod auch bei Tieren gesehen. Die Katze ihres Nachbarn begann nämlich eines Tages plötzlich diese Flecken zu bekommen, doch sie war nicht zu alt und eigentlich kerngesund. Also versuchte er ihren Tod zu sehen und sah, wie sie von einem Auto überfahren worden ist. Wenige Tage später kam es dann auch so. 
Diese Bilder hatten ihn so abgeschreckt, dass er es nicht mehr wagte, sich die Tode anzusehen, wenn ein Tier solche Flecken bekam, denn der Anblick war ihm einfach zuwider.
Einige Jahre später bemerkte er, dass er das Leben der Katze vermutlich hätte retten können, denn er hatte gesehen wo sie gestorben war und welches Auto sie überfahren hatte, auch wenn die Erinnerungen nun recht verblasst waren. Denn mit den Blumen damals hatte es auch geklappt. Einige konnte er heilen, zumindest bis zum Anfang des Herbsts... Er war nun Älter als damals und versuchte nun das erste Mal seit langem sich den Tod eines Hundes anzusehen, welchen er zufällig auf dem Weg traf. Der Hund hatte ein sehr schönes Fell, zum Glück hatte er noch nicht so große Flecken bekommen, also sprach er den Besitzer beiläufig darauf an. Aber ohne ihm zu offenbaren, dass sein Hund sterben würde, nein. Er begann das Gespräch ganz unvoreingenommen. "Das ist aber ein hübscher Hund, darf ich ihn mal streicheln?", meinte er also. Als der Besitzer es bejahte, streichelte Simon den Schäferhund und sah dem Hund tief in die Augen, um seinen Tod zu sehen. Er sah den Schäferhund elendig an einer schweren Krankheit verenden, die ihn bis auf die Knochen auslaugte und abgemagert hatte. Simon versuchte den Moment des Todes, den er gesehen hatte runter zu schlucken und setzte stattdessen eine leicht besorgte Miene auf. "Ihr Hund sieht etwas krank aus, hoffentlich geht es ihm bald wieder besser.", versuchte er mit einem aufmunternden Lächeln, zu sagen. Das waren die einzigen Worte, die er an den leicht verdutzt schauenden Besitzer gerichtet hatte, ehe sich ihre Wege wieder trennten. Denn Simon musste dringend weg! Er war ein eher emotionaler Mensch, weshalb ihn das Bild doch etwas zusetzte. Simon hoffte inständig, dass der Mann mit seinem schönen Hund zum Arzt gehen würde, vielleicht war die Krankheit ja heilbar. Denn Simon war kein Arzt und hatte ebenso keine Ahnung welche Krankheit den Hund plagte.
Seine Angst vor dem was er sehen konnte, verschwand auch nach einem weiteren Versuch nicht, denn das waren nicht Ausschnitte aus einem Film, von denen man wusste, dass die Wunden nur aufgemalt waren... Nein, das war echt! Und einige Wochen später erfuhr er, dass der Schäferhund mit Krebs diagnostiziert wurde und es bereits zu spät für eine erfolgreiche Behandlung war. Obwohl die Flecken nicht wirklich groß gewesen waren, als Simon sie das erste Mal gesehen hatte, hatten sie ihr Urteil bereits gefällt. Simon sah also keinen Nutzen in seinen Fähigkeiten, außer, dass er immer schon vorher wusste, dass bald jemand sterben würde. So hat er bei der netten alten Dame von nebenan, einfach weggesehen, als er eines Tages auch in ihrem Gesicht die bunten Zeichen sah. Und auch die Blumen, die bereits von mittelgroße Flecken bedeckt waren, goss er nicht mehr, denn für ihn waren sie bereits gestorben. Es war schon Ironie, dass der Tod sich so farbenfroh ankündigte, wo man doch immer schwarz zu einer Beerdigung tragen sollte. Vermutlich ist deswegen schwarz zu seiner Lieblingsfarbe geworden. 
Die Tage, an denen er keine bunten Flecken sah, waren für ihn die friedlichsten und glücklichsten in seinem Leben. Doch auch solche Tage konnten ihm manchmal noch vor dem Abend versaut werden. Die Blumen und Bäume kümmerten ihn jedoch nicht mehr, ihre Flecken ignorierte er gekonnt, da tagtäglich mindestens eine Blüte eines Strauchs einen Punkt mit Regenbogen aufwies. Seine Klassenkamerad len und Lehrer waren alle frei von Flecken, weshalb er sich in der Schule auch sehr wohl fühlte. Schließlich waren hier alle unter 60 Jahre alt und somit nicht unbedingt schon mit einem Fuß im Grab.
So lebte er sein Leben friedlich, behauptete weiterhin er könnte den Regen riechen und machte sich keine weiteren Gedanken um seine unnötige Gabe, die eh nur belastete. Es war, nicht lange nachdem er in der Oberstufe durch die verschiedenen Kurse eine neue Klassenzusammenstellung hatte, dass sein Frieden gestört werden sollte. In Geschichte, wo eh keiner aufpasste, wurden per Los Sitzplätze vergeben, dadurch saß er neben einem eher schüchternen Mädchen, dass immer ganz still im Unterricht war und nie wirklich auffiel. Dennoch war sie nicht sozial inkompetent, weshalb sie sich hin und wieder unterhielten und auch vom Lehrer einige Male deswegen ermahnt wurden. Ihr Name war Alexandra.
Mit der Zeit verbrachten sie viel Zeit miteinander und aßen auch in den Pausen zusammen ihr Pausenbrot und Mittagessen. Nach einigen Wochen jedoch, hatte sie eines Tages plötzlich einen Daumengroßen bunt-wabernden Punkt auf der Wange. Als Simon sie an jenem Morgen sah und sie ihn grüßte als ob nichts gewesen wäre, brachte er zuerst keinen Ton aus seiner trockenen Kehle heraus. Doch er riss sich zusammen und antwortete auf den Gruß.
Den ersten Block Unterricht hatten sie nicht gemeinsam, was ihm etwas Raum zum Nachdenken verschaffte. Er hätte nämlich nicht gewusst, wie er sich Alex gegenüber hätte verhalten sollen, mit dem Wissen dass sie vom Schicksal zum Sterben verurteilt worden war. Doch Moment! Was wenn sie wie die Katze damals nur durch einen verhinderbaren Unfall vom Tod markiert wurde? Vielleicht konnte er es verhindern!... Doch was, wenn auch sie ein unausweichliches Schicksal erwartete? Allein der Gedanke daran bereitete ihm Unbehagen. Er würde sie im nächsten Block in Geschichte sehen... Und vielleicht sogar schon in der Pause davor. Simon hatte Angst, ihr in die Augen zu blicken und zuzusehen, wie sie sterben würde... Warum musste es ausgerechnet sie treffen?! Könnte es nicht einen von den Assis aus der Nachbarschaft treffen? Die hätten es wenigstens verdient! 
Frustriert mied er für den Rest des Tages den Blickkontakt. Das ging natürlich nicht unbemerkt an Alex vorbei, weshalb sie ihn auch gleich darauf ansprach. "Simon was ist denn heute mit dir los? Warum weichst du mir schon den ganzen Tag lang aus?" "Quatsch, ich hab bloß schlecht geschlafen...", war seine Ausrede, ohne die dabei direkt anzusehen. Doch er war wohl nicht sonderlich gut im Lügen, denn sie blieb beharrlich. "Willst du etwa auch nichts mehr mit mir zu tun haben?!", mit diesen letzten Worten stiegen ihr wohl ein paar Tränen in die Augen und auch wenn Simon direkten Blickkontakt vermied, konnte er aus den Augenwinkeln mehr als deutlich ihr enttäuschtes Gesicht erkennen, doch dann machte sie auf dem Absatz Kehrt und eilte davon. Das Ganze machte Simon schon etwas stutzig. Doch er verfolgte sie nicht... Viel zu sehr schämte er sich für sein Verhalten. Er hatte sie verletzt... Nur weil er Angst vor dem unausweichlichem hatte... Doch Simon musste das ganze erst einmal selbst verarbeiten.
Warum sollte sie sterben?! Sie war doch
keine Greisin und bis jetzt wirkte sie auch noch gesund auf ihn. So wie die Katze damals... Sie starb durch einen Autounfall... Moment! Was wenn Alexandra ebenfalls durch einen Unfall sterben würde?! Dann könnte er das doch vielleicht noch verhindern! Er müsste sich ihren Tod nun also unbedingt ansehen!
Zumindest hatte er sich das vorgenommen, doch die Angst etwas anderes zu sehen als er erwartete, etwas unausweichliches, die blieb. Er würde also den neuen Tag mit einer Entschuldigung beginnen. Sie hatten heute sogar den ersten Block zusammen Unterricht. Er war für gewöhnlich immer etwas eher da als sie, weil er mit dem Bus kam und sie zur Schule laufen konnte, weshalb sie auch nicht selten zu spät kam.
Simon setzte sich auf seinen Platz und wartete darauf, dass Alexandra sich neben ihn setzte. Doch sie kam nicht zum Unterrichtsbeginn. Ihm wurde bange, dass sie vielleicht bereits den Unfall gehabt hatte, der sie das Leben kosten sollte, doch dafür waren die bunten Flecken noch nicht reif gewesen. Normalerweise war dann der gesamte Körper bedeckt und keine Lücke mehr zu erkennen, wenn der Tod unmittelbar bevor stand. Und gestern hatte sie erst einen einzigen kleinen Fleck gehabt... Doch was wenn unter ihrer Kleidung bereits alles in diese bunten Farben getränkt war?! Nein das konnte nicht sein! Oder etwa doch?! Tiere und Pflanzen haben keine Kleidung unter der sie sich verstecken konnten, daher hatte er keine Ahnung ob es möglich wäre oder nicht. Bis auf die ältere Dame von Nebenan, hatte er noch nie die Markierung auf einem Menschen gesehen... Aber er hatte sie nie genau ansehen wollen...
Simon wurde übel und kalt. Was der Lehrer vorne redete nahm er nicht mehr wahr. Simon versuchte mit Gewalt diese negativen Gedanken zu verdrängen, doch sie wurden dadurch nur noch präsenter. Gerade als er mit dem Gedanken spielte aufzustehen und sich aufs Klo zu verdrücken, öffnete sich die Tür zum Klassenraum und Alexandra kam schwer atmend rein. "Entschuldigen Sie die Verspätung. Ich habe verschlafen!" Der Lehrer nickte nur und fuhr dort mit seinem Redefluss fort, wo er aufgehört hatte, ohne ihre Verspätung zu kommentieren. Er machte lediglich einen Eintrag ins Kassenbuch, da er sie ja zu Beginn der Stunde als fehlend eingetragen hatte. Sie setzte sich eilig neben Simon und packte ihre Sachen aus. Dieser starrte sie stumm mit ungläubigem Blick an. Er war noch immer etwas blass, da er zuvor Kreise bleich geworden war und das Blut noch nicht so schnell wieder zurück in sein Gesicht gekommen war. "Hey...", war ihr zögerlicher Gruß. Natürlich hatte sie die Sache vom Vortag nicht vergessen und war noch etwas unsicher. Simon konnte ein Lächeln nicht unterdrücken als er sie sah. Sie lebte noch! "Hi.", gab er dann leise von sich. Sie lächelte ihn zurück an. Und Simon wandte den Blick ab, er tat so, als würde er an die Tafel schauen. Doch eigentlich hatte er gerade Alexandras Markierung gesehen... Sie war ein wenig größer geworden... Aber das hatte er bereits erwartet, schließlich ist etwas Zeit vergangen... Er musste in der Pause unbedingt ihre Todesursache sehen!
Zum Stundenende verließen alle den Raum, da nach der Pause jeder in einen anderen Kurs gehen würde. Er und Alexandra wollten ihr Pausenbrot draußen essen, einfach weil das Wetter gerade angenehm war und es in den Fluren immer etwas nach Staub roch, wegen des uralten Teppichbodens. "Sorry wegen gestern Alex. Ich war mies drauf und habs an dir ausgelassen. Natürlich will ich noch etwas mit dir zu tun haben.", entschuldigte sich Simon dann aufrichtig bei ihr, auch wenn er ihr damit nicht die ganze Wahrheit sagte. Sie schienen die Worte jedenfalls etwas aufgemuntert zu haben. "Alles gut. Vielleicht habe ich gestern ja auch etwas über reagiert.", antwortete sie leicht verlegen. Simon legte sein Brot beiseite und sah sie an, sobald sich ihre Blicke kreuzten, würde er herausfinden, wodurch sie sterben würde.
Doch so fest sein Entschluss auch gefasst war, überwältigte ihn die Szene, die er zu Gesicht bekam. Er sah Alexandra, wie sie in einem Dachgeschoss-Zimmer, das vermutlich ihres war, auf einem Stuhl stand. Sie Band ein Springseil um den großen Strebebalken an der Decke und legte ihren Kopf in die Schlinge. Sie zurrte diese fest, sodass sie recht straff war und sprang... Ihr Genick musste gebrochen sein, denn sie rührte sich nicht mehr und ihre leeren Augen starrten Simon entgegen. 
Diese Bilder waren so grausam und traurig zugleich, dass es Simon die Tränen in die Augen trieb und er aus Reflex die Augen schließen musste und den Kopf abwandte.
"Simon?! Was ist los, warum weinst du denn plötzlich?!", drang Alexandras besorgte Stimme an seine Ohren.
Zuerst war Simon versucht die Sache herunter zu spielen, doch ihm wollte keine plausibel klingende Ausrede einfallen. Außerdem wollte er nicht bis zu ihrem Tod mit der Wahrheit warten, wenn er ihn doch verhindern konnte! Allerdings wollte er ihr auch nicht einfach von seiner Fähigkeit erzählen, denn er hatte das Gefühl, dass sie ihm in dieser Situation nicht so einfach glauben würde. "Ups, ich wollte gar nicht weinen... Ich hab mich wohl etwas zu weit in meine Gedanken herein gesteigert... Weißt du, wegen dem was du gestern gesagt hattest... Wirst du in anderen Kursen ausgegrenzt?" Er wischte sich die Tränen weg und stellte die Frage einfach frei heraus, um herauszufinden ob sie wirklich vor hatte, sich umzubringen. Aber nachdem was er gesehen hatte, lag daran wohl kein Zweifel... denn sie hatte alleine auf der Brücke gestanden. Alexandras Blick schlug von Besorgnis in Betrübtheit um. "Lass mich raten, Elias ist mal wieder über mich hergezogen? Du hast doch bestimmt einen Kurs mit ihm zusammen, oder?" Doch Simon kannte keinen Elias, der in seinem Kurs saß, also schüttelte er seinen Kopf. "Wie auch immer... Ich hab seit ich vom Bio-Vor-LK in den Chemie-LK gewechselt bin, weil ich in Bio durchgefallen bin, nur ein einziges Mal eine 3 geschrieben... Ansonsten immer schlechter... Ich Blick einfach nicht mehr durch und das obwohl ich in der Regelschule auf einer 2 Stand! Lukas und Elias machen sich besonders lustig darüber... Ich kann nicht einmal mehr fragen stellen ohne dafür einen getuschelten Kommentar zu kassieren!", nun stiegen auch ihr die Tränen in die Augen. Simon konnte sich vorstellen, wie frustrierend das ganze sein musste und bestimmt war Chemie nicht ihr einziges Problem, denn wegen einem falsch gewählten Leistungs-Kurs nahm man sich doch nicht gleich das Leben! Zumindest hatte Simon Alex so kennengelernt und schätzte sie auch nicht unbedingt als ein emotional instablies Mädchen ein. Also versuchte er erstmal, das weinende Mädchen vor ihm zu trösten. "Ach das sind doch Idioten. Die sind bestimmt in einem anderen Fach super schlecht und lassen den Frust an dir aus... Sowas macht man einfach nicht! Ich sag dir bei so Leuten merkt man deutlich den Unterschied zwischen Bildung und Intelligenz." Alex begann zu grinsen, ein bisschen hatten seine Worte also geholfen. Und das obwohl er weder Pädagoge noch Psychologe war. Da kam ihm eine Idee: Er würde sich im Internet schlau machen, wie man mit mit Personen am besten umgeht, die Suizidgefährdet sind, denn das war Alex gerade. So könnte er sie gewiss von dem Gedanken abbringen, ohne, dass sie es bewusst wahr nahm oder von seiner Fähigkeit erfahren musste.
"Du hast mir aber immer noch nicht gesagt, warum Du eben geweint hast. Aber wenn du nicht darüber sprechen willst, is das ok.", stocherte Sie dann doch noch nach. Verdammt war dieses Mädchen scharfsinnig! Verlegen blickte Simon zur Seite. "Ja das wäre mir tatsächlich unangenehm... Aber du hast mir auch von deinen Problemen erzählt... Ich sag es dir ein Andermal in Ordnung?", versuchte Simon sich ein wenig aus der Situation heraus zu winden. Doch Alexandra zeigte Verständnis. "In Ordnung. Aber ich vergesse das nicht!", ermahnte sie ihn dann noch.
Die darauf folgenden Nachmittage, verbrachte Simon mit seinen Recherchen und es interessierte ihn sogar mit jedem neuen Beitrag zu diesem Thema mehr. Er musste wohl zuerst damit beginnen ihre Gestik und Mimik richtig zu deuten, denn die war im einiges komplexer und vielfältiger, als er jemals angenommen hätte.
Mit den Tagen öffnete sie sich ihm auch immer mehr und erzählte ihm von ihren Problemen in der Schule und auch zu Hause. Vermutlich wuchs ihr gerade einfach alles über den Kopf und da waren die kleinen Piesackereien ihrer Klassenkameraden nicht gerade hilfreich. Zumal diese scheinbar nicht besser zu werden schienen... Im Gegenteil... Sobald ein Tyrann die Schwäche eines anderen Menschen entdeckt hatte und dieser sich nicht dagegen wehrte, würden die Beleidigungen immer schlimmer werden und im Alter der Pubertät war es nicht selten, dass diese dann sogar zu tätlichen Angriffen ausarten konnten. So stand es zumindest in seinem Recherchematerial. Also gab Simon seiner für ihn mittlerweile besten Freundin die Ratschläge aus seinem Repertoire, von denen er meinte, dass sie am ehesten funktionieren würden.
Und es schien tatsächlich zu fruchten. Denn neben Alexandras persönlichen Problemen, hatte er auch einen seiner Kumpel gebeten, ihr in Chemie zu helfen, was ihr Selbstwertgefühl wohl stark steigerte. Denn die Markierung auf ihrer Wange die über die letzten Tage ihre gesamte rechte Wange und ihre linke Hand bedeckt hatten, waren nicht weiter gewachsen. Nach zwei Wochen waren sie sogar wieder ganz verschwunden gewesen, nämlich an dem Tag, als sie eine 3+ in einer Chemie-Klausur geschrieben hatte. Simon freute sich wirklich für Alex und war das erste Mal in seinem Leben stolz auf seine Gabe.
Doch wer jetzt denkt, dass die Geschichte
hier endet, den muss ich leider enttäuschen...
Es war kurz vor ihrem Abitur. Alle waren im Lernstress, als bei Alexandra wieder eine Markierung zu sehen war. Diesmal auf ihrer Stirn. Und sie war größer, als ihre erste Markierung am Anfang war. Simon wusste, dass ihre Noten eigentlich gut waren, ebenso waren die stöhnenden Kommentare ihrer Kollegen aus Chemie fast ganz verschwunden. Also musste es etwas anderes sein.
In der Pause, wenn sie wieder zusammen saßen, wagte er also einen Blick auf ihre Todesursache... Was er sah, war bei weitem nicht so blutig wie beim vorigen Mal, dafür aber umso grausamer für ihn... Denn er sah Alex und sich selbst in dem Bus, den er immer nach Hause nahm. Doch sie fuhr nie mit diesem Bus, was wohl bedeutete, dass er sie zu sich nach Hause eingeladen hatte. Der Bus musste wegen eines Radfahrers eine Gefahrenbremsung machen, die alle Insassen nach vorne Katapultierten, weil er auf der Landstraße mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war und vermutlich nie geahnt hätte, dass aus dem bewaldeten Feldweg plötzlich ein Radfahrer geschossen kommen würde. Doch das war nicht das schlimme daran... Nein... Das schlimme war, dass Alex starb, weil er auf sie drauf gefallen war. Er landete ungünstig mit dem Ellbogen auf ihrem Kehlkopf, weil er sich zuvor seinen Riemen am Rucksack einstellen wollte, so hatte er keine Hand frei, um sich festzuhalten oder die Arme nach vorne zu nehmen. Der Aufprall hatte ihre Kehle dadurch wohl zerquetscht, denn sie bekam keine Luft mehr und gurgelte vor sich hin. Doch bis der Notarzt eingetroffen war, hatte sie bereits keinen Puls mehr.
Auch wenn er sie nicht gerne tot sah, kam ihm diese Art zu Sterben doch schon ziemlich banal vor... zumal das Verhindern des Ereignisses mehr als einfach war. Er fasste in sich selbst einfach den Entschluss, dass er sie in nächster Zeit einfach nicht zu sich nach Hause einladen würde. Zumal Alexandra sowieso bei ihm noch nie zu Hause gewesen war. Als hätte der kecke bunte Fleck seine Gedanken gehört, verschwand er... und tauchte in etwas kleinerer Ausführung einfach an ihrem Kinn wieder auf! Moment... was hatte das zu bedeuten?! Sie schwebte immer noch in Todesgefahr? Nun wurde es Simon aber zu bunt! Also schluckte er einmal, ehe er sich ihren Neuen Todesgrund ansah.
Dieses Mal stand sie im Chemie-Raum der Schule. Er hatte mit ihr kein Chemie, weshalb er bis auf ein zwei Gesichter, mit denen er andere Kurse zusammen hatte, dort keinen kannte. Sie machten gerade scheinbar ein Experiment und sollten irgendetwas mischen. Doch einer ihrer Klassenkameraden stieß sie wohl von hinten an, sodass sie ihr Gemisch verschüttete und ihr direkt ins Gesicht in ihren vor Schreck geöffneten Mund spritzte. Sie Hustete und lief panisch zum Lehrer der alle Schüler aus dem Raum wies und sie an das Waschbecken mit dem Spezial-Hahn stellte, der extra dem Auswaschen von Augen diente. Alexandra begann zu weinen und schrie schon vor Schmerz, sie hatten wohl mit hoch konzentrierter Säure gearbeitet. Der Lehrer brachte auch sie aus dem Raum raus, wo die Säure die Luft mit ihrem ätzenden Geruch verpestete und rief den Notarzt. Doch ihre Atemwege waren wohl bereits verätzt, denn sie rang nach Luft, keuchte und brachte keinen Ton mehr heraus. Ihr zusehen zu müssen, wie sie erstickte, konnte Simon sich nicht mehr antun, also brach er seine Einsicht ab. Warum wollte das Schicksal dieses liebe Mädchen nur tot sehen?! “FUCK!“, brach es dann aus ihm heraus und er war stinksauer auf das Ganze... Alexandra sah ihn nur verwundert an, dann wurde ihr Blick ernst. “Du machst es schon wieder... du siehst mich wieder mit diesem eigenartigen Blick an... Da fällt mir ein, du hattest mir damals noch nicht gesagt, warum du plötzlich zu weinen angefangen hast! Los erzähl schon!“ Simon musste kein psychologisches Wissen anwenden um zu merken, dass sie stinkig auf ihn war... vermutlich hat das damals sehr an ihr genagt... “Stimmt... vielleicht ist es sogar besser, wenn ich dich einweihe... alleine schaffe ich das wohl nicht, wenn es so weiter geht.“, erklärte er ihr, nachdem seine Gedanken zu diesem Entschluss gekommen waren. Er hatte vorher schon öfters mit dem Gedanken gespielt es ihr zu sagen, doch immer Angst gehabt, sie würde ihm nicht glauben und wenn doch, dass sie womöglich Angst vor ihm bekommen könnte. Aber lieber hatte Alex Angst vor ihm, als dass sie starb... “Was?!“, fragte sie sichtlich verwirrt. Simon seufzte bedrückt. Es war wohl wirklich so weit gekommen... “Du wirst sterben. Ich kann das durch meine Fähigkeit sehen. So komisch es auch klingt. Aber das ist auch nicht das erste Mal, dass du vom Tod markiert wurdest...“, er versuchte so ernst wie möglich zu sein und ihr direkt in die Augen zu blicken, um seine Worte noch zu unterstreichen.
Alex schwieg erst, ihr Gesichtsausdruck war versteinert. Dann wurde ihr Blick sowohl ernst als auch ungläubig. “Mein Kopf glaubt dir nicht, aber du scheinst nicht zu lügen... ich würde es gerne mir selbst beweisen. Meine Fähigkeit erlaubt mir in die Erinnerungen anderer zu sehen. Wenn du meinen Tod wirklich gesehen hast, dann hast du eine Erinnerung davon. Ich mache das nur nicht wirklich gerne, weil ich dann oft dinge sehe, die ich nicht sehen möchte. Erinnerungen sind nämlich nicht nur Bilder, sondern auch Gedanken und Gefühle, also sehr intim. Ich mache das aber nur, wenn du damit einverstanden bist... Allerdings kann ich nicht versprechen, dass ich dir nur anhand von deinen Erklärungen glauben kann. Zumal du einmal sagtest, dass deine Fähigkeit wäre, kommenden Regen zu riechen.“ Bei ihren letzten Worten, konnte Simon nur stutzen und verlegen zur Seite blicken. “Ähm ja, das mit dem Regen hab ich als Ausrede erfunden, damit niemand von meiner eigentlichen Fähigkeit erfährt... eben weil ich irgendwie schon immer wusste, dass mir entweder niemand glauben würde, oder man mich meiden würde... ich mag meine Fähigkeit nicht, also wollte ich nicht, dass andere davon wissen, deswegen habe ich auch nie andere nach ihrer Fähigkeit gefragt, weil ich selbst nicht gefragt werden wollte... Aber ich glaube, deine Methode wäre die Beste Art es zu erfahren. Also tu es bitte, so könnten wir uns viele Diskussionen sparen.“, erklärte Simon dem Mädchen. Zögerlich, ging sie auf ihn zu und legte ihre Hände an seine Schläfen. Dann rauschten seine Erinnerungen an seinem inneren Auge vorbei, aber nicht weil er sich daran erinnerte, sondern weil Alex sie hervor geholt hatte. Sie brauchte eine Weile, bis sie die betreffenden Erinnerungen gefunden hatte. Simon versuchte ihr dabei zu helfen, indem er sich selbst bewusst daran erinnern wollte, auch wenn er nicht wusste, ob es was brachte. Nach einigen Minuten ließ sich dann mit kreide bleichem Gesicht von ihm ab und fasste sich ins Gesicht. “So siehst du die Welt? So sehe ich durch deine Augen aus?!“, fragte sie geschockt. Simon wich ihrem Blick aus und nickte nur stumm. Er hoffte, dass das nun nicht zu viel auf einmal für sie war. Doch sie schloss ihn stattdessen in die Arme. “Danke dass du dich so um mich sorgst! Ich bezweifle, dass ich jemals Jemanden getroffen habe, der meinen Tod zwei Mal verhindert hat und es wieder tun würde!“ Alexandras Stimme klang bebend, als würde sie gerade weinen. Doch das war gerade egal... Simon erwiderte die Umarmung und atmete ihren Duft ein. “Du bist wohl auch die Einzige, die jemals so auf meine Fähigkeit reagieren würde... Danke...“
Nach einigen Momenten, lösten sie sich wieder von einander, beide etwas peinlich berührt. Doch Simons Miene hellte sich sofort auf, als er ihr Gesicht sah. “Dein Mal ist verschwunden!“ Darauf hin grinste Alex. “Super, dann hat es wohl geklappt! Ich habe mir nämlich vorgenommen im Chemie-Unterricht keine der Säuren anzurühren! Unser Lehrer hatte uns von dem Projekt bereits erzählt, ich kann also auch einfach die Basen-Gruppe nehmen! Problem gelöst.“
Ab diesem Moment, waren die Beiden unzertrennlich. Und Alexandra war auch seitdem nicht mehr markiert worden. Zwar hatte Simon hin und wieder diese bunten Flecken an anderen Personen in seiner Umgebung gesehen, doch zwang er sich nicht dazu, sich jede Todesursache anzusehen. Allerdings würde er seine Fähigkeit hin und wieder nutzten, um Leuten zu helfen, die er kannte, oder die ihm Nahe standen. Natürlich ohne deren Mitwissen. In seinem gewählten Beruf hatte er nämlich mehr als genug Ausreden parat, um alles natürlich wirken zu lassen. Denn er war nun staatlich anerkannter Psychologe und Pädagoge.





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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 28.06.19 7:41
Blaue Flammen

„Da ist sie. Seht sie euch an.“
„Sie hat ihr Kind ermordet.“
„Und ihren Ehemann.“
„Sie ist eine Hexe.“
Immer mehr Menschen versammelten sich um sie, machten sich nicht einmal die Mühe zu tuscheln. Sie verklagten sie direkt. Sie zog die Kapuze tiefer in ihr Gesicht und schluckte das Schluchzen. Sie musste weg. Schnell. Bevor noch etwas schlimmes passierte. Etwas traf sie hart an der Schulter und warf ihren geschwächten Körper zu Boden. Neben ihr kullerte eine Kartoffel. Die Dorfbewohner wagten es nur langsam sich ihr zu nähern. Sie konnte es spüren, sie wollten auf sie eintreten. Sie am liebsten sofort lebend verbrennen. Sie musste aufstehen. Weiter gehen. Hier verschwinden. Aber ihr fehlte die Kraft. Sie wollte nur, dass es ein für alle Mal endete. Sie schloss die Augen. Vor ihren Augen blitzte das strahlende Lächeln eines jungen Mannes. Sofort saß sie wieder gerade. Nein, sie durfte nicht aufgeben. Nicht so! Schnell kämpfte sie sich auf die Beine, die plötzliche Veränderung in ihrem Verhalten ließ die Dorfbewohner ängstlich zurück schrecken. Sie nutzte die Chance und begann zu laufen. Verfolgt wurde sie nicht.
In ihrer kleinen Waldhütte angekommen verriegelte sie die Tür hinter sich und ließ sich zu Boden sinken. Kurz sah sie auf die Strickwunden an ihren Handgelenken und rieb sie etwas, nur um die Arme dann um sich selbst zu schlingen und sich klein zu machen. Vor wenigen Jahren war ihr geliebter Ehemann William an einer Krankheit gestorben. Nur wenige Monate danach starb auch ihr Baby. Seither war Eleanor alleine. Zu Beginn konnte sie die Mühle noch irgendwie am Laufen erhalten, doch immer mehr Leute hatten sich von ihr abgewandt. Ihre Freunde und Nachbarn hatten mit einem Mal jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen, niemand hatte das Mehl gekauft. Man hatte sie beschuldigt eine Hexe zu sein. Man hatte sie aus ihrem Zuhause verjagt, sogar aus dem Dorf. Die Dorfbewohner hatten gehofft, dass sie im Wald umkommen würde. Es war Glück, dass sie eine alte, leerstehende Holzfällerhütte gefunden hatte. Sie hatte sich versteckt, von Früchten und Fisch gelebt, es sogar geschafft das ein oder andere Häschen zu fangen. Doch nun mit Winteranbruch gab es nichts Essbares mehr, das sie einfach finden konnte. So würde sie den Winter nicht überleben. Geschwächt und müde wie sie bereits war, war es nur eine Frage der Zeit… 
Für einen Moment waren ihr die Augen zugefallen. Mit letzter Kraft schleppte sie sich an den Kamin, entfachte ein Feuer und setzte sich auf den Teppich davor. Sie starrte gedankenverloren in die tanzenden Flammen. Es dauerte nicht lange, da war sie eingeschlafen.


„Hexe!“
„Mörderin!“
„Monster!“
„Ketzerin!“
„Teufelsanbeterin!“
Eleanor öffnete die Augen. Sie war seltsam benommen. Nur langsam drangen die Laute in ihren Verstand. Ihr Kopf war seltsam schwer, sie konnte ihn nur mit viel Anstrengung heben. Ihre Augenlider flatterten ein wenig, bevor sie sich endgültig hoben. Um sie herum waren die Dorfbewohner versammelt, bewarfen sie mit Steinen, beschimpften sie und wünschten ihr den Tod. Sie wollte sich die Ohren zu halten, erst jetzt bemerkte sie dass sie ihre Arme nicht bewegen konnte. Nicht nur ihre Arme. Ihren gesamten Körper.
„Was…?“, entkam es ihr. Allmählich lichtete sich die dicke Nebelschwade in ihren Gedanken. Eleanor begriff, dass sie gefesselt war. Sie war mit einem Strick an einen Pfeiler gefesselt. Sie kämpfte gegen ihre Fesseln, doch sie hatte das Gefühl, dass sie sich nur enger um ihre Gelenke schnürten. Verzweiflung keimte in ihr auf, gemischt mit panischer Angst. Und ein anderes, mächtigeres Gefühl. Ihre Brust zog sich schmerzend zusammen, sie schluckte den Kloß in ihrem Hals und kämpfte ihn so hinab. Sie konnte sich nicht befreien. Sie war dem Hass der Leute schutzlos ausgeliefert. Die Beleidigungen prallten ein wenig an ihr ab, sie hörte sie täglich. Sie hatte sich daran gewöhnt gehasst zu werden.
„Miststück!“
Diese Stimme stach in ihren Verstand, die Tränen konnten nicht mehr gestoppt werden. Sie sah zu dem Mann, der unter den anderen Dorfbewohnern stand. Er stand da. Neben ihren früheren Freunden und Nachbarn. Neben der freundlichen Bäckerin an die das Mehl geliefert worden war. Neben dem Bauer und seiner tollpatschigen kleine Tochter, die sie mit Weizen beliefert hatten. Neben der blinden Hebamme, die ihr bei der Geburt geholfen hatte. Sie kannte jeden einzelnen. Und ganz besonders den dunkelblonden Mann, der sie hasserfüllt ansah. Ihr geliebter William. Für den sie von Zuhause weggelaufen war, zu ihm in eine andere Stadt. Dem sie vor Gott versprochen hatte, ihn auf ewig zu lieben. Aber er war tot! Er war in seinem Bett gestorben, während sie Wasser für ihn aus dem Brunnen geholt hatte! Das konnte nicht echt sein! Das war nur ein böser Traum!
„Das ist kein böser Traum“, ertönte die Stimme eines jungen Mannes. Er bahnt sich einen Weg durch die Dorfbewohner, direkt auf sie zu. Sein Gesicht war mit einer grinsenden Maske verdeckt. „Das ist kein Alptraum, liebe Eleanor. Das ist deine Bestrafung.“
Mit einem Mal hatte sie das Bedürfnis hinab auf ihre Füße zu blicken. Sie schluckte das Schluchzen und sah hinab. Nein. Sie war nicht einfach an einen Pfeiler gefesselt. Sie stand auf einem Scheiterhaufen.
„Wieso…?“, wimmerte sie in Verzweiflung, dabei kannte sie die Antwort. Sie fühlte sich mit einem Mal machtlos und schwach, verloren und hintergangen.
Der Mann legte den Kopf etwas schief. 
„Wir tun dir nichts. Und damit meine ich auch absolut nichts. Wir stehen nur da… und sehen zu.“
Eleanor fühlte sich seltsam ruhig, sie begann ihr Schicksal zu akzeptieren. Sie würde sterben. Sie konnte es nicht verhindern. Sie sah noch einmal zu William, wie er sie hasserfüllt ansah und sie eine dreckige Hexe nannte, sie beschuldigte dem Teufel ein Kind geboren zu haben, nicht ihm. Ihr Tod war das, was alle wollten. Es war für alle am besten so.
Niemand würde ihr helfen wollen. Niemand würde ihr helfen… Niemand würde… Niemand… 
In ihrer Brust breitete sich ein Schmerz aus. Keine Trauer. Keine Enttäuschung. Ein viel stärkeres Gefühl. 
Unter ihren Füßen begann etwas zu qualmen, es knisterte.
Sie kannte das Gefühl gut. Normalerweise verdrängte sie es.
Blaue Flammen züngelten langsam hoch.
Doch jetzt erdrückte das Gefühl sie. Nahm ihr die Luft zum Atmen.
Die Flammen schlugen hoch, nährten sich von ihr und verbrannten sie.
Es schmerzte. Es schmerzte so sehr, dass sie das Feuer nicht spüren konnte.
Einsamkeit.
Sie legte den Kopf wieder in den Nacken und schrie.


Mit einem lauten Keuchen fuhr sie aus dem Schlaf. Schweißperlen glänzten auf ihrer Stirn. Eleanor brauchte einen kurzen Augenblick um sich zu sammeln. Schon wieder dieser Traum. Er plagte sie seit ein paar Wochen. Nacht für Nacht starb sie einen qualvollen Tod in den Flammen. War das ihre Zukunft? Würde sie so enden? War sie vielleicht doch eine Hexe, wenn sie ihren eigenen Tod sah? Zögernd sah sie auf die langen Ärmel ihrer Kleidung. Als sie das letzte Mal nachgesehen hatte, hatte sie bemerkt, dass die Spuren des Stricks sich verdeutlicht hatten, die Haut auch tatsächlich aufgeschürft war und blutete. Sie atmete kurz durch und zog den Ärmel hoch. Augenblicklich verschlug es ihr die Sprache. Sie war wirklich eine Hexe. Das war ein Zeichen. Ihr Ende. Auf ihrem Arm sah sie Wunden einer starken Verbrennung. 
Einzelne Tränen rollten über ihre Wangen, während sich ihr Gesicht kurz zu einem Grinsen verzog.



Es klopfte an der Tür, sie bewegte sich nicht. Es klopfte stärker. Fordernder. Sie hob den Blick etwas und starrte in das kalte Feuer. Wann war es ausgegangen? Sie konnte sich nicht mehr bewegen. Wann war sie das letzte Mal aufgestanden? Ihre Glieder schmerzten vor Kälte und doch spürte sie den Schmerz kaum. 
Die Tür wurde eingeschlagen und Männer betraten ihre Hütte.
„Eleanor die Müllerin? Ihr werdet der Ketzerei und Ausübung schwarzer Magie beschuldigt. Ihr habt Euren Mann und Euer Kind damit getötet um sie zu opfern. Eure Bestrafung lautet… Tod durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.“
Sie lachte. Sie lachte laut und schrill. 
„S-Sie ist dem Wahn verfallen, sie wird uns töten“, wimmerte eine ängstliche Wache. Der Hauptmann wiederum schritt nur vor, packte sie am Arm und zerrte sie hoch, wollte sie auf die Beine stellen, doch sie spürte sie nicht mehr. Sie lachte weiter und weiter und sah ihn an. 
„Ihr seid zu spät“, kicherte sie, ohne es wirklich zu tun. Sie brach wieder auf die Knie, wobei er weiter ihren Arm hielt. Ihr Umhang rutschte von ihren Schultern. Zögernd schob der Hauptmann den Ärmel ihres Gewandes bis zu ihrer Schulter. 
„Alles Brandwunden, hehe. An den Armen. Den Beinen. Selbst der Unterleib“, gab sie schon beinahe stolz von sich. Das war nicht sie… oder? „Das Mädchen gehört mir!“ 
Sie sog scharf die Luft ein, sah den Hauptmann mit klaren Augen an.
„Rettet… mich...“, wimmerte sie ängstlich „… w-was ist das…? Wieso will es mich töten?“ 
Tränen kullerten über ihre Wangen. Was auch immer da war, was auch immer dieser Wahnsinn in ihr war, für den Moment war es weg. Aber nicht lange.
„Eleanor… Ihr wurdet verflucht. Der Fluch ist sehr mächtig und wird von sehr starken negativen Gefühlen angezogen. Trauer. Oder Schmerz. Oder-“
„Einsamkeit…“ Es war zu spät.
„Ja. Eleanor, mit Eurer Hilfe können wir den Fluch ein für alle Mal brechen. Ihr müsst nur-“ 
Zu spät.
„Eleanor?“
„Es ist zu spät!“, sprach ihr Mund, ohne dass sie es wollte. Sie hörte ihre Stimme schallend lachen, ohne es selbst zu tun. Ihr Körper bewegte sich von allein. Sie packte den Hauptmann und klammerte sich an ihn.
„Euch nehme ich mit, Hauptmann.“ 
Auf einmal stand Eleanor in Flammen. Sie schrie vor Schmerz. Es ging auf den Hauptmann über, die Flammen zehrten an ihnen beiden, bis irgendwann die Schreie verstummten. Das Feuer brannte weiter und hinterließ nichts als Asche. Der Fluch war entkommen.




Er stoppte seinen Wagen auf der leeren Straße und stieg für einen Moment aus. Er blickte auf die kleine Stadt, die nur noch wenige Kilometer entfernt war. Christian Crawford prägte sich für einen Moment die Silhouette der Stadt ein, nur um dann tief zu grinsen.
„Dieses Mal kriegen wir dich.“
Zur gleichen Zeit schreckte in besagter Stadt eine Schülerin aus einem Alptraum wach und rang nach Luft. Als sie sich einigermaßen beruhigt hatte, bereitete sich auf ihren Tag vor.
Ohne die roten Strickabdrücke auf ihren Handgelenken zu bemerken.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 05.07.19 22:07
Ihr habt abgestimmt und das Ergebnis sieht wie folgt aus:



  1. Segen oder Fluch? von @Ioreth mit 6 Stimmen
  2. Post Mortem von @Caligo mit 3 Stimmen
  3. Blaue Flammen von @Saddy-chin mit 1 Stimmen


Glückwunsch an alle Gewinner und vielen Dank an alle Teilnehmer! 

...
Der nächste Wettbewerb folgt bald...
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 06.07.19 15:39
Was nun folgen sind Reviews zu den einzelnen Geschichten durch die Jury. Nach dem Feedback zum letzten Mal, sind wir wieder zurück zum alten Format. Ein Review für eine Geschichte.
Wie immer der Disclaimer: Es ist nur eine Meinung und keine objektive Wahrheit. Es ist als Feedback gemeint und enthält eventuell den einen oder anderen nützlichen Tipp, wie man seine Geschichte noch besser machen kann. Es ist motivierend gemeint und sollten einige Worte etwas harsch für euch klingen, denkt dran: Wir sind auch keine Profis und lernen mit jedem Mal bisschen besser Feedback zu geben.
Gerne gebt uns auch Feedback zum Feedback oder schreibt euer eigenes Review, damit die Autoren nicht nur eine Seite hören, sondern viele verschiedene Meinungen!

Los geht es hier:
Post Mortem:

Die Geschichte Post Mortem handelt von einem Menschen mit einer undefinierten psychischen Störung. Zu Beginn sind wir in seinem Kopf und erleben einige Ausschnitte von Geschehnissen, deren Sinn sich uns zunächst nicht erschließt. In der Mitte wendet sich dann nicht nur die Story, sondern auch der Schreibstil des Autors: Nun sind wir außerhalb des Protagonisten und bekommen die Geschichte danach aus der Perspektive einer neuen Schwester erzählt, welche gerade eine Art Führung durch die Anstalt erhält. Hier treffen wir dann schließlich auf Mr Kosminski, einen Patienten. Es wirkt auf den Leser, als sie diese Person dieselbe, welche uns zu Beginn der Geschichte gezeigt wird. Bestätigt wird diese Vermutung mit dem Schluss, der dem Anfang der Geschichte gleicht.

Eine Zusammenfassung der Geschichte ist nicht einfach und spiegelt auch nicht das Lesevergnügen wieder. Anfang und Ende ist sehr lyrisch, beinahe könnte man es auch als eine Form des Gedichtes ansehen. Dies ist aber gewiss nicht jedermanns Sache und einige mögen nun vielleicht sagen: Gedicht? Verstößt das nicht gegen unsere Regeln? Ein Gedicht in Reinform würde dies tatsächlich, hier haben wir aber einen Grenzfall. Es ist lyrisch, aber noch kein Gedicht. Dies muss man nicht mögen, wir fanden aber, dass es ein interessanter Schreibstil ist.
Dadurch, dass die Sätze sehr kurz und wirr gehalten sind entsteht eine gewisse Spannung. Man liest es, ohne wirklich verstanden zu haben, was genau passiert. Und hofft darauf, am Ende eine Auflösung zu erhalten, die eine Art “wow”-Effekt auslöst. “Wie konnte ich das nicht schon vorher erkennen”. Leider hat diese Auflösung nicht so funktioniert, wie ich erhofft hatte. Der Autor hat mir persönlich zu viel Verwirrung gestiftet und zu wenig aufgelöst. Am Ende stand ich da und hatte noch immer ein großes Fragezeichen im Kopf. Was sehr schade war denn ich mochte die Idee der Story und den Aufbau wirklich sehr. Es ist nicht einfach einen Grad zwischen “zu wenig” und “zu viel” Erzählen zu finden, allerdings wäre es hier vielleicht hilfreich gewesen, wenn man die Geschichte von ein, zwei außenstehenden Personen durchlesen lassen hätte. Somit hätten diese Personen eventuell die gleiche Kritik geäußert wie ich und der Autor hätte noch etwas an der Umsetzung feilen können. Denn die Idee an sich ist wirklich sehr originell und interessant und hätte mit ein wenig Überarbeitung sicherlich einen der ersten beiden Plätze verdient. Denn auch der Wortschatz des Autors ist verblüffend und sollte definitiv gelobt werden. Die Tipps die ich also an den Autor reichen will wären einmal, solche schwierigen Geschichten vor der Abgabe von einem Dritten lesen zu lassen. Und eventuell immer sich selbst die Frage zu stellen, versteht der Leser was ich meine? Leser sind wirklich nicht dumm, viele Autoren denken sie müssten alles erklären und ziehen somit die Geschichte ins endlose. Der Autor von Post Mortem hat es sich getraut, den Leser selbst denken zu lassen, nur haben die Knackpunkte gefehlt. Alles im allem ist die Geschichte spannend zu lesen und mit etwas Feinschliff könnte sie wirklich sehr gut sein.
Segen oder Fluch?:

Die zentrale Frage, welche diese Geschichte beschäftigt, ist nicht schwer zu erahnen, schließlich steht sie bereits im Titel. In einer Welt, in der jeder eine besondere Superhelden-Fähigkeit hat, gibt es einen jungen Mann, der damit leben muss zu sehen, dass jemand bald sterben wird und auch noch wie diese Person sterben wird. Die Einführung des Protagonisten beschäftigt sich mit seiner Kindheit und wie er seine Fähigkeit erlernt und wie er damit umgeht. Wir folgen ihm bis in seine Schulzeit und dessen Ende, wo er wiederholt versucht den Tod auszutricksen.
Wie man schon bei der Zusammenfassung erkennen kann, trifft die Geschichte strukturell alle wichtigen Punkte. Es gibt eine kurze und vor allem interessante Einführung in den Hauptcharakter, sowie ein grober Umriss über die Welt (auch wenn man dort hinter den Möglichkeiten bleibt). Darauf folgt schnell die Erläuterung des Hauptkonfliktes dieser Geschichte: Er will seine Liebe vor dem Tod bewahren, während er gleichzeitig seine echte Fähigkeit nicht preisgeben will.
Bis zum Schluss gibt es einige Spannungsmomente. Auch wenn es hier keine echten Wendungen gibt, liest sich die Geschichte flott und man bleibt gerade bei den Gesprächen gerne am Ball, um mehr zu erfahren. Das Ende ist zwar wenig überraschend, rundet die Geschichte jedoch gut ab und bringt sie zu einem gelungenen Ende.


Hier haben wir also einen Fall von einer Geschichte, die schon gut ist und es wirklich jetzt in die “Für meinen Geschmack hätte das und das lieber passieren sollen”-Ecke gehen muss, um vielleicht doch noch einen Tipp an die Autorin mitzugeben.
Es ist etwas, was wir schon oft und mehrfach geschrieben haben, aber hier würde es vermutlich noch einmal zusätzlich Früchte tragen: Etwas mehr Zeit. Wir hätten gerne etwas mehr Zeit mit der Einführung verbracht und vielleicht die Welt an sich dem Leser etwas näher gebracht. Man könnte z.B. das erste Mal, als er die Flecken bei einem Menschen sieht, genauer beschreiben und diese Möglichkeit nutzen, um genauer herauszuarbeiten, warum er seine Fähigkeit überhaupt verschweigen muss. So wie es nun ist, scheint es so, als wäre es ihm nur unangenehm und peinlich. Man könnte es noch tragischer machen und vielleicht einen Fall aufzeigen, wo er die Fähigkeit preisgegeben hat und es schief lief. 
Des Weiteren wirkte der Reveal der Fähigkeit des Mädchens etwas plötzlich. Vielleicht hätte es an anderer Stelle eine Möglichkeit gegeben, ihre Fähigkeit anzudeuten oder vielleicht ist es auch gar nicht wichtig, was ihre Fähigkeit ist.
Weniger inhaltlich, aber wir müssen es noch einmal anmerken: Die Formatierung komplett zentriert zu machen, finden wir sehr unschön. Dies wirkt alles andere als professionell und stört unserer Meinung nach etwas den Lesefluss. Ebenso sollte man versuchen auf Farben zu verzichten und stattdessen über den Text deutlich zu machen, wer gerade spricht und nicht über die Formatierung.  In einem echten Manuskript wäre das alles sicher nicht erlaubt. Linksbündig oder Blocksatz wäre besser und bei Schrift-Dekorationen höchstens kursiv und fett zu verwenden.


Zum Abschluss möchten wir noch einmal ein bisschen interpretieren und versuchen die Frage im Titel der Geschichte zu beantworten. Der Protagonist sieht seine Fähigkeit zunächst eindeutig als Fluch. Zu sehen, wann jemanden etwas schlimmes passieren wird, deprimiert ihn und er versucht deswegen es einfach zu verdrängen. Als ihm das aber nicht mehr gelingt, fasst er eine Entscheidung. Seine Fähigkeit gibt ihm die Möglichkeit seine Liebe zu retten. Aber dennoch möchte er es nicht mit ihr teilen. Er will die Bürde ganz alleine tragen und erst als er fast daran zerbricht, öffnet er sich gegenüber anderen. 
Es ist also solange ein Fluch, wie man die Bürde alleine tragen will. Öffnet man sich jemandem, kann man die Fähigkeit in einer Form nutzen, die vorher nicht möglich gewesen war. Als das Mädchen von ihrem Tod im Chemieunterricht erfährt, beschließt sie selbst etwas dagegen zu unternehmen und der Fleck verschwindet. Und als der Protagonist einsieht, dass er nicht alleine den Tod ertragen muss, wird er dadurch stärker.
Man könnte es mit einer Schwäche vergleichen, die man gerne vor anderen versteckt. Wie ein Stottern, das man vertuscht, indem man einfach niemals spricht. Aber möchte man jemanden vor einer Gefahr warnen, muss man eben doch den Mund aufmachen und andere Menschen die eigenen Schwächen zeigen. Wenn man Glück hat, so wie der Protagonist hier, dann laden die Anderen einen in ihr Leben ein und helfen einem mit den eigenen Schwächen umzugehen und sie vielleicht sogar zu Stärken zu machen.

Wie wir finden, eine sehr schöne Aussage.
Blaue Flammen:

Viele sind der Ansicht, dass bei einer Kurzgeschichte schnell ins Geschehen eingestiegen werden sollte. Nicht ohne Grund fangen zwei der drei hier abgegebenen Geschichten direkt mit einem Gedankenfluss, einer lyrischen oder tatsächlichen Verfolgungsjagd an. Diese Denke kommt wohl noch aus den Kriterien, die wir aus der Schule irgendwie mitgenommen haben: Wenige Charaktere, direkt in die Action einsteigen, eine oder zwei Szenen und dann direkt Schluss. Grob umrissen sind das die Grundcharakteristika, die man uns beigebracht hat. Immer wieder haben wir über sie geredet. Und obwohl wir nicht sagen, dass sie falsch sind, sollte man nicht zwanghaft versuchen, sie einzuhalten, denn obwohl sie oft vorhanden sind, können sie, wie wir festgestellt haben, auch zu Stolpersteinen bei der eigenen Erzählung werden.
Nehmen wir diese Geschichte als Beispiel. Sie hat einen direkten Einstieg. Wir sind direkt mitten im Geschehen: Eine Frau wird beschimpft und verfolgt und beginnt kurz darauf zu rennen. Als Leser sind wir verwirrt und fragen uns: Warum wird sie verfolgt? Wer ist sie überhaupt? Diese Fragen werden relativ schnell beantwortet, dennoch verpufft die erste Action-Szene ohne große Wirkung, weil man nicht mit der Protagonistin mitfiebern kann, weil man sie auch gar nicht kennt. Das einzige, was man direkt über sie lernt ist, dass sie verfolgt wird. Allerdings bekommt man diese Information im nächsten Absatz noch einmal, in dem ihre gesamte Backstory erzählt wird.
Wir haben die Kriterien einer Kurzgeschichte erfüllt: Es gibt einen direkten Einstieg und wenige Charaktere und wir erfahren direkt etwas über sie - Es erscheint trotzdem nicht als die beste Art diese Geschichte zu erzählen. Dies ist eine verpasste Chance, denn das Grundmaterial ist bereits vorhanden. Die schwierigste Arbeit ist es immer, eine gute Idee zu haben. Hier ist es gelungen, aber das Potential der Geschichte ist noch nicht vollständig ausgeschöpft, weil die Idee nicht optimal erzählt wurde. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, die Geschichte eher zu beginnen. Den Zeitpunkt, an dem sie verflucht wurde vielleicht, dann eine Szene wie sie ihre Familie zu Grabe tragen muss und schließlich wie die Bewohner immer misstrauischer ihr gegenüber werden, wie sie anfangen sie auszugrenzen und es schließlich immer schlimmer wird. 

Auch wenn eine Kurzgeschichte auf das essentielle reduziert sein soll, brauchen manche Ideen mehr Raum, als das strenge Korsett der Charakteristika zulässt. Davon sollte man sich aber nicht abbringen lassen, vor allem, wenn man eine solche Idee wie hier hat. Die Twists könnten viel mehr Gewicht haben, die Geschichte noch mehr Tragik und Schwere und Bedeutung, wenn man ihr nur den Raum gibt, den sie braucht.
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Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch Empty Re: Kurzgeschichten-Wettbewerb - Fluch

am 07.07.19 14:34
Danke für die Tipps zur Kurzgeschichte. Ich muss dazu gestehen, dass ich erst recht spät von dem Wettbewerb erfahren habe und meine Geschichte eine Stunde vor Deadline eingereicht habe^^° Daher finde ich, bin ich gegen Ende mit meiner Wortwahl einfacher geworden und hab es leider etwas "schnell" beendet. Auch ist mir ein Fehler einmal in der Formatierung und einmal im Text passiert, weil die Szene von Alexandras Selbstmord ursprünglich eine andere war, die ich abgeändert hatte, habe ich zwei Zeilen später leider noch "Brücke" dort stehen gehabt. Ja, es war spät xD
Das mit der Zentrierung kann sein, dass es von außen schön aussieht, aber beim lesen tatsächlich etwas hindert, weil man leichter in der Zeile verrutscht.
Was die Färbung angeht, mache ich das immer, sowohl über Formatierung, als auch über den Text. Ich finde es schöner. Und in manchen Büchern gibt es das mittlerweile mit Sicherheit auch. Und wenn es Kinderbücher sind. Daher finde ich das Argument mit dem Manuskript nicht gerade tragend. Manche reichen ihre Kurzgeschichten wohl aus eben diesem Grund hier ein, wenn ihr das als Argument bringt. Zumindest erscheint mir das logisch.
Ich danke euch für eure Meinung über meine Geschichte und die Mühe, diese niederzuschreiben!^^
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